Get Out ist ein US-amerikanischer Spielfilm von Jordan Peele aus dem Jahr 2017. Der satirische Mystery-Horror-Thriller mit Comedy-Elementen basiert auf einem Originaldrehbuch des Regisseurs. Es erzählt von einem jungen Schwarzen (dargestellt von Daniel Kaluuya), der mit seiner weißen Freundin (Allison Williams) einen Antrittsbesuch bei deren Eltern absolviert. Er beginnt die zunächst freundliche und aufgeschlossene Art der weißen Gemeinschaft mit ihren schwarzen Dienstboten zu hinterfragen und stößt dabei auf ein grauenvolles Geheimnis. Der Film, der thematisch den Alltagsrassismus in den USA aufgreift, feierte am 23. Januar 2017 im Rahmen des Sundance Film Festivals seine Weltpremiere. Am 24. Februar 2017 kam Get Out in die US-amerikanischen und am 4. Mai 2017 in die deutschen Kinos.

Im Rahmen der Oscarverleihung 2018 wurde Get Out mit dem Preis für das beste Originaldrehbuch ausgezeichnet. Der Film war dort auch als bester Film, für die beste Regie und Kaluuya als bester Hauptdarsteller nominiert. Darüber hinaus wurde Get Out mit zahlreichen weiteren Preisen ausgezeichnet.

Handlung Der junge afroamerikanische New Yorker Fotograf Chris Washington und seine weiße Freundin Rose Armitage, die seit rund fünf Monaten zusammen sind, besuchen erstmals gemeinsam Roses wohlhabende Familie auf deren abgelegenem Landsitz: Vater Dean, Neurochirurg, Mutter Missy, Psychiaterin, und Bruder Jeremy, Medizinstudent. Rose gesteht Chris, sie noch nicht über seine Hautfarbe aufgeklärt zu haben, setzt aber beruhigend hinzu, keiner von ihnen sei rassistisch. Der freundliche Empfang scheint dies zu bestätigen. Bald jedoch beginnt man, Druck auf Chris auszuüben: Dean bedrängt ihn, das Rauchen aufzugeben; Missy erklärt sich bereit, dies mit ihrer bewährten Hypnosetechnik umgehend zu realisieren; und der angetrunkene Jeremy will, indem er Chris’ Sportlichkeit lobt, ein Kräftemessen provozieren. Irgendjemand im Haus trennt wiederholt das Ladekabel von Chris’ Smartphone – und gefährdet damit seinen einzigen Kontakt zur Außenwelt; insbesondere zu seinem besten Freund Rod, der innerhalb des US-Innenministeriums beim TSA arbeitet und ihn vor dem Besuch gewarnt hatte.

In der Nacht steht Chris auf, um im Freien heimlich zu rauchen. Das merkwürdige Verhalten des Hausmädchens Georgina und des Gärtners Walter, beide Afroamerikaner und beide laut Dean schon Dienstpersonal von dessen Eltern, beunruhigt ihn dabei so, dass er wieder ins Haus zurückkehrt. Der Gärtner Walter rennt aus der Dunkelheit auf Chris zu, läuft dann aber weiter an ihm vorbei. Georgina steht regungslos am Fenster und scheint sich im spiegelnden Glas selbst zu beobachten. Er begegnet Missy und sie bittet ihn, im Sessel ihr gegenüber Platz zu nehmen. Beständig mit einem Löffel in ihrer Teetasse klimpernd, ruft sie in ihm die Erinnerung wach an die Nacht, als seine Mutter bei einem Unfall mit Fahrerflucht starb und er, auf sie wartend, unfähig war zu handeln, paralysiert – wie jetzt. Erwachend hält Chris das Ganze für einen Albtraum. Als Walter sich jedoch höchst merkwürdig bei ihm für die nächtliche Störung entschuldigt, stellt Chris bei sich eine Abneigung gegen Zigaretten fest. Er glaubt, dass die Hypnose von Missy ihm das Rauchen abgewöhnt hat.

