mini|350px|Die im Jahr 2012 abgerissenen Fabrikgebäude an der Friesdorfer Straße 131 Kleutgen & Meier war ein süßwarenproduzierendes Unternehmen im heutigen Bonner Stadtteil Bad Godesberg. Der Markenhersteller wurde 1957 von dem benachbarten Konkurrenzunternehmen Haribo übernommen. Die historischen Fabrikgebäude in der Friesdorfer Str. 127–135 im Ortsteil Godesberg-Nord wurden im Jahr 2012 abgerissen; ein Vorgang, der in der Bezirksvertretung kritisiert wurde.Ayla Jacob, Zukunft des Haribo-Geländes: Stadt verhandelt mit Investor über Haribo-Areal, 31. August 2016, Bonner General-Anzeiger

Geschichte 1898 wurde das Unternehmen von Emil Meier und Ernst Kleutgen gegründet. Es wurden Bonbons sowie Fruchtgummi- und Lakritzartikel (aus Süßholzextrakt) wie Salmiakpastillen und pharmazeutische PastillenZeitschrift des Vereins Deutscher Chemiker, Teil A, Band 19, Verein Deutscher Chemiker, Deutsche Gesellschaft für Angewandte Chemie (Hrsg.), Verlag Springer, 1906, S. 22Das Unternehmen wird auch als pharmazeutische Lakritzfabrik Kleutgen & Meier beschrieben, gem. Christoph Kaltscheuer, Hans Riegel sen. (1893-1945), Unternehmer und Gründer der Firma „Haribo“, 16. Oktober 2013, Portal Rheinische Geschichte, Landschaftsverband Rheinland hergestellt.Ayla Jacob, Stadtspaziergang durch Godesberg: Imperia-Motorräder und Rheila-Perlen, 14. Mai 2013, Bonner General-Anzeiger Eine Süßwaren-Marke des Unternehmens war Monarch, unter der Einzelstücke vertrieben wurden. Der Fabrikant Emil Meier war Vorstandsmitglied der Vereinigung deutscher Zuckerwaren- und Schokoladefabrikanten e. V. in Würzburg.Georg Wenzel: Deutscher Wirtschaftsführer. Lebensgänge deutscher Wirtschaftspersönlichkeiten. Ein Nachschlagebuch über 13000 Wirtschaftspersönlichkeiten unserer Zeit. Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg/Berlin/Leipzig 1929, , S. 453. Die Backstein-Fabrikgebäude wurden um 1911 nach einem Entwurf des Godesberger Architekten Willy Maß errichtet. Zu dem Gebäudeensemble an der Friesdorfer Straße gehörten auch die Fabrikanlagen der Schiller’sche Patentverschluß AG (genannt: Schillerwerk), die Luftdruckverschlussgläser, Metalldosen u. ä. produzierte und zum 1. April 1927 von der Blechwarenfabrik Limburg übernommen wurde,Marie-Luise Crone, Schlaglichter aus der Geschichte der Blechwarenfabrik Limburg GmbH, 1872-2012, August 2012, Blechwarenfabrik Limburg GmbH (Hrsg.) sowie die Tapetenfabrik Faßbender GmbH. Von etwa 1907 bis 1912/1913 Christoph Kaltscheuer, Hans Riegel sen. (1893-1945), Unternehmer und Gründer der Firma „Haribo“, 16. Oktober 2013, Portal Rheinische Geschichte, Landschaftsverband Rheinland lernte der spätere Gründer der Marke Haribo, Hans Riegel, als Volksschulabgänger und ungelernter Arbeiter bei Kleutgen & Meier die Herstellung von Süßwaren, und war dort als „Bonbonkocher“ tätig.Haribo: Schwarze Kunst, 10. Februar 1965, Der Spiegel, Ausgabe 7/1965Riegel, Hans, Unternehmer. In: Rudolf Vierhaus (Hrsg.), Deutsche biographische Enzyklopädie, Ausgabe 2, Band: Poethen-Schlüter, ISBN 978-3-11-094025-1, Walter de Gruyter, 2007, S. 398 Kleutgen & Meier beschäftigte während des Zweiten Weltkriegs Zwangsarbeiter.Bettina Grosse de Cosnac, Ein Bär geht um die Welt.: Haribo - Vom Bonbonkocher zum König der Gummibärchen. Eine deutsche Familiensaga, ISBN 978-3-203-77521-0, Europa Verlag GmbH, 2003 mini|Der Haribo-Fabrikverkauf

Übernahme durch Haribo Im Jahr 1958Nach anderen Angaben erwarb Haribo bereits 1957 die Konkurrenzfabrik, gem. Jessica Backhaus, , 10. Juli 2014, Express Bonn übernahm die Haribo-Gruppe das Unternehmen. Die Nachkommen (die Erbengemeinschaft bestand aus acht Parteien) hatten kein Interesse an einer Weiterführung der Geschäftstätigkeit. Kleutgen & Meier war das erste Konkurrenzunternehmen, welches von Haribo aufgekauft wurde;Lavinia Fahnster und Veronica Vargas Gonzalez, Biografie Hans Riegel, 1923-2013. In: LeMO-Biografien, Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in den Folgejahren wurden weitere Anbieter, wie die Solinger Dr. Hillers AG (1968) und der Mainbernheimer Hersteller Bären-Schmidt (1971), übernommen.Haribo: Chronik in Bildern, Titel Foto Nr. 14, RP Online Haribo produzierte im übernommenen Kleutgen & Meier-Werk noch bis zum Jahr 1975; danach wurde die Fabrik stillgelegt. Stückartikel des Haribo-Sortiments wurden auch weiterhin unter dem Markennamen Monarch vertrieben.Die bunte Welt von Haribo, , Informationsbroschüre, Haribo GmbH & Co. KG (Hrsg.) Diese Fruchtgummi- und Lakritz-Artikel (letztere wurden aus modifizierter Stärke oder Agar-Agar, einer tropischen Algenart – unter Vermeidung des Einsatzes tierischer Substanzen – hergestellt) konnten an Kiosken, Tankstellen und anderen Verkaufsstellen einzeln aus runden Plastikdosen gekauft werden.Schreiben der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der Haribo GmbH & Co. KG vom 8. März 1999, auf: Muslim-markt.de

