Die G5 ist eine gezogene Kanonenhaubitze mit Kaliber 155 mm aus Südafrika. Die G5 gilt als eines der besten Artilleriesysteme ihrer Zeit.T. J. O’Malley: Moderne Artilleriesysteme. 1996, S. 54–55.
Entwicklung mini|links|G5 mit Samil-100-LKW Mitte der 1970er-Jahre waren einige der Südafrika umgebenden Nachbarländer mit sowjetischer Artillerie ausgerüstet, welche die eigene Artillerie hinsichtlich Schussweite und Schussfolge übertrafen. Im Hinblick auf das südafrikanische Engagement der im Bürgerkrieg in Angola erachteten die South African Defence Force (SADF) die Beschaffung eines modernen Geschützes als unabdingbar.Christopher F. Foss: Jane’s Armour and Artillery 2011-2012. 2011, S. 999–1001. Da Südafrika auf Grund seiner Apartheidspolitik mit einem UN-Waffenembargo (UN-Resolution 282 (1970) vom 23. Juli 1970) belegt war, konnte kein entsprechendes Geschütz auf dem internationalen Markt beschafft werden.Vereinte Nationen: UN-Resolution 282 (1970) vom 23. Juli 1970. auf www.documents-dds-ny.un.org (englisch) Unter Umgehung des Waffenembargos knüpfte das südafrikanische Staatsunternehmen Armscor 1975 Kontakte zur kanadischen Firma Space Research Corporation (SRC) von Gerald Bull. Das von dieser Firma entwickelte Geschütz GC-45 sollte als Entwurfsbasis für das neue südafrikanische Geschütz dienen. In Zusammenarbeit mit Lyttelton Engineering Works (heute Denel SOC Ltd.) begann Gerald Bull 1976 in Kanada mit der Weiterentwicklung der GC-45. Dazu wurde zuerst das Geschützrohr der GC-45 auf die M59-Lafette der 155 mm Gun M1 montiert. Der so entstandene erste Entwurf wurde weiter verbessert und bekam u. a. ein modifiziertes Geschützrohr mit einer vergrößerten Wanddicke. Ebenso mussten die Rohrbremsen, der Rohrvorholer, die Rohrwiege sowie die Mündungsbremse modifiziert und angepasst werden. Daneben wurde die Lafette angepasst und mit einem Hilfsmotor ausgerüstet. Somit entstand ein Geschütz, welches dem Ursprungsmuster kaum noch ähnelte. Nachdem zwei Prototypen erstellt worden waren, wurden diese 1979 in Kanada und auf Antigua getestet. Danach wurden die beiden Geschütze nach Südafrika verbracht und dienten dort als Modelle für die Serienproduktion bei Lyttelton Engineering Works (LIW).
In den Produktionsstätten bei Pretoria entstanden daraufhin bis 1982 vier Vorserien-Geschütze, welche als G5 Mk.1 bezeichnet wurden. Parallel produzierte die belgische Poudreries réunies de Belgique (PRB), in Zusammenarbeit mit der südafrikanischen Firma Naschem ein erstes Los von 30.000 reichweitegesteigerten Extended-Range-Full-Bore-Geschossen für das neue Geschütz. Auf einer internationalen Rüstungsmesse Defendory Expo '82 in Athen zeigte Südafrika im Oktober 1982 auf Einladung der damaligen griechischen Regierung verschiedene moderne Waffensysteme, darunter auch die G5-Kanonenhaubitze. Die Präsentation auf der Rüstungsmesse erregte große Aufmerksamkeit, auch wegen der sensiblen Lage in Hinblick auf das internationale Waffenembargo gegen Südafrika.Kaktus und Olifant. Berichterstattung im Spiegel vom 25. Oktober 1982 auf www.spiegel.deSAIRR: Survey of Race Relations in South Africa 1982. Johannesburg 1983, S. 200
Die Geschütze der Hauptserie, welche ab 1983 in die Produktion gingen, erfuhren nochmals weitere Anpassungen und wurden als G5 Mk.2 bezeichnet. Die ersten drei Seriengeschütze wurden im Mai 1983 an die SADF ausgeliefert. Dort tragen sie seither die Bezeichnung G5 Luiperd. Die Ausführung G5 mit 45 Kaliberlängen (L/45) wurde bis in die 1990er-Jahre für die heimischen Streitkräfte produziert sowie bis 2015 auf dem Exportmarkt angeboten. Im Jahr 2015 betrug der Preis für ein G5-Geschütz rund 576.700 US-Dollar. Die Ausführung G5-52 mit 52 Kaliberlängen (L/52) wird nach wie vor für den Exportmarkt angeboten. Weiter wurde die G5-Kanonenhaubitze auch in den Selbstfahrlafetten G6 und T5 verbaut.
