mini|John Lydon (2025) John Joseph Lydon, Künstlername Johnny Rotten (* 31. Januar 1956 in London), ist ein britischer Sänger. Ab 1976 wurde er einem größeren Publikum bekannt als Mitglied der skandalträchtigen englischen Punkband Sex Pistols. Nach deren Auflösung 1978 gründete er das experimentelle Post-Punk-Musikprojekt Public Image Ltd.

Kindheit und Jugend John Lydon wurde als Sohn eines irischen Einwanderers geboren.Interview mit Max Fellmann. In: Süddeutsche Zeitung Magazin, 17. März 2017, Nr. 11, S. 16. Er ging von 1961 bis 1967 in der katholischen Our Lady of the Sacred Heart Primary School in Islington zur Grundschule.John Lydon: Rotten – No Irish, No Blacks, No Dogs. US-Erstausgabe. St. Martin’s Press, 1994, S. 19. 1964 erkrankte er an Meningitis und musste drei Monate langInterview mit Lydons Vater. In: Musician-Magazin USA, 6/1986, S. 70. im St Ann’s Hospital, Haringey, London stationär behandelt werden.John Lydon: Rotten – No Irish, No Blacks, No Dogs. St.Martin’s Press, 1994, S. 43 (US-Erstausgabe) Aufgrund der Meningitis lag er sieben Monate im Koma. Die Hirnhautentzündung löste bei ihm Symptome wie Halluzinationen und Alpträume aus.Dokumentarfilm The True Story of Punk (Teil 2: Die Welle), 44 Minuten, Regie: Jesse James Miller, Ausführende Produzenten: Iggy Pop und John Varvatos, vierteilige Doku-Reihe von 2020, Network Pictures Seventeen Inc., distributed by Fremantle, ausgestrahlt von ZDFinfo Nach dem Erwachen aus dem Koma erkannte Lydon seine Umwelt nicht mehr. Als Spätfolge behielt Lydon eine Skoliose und eine leichte Sehstörung zurück, die sich in Kurzsichtigkeit und seinem charakteristischen Starren äußert.John Lydon: Rotten – No Irish, No Blacks, No Dogs. St.Martin’s Press, 1994, S. 17 (US-Erstausgabe)

Bis zu seinem 15. Lebensjahr besuchte Lydon die katholische St.William of York Secondary School, wurde aber nach einer Auseinandersetzung mit seinem Englischlehrer im Dezember 1971Interview mit Lydons Mutter. In: Fred und Judy Vermorel: Sex Pistols – The Inside Story. UK-Ausgabe, Omnibus Press, 1987, S. 159. der Schule verwiesen. Nach Intervention der Eltern beim Schulträger, dem Londoner Bischof, durfte Lydon erfolgreich an den Abschlussprüfungen zur Mittleren Reife teilnehmen. Seine Erfahrungen mit dem konfessionellen Schulsystem machten Lydon zum erbitterten Gegner organisierter Religion, was er auch in Songtexten zum Ausdruck brachte. Um die Allgemeine Hochschulreife (Advanced Level) zu erreichen, ging Lydon von 1972 bis 1974 auf das Hackney Technical College in Hackney, wo er seinen späteren Bandkollegen Sid Vicious kennenlernte. Wegen unregelmäßiger Teilnahme am Unterricht wechselte Lydon 1974 auf das Kingsway College in Camden, wo er wiederum seinen späteren Bandkollegen Jah Wobble traf. Lydon ging vor den Sommerferien 1975 von der Schule ab.

Werk mini|John Lydon (1977)

John Lydon wurde in den späten 1970ern zu einem Protagonisten der Punkbewegung. Die Popularität Lydons gründet auf seiner Rolle als Johnny Rotten, die er von 1975 bis 1978 als Sänger und Autor der Sex Pistols ausfüllte. Seine zynischen Songtexte für die Band (darunter Anarchy in the U. K. und God Save the Queen), sein provokantes Aussehen und seine wilden Bühnenauftritte voll unkontrolliertem Gebrüll und Publikumsbeschimpfungen machten ihn bald zu einer berühmten Figur des Punkrock. Malcolm McLaren, der Manager der Sex Pistols, sagte einmal über ihn: . Nachdem er sich allerdings mit McLaren komplett zerstritten hatte und sein bester Freund Sid Vicious dem Heroin verfallen war, verließ er frustriert die Band. Kurze Zeit, nachdem Sid Vicious gestorben war, versuchten es Paul Cook und Steve Jones noch einige Zeit ohne Lydon als Sex Pistols. Im Jahr 1980 löste sich die Gruppe endgültig auf.