Am Vormittag reisen zahlreiche weitere Gäste an, überwiegend alte Freunde von Rose’ Großvater, die sich traditionell einmal im Jahr hier treffen. Chris wird den fast durchweg betagten weißen Paaren vorgestellt und von ihnen merkwürdig taxiert. Erleichtert sucht er die Nähe des einzigen Afroamerikaners, Logan King, der eine deutlich ältere weiße Frau begleitet. Chris glaubt ihn zu kennen, doch seine konservative Kleidung irritiert ihn ebenso wie sein unnatürliches Verhalten; nicht einmal mit der Ghettofaust weiß er etwas anzufangen. Als Chris jedoch mit dem Smartphone unbemerkt ein Foto von ihm machen will, löst der Blitz etwas in Logan aus, worauf seine Nase plötzlich blutet und er mit dem Schrei „Hau ab!“ (engl. „Get out!“) auf Chris losgeht. Dieser zieht sich mit Rose auf einen Spaziergang zurück. Chris erzählt Rose während des Spaziergangs, dass seine Mutter den Autounfall zwar zunächst überlebte, aber schwer verletzt im Straßengraben liegen blieb und dort starb, weil niemand ihr zu Hilfe kam. Aufgrund dessen macht sich Chris Vorwürfe, dass seine Mutter seinetwegen gestorben sei. Chris und Rose beschließen abzureisen. In ihrer Abwesenheit leitet Dean eine sonderbare, als Bingo getarnte Auktion, als deren Gewinner Jim Hudson hervorgeht, ein erblindeter, im Rollstuhl sitzender Galerist – der einzige weiße Gast, mit dem Chris zuvor ein substanzielles Gespräch führen konnte.

Während er packt, sendet Chris das Foto von Logan an Rod, der ihn als Andre Hayworth aus ihrer „Neighborhood“ identifiziert, der vor einer Weile verschwunden ist. Rod wiederholt seine Befürchtung, Chris sei Weißen in die Hände gefallen, die Schwarze einer Gehirnwäsche unterziehen, um sie als Sexsklaven zu halten. Als die Verbindung zu Chris abbricht und Rod auf eine Vermisstenanzeige von Andre stößt, wendet er sich an die Kriminalpolizei, wird aber für seine These ausgelacht. Chris stieß unterdessen auf anzügliche Fotos, die Rose mit Ex-Liebhabern zeigen, allesamt Schwarze, darunter auch Logan King sowie die Hausangestellten Walter und Georgina. Er drängt Rose zum sofortigen Aufbruch, doch die restliche Familie hält ihn zurück. Als schließlich Rose ihr wahres Gesicht zeigt und sich herausstellt, dass sie ihn hergelockt hat, versucht er zu fliehen. Durch Missys Löffelklimpern fällt er erneut in Paralyse und kann Jeremys plötzlicher Attacke nichts entgegensetzen, wobei er auf den Hinterkopf stürzt.

In einem fensterlosen Raum kommt Chris wieder zu sich, gefesselt an einen Sessel. Vor ihm steht ein Fernseher, in dem kurz nach seinem Erwachen ein Video startet: Es zeigt Roses Großvater, der ihn über die Vorgänge im Haus aufklärt: Unter dem Namen „Coagula“ verhilft man alten und behinderten Verwandten und Bekannten zu erhöhter Lebensdauer und -qualität, indem deren Bewusstsein in den Körper eines zu diesem Zweck gekidnappten jungen, gesunden Schwarzen transplantiert wird. In Chris’ Fall soll ein „Gehirntausch“ mit dem blinden Galeristen stattfinden: Der Galerist soll sein Bewusstsein übernehmen und wieder sehen können, Chris hingegen als Opfer für den Rest seines Lebens hilflos „im versunkenen Bereich“ dahindämmern.

Chris gelingt es, sich fasriges Füllmaterial des Sessels in die Ohren zu stopfen, um das regelmäßig aus dem Fernseher kommende Löffelklimpern nicht zu hören und bei Bewusstsein zu bleiben. Er ist daher nicht paralysiert, als Jeremy ihn zur Gehirntransplantation abholt, und schlägt ihn nieder. Auf der weiteren Flucht tötet er Dean, Missy und den erneut auftauchenden Jeremy. Chris steigt in dessen Wagen und versucht, die Polizei zu kontaktieren. Dies bemerkt Rose, die im Internet nach weiteren schwarzen Männern als nächste Opfer sucht. Mit einem Gewehr bewaffnet, tritt sie vors Haus. Während Chris die Polizei anruft und abgelenkt ist, fährt er versehentlich die plötzlich auftauchende Georgina an. Chris hält inne, sich der besonderen Umstände beim Unfalltod seiner Mutter bewusst werdend, lädt sie ins Auto und versucht zu entkommen. Georgina, in die das Bewusstsein von Rose’ Großmutter transplantiert wurde, erwacht plötzlich und attackiert Chris. Als sie jedoch ins Lenkrad greift, fährt das Auto gegen einen Baum und sie stirbt.

