Die Lindener Windmühle in Hannover,Helmut Zimmermann: Mühlen. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 450f. auch Lindener Turm genannt,Vergleiche beispielsweise die Beschriftung auf dem Foto ist eine denkmalgeschützte ehemalige Windmühle auf dem Lindener Berg, die auf einen im Mittelalter errichteten Wartturm aufsetzt.Ilse Rüttgerodt-Riechmann: Lindener Berg. In: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen, Stadt Hannover, Teil 2, Bd. 10.2, hrsg. von Hans-Herbert Möller, Niedersächsisches Landesverwaltungsamt – Institut für Denkmalpflege, Friedr. Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft mbH, Braunschweig 1985, ISBN 3-528-06208-8, S. 118f.; sowie Linden-Mitte im Addendum: Verzeichnis der Baudenkmale gem. § 4 (NDSchG) (ausgenommen Baudenkmale der archäologischen Denkmalpflege), Stand: 1. Juli 1985, Stadt Hannover, Niedersächsisches Landesverwaltungsamt – Veröffentlichungen des Instituts für Denkmalpflege, S. 22f. Sie ist das älteste erhaltene Bauwerk Lindens. Die Mühle steht in rund 90 Metern Höhe auf dem Lindener Berg als „Hausberg“ Hannovers, hat die Adresse Am Lindener Berge 29 und 29a im Hannoverschen Stadtteil Linden-Mitte und wird mittlerweile als Gaststätte mit Biergarten genutzt.Helmut Knocke, Hugo Thielen: Am Lindener Berge, in Dirk Böttcher, Klaus Mlynek (Hrsg.): Hannover. Kunst- und Kultur-Lexikon, Neuausgabe, 4., aktualisierte und erweiterte Auflage, Springe: zu Klampen, 2007, ISBN 978-3-934920-53-8, S. 81
Geschichte
Wartturm Nachdem sich die Marktsiedlung Hannover im 14. Jahrhundert mit einer Landwehr als Teil der Stadtbefestigung Hannovers gegen feindliche Überfälle gesichert hatte, bauten die Menschen im Jahr 1392 auf der kahlen Kuppe des Lindener Berges als Teil der hannoverschen Landwehr eine Warte, von der aus sie die Zufahrtsstraßen nach Hannover überblicken konnten. Mit dem im Steinbruch des Berges gebrochenen Kalkstein wurde ein Wartturm errichtet, der den Bewohnern am Fuße des Lindener Berges für mehr als ein Viertel Jahrtausend eine höhere Sicherheit versprach.
Windmühle mini|Nur wenige Jahre nach dem Umbau zur Mühle nahm der Verleger Caspar Merian die Lindener Windmühle zum Point de vue seines Merian-Kupferstiches „F. F. B. L. Statt Hannover“;1654 gemeinsam mit Conrad Buno geschaffen Nach dem Dreißigjährigen Krieg verfügte 1651 der Landesherr, Herzog Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg, den alten Turm zu einer seinerzeit modernen Holländerwindmühle mit einem drehbaren Oberteil umbauen zu lassen. Die Mühle wurde Zwangsmühle für die umliegenden Dörfer Linden, Bornum, Badenstedt, Empelde, Ricklingen und Wettbergen.Lindener Turm, abgerufen am 7. Februar 2025. Das ersparte den Bauern der Orte den Weg zur Calenberger Mühle bei Schulenburg. Zusätzlich befahl der Herzog seinen Untertanen im Kirchspiel von Limmer sowie in den Dörfern Letter und Harenberg, ihr Getreide nun in der Mühle in Linden mahlen zu lassen. Dies führte allerdings zu Beschwerden des durch das Amt Blumenau beschäftigten – amtlichen – Müllers der Wassermühle BlumenauHelmut Zimmermann: Die Windmühle von Limmer. In: Hannoversche Geschichtsblätter, Neue Folge, Band 50 (1996), S. 259–274; hier: S. 259 im Calenberger Land, der in der Folge nun wesentlicher Teile seines bisherigen Einkommens verlustig ging.