Im Jahr 1978 gründete Lydon, zunächst mit Keith Levene und Jah Wobble, das Musikprojekt Public Image Ltd (PiL), das sich neben Dub mit experimentellen Klängen beschäftigt und der Stilrichtung Post-Punk zugerechnet wird. Von 1999 bis 2000 moderierte Lydon insgesamt drei Folgen von Rotten TV beim amerikanischen Musiksender VH1. 2004 war Lydon in der britischen Version der Fernsehshow Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! zu sehen. Neben seiner musikalischen Tätigkeit ist John Lydon seit mehreren Jahrzehnten als bildender Künstler tätig und hat unter anderem mehrere Umschlaghüllen seiner Alben selbst gestaltet. Von Oktober bis November 2021 nahm Lydon als Jester an der sechsten Staffel der US-amerikanischen Version von The Masked Singer teil, in der er den achten von insgesamt 16 Plätzen belegte. Im Januar 2026 war er Kandidat der siebten Staffel der britischen Version, in der er den zehnten Platz erreichte.

Musik mit den Sex Pistols siehe dort 1986: The Lydons and the O’Donnells – Family Album (Produzent)Eintrag zum Family Album bei Discogs 1997: Psycho’s Path mit PiL: siehe Public Image Ltd#Diskografie

Film 1983: Copkiller 2011: Sons of Norway (Gastrolle)

Schriften

John Lydon: Mr. Rotten’s Scrapbook. Concert Live Ltd., 2010 John Lydon mit Andrew Perry: Anger is an Energy – mein Leben unzensiert. Heyne, München 2015, ISBN 978-3-453-26977-4.

Politische Einstellung mini|hochkant=1.3|Lydon 1977 mit den Sex Pistols

John Lydon äußerte sich in der Vergangenheit wiederholt kontrovers zu politischen Themengebieten. Aufgrund des Images der Sex Pistols wurde Lydon oft als Anarchist bezeichnet, eine Bezeichnung, die er jedoch mittlerweile entschieden ablehnt. Der anarchistischen Bewegung warf er Uniformität, Anachronismus und Doppelmoral vor und bezeichnete sie als .Simon Hattenstone: This Is My Britain. Our Britain. Not Some German Tourist’s. In: The Guardian, 17. Mai 2002Leora Kornfeld: John Lydon Interview. CBC Radio 2, RealTime-Show, 28. Juni 1997. Er kritisierte sowohl KonservatismusScott Murphy: John Lydon – What Makes Britain Great? JohnLydon.com, 27. Oktober 2005 als auch Sozialismus, obgleich er scharfer Gegner der Klassengesellschaft ist, und stand in der Vergangenheit sowohl Margaret ThatcherIan Harrison: The Think Tank. In: Select-Magazin, Juli 1997Ben Wener: Johnny Rotten Sounds Off On The Sex Pistols Return. In: The Orange County Register, Santa Ana CA, 24. Oktober 2007 als auch Tony BlairMike Karin: What? You’re Talking To Us? Year Zero-Onlinemagazin, Oktober 2001 ablehnend gegenüber. Er lehnte sowohl das britische als auch das US-amerikanische Zweiparteiensystem ab und bezeichnete George W. Bush als den vorstellbar schlimmsten US-Präsidenten.Steve Baltin: Johnny Rotten Judges Pop Stars and Politicians. Spinner.com, 6. September 2007 Im Gegenzug dazu favorisierte Lydon liberale Politik,David D’Arcy: John Lydon – I’ll Tell You What I Think. Greencine.com Website, 4. Juli 2006 steht der Europäischen Union positiv gegenüber,Roger Morton: One Man And His Gob. In: New Musical Express, 12. Juli 1997 unterstützte aber auch die Politik der Gewerkschaften und äußerte sich positiv über Arthur Scargill, dessen kommunistische Tendenzen er allerdings ablehnte. Er ist ein Bewunderer Mahatma Gandhis, vertritt Anti-Kriegs-Positionen und lehnt jedwede Religion als überkommenes Konzept ab.Ben Marshall: John Lydon. In: Uncut-Magazin, August 2007 Er äußerte sich mehrmals zwiespältig zum britischen Königshaus: So nannte er die Vorfahren der Windsors in seiner Autobiografie eine ; in neueren Interviews steht er der Königsfamilie jedoch positiver gegenüber, da sie als Teil der britischen Kultur zu betrachten sei. Lydon fasst die britische Kultur als internationalistischjohnlydon.com Sex Pistols Pressekonferenz (Cobden Club, London, 16. Mai 2002) und multikulturellSean Hamilton: Lock Up Your Grannies! In: The Sun, 27. August 2005 auf und verstand sich als Gegner von Nationalismus, Isolationismus und Rassismus, da er seine eigene Herkunft im Melting Pot der britischen Vorstädte sieht.Scott Murphy: The Public Image? JohnLydon.com, Juni 2004. Zudem setzt Lydon sich für Umwelt- und Tierschutz ein und unterstützt die World Society for the Protection of Animals sowie Save Our Seas.

