mini|Das in Europa heute übliche Taxischild (schematisiert) Die Geschichte des Taxis umfasst den gesamten Zeitraum, in dem Menschen gegen Entgelt eine persönliche Transportmöglichkeit durch andere Personen wahrnehmen. Sie reicht entsprechend von den bezahlten Chaisenträgern früher Zeiten, die andere mittels ihrer eigenen Muskelkraft beförderten, zur historischen Kraftdroschke, bis zum heutigen Personentransport mit Kraftfahrzeugen, Booten und Kleinflugzeugen. Entsprechend den dazu benutzten Verkehrswegen lassen sich heute Straßentaxis, Wassertaxis und Lufttaxis unterscheiden. Der Taxiverkehr wandelte und erweiterte sich mit den verkehrstechnischen Möglichkeiten. Die Geschichte des Taxi lässt sich als eine quantitative und eine qualitative Entwicklung verstehen. Die quantitative versteht sich aus einem mit dem technischen Fortschritt immer breiter gewordenen Angebot an Beförderungsmöglichkeiten, die qualitative aus den steigenden Ansprüchen der Beförderten an Komfort, Sicherheit und Schnelligkeit der Transportmittel. Die Geschichte des Taxi zeigt sich damit als ein Begleitgeschehen zur Entwicklung des Verkehrswesens und zu den Fortschritten der menschlichen Zivilisation. In diesem langen Zeitraum hat das heute international allgemein unter der Bezeichnung „Taxi“ bekannte Phänomen zahlreiche unterschiedliche Namensgebungen erfahren, die teilweise bis heute fortbestehen.

Mit Muskelkraft betriebene Taxis Chaisentaxi mini|links|Hochherrschaftlicher Palanquin in Rio de Janeiro (Brasilien) um 1770 mini|Japanische Sänfte um 1867

Die früheste Vorform des menschlichen Transports, die allerdings zunächst nur einer reichen Oberschicht in den Hochkulturen von China, Mesopotamien, Ägypten und später Reisenden in armen Ländern vorbehalten blieb, ist das Chaisentaxi (auch Sänfte oder Palanquin genannt). Sänften waren von Menschen oder Tieren an Stangen getragene Transportsessel oder geschlossene Transportkammern. Sie dienten hohen Würdenträgern als sogenannte Portechaisen, die einerseits dem Straßenpublikum den Rang des Getragenen verdeutlichten und andererseits den unmittelbaren Kontakt mit dem Schmutz und Unrat der Wege vermeiden halfen. In der frühen Zeit hatten in der Regel Sklaven die Arbeit des Sänftenträgers zu verrichten.Carlos Juliao und das Bild der schwarzen Sklaven im späten achtzehnten Jahrhundert Brasilien, In: Slavery & Abolition, Band 23 (2002), S. 125–146 Seit dem 17. Jahrhundert standen Sänften in Europa auch zur allgemeinen öffentlichen Nutzung in größeren Städten zur Verfügung. So wurden beispielsweise zum 1. Januar 1638 auf Veranlassung von Kurfürst Friedrich Wilhelm vor dem Berliner Rathaus 12 Sänften mit 24 Trägern für den innerstädtischen Nahverkehr eingerichtet.

Im Rahmen von staatlichen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen wurden die aus Frankreich eingewanderten Hugenotten zu den ersten zunftmäßigen Betreibern des Gewerbes der Chaisenträger.Gerhard Fischer: Die Hugenotten in Berlin, Hentrich & Hentrich Verlag, Berlin 2010 Später übernahmen in Gefangenschaft geratene Türken diese zunehmend von der Bevölkerung in Anspruch genommene Aufgabe. Aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse konnte sich das Chaisentaxi, etwa in Wien und Dresden, teilweise noch bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts gegen die Konkurrenz der aufkommenden Fiaker und Droschken behaupten.

Laufrikscha mini|links|Laufrikscha in Tsingtau (China) 1914 mini|Laufrikscha in Japan, Ende des 19. Jahrhunderts mini|links|Mit menschlicher Muskelkraft betriebenes Taxi (Rikscha) in Kalkutta (Indien) 2004 mini|Fußgängertaxi (Rikscha) in Indien, 2012

Mit dem Aufkommen der sogenannten Laufrikscha, einem Fußgängertaxi, wurden die zu befördernden Gäste nicht mehr getragen, sondern in einem zweirädrigen Gefährt, das in Asien den Namen Rikscha erhielt, transportiert. Dazu waren nicht mehr vier bis sechs Menschen für eine Personenbeförderung nötig. Für die Beförderung einer Person reichte je nach Straßenverhältnissen in der Regel ein Rikschabetreiber, der sich als menschliche Zugkraft zwischen zwei Stangen vor das auf Rädern rollende Fahrzeug einspannte. Zur Bewältigung längerer Strecken und schwieriger Passagen, z. B. eines steileren Geländes, wurde ein Helfer angeheuert. Solcherart muskelkraftbewegter Fußgängertaxis sind heute selten geworden, aber noch vereinzelt, beispielsweise im dichten Verkehrsleben der indischen Straßen, vor allem in Kalkutta, zu beobachten. In Japan sind Laufrikschas heute noch für kurze Transportwege, besonders als Touristenattraktion, in der Nähe von Sehenswürdigkeiten anzutreffen.

Fahrradtaxi mini|links|Fahrradtaxi (Rikscha) in Kathmandu (Nepal) 2013 mini|Velotaxi in Moskau (Russland) 2007 mini|links|Fahrradtaxi für zwei Fahrgäste in Hamburg (Deutschland) 2004 mini|Velotaxi in Hamburg (Deutschland) 2006

Mit dem Aufkommen des Fahrrads als individuelles Fortbewegungsmittel und der Verbesserung der Straßenverhältnisse wurde die Fußgängerrikscha zunehmend durch sogenannte Fahrradtaxis ersetzt, die in ihrem größten Verbreitungsraum, den asiatischen Ländern Rikscha, in Ländern wie Österreich Velotaxi und in Afrika Bodaboda genannt wurden. Als Komfortangebot konnten die Fahrgäste ein offenes oder geschlossenes Verdeck wählen, das sie vor Staub und Regen schützte. Fahrradrikschas hatten den Vorteil, die Fahrgäste schneller und über größere Entfernungen befördern zu können. Sie werden auch heute noch, in einer modernen Formgebung und in den Sicherheitsanforderungen dem gewachsenen Verkehrsaufkommen angepasst, in vielen größeren Städten der Welt wie beispielsweise Hamburg, Berlin, Moskau oder Kathmandu für den Personennahverkehr oder als Touristenattraktion angeboten.

Pferdebespannte Taxis Fiaker mini|Traditioneller Fiaker in Wien (Österreich) 2004

Mit den Fiakern begann in Frankreich die Zeit der Pferdetaxen, nachdem der Pferdehändler Nicolas Souvage im Jahre 1662 in der Rue de Saint Fiacre von Paris ein Lohnkutschenunternehmen gegründet hatte. Straße und Gefährt wurden nach dem irisch-französischen Einsiedler Fiacrius benannt, der gleichzeitig zum Namenspatron der Fiaker wurde. Der neue Ausdruck bezeichnete sowohl die Kutsche als auch den Kutscher des auf Lohnbasis arbeitenden Gefährts.

In Wien wurde 1693 die erste Fiakerlizenz erteilt, und um 1700 verkehrten bereits etwa 700 Lohnkutschen in der Stadt.Barthel F. Sinhuber: Die Fiaker von Wien. Dachs-Verlagsgesellschaft, Wien 1992 Fiaker sind traditionell als Zweispänner ausgelegt, was außer dem Kutscher eine Beförderung von bis zu fünf Personen ermöglichte. Fiaker sind je nach Wetterverhältnissen mit offenem oder geschlossenem Verdeck nutzbar. Die seit 1785 bestehende Zunft der Fiaker wurde für das Außenbild von Wien schließlich so prägend, dass anlässlich ihres hundertjährigen Bestehens im Jahre 1885 das sogenannte Fiakerlied entstand, das zu einem der bekanntesten Wienerlieder werden sollte und mit der Textumdichtung des ersten Verses „I führ’ zwa harbe Rappen“ in „I hab’ an alten Daimler . . .“ durch den Schlagerdichter Fritz Löhner zu einer Art Standeslied der Taxifahrer avancierte.Elisabeth Theresia Fritz, Helmut Kretschmer: Wien, Musikgeschichte: Volksmusik und Wienerlied: Teil 1. LIT, Wien 2006, S. 366.

Aus den Versen des Liedes klingt der Berufsstolz des Wiener Fiakers heraus:

„Vom Stamm zum Lusthaus fahr’ i’s in zwölf Minuten hin;

Mir springt kans drein net in Galopp,

Da geht’s nur allweil trapp, trapp, trapp;

Wann’s nachher so recht schießen, da spür’ i’s in mir drin,

Dass i die rechte Pratzen hab, dass i Fiaker bin.