Varianten G5 Mk.1: Prototypen und Vorseriengeschütze aus dem Jahr 1982. G5 Mk.2: Abgeänderte Geschütze der Nullserie aus dem Jahr 1983. G5 Mk.3: Hauptserie mit Feuerleitsystem und v0-Messanlage zur Messung der Mündungsgeschwindigkeit. G5-52: Version aus dem Jahr 1992 mit L/52-Geschützrohr (L/52). G5-52 ER (G5-2000): Prototyp aus dem Jahr 2002 mit L/52-Geschützrohr (L/52) und vergrößerter 25-Liter-Ladungskammer.Dtic.mil: Thys Krüger: Leap Ahead – 52 cal Artillery System (PDF; 14 MB)
Technik Die G5 ist eine konventionelle Kanonenhaubitze mit Kraftzugsystem. Sie zeigt das übliche Muster einer vierrädrigen Spreizlafette mit einem Hilfsmotor zum kurzzeitigen Eigenantrieb. Die G5 wiegt in schussbereiter Stellung 13.750 kg. Die Länge der G5 variiert zwischen 9,50 m in gezogener und 12,20 m in schussbereiter Stellung. Die Höhe (durch das Geschützrohr bedingt) beträgt 2,50 m in der gezogenen Stellung, die Bodenfreiheit beträgt 300 mm und die Breite auf der Fahrbahn beträgt 2,50 m.
Geschütz mini|links|G5 des Malaysischen Heers (2022) Das Geschützrohr mit 45 Kaliberlängen (L/45) ist aus hochfestem Stahl gefertigt und ist durchgehend autofrettiert. Während die ersten Geschütze nur eine kurze Rohrlebensdauer aufwiesen, liegt diese bei den späteren Geschützen bei rund 6.000 Schuss (mit Standard-Treibladungen). Geschützrohr hat 48 Züge sowie eine Dralllänge von 20 Kalibern (3.100 mm). Das Geschützrohr ist auf einer zweiachsigen Lafette mit zwei Spreizholmen untergebracht. Vorne an der Lafette ist ein Diesel-Hilfsmotor mit einer Leistung von 59 kW angebracht. Daneben befindet sich ein Sitz für den Fahrer mit Lenkrad und weiteren Bedienelementen. Der Hilfsmotor dient zum Speisen des Hydrauliksystems, zum Heben der Holmenenden beim Abkuppeln, zum Heben der Haupträder nach dem Absenken der Schießplattform, zum Lenken der Stützräder und zu ihrem Heben beim Kraftzugbetrieb, sowie zum Spreizen und Schließen der Holme. Auch kann das Geschütz mit dem Hilfsmotor über kurze Distanzen, mit bis zu 16 km/h in die Feuerstellung gefahren werden. Bei der Rohrwiege sind am Geschützrohr zwei hydropneumatische Rohrbremsen und Rückholeinrichtungen montiert. Am Rohrende befindet sich die Ladungskammer mit einem Volumen von 23 Liter. Verwendet wird ein halbautomatischer Schraubenverschluss. Der Seitenrichtbereich in der unteren Winkelgruppe beträgt ±32,5°. In der oberen Winkelgruppe sind ±41° möglich. Der Höhenrichtbereich beträgt −3° bis +75°. Neben der Rohrwiege sind auf der linken Seite die Visiereinrichtung, die Feuerleitanlage sowie weitere Bedienelemente für den Kanonier montiert.