Lydon vertritt einen radikalen IndividualismusJohn Lydon: Internet Chat. Film Four, 30. Juni 2001 und lehnt es aus diesem Grunde auch ab, sich als Punk bezeichnen zu lassen.Kevin Anderson: The Rotten Side Of US Politics. BBC News, World Politics-Sendung, 16. August 2000

2006 äußerte er öffentlich Sympathien für den britischen Politiker Enoch Powell.Campbell Stevenson: The Awkward Squad. In: The Observer, The Observer Music Monthly-Beilage, 19. Februar 2006

2008 behauptete Kele Okereke, Sänger der Band Bloc Party, durch Lydon und Mitglieder seiner Entourage rassistisch beschimpft und angegriffen worden zu sein.Bloc Party And Sex Pistols’ John Lydon In ‘Racist Attack’. NME.com, 21. Juli 2008 Der Vorfall führte zu Schlagzeilen in der britischen Presse, sodass Lydon bei einem Fernsehinterview öffentlich erklären musste, kein Rassist zu sein.John Lydon Interview. In: The One Show, BBC1, 28. Juli 2008.

Ende März 2017 zeigte John Lydon im britischen Frühstücksfernsehen Good Morning Britain Verständnis für die Wähler von Donald Trump, den Brexit und Nigel Farage.Tom Batchelor: Sex Pistols’ John Lydon comes out in support of Trump, Brexit and Nigel Farage. In: The Independent, 27. März 2017Roisin O’Connor: John Lydon gave very different views on Brexit and Donald Trump last year. In: The Independent, 28. März 2017

Am 11. Oktober 2020 wurde im Guardian ein Interview von Barbara Ellen mit John Lydon veröffentlicht, in dem er sich als Unterstützer Donald Trumps positionierte.John Lydon: ‘Don’t become entrenched in one opinion and get stuck there for ever’, Interview von Barbara Ellen, The Guardian, 11. Oktober 2020Sex Pistols: Johnny Rotten bekennt sich endgültig als Trump-Fan, Rolling Stone, 12. Oktober 2020Jens-Christian Rabe: Johnny Rotten für Trump: Meisterdepp vom Dienst, Süddeutsche Zeitung, 14. Oktober 2020

Observierung durch Polizei und Geheimdienste 1997 machte der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter David Shayler öffentlich, dass der MI5 unter dem allgemeinen Vorgang „Subversion in moderner Musik“ unter anderem auch die Sex Pistols observiert hatte.MI5 Bugged Mandelson. In: The Mail On Sunday, 24. August 1997 Auch die US-Tour der Sex Pistols im Januar 1978 soll nach unbestätigten ZeitungsberichtenJim Mendiola: Anarchy in S.A. In: San Antonio Current, 2. Januar 2003 vom FBI observiert worden sein.

1980 wurde John Lydon wiederholt zum Ziel von Hausdurchsuchungen der Polizei,Adrian Thrills: Police News: Lydon Hassled. In: New Musical Express, 23. Februar 1980 was ihn 1981 zum Verlassen des Landes veranlasste. Im Oktober 1980 wurde Lydon in Dublin wegen Körperverletzung verhaftet und verbrachte drei Tage in Untersuchungshaft im Mountjoy-Gefängnis, die verhängte Haftstrafe von drei Monaten wurde jedoch auf Kaution außer Vollzug gesetztPatrick Clancy: Punk Star Johnny Gets Three Months For Pub Punch-Up. In: The Daily Telegraph, 7. Oktober 1980 und in einer Revisionsverhandlung im Dezember 1980 aufgehoben. In seiner Autobiografie behauptete Lydon später, der Vorfall sei von einem Zivilpolizisten provoziert worden.

Familie und Privatleben mini|hochkant|John Lydon (2008)

John Lydons Eltern waren irische Gastarbeiter, die in den 1950er Jahren nach England kamen. Sein Vater John Christopher Lydon stammte aus Tuam und arbeitete als Fahrer und Kranführer für William Press & Son, Ltd.John Lydon: Rotten – No Irish, No Blacks, No Dogs. St.Martin’s Press, 1994, S. 41 (US-Erstausgabe) Er starb am 25. Januar 2008 an einem Herzinfarkt. Lydons Mutter Eileen, geborene Barry, stammte aus Carrigrohane bei Cork und starb Anfang 1979 an Krebs.