Pawel Grigorjewitsch Antokolski (; wiss. Transliteration ; geboren am in St. Petersburg; gestorben am 9. Oktober 1978 in Moskau) war ein russisch-sowjetischer Lyriker, Übersetzer und Dramatiker. Er war ein jüngerer Verwandter des Bildhauers Mark Antokolski (1843–1902).

mini|P. Antokolski (Signatur)

Leben und Werk

Pawel Antokolski studierte zunächst einige Semester Jura an der „Juristischen Fakultät“ der Moskauer Universität und veröffentlichte 1922 sein erstes Buch mit Gedichten. Er arbeitete bis 1934 als Regisseur am Moskauer Wachtangow-Theater und leitete in den Kriegsjahren ein Fronttheater. Während des Zweiten Weltkrieges, in dem er als Frontberichterstatter arbeitete, waren Antokolskis Werke der Tragödie und dem Heldentum des jüdischen Volkes gewidmet. Seine Dichtung Syn (russ. Сын „Der Sohn“, 1943) entstand aus dem Schmerz um seinen im Krieg gefallenen Sohn Wladimir (1923–1942) und enthält eine leidenschaftliche Verurteilung des Faschismus.

Für das SchwarzbuchIlja Ehrenburg, Wassili Grossman (Hrsg.): Das Schwarzbuch: der Genozid an den sowjetischen Juden. Deutsche Übersetzung der vollständigen Fassung, herausgegeben von Arno Lustiger. Rowohlt, Reinbek 1994, ISBN 3-498-01655-5. lieferte er zusammen mit Weniamin Kawerin den Beitrag über den Aufstand im Vernichtungslager Sobibor.Das Schwarzbuch, dt., S. 862 ff. Er beginnt mit den folgenden Worten:

Mit der Stalin-Ära und dem Blut der Lubjanka setzte er sich in seinem vieldiskutierten Gedicht (aus dem Jahr 1956, dem Jahr der Geheimrede Chruschtschows) kritisch auseinander, das mit einer Anspielung auf den erhaltenen Stalinpreis beginnt.„Мы все – лауреаты премий, Врученных в честь него, Спокойно шедшие сквозь время, Которое мертво“; vgl. die Rezitation des Gedichtes in einer russischen Fernsehsendung, unter youtube.com. – Ins Deutsche übersetzt in: Russische Lyrik (Anthologie), Efim Etkind (Hrsg.), Piper, 1987, S. 432 f.

Pawel Antokolski ist auf dem Moskauer Friedhof Wostrjakowo beigesetzt, neben seiner zehn Jahre vor ihm verstorbenen zweiten Ehefrau, der Schauspielerin Soja K. Baschanowa (1902–1968).

Ausgaben seiner Gesammelten Werke erschienen in zwei Bänden (Isbrannije Proiswedenija, 1961, Moskau) und vier Bänden (Sobranije sotschineni, 1971–1973), und einbändig seine Dichtungen und Gedichte (Stichotworenija i poemy, 1982).

Übersetzungen seiner Lyrik fanden in verschiedenen deutschsprachigen Anthologien russischer Lyrik Aufnahme.z. B. Russische Lyrik: Gedichte aus 3. Jahrhunderten. Ausgewählt und eingeleitet von Efim Etkind. 2. Auflage. Neuausgabe (1. Auflage), 5.–8. Tsd., (1.–4. Tsd. dieser Ausgabe) Piper, München / Zürich 1987 Sternenflug und Apfelblüte. Russische Lyrik von 1917 bis 1963 (Anth.) Berlin 1963 Er war mein Freund, mein Kampfgefährte: Lyrik aus dem Großen Vaterländischen Krieg, hrsg. von Günter Alder. Berlin: Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik. 1987 (Inhaltsübersicht, Ausschnitte aus: Der Sohn & In diesem Krieg)

Er übersetzte verschiedene Werke aus dem Französischen ins Russische, darunter von Victor Hugo Le dernier jour d’un condamné (Der letzte Tag eines Verurteilten) und Le roi s’amuse (Der König amüsiert sich).

Werke (Auswahl)

Der Westen (1926) Robespierre und die Gorgonen (1928) Die Kommune von 1871 (Kommuna 71 goda ) (1933) François Villon (1934) Puschkin-Jahr (1938) Syn (Der Sohn) (1943) Newetschnaja pamjat (Vergängliches Gedächtnis) (1946) In einer Gasse beim Arbat (1954) Atelier (1958)

Literatur

Wassili Grossman, Ilja Ehrenburg (Hrsg.): Das Schwarzbuch – Der Genozid an den sowjetischen Juden. Rowohlt-Verlag, Hamburg 1994, ISBN 3-498-01655-5. (Herausgeber der dt. Ausgabe: Arno Lustiger) Arno Lustiger: Rotbuch: Stalin und die Juden. Die tragische Geschichte des Jüdischen Antifaschistischen Komitees und der sowjetischen Juden. Aufbau-Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-351-02478-9.Rezensionen: A. Kuchenbecker, in: Die Zeit, 3. Dezember 1998; 2. A. 2002 Harri Jünger (Hrsg.): Literaturen der Völker der Sowjetunion. Leipzig 1967, 2. Auflage Leipzig 1968. Artikel: Pawel Grigorjewitch Antokolski (von Schau. = Dr. G. Schaumann (Jena)) Maxim D. Shrayer: An Anthology of Jewish-Russian Literature: Two Centuries of Dual Identity in Prose and Poetry. 2006 (Online-Teilansicht) Victor Terras (Hrsg.): Handbook of Russian Literature. 1985 (Online-Teilansicht)

Weblinks

e-reading.club (russisch) – Kurzbiographien von Autoren und Redakteuren des Schwarzbuchs (russisch) Gedichte in englischer Übersetzung Gedichte Foto "Мы все, его однополчане, молчавшие, когда росла из нашего молчанья народная беда..." 45parallel.net

Einzelnachweise und Anmerkungen

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