Die Kirche in Pisanica ist ein Bauwerk aus dem beginnenden 20. Jahrhundert und war bis 1945 das zentrale Gotteshaus für das ostpreußische evangelische Kirchspiel Pissanitzen (1926–1945 Ebenfelde). Heute ist sie Pfarrkirche der römisch-katholischen Pfarrei Pisanica in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.
Lage Das masurische Dorf Pisanica liegt 14 km östlich der Kreisstadt Ełk () im Südosten der Woiwodschaft Ermland-Masuren und ist von der Landesstraße 16 aus über Sędki (Sentken) bzw. Wysokie (Wyssocken, 1938–1945 Waltershöhe) zu erreichen. Der Standort der Kirche befindet sich im Nordostbereich des Dorfes unweit der Straße nach Borzymy (Borszymmen, 1936–1938 Borschymmen, 1938–1945 Borschimmen).
Kirchengebäude Im Jahr 1565 entstand in Pissanitