mini|Langhaus von Südwest (ab 1330) mini|hochkant|Chor, ab 1351 Das Heilig-Kreuz-Münster (von 1761 bis 1803 Stifts- und Kollegiatkirche zu Unserer Lieben Frau; umgangssprachlich Gmünder Münster genannt) in Schwäbisch Gmünd ist ein ab zirka 1320 als Stadtpfarrkirche errichteter gotischer Kirchenbau mit Hallenumgangschor. Das Münster ist kunsthistorisch bedeutend als Ausgangswerk der Baumeisterfamilie Parler und als erste große Hallenkirche Süddeutschlands. Das Langhaus war um 1341 fertiggestellt. Nach Einsturz der Türme zog sich die erneute Fertigstellung der vollständigen Hallenkirche bis 1521 hin.

Das Patrozinium wechselte von Beginn an zwischen Unserer Lieben Frau und Heilig Kreuz. 1926 wurde durch Bischof Paul Wilhelm von Keppler das Gmünder Münster, wie es umgangssprachlich – wie in Süddeutschland üblich – wegen seiner Größe seit dem Bau genannt wurde, zum Münster zum Heiligen Kreuz erhoben. Durch diesen Schritt war das Patrozinium auf Heilig Kreuz festgelegt. Durch die Umbenennung wurde der umliegende Kirchplatz ebenfalls in Münsterplatz umbenannt.

Heute ist das Münster Gemeindekirche der katholischen Heilig-Kreuz-Münstergemeinde und ihrer Belegenheitsgemeinde, der italienischen Gemeinde San Giovanni Bosco, sowie Hauptkirche der Seelsorgeeinheit Schwäbisch Gmünd-Mitte.

Die Münsterbauhütte ist seit 2020 als Teil des Bauhüttenwesens in das Register guter Praxisbeispiele der UNESCO eingetragen.

Baugeschichte mini|Grundriss 1890

Chronologie um 1325–1341: Langhaus 1351–1410: Chor 1491–1504: Einwölbung des Chors 1497: Einsturz der romanischen Chorflankentürme des Vorgängerbaus, die nicht ersetzt werden. 1504–1521: Einwölbung des Langhauses 1552: Renaissance-Empore im Langhaus-Westjoch 1769: Barocker Dachreiter

14.–15. Jahrhundert: Baubeginn und Konstruktion des Langhauses mini|Chorhaupt mit Kapellenkranz Das Münster ist nicht der erste Kirchenbau an dieser Stelle. Es wurde um eine 200 Jahre ältere, mit höchster Wahrscheinlichkeit dreischiffige, romanische Basilika, vermutlich in Größe und Anordnung der Gmünder Johanniskirche entsprechend, gebaut. Diese wurde dort nach Schätzungen des Landesdenkmalamtes im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts errichtet. Die Türme, die für den Neubau bis zu ihrem Einsturz 1497 übernommen wurden, waren aber erst um 1210 an den Vorgängerbau angefügt worden. mini|hochkant|links|Grundstein des Chores am nörd­lichen Chorportal mini|Langhaus zum Chor mini|Spätgotisches Netzgewölbe des Chors (ab 1491) Der Baubeginn des Langhauses ist in der Literatur kontrovers angesetzt und reicht von 1310 bis 1330, wobei die neuere Literatur von um 1320 bis 1330 ausgeht. Der Bau wurde zunächst unter einem unbekannten Baumeister begonnen, der aber schon an anderen Bauwerken, wie zum Beispiel am Straßburger Münster oder am Münster in Salem mitgewirkt haben soll. Die Fertigstellung des Langhauses kann auf 1341 datiert werden. 2020 wurde eine 675 Jahre alte Ablassurkunde aus dem Jahr 1345 zu Gunsten des Baus des Münster im Hauptstaatsarchiv Stuttgart durch den Gmünder Stadtarchivar David Schnurr entdeckt, die damit auf die Zeit zwischen Fertigstellung des Langhauses und dem Baubeginn des Chores datiert. Sie wurde am 13. Mai in Avignon von zwölf Erzbischöfen respektive Bischöfen ausgefertigt.Heilig-Kreuz-Münster: Stadtarchivar veröffentlicht 655 Jahre alte Ablassurkunde, Beitrag der Rems-Zeitung vom 2. Dezember 2020.Ablassbrief und Beschreibung im Ostalbum, eingestellt von David Schnurr am 20. November 2020. Der Baubeginn des Hallenchores erfolgte erst zirka zehn Jahre später und ist durch den Grundstein am Chornordportal am 17. Juli 1351 belegt; seine Fertigstellung wird durch Holzproben auf 1381 datiert. An diesem Bauabschnitt war vor allem die Baumeisterfamilie Parler beteiligt. Während es unklar ist, ab wann sich Heinrich Parler (vermutlich aus Köln) in Schwäbisch Gmünd ansiedelte, wird heute davon ausgegangen, dass dies kurz nach Baubeginn gewesen war, vermutlich zwischen 1331 und 1333. Ab dem zweiten Joch des Langhauses ist die Bauweise Heinrich Parlers zu erkennen. Nach dem Tod Heinrich Parlers vor 1372 übernahm Johann Parler den Bau. Der Zeitraum zwischen 1381 und dem Jahr der Weihe des Hochaltars 1410 wurde höchstwahrscheinlich nur noch für den Innenausbau genutzt, das Gebäude an sich bestand schon. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Münster eine Holzdecke. Die von der Parlerwerkstatt modellierten Masken an den Konsolsteinen mit den fließenden plastischen Übergängen der Volumina und Vertiefungen werden von einer inneren Dynamik der Masse durchdrungen, wie auch die Masken, die auf dem starken Kontrast der gespannten Volumina und des leeren Raumes aufgebaut sind.