Mittlerweile in Schussweite gekommen, feuert Rose auf Chris, ohne ihn jedoch zu treffen. Plötzlich taucht Walter auf, in den das Ich des Großvaters transplantiert wurde, und greift Chris an. Dieser zückt sein Smartphone und löst die Kamera mit Blitz aus, woraufhin Walter – wie zuvor Logan – aus dem „versunkenen Bereich“ gerissen wird und vorübergehend wieder die Kontrolle über seinen Körper bekommt. Unter dem Vorwand er wolle Chris erschießen, bittet er Rose um das Gewehr. Doch kaum hat Walter das Gewehr erhalten, gibt er einen Schuss auf Rose ab und tötet sich dann selbst. Chris beginnt die schwer verletzte Rose zu würgen, lässt aber schließlich von ihr ab. Als ein Polizeifahrzeug auftaucht, will Chris sich stellen. Doch es ist sein Freund Rod, der gekommen ist, um ihn zu retten. Die beiden fahren davon und lassen die sterbende Rose auf der Straße zurück.

Filmanalyse Filmtitel Der Titel des Films leitet sich von einem Satz ab, der darin genau zweimal in einer Szene gesprochen wird. Logan schreit Chris während der Gartenparty mit „Get Out“ an, in der deutschen Synchronfassung „Hau ab“. Die Worte sind als eine Warnung an Chris zu verstehen, und sprechen den Gedanken des Zuschauers aus, so Will Leitch von The New Republic, Chris vor den sich anbahnenden Ereignissen warnen zu wollen,Will Leitch: Get Out: Menace to Society. Jordan Peele’s horror-comedy explores what lies behind the smiling faces of ‘good’ white people — sometimes literally. In: newrepublic.com, 24. Februar 2017. was auch Peeles Absicht war.Caity Weaver: Jordan Peele on the Most Terrifying Horror Story: Being Black in America. In: gq.com, 3. Februar 2017. Der Titel verweist zudem auf einen weiteren Klassiker des Horrorgenres. Der Satz wird prominent in Amityville Horror verwendet, als Delaney von den Geistern aus dem Haus gejagt wird, damit er die Familie Lutz nicht mehr beschützen kann.Get Out: Diese Horror-Zitate habt ihr vielleicht verpasst! In: kino.de. Abgerufen am 2. Mai 2017.

Genrebestimmung Get Out ist in erster Linie ein Horrorfilm. Die Gefühle der Angst werden durch die Hypnose erzeugt, in die verschiedene Figuren im Film versetzt werden und in deren Folge sie bewegungsunfähig sind und nicht mehr die Kontrolle über ihren Körper haben.Aisha Harris: Get Out. In: slate.com, 23. Februar 2017. Der Film erklärt nicht genau, wie die Hypnose durch die Mutter mit Hilfe einer Teetasse und einem Teelöffel funktioniert,Aidan Lentz: Review: Jordan Peele’s horror film examines racial tension. In: theithacan.org, 15. Februar 2017. wie er auch insgesamt die Unklarheit darüber aufrechterhält, wer im Film eigentlich in die finsteren Pläne involviert ist, ob sich alles nicht vielleicht doch um seltsame Missverständnisse handelt und was in dem Haus vorgeht. Sicher könne der Zuschauer nur sein, so Will Leitch, dass Chris unter den Menschen dort der normalste ist. Dadurch, dass alle ihm sagen, er brauche nicht nervös zu sein, gerät Chris erst wirklich in Panik. Allgemein geht die Gefahr im Film von den Weißen aus, die sich klassischer weißer Waffen wie eines LacrosseschlägersHillary Busis: This Horror Film About Evil White People Looks Absolutely Bonkers. In: Vanity Fair, 5. Oktober 2016. oder auch der Teetasse und des Teelöffels bedienen, mit deren Hilfe Missy den Freund ihrer Tochter in Hypnose versetzt. Rose’ Familie hat allerdings nicht nur eine böse Seite, sondern auch eine warme und sehr menschliche, wohingegen ihre beiden Bediensteten völlig unheimlich wirken. Trotz aller komischer Elemente, so Will Leitch, sei der Film mehr ein Horrorfilm als Comedy. Aidan Lentz vom Ithaca College sagt, der Film vergesse nie seine Horror- oder Komödien-Einflüsse, die darin Hand in Hand gingen, ohne sich jemals gegenseitig im Weg zu stehen. Der Film verortet den Albtraum für einen Schwarzen, aus dem es kein Erwachen zu geben scheint, in der Jetztzeit.