Hinter dem Verschlussblock kann optional eine halbautomatische Ladehilfe angebracht werden. Diese führt das Geschoss aus einer Ladeschale zu und setzt sie im Rohr an. Danach werden die Treibladungen und Treibladungsanzünder geladen und zugeführt.
Mit der G5 kommt die EMVA Mark-10B-Messanlage zur Messung der Mündungsgeschwindigkeit, die S700-Wetterstation sowie die AS-80-Feuerleitanlage zum Einsatz. Modernere G5-Ausführungen verwenden die AS-2000-Feuerleitanlage. Ein Zielfernrohr ermöglicht die Bekämpfung von Zielen im Direktschuss auf eine Distanz von maximal 5 km.
Beim Transport sind die Holme nach hinten geklappt und ruhen auf zwei absenkbaren und lenkbaren Stützrädern. In Fahrstellung ruht das Rohr entgegen der Fahrtrichtung. Die zwei Stützräder ermöglichen die Steuerung bei der Nutzung des Hilfsmotors. Zum Straßentransport verwenden die südafrikanischen Streitkräfte den Samil-100-Lastkraftwagen. Die maximal zulässige Zuggeschwindigkeit auf der Straße beträgt 90 km/h.
Um das Geschütz feuerbereit zu machen, benötigt die sechs- bis achtköpfige Bedienmannschaft zwischen zwei bis drei Minuten (in einer vorbereiteten Feuerstellung). Danach kann das Geschütz von fünf Mann bedient werden. Beim Schießen sind die Haupträder angehoben und die G5 stützt sich vorn auf eine von der Unterlafette abgesenkte Schießplattform. Am Ende der Holme sind zwei Erdsporne angebracht, welche die Rückstoßkraft in das Erdreich ableiten. Zusätzlich wird der Rückstoß durch eine Einkammer-Mündungsbremse gemindert.
Mit der optionalen Ladeautomatik können innerhalb von 18 Sekunden drei Schuss abgefeuerte werden. Danach können für drei Minuten acht Schuss pro Minute abgefeuert werden. Somit kann eine Batterie mit vier Geschütze innerhalb einer Minute rund 1,8 Tonnen Munition ins Ziel bringen. Wird das Geschütz manuell geladen, beträgt die schnellstmögliche Schussfolge zwei bis drei Schuss pro Minute.
Munition mini|ERFB-Geschosse für die Kanonenhaubitzen G5 und G6 Die G5 verwendet getrennt geladene Munition mit variablen Treibladungsbeuteln. Das heißt, das Geschoss und die Treibladung werden nacheinander geladen. Neben den NATO-Standard-Treibladungen kann auch das von Denel entwickelte modulare M64- und M90-Treibladungssystem mit Zonenladungen verwendet werden. Dieses besteht aus den kombinierbaren Ladungsbeuteln M91 (1,8 kg) und M92 (2,6 kg).
