mini|hochkant|Alain Aspect (2015) Alain Aspect (* 15. Juni 1947 in Agen) ist ein französischer Physiker, dessen Hauptarbeitsgebiet die Quantenoptik ist. Im Jahr 2022 wurde ihm der Nobelpreis für Physik gemeinsam mit John Clauser und Anton Zeilinger zuerkannt. Er erhielt ihn speziell für seine Experimente zur Bellschen Ungleichung, die in einer Theorie mit verborgenen Variablen gelten würde, in der Quantenmechanik aber verletzt ist. Clauser hatte die Verletzung der Bellschen Ungleichung nachgewiesen, es blieb aber ein Schlupfloch, das Alain Aspect schloss. Damit war er auch ein Pionier der Experimente mit verschränkten Photonen und insgesamt der Quanteninformationswissenschaft.Presseerklärung zum Physik-Nobelpreis 2022

Leben Alain Aspect studierte ab 1965 an der École normale supérieure de Cachan (heute École normale supérieure Paris-Saclay) mit der Agrégation in Physik 1969 und an der Universität Paris mit dem Lizenziat in Physik 1967 und dem Diplom (DEA) in Optik 1968 an der École supérieure d'optique (SupOptique, heute Institut d’Optique Graduate School) an der Universität in Orsay (heute Universität Paris-Süd). 1969 wurde er Assistenzprofessor (Professeur Agrégé) an der Universität Paris-Süd. 1971 absolvierte er den ersten Teil seiner Promotion (Thèse du 3eme cycle) bei Serge Lowenthal am Institut d'Optique Théorique et Appliquée (Supoptique). Danach lehrte er im Rahmen eines Austauschs für drei Jahre 1971 bis 1974 in Yaoundé in Kamerun. 1974 bis 1985 war er Dozent (maître-assistant) an der École Normale Supérieure de Cachan. 1983 promovierte er (Doctorat d’Etat, zweiter Teil des damaligen französischen Promotionssystems) an der Universität Paris-Süd mit seinen Arbeiten zur experimentellen Überprüfung des EPR-Gedankenexperiments. 1985 bis 1992 war er am Collège de France bei Claude Cohen-Tannoudji und dort stellvertretender Leiter des Labors. Seine Experimente unternahm er vielfach am Laboratoire Kastler Brossel der École normale supérieure. Gleichzeitig war er Maître de conférences an der École polytechnique in Paris. 1992 wurde er Directeur de recherche des Centre national de la recherche scientifique (CNRS) in der classe exceptionelle am Forschungslaboratorium Charles Fabry des Institut d'Optique in Orsay, das gemeinsam vom CNRS und der Universität Paris-Süd betrieben wird. Außerdem war er 1992 bis 1994 stellvertretender Direktor der École supérieure d’optique (SupOptique). Gleichzeitig war er ab 1994 Professor an der École polytechnique in Paris. Dort leitete er die Gruppe für Atomoptik.

Um 1980 arbeitete Aspect gemeinsam mit Jean Dalibard und Gérard Roger an einer experimentellen Überprüfung des EPR-Effektes. Die Diskussion dazu wurde von John Stewart Bell verschärft auf die Frage der experimentellen Gültigkeit der Bellschen Ungleichungen. Diese werden durch Theorien verborgener Variablen erfüllt, in der Quantenmechanik aber verletzt. Theorien verborgener Variablen wurden unter anderem von Louis de Broglie und David Bohm aufgestellt (De-Broglie-Bohm-Theorie), um doch noch eine Vereinbarkeit von Quantenmechanik und klassischer Physik zu erreichen. Ein Experiment von John Clauser hatte in den 1970er Jahren die Verletzung der Bellschen Ungleichungen nachgewiesen, es blieb aber ein Schlupfloch. Aspect konnte in einem Experiment 1982 mit verschränkten Photonen das Schlupfloch schließen. Dazu sorgte er dafür, dass die Messungen am verschränkten Paar erst durchgeführt wurden, als das Paar die Quelle schon verlassen hatte.

Als Ergebnis des die Quantenmechanik bestätigenden Versuchs bleiben gemäß dem EPR-Paradoxon und seinen Voraussetzungen im Wesentlichen zwei Möglichkeiten: Es sind entweder (a) experimentell nicht fassbare Fernwirkungen am Werk (Einstein sprach in diesem Zusammenhang von spukhaften Fernwirkungen) oder (b) die quantenmechanische Beschreibung der experimentellen Vorgänge bedient sich eines Formalismus, dessen Objekte nicht ohne Weiteres als unmittelbare Bestandteile der Realität angesehen werden dürfen. Diese letzte Ansicht ist die Auffassung der Kopenhagener Interpretation der Quantenmechanik von Niels Bohr und Werner Heisenberg.