Es ist ungeklärt, ob die Mühle wirklich ein Umbau des Wartturms war. Für einen Neubau spricht die Jahreszahl 1651 mit den Initialen „G. W.“ über der Eingangstür.
Im Siebenjährigen Krieg wurden das Dach und die Mühlenflügel abgebaut. Prinz Friedrich August von Braunschweig ließ am 20. August 1761 eine Sternschanze zur Sicherung der Stadt Hannover anlegen. „Das steinerne Gebäude dieser Mühle kam mitten in die Schanze zu stehen. Der Bode wurde mit Pferde-Mist zugedecket, daß also, wenn etwa Gefahr aufstoßen sollte, die Soldaten sicher darunter stehen könten.“Horst Bohne: „Löcher“ im und am Lindener Berg, abgerufen am 7. Februar 2025. Nach Kriegsende wurde die mit zwei Mahlgängen ausgestattete Mühle wieder hergerichtet. Die Schanze wurde geschleift, Spuren der Gräben und Wälle blieben bis ins 19. Jahrhundert erhalten.F. S.: Ueber den Lindener Berg vor Hannover, vorzüglich in Ansehung der Aussicht., Neues Hannöverisches Magazin, 62tes Stück, Freitag den 5. August 1803, S. 979/980.
Der Mahlzwang wurde im Königreich Hannover im Jahr 1855 aufgehoben. Im Zuge der Industrialisierung wurde die bisher im Eigentum des Staates stehende Windmühle auf dem Lindener Berg für 10.215 Reichstaler privatisiert. Erst zur Zeit der Weimarer Republik wurde der Mühlenbetrieb 1927 eingestellt, da sich eine erforderliche Renovierung nicht lohnte.
Die Windmühle war ein Galerieholländer mit Segelgatterflügeln. Zur Windrichtungsnachführung diente eine Windrose. Die Flügel wurden vermutlich Ende der 1920er Jahre abgenommen und die Mühlenkappe entfernt.
mini|Die bauliche Situation um die Windmühle mit einer Projektion des Küchengarten-Pavillons (links) in die Ummauerung des Lindener Bergfriedhofs;monochrome Lithographie von Ludwig Hemmer im Verlag August Harre & Co., um 1911 Gaststätte
Der Müller der Lindener Windmühle hatte 1818 die Genehmigung zur Errichtung einer Gastwirtschaft erhalten. Johann Egestorff pachtete 1824 die Mühle und ließ neben ihr ein Ausflugslokal errichten, das später für den Bau des Wasserhochbehälters auf dem Lindener Berg abgerissen wurde.Horst Bohne: Das Berggasthaus auf dem Lindener Berg und seine Nachfolger, abgerufen am 7. Februar 2025.
Die ehemalige Windmühle wird seit 1928 nur noch als Gastwirtschaft genutzt. Bei einer Sanierung im Jahr 1987 wurde das Anwesen zum Biergarten umgestaltet.
Im November 2019 kam es infolge eines technischen Defekts an der Beleuchtung zu einem Brand am Turm, bei dem eine äußere Balustrade aus Holz abbrannte.Defekte Beleuchtung löste Brand am Lindener Turm in Hannover aus in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 25. November 2019 Die Feuerwehr verhinderte ein Übergreifen des Brandes auf das historische BauwerkBrand am Lindener Turm: Betreiber suchen dringend Handwerker in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 24. November 2019, dessen Statik durch das Feuer nicht geschädigt wurde. Biergarten „Lindener Turm“ teilweise abgebrannt bei ndr.de vom 24. November 2019
Siehe auch Liste der Baudenkmale in Linden-Limmer Pferdeturm Döhrener Turm Lister Turm
Literatur Helmut Zimmermann: Die Lindener Windmühle. In: Hannoversche Geschichtsblätter, Neue Folge Band 51 (1997), S. 285–304
Weblinks
Einzelnachweise
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