Zusammen mit der G5 wurde die M1-Munitionsfamilie mit Extended-Range-Full-Bore-Geschossen (ERFB) eingeführt. Diese reichweitegesteigerte Munition wurde von Naschem gefertigt, einer Tochterfirma von Denel. Später wurde diese Munition von Denel und danach von Rheinmetall Denel Munition (RDM) weiterentwickelt und für die G5 produziert. Weiter werden vom selben Hersteller auch reichweitegesteigerte HEER-Geschosse für die G5 angeboten. Die G5 entspricht dem Joint Ballistics Memorandum of Understanding (JBMoU) und kann daher eine breite Munitionspalette aus dem internationalen Markt verschießen. Für die G5 wird von Denel bzw. Rheinmetall Denel Munition (RDM) die folgende Munition angeboten:Valka.cz: Assegai Projectile Family (PDF; 3,0 MB)Edrmagazine.eu: Modular improvements for Assegai artillery ammunitionEdrmagazine.eu: Rheinmetall sets three new distance records for indirect fire in South AfricaRheinmetall.com: Extended Range Charge (ERC) for 155mm Artillery (PDF; 0,2 MB)Thefreelibrary.com: Further to the point: until recently, the artillery world was divided into two camps -- those who had embraced Extended Range Full Bore (ERFB) technology and those who had not.Leland Ness & Anthony G. Williams: Jane’s Ammunition Handbook 2006-2007, Fifteenth Edition. 2006, ISBN 0-7106-2746-7, S. 599–608, 611–615 & 644. + G5 mit 45 Kaliberlängen (L/45) mit 23-Liter-Ladungskammer Name Geschosstyp Gewicht Füllung V0 Schussdistanz M107 Sprenggranate 43,8 kg 6,6 kg TNT 830 m/s 24,5 km M1A1 HB ERFB-Geschoss mit Hohlboden 45,3 kg 8,7 kg Composition B 911 m/s 31,6 km M1A1 BB ERFB-Geschoss mit Base Bleed 47,7 kg 8,7 kg Composition B 908 m/s 40,5 km M2000 HB Assegai HEER-Geschoss mit Hohlboden 45,3 kg ~10 kg PBX4 - 30,2 km M2000 BB Assegai HEER-Geschoss mit Base Bleed 45,3 kg ~10 kg PBX4 - 41 km M9703 V-LAP ERFB-Geschoss mit Raketenantrieb & Base Bleed 45,3 kg 4,3 kg TNT 912 m/s 54 km
+ G5-52 mit 52 Kaliberlängen (L/52) mit 23-Liter-Ladungskammer Name Geschosstyp Gewicht Füllung V0 Schussdistanz M9 HB ERFB-Geschoss mit Hohlboden 45,3 kg 8,7 kg Composition B - 38,4 km M9 BB ERFB-Geschoss mit Base Bleed 47,7 kg 8,7 kg Composition B - 45,3 km M2000 HB Assegai HEER-Geschoss mit Hohlboden 45,3 kg 8,7 kg TNT 937 m/s 35,8 km M2000 BB Assegai HEER-Geschoss mit Base Bleed 45,3 kg 8,7 kg TNT 953 m/s 47,4 km M2005 V-LAP HEER-Geschoss mit Raketenantrieb & Base Bleed 43,4 kg 4,5 kg TNT 950 m/s 54,1 km M9703 V-LAP ERFB-Geschoss mit Raketenantrieb & Base Bleed 45,3 kg 4,3 kg TNT 950 m/s 60,3 km
+ G5-52 ER mit 52 Kaliberlängen (L/52) mit 25-Liter-Ladungskammer Name Geschosstyp Gewicht Füllung V0 Schussdistanz M9603A1 BB ERFB-Geschoss mit Base Bleed 47,7 kg 8,71 kg TNT 1.050 m/s 50,1 km M2001 HB Assegai HEER-Geschoss mit Hohlboden 43,4 kg ~10 kg PBX4 995 m/s 38,4 km M2001 BB Assegai HEER-Geschoss mit Base Bleed 43,4 kg ~10 kg PBX4 1.015 m/s 50,0 km M2005 V-LAP HEER-Geschoss mit Raketenantrieb & Base Bleed 43,4 kg 4,5 kg TNT 1.013 m/s 66,9 km M9703 V-LAP ERFB-Geschoss mit Raketenantrieb & Base Bleed 45,3 kg 4,3 kg TNT 1.055 m/s 76,3 km