Die Außenflächen der stillgelegten Kleutgen & Meier-Fabrik wurden u. a. als Abstellplatz des Haribo-Fuhrparkes genutzt. In der Öffentlichkeit wurden sie bekannt, da hier die jährlich veranstaltete Umtauschaktion von Kastanien und Eicheln gegen Haribo-Produkte stattfand,Lars Heyltjes, , 21. September 2016, Bonner Rundschau an der sich bis zu 16.000 Sammler beteiligen. Von 2003 bis 2016 befand sie sich südlich des vormaligen Fabrikareals die an der Weißenburgstraße gelegene Haribo-Fabrikverkaufsstelle. Mit dem begonnenen Umzug 2017 auf die Grafschaft (Rheinland) wurde auch diese Sammelaktion dorthin verlagert. Haribo-Kastanienaktion zieht auf die Grafschaft, 22. August 2017, General-Anzeiger (Bonn)

mini|Neubau des Haribo-Fabrikverkaufshops, 2019 mini|Weitere Neubebauung des Geländes im August 2019 Abriss und Neubau Im Jahr 2011 wurden Pläne zum Abriss der Kleutgen & Meier-Gebäude bekannt. Das durch den Abriss freiwerdende Gelände hätte nach Angaben der Firmenleitung zum Bau eines seit langem geplanten Haribo-Museums (Haribo-Erlebniswelt) genutzt werden können.Rüdiger Franz, Appetit aufs Goldbären-Museum, 10. November 2011, Bonner General-Anzeiger Im Spätsommer 2012 kam es dann zur Niederlegung der Gebäude der ehemaligen Fabriken von Kleutgen & Meier und des Schillerwerkes.Ayla Jacob, Haribo in Bonn: Alte Backsteingebäude werden abgerissen, 10. August 2012, Bonner General-Anzeiger Mitglieder der Godesberger Bezirksvertretung (unter anderem Vertreter des Bürger Bunds Bonn) kritisierten den Abbruch: eine Werkhalle des Schillerwerks aus dem Jahr 1910 war eine frühe Stahl-Beton-Konstruktion und deshalb von der Denkmalschutzbehörde als denkmalwert befunden worden, die Eintragung in das Denkmalschutzregister lief, eine Abbruchgenehmigung für das Objekt hatte nicht vorgelegen. Auch die Fabrikgebäude von Kleutgen & Meier waren dem Amt für Denkmalpflege von der Unteren Denkmalbehörde mehrfach als schützenswert vorgeschlagen worden.Rüdiger Franz und Ayla Jacob, Bezirksvertretung Bad Godesberg: Haribo soll wegen Abriss Bußgeld zahlen, 17. Januar 2013, Bonner General-Anzeiger Als Abrissgrund benannten Vertreter von Haribo die Baufälligkeit und unschöne Optik der Gebäude. Der ungenehmigte Abriss des Schillerwerks sei versehentlich erfolgt. Haribo erklärte, auf dem freigewordenen Gelände kein Museum mehr errichten zu wollen. Die Bonner Verwaltung plante die Ahndung des ungenehmigten Abrisses der denkmalwürdigen Halle.

Im September 2015 erwarb die HAFA-Unternehmensgruppe das brachliegende Gelände von der Haribo-Gruppe. Die Hafa-Unternehmensgruppe ist ein Zusammenschluss von vier Bad Godesberger Unternehmen. Gemeinsam mit Oberbürgermeister Ashok Sridharan stellten die Investoren im Herbst 2016 den Bebauungsplan vor, der ein Gesamtinvestitionsvolumen von 30 Millionen Euro vorsieht.Ayla Jacob, Hafa-Unternehmensgruppe stellt Pläne vor: Gewerbe und Wohnen auf dem Haribo-Areal, 22. September 2016, Bonner General-Anzeiger Auf dem 25.000 Quadratmeter großen Areal sollen neben einem Gebäudekomplex mit 100 Mietwohnungen (Quartier Bonn-Süd) zwei Bürogebäude entstehen. Eigentümer der Büros werden die Software-Unternehmen HICAT und SICAT. Außerdem soll ein Parkhaus mit 120 Stellplätzen gebaut werden. Der Entwurf stammt vom Architekten Frank Piotrowski.

Einzelnachweise

Weblinks Website der Hafa-Group zum Haribo-Areal Foto einer historischen Automaten-Blechdose für „Monarch Veilchenpastillen“, Deutsche Digitale Bibliothek, Stiftung Deutsches Historisches Museum

Kategorie:Unternehmensgründung 1898 Kategorie:Ehemaliger Lebensmittelhersteller (Deutschland) Kategorie:Ehemaliges Unternehmen (Bonn) Kategorie:Hersteller von Süßwaren (Deutschland) Kategorie:Godesberg-Nord Kategorie:Haribo Kategorie:Lebensmittelhersteller (Nordrhein-Westfalen) Kategorie:Essen und Trinken (Bonn) Kategorie:Organisation (Bad Godesberg) Kategorie:Produzierendes Unternehmen (Bonn)