15.–17. Jahrhundert: Einwölbung, Turmeinsturz, Wiederaufbau, Fertigstellung, Ausstattung Über 80 Jahre nach der Weihe, um 1491, wurde mit der Einwölbung begonnen, wofür die Baumeister Aberlin Jörg und wohl nach ihm Hans von Urach nach Schwäbisch Gmünd kamen. Am 24. März 1497 ereignete sich die große Katastrophe: In der Karfreitagnacht stürzen beide romanischen Türme ein. Verletzt wurde dabei niemand. Grund für den Einsturz war nach einer Äußerung um 1800 die Entfernung eines Bogens, der die Türme verband und stützte, jedoch die Sicht in den Chor versperrte. Die Wiederaufbauarbeiten am Münster kamen nur langsam voran. Für einen Wiederaufbau der Türme fehlten Geld und Wille. 1507 war die Schreyerkapelle an der Stelle des Nordturmes, 1515 die Sakristei an der Stelle des Südturmes fertiggestellt. 1521 konnten vermutlich die letzten Einwölbearbeiten abgeschlossen werden. mini|hochkant|Westfassade mini|hochkant|Barocker Dachreiter mini|hochkant|Beim Bau genutzter Kran im Dachstuhl 1550 wurden die Kanzel und das heutige Chorgestühl eingebaut. 1552 wurde die steinerne Orgelempore im Renaissancestil von Hans Mautz errichtet. Das hölzerne Orgelprospekt mit zweiter Empore wurde 1688 von Johann Michael Maucher fertiggestellt. Von diesem Zeitpunkt ab gab es im Münster nur noch kleinere bauliche Veränderungen. Die größte stellt 1769 der Neubau des Dachreiters dar. Dessen Existenz ist zwar vor 1769 nicht beurkundet, doch zeigen mehrere Abbildungen, unter anderem der Merianstich von 1643, bereits einen Dachreiter.

20.–21. Jahrhundert: Schließung und Sanierung Am 21. Oktober 1975 wurde das Münster aufgrund von Einsturzgefahr geschlossen, nachdem sich zuvor Gewölbeteile gelöst hatten und zu Boden gestürzt waren. In den darauffolgenden Jahren wurden umfangreiche Sanierungsarbeiten durchgeführt, die erst 2009 abgeschlossen werden konnten. Seit dem Jahr 2020 wird das Münster erneut saniert. Die Sanierung soll zehn Jahre andauern.Edda Eschelbach: Zehn Jahre lang wird das Heilig-Kreuz-Münster generalsaniert, Meldung auf remszeitung.de vom 3. Februar 2020.

Architektur mini|Tympanon des südlichen Chorportals (um 1360)

Maße Die Höhe des Münsters mit Dachreiter beträgt 51 Meter, wobei die Höhe bis zum Dach 22 m, des Daches 19 m und des Dachreiters 12 m beträgt. Die Länge des Münsters ist 78 m, wobei davon 45 m auf das Kirchenschiff und 33 m auf den Chor entfällt. Die Breite des Schiffes ist 24 m, die des Chores 28 m.