Anfangs befasste er sich mit kohärenter Optik (1969 bis 1971), von 1974 bis 1985 mit Anwendungen der Quantenoptik zum Testen der Grundlagen der Quantenmechanik. Später forschte er an Laserkühlung neutraler Atome (etwa von 1985 bis 1992, unter seinem Chef Cohen-Tannoudji, der auch auf diesem Gebiet arbeitete und insbesondere dafür den Nobelpreis erhielt) und Bose-Einstein-Kondensaten, ultrakalten Atomen und Atomoptik (ab 1992).Eintrag bei der Academia Europaea

Aspect betreute von 1993 bis heute (Stand 2026) über 40 Doktorarbeiten, darunter die Dissertationen von Carsten Henkel, Joachim von Zanthier und Antoine Browaeys.

mini|Alain Aspect in Budapest (2013)

Auszeichnungen 1983: Prix Servant 1985: Commonwealth Award for Science and Invention 1991: Morris Loeb Lecture 1991: Holweck-Preis 1999: Gay-Lussac-Humboldt-Preis 1999: Max Born Award der Optical Society of America 2005: Médaille d’or du CNRS 2006: Ehrendoktor der École polytechnique und der Universität Montreal 2008: Ehrendoktor der Heriot-Watt University und der Australian National University 2009: European Physical Society Quantum Electronics Prize 2010: Wolf-Preis 2010: ERC Advanced Grant 2011: Ehrendoktor des Technion 2011: Médaille grand vermeil de la Ville de Paris 2012: Herbert-Walther-Preis 2012: Albert-Einstein-Medaille 2013: Niels-Bohr-Medaille der UNESCO 2013: Frederic Ives Medal 2013: Balzan-Preis 2014: Offizier der Ehrenlegion 2019: Benennung eines Asteroiden nach ihm: (33163) Alainaspect 2022: Nobelpreis für Physik

Mitgliedschaften 1995: korrespondierendes und 2002 volles Mitglied der Académie des sciences 2000: Mitglied der Académie des technologies 2002: Fellow der Optical Society of America 2005: Fellow der American Physical Society (APS) 2006: Mitglied im französischen Rat für Wissenschaft und Technologie (Haut conseil de la science et de la technologie) 2008: Mitglied der National Academy of Sciences (Foreign Associate) 2009: Korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 2009: Ordentliches Mitglied der Academia Europaea 2015: Auswärtiges Mitglied der Royal Society 2025: Mitglied der Académie française

Schriften (Auswahl) Proposed experiment to test separable hidden-variable theories. In: Physics Letters A. Band 54, 1975, S. 117–118 Proposed experiment to test nonseparability of quantum mechanics. In: Physical Review D. Band 14, 1976, S. 1944–1951 mit Philippe Grangier, G. Roger: Experimental Realization of Einstein-Podolsky-Rosen-Bohm Gedankenexperiment: A New Violation of Bell's Inequalities. In: Physical Review Letters. Band 49, 1982, S. 91–94, doi:10.1103/PhysRevLett.49.91 mit Jean Dalibard, G. Roger: Experimental Test of Bell’s Inequalities Using Time-Varying Analyzers. In: Physical Review Letters. Band 49, 1982, S. 1804–1807, doi:10.1103/PhysRevLett.49.1804 Einstein et les révolutions quantiques. CNRS Edition, ISBN 978-2-271-12539-2 mit Gilbert Grynberg, Claude Fabre: Introduction to quantum optics: from the semi-classical approach to quantized light. Cambridge University Press, 2010, ISBN 978-0-511-78972-4 Si Einstein avait su, Verlag Odile Jacob, 2025, ISBN 9782415011697

Weblinks

Alain Aspect Internationale Stiftung Preis Balzan Eintrag bei der Academia Europaea mit CV

Einzelnachweise und Fußnoten

Kategorie:Physiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Mitglied der Académie française Kategorie:Mitglied der Académie des sciences Kategorie:Auswärtiges Mitglied der Royal Society Kategorie:Fellow der American Physical Society Kategorie:Korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Mitglied der Academia Europaea Kategorie:Mitglied der National Academy of Sciences Kategorie:Person als Namensgeber für einen Asteroiden Kategorie:Nobelpreisträger für Physik Kategorie:Balzan-Preisträger Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1947 Kategorie:Mann