A Kutscher kann a jeder wer’n,

Aber fahren kinnans nur in Wean.“

Und der Refrain des Liedes lautet:

„Mei’ Stolz is, i’ bin halt an echt’s Weanakind,

A Fiaker, wie man net alle Tag’ find’t,

Mein Bluat ist so lüftig und leicht wie der Wind,

I’ bin halt an echt’s Weanerkind.“

Die traditionellen Fiaker haben sich in Österreich heute hauptsächlich nur noch in Salzburg und Wien als Lohnkutschen-Angebote für touristische Stadtrundfahrten und für Feierlichkeiten wie den Transport von Hochzeitsgesellschaften zum Rathaus oder zum Gottesdienst erhalten. Auch in den tschechischen Bäderstädten Karlsbad und Marienbad bestimmen die Fiaker noch heute das Altstadtbild. In Rom plant die neue Bürgermeisterin, die Pferdekutschen als Störfaktoren aus dem Stadtverkehr zu verbannen.Roms Bürgermeisterin will Fiaker aus Stadt verbannen orf.at, 19. Oktober 2016, abgerufen am 3. Februar 2017.

Pferdedroschke Nach dem Vorbild der Fiaker entstanden in Deutschland die sogenannten „Droschken“. Der Ausdruck Droschke bildete sich aus dem russischen Wort „drožki“ (). Er kennzeichnete zunächst ein Gefährt, das von Pferden gezogen wurde und daher auch als „Pferdedroschke“ bezeichnet wurde.Wolfgang Pfeifer u. a.: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, Deutscher Taschenbuch Verlag, 8. Auflage, München 2005, S. 246 Der Kutscher hieß Droschkenkutscher. Die ersten Droschken, mit denen der Dessauer Pferdehändler Alexander Mortier und Unternehmer Israel Moses Henoch um das Jahr 1815 einen Mietkutschendienst aufbauten, kamen aus dem polnischen Warschau in die preußische Hauptstadt Berlin. Das Unternehmen führte im Jahre 1827 bereits 120 Droschken in der Stadt. Berliner Nahverkehr vor 1900, Geschichte Berlins, abgerufen am 3. Februar 2017 Zur genauen Identifizierung waren sie mit Nummern versehen.

mini|links|Leo Lesser Ury: Damen, einer Droschke entsteigend, 1920 mini|Moderner Kremser, Dinkelsbühl (Deutschland) 2008

Durch populäre Bücher wie den Roman „ Der eiserne Gustav“ von Hans Fallada und entsprechende Verfilmungen mit Heinz Rühmann und Gustav Knuth verbanden sich die Vorstellungen vom Droschkenwesen in der Folgezeit eng mit der Stadt Berlin. Nach dem berühmten Droschkenkutscher Simon Kremser bekam die Droschkenart auch die Bezeichnung „Kremser“.Josef Ihle: Von der Pferde-Droschke zur Auto-Taxi. 100 Jahre Geschichte des Droschken-Gewerbes, Verlag Heinrich Vogel, München 1958 Mit dem Kremser setzte die Entwicklung zur Einführung eines Taxi-Linienverkehrs und der Beförderung von größeren Personengruppen ein. Als unübersehbare Zeiterscheinung haben Droschken auch in künstlerische Darstellungen Eingang gefunden, etwa in dem Gemälde des impressionistischen Malers Leo Lesser Ury (7. November 1861 bis 18. Oktober 1931) des Jahres 1920.(siehe Bild)

Cab mini|Ein Hansom Cab 1877 in London

In den Straßen des britischen London erschien seit dem Jahre 1588 eine Kutschenart, die als Abkürzung des französischen Begriffs cabriolet „Cab“ genannt wurde und einen zweirädrigen, offenen, einspännigen Pferdewagen bezeichnete, der zwei bis drei Personen als Mietkutsche zur Verfügung stand. Nach der als Kutschpferde bevorzugten Pferderasse Hackney wurden das Gefährt als zweirädriges „Hackney Cabriolet“ oder vierrädriges „Hackney Carriage“ in den Taxidienst gestellt. Beide Ausdrücke standen im Englischen als Kurzwort für „Taxi“. Als der Konstrukteur Joseph A. Hansom um das Jahr 1834 eine neue Kutschenform erfand und baute, die von einem rückseitig erhöhten Kutscherbock aus über die Gastkabine hinweg gelenkt wurde, entstand der Name Hansom Cab für eine Taxiform, die das Straßenbild des viktorianischen London beherrschen sollte. Ähnlich der Droschke auf dem Festland, wurde der Name Cab übernommen, als bereits Motor-Cabs die Pferde-Cabs abgelöst hatten. In New York werden die gelben Taxen noch heute als „Yellow Cab“, offiziell als New York City Taxi Cab, umgangssprachlich als „Taxi Cab“, bezeichnet.

Motorkraftbetriebene Taxis Autotaxi mini|links| Hansom Cab, als Pferde- und Motortaxi, um 1904 mini|Die erste Berliner Kraftdroschke, Berlin (Deutschland) um 1900