Konstruktion Das Münster ist eine gotische Hallenkirche mit Hallenumgangschor. Die Außenmauern des Langhauses sind in Massivbauweise gebaut, was zu dieser Zeit eher unüblich war, da man in der Gotik die Skelettbauweise bevorzugte, da diese mehr und größere Fenster zuließ, was gleichzeitig mehr Licht bedeutete, was für den gotischen Geist von Wichtigkeit war. Die Fenster sind dort so gestaltet, dass möglichst viel tragende Mauer zur Verfügung steht und trotzdem das Innere gut ausgeleuchtet ist, was sich bei Hallenkirchen schwieriger gestaltet, da hier der Obergaden im Langhaus wegfällt. Auch der Obergaden im Chor ist in Massivbauweise entstanden, nur die Kapellen im Kapellenkranz, die Schatzkammer, die Schreyerkapelle und die Sakristei sind in der Skelettbauweise errichtet, was man zum Beispiel auch an den großen, die Fläche ausfüllenden Fenstern erkennen kann. Der untere Teil des Chors besteht aus Spitzbogenarkaden, die den Obergaden stützen. Die Ausnahme bildet die Schatzkammer, die vollkommen massiv erbaut ist. Von außen wird die Fassade durch Strebepfeiler gestützt, die von einer Fiale gekrönt werden und die an den äußeren Ecken der Westfassade als Diagonalstrebepfeiler errichtet wurden. Das Gewölbe, welches erst 80 Jahre nach der Weihe eingezogen wurde, dient rein zur Zierde, weshalb es auch besonders reichhaltig gestaltet wurde. Das prächtig gestaltete Netzgewölbe im Chor mit seinen aufwendigen Schlusssteinen wird als ein besonderer Vertreter seiner Zeit angesehen. Im Innenraum wird das Gewölbe von 22 Säulen getragen.

Das Dach ist vom Westen her ein Satteldach, an das sich im Osten, über dem Chorabschluss, ein Zeltdach anschließt. Die Kapellen des Kapellenkranzes besitzen ein Pultdach. Der Chor selbst ist ein 7/12-Hallenchor, was bedeutet, dass der Chor vorne mit sieben Ecken ein Halbrund bildet, das insgesamt ein Zwölfeck bildet.

Eine weitere Besonderheit, die man heute nicht mehr in Augenschein nehmen kann, hängt mit den ehemaligen Türmen des Münsters zusammen. Trotz ihrer Existenz wurde das Dach des Langhauses und des Chores auf demselben Niveau so gebaut, sodass eine Verbindung nach der Katastrophe möglich war. Auch wurden die Türme nicht fest mit dem Münster verzahnt, was heute als Indiz dafür gesehen wird, dass die vorhandene Lösung mit den beiden romanischen Türmen nicht für die Ewigkeit gedacht war. Jedoch war diese Konstruktion die Rettung des restlichen Münsters. Wären die Türme fest verzahnt gewesen, hätte dies in nachträglicher Sichtweise den Einsturz des gesamten Münsters bedeutet.

Dass der Innenraum größtenteils aus Maßen, die durch drei teilbar sind, besteht, ist wahrscheinlich nicht auf die Heiligkeit dieser Zahl zurückzuführen, wie dies meist behauptet wird, sondern auf das Parler’sche Grundmaß, das vermutlich 32 cm beträgt. So messen die skulptierten Konsolen am nördlichen Langhausportal 32 cm, die Fenstersohlbank der Chorkapellen 64 cm, und bei vielen verbauten Quadern taucht bzw. tauchte ebenfalls die Länge 32 cm auf. Außerdem kann man feststellen, dass die Quadraturzeichnung des Chorgrundrisses, des Chorportals und der Chorwand im Zentrum ein 32-cm-Quadrat enthält.

Das Münster wurde aus Stubensandstein, der in der Gegend um Schwäbisch Gmünd ansteht, und Holz gebaut. Bei den zahlreichen Renovierungen und Ausbesserungen wurde aber im Laufe der Zeit unterschiedlicher Sandstein verbaut. Die größten Anteile anderer Sorten bilden der Obernkirchener Sandstein aus Niedersachsen und der Rudersberger Sandstein. Zwischenzeitlich wurde auch Muschelkalk verbaut.

Das Problem des Sandsteins ist, dass er sehr leicht Wasser aufnimmt und von den Schadstoffen in der Luft zersetzt wird, weshalb seine Lebensdauer sehr begrenzt ist. In einer Zeit zunehmender Luftverschmutzung wird dies immer mehr zum Kostenfaktor und zum Problem in der Erhaltung.

Portale Nördliches Langhausportal Sein Tympanon enthält zwei Szenen von verschiedenen Bildhauern. Oben befindet sich eine etwas unbeholfen ausgeführte Geburtsszene in Bethlehem, darunter eine reifer ausgeführte Huldigung der Heiligen Drei Könige, beide wohl aus dem 14. Jahrhundert.

1948 wurde die ursprüngliche Verkündigungsgruppe (Maria und Erzengel Gabriel) geborgen und durch eine moderne Verkündigungsgruppe von Jakob Wilhelm Fehrle ersetzt. Die beiden Figuren aus getöntem Steinguss wurden von Peter Spranger als „zwei kühne Fremdkörper am gotischen Bau“ bezeichnet.Peter Spranger: Heilig-Kreuz-Münster Schwäbisch Gmünd. Einhorn-Verlag, Schwäbisch Gmünd, 2000, S. 8. Die Originale aus dem 14. Jahrhundert befinden sich heute hinter ihnen im Inneren der Kirche.Hermann Baumhauer: Das Heilig-Kreuz-Münster zu Schwäbisch Gmünd. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, 1981, S. 34.

Südliches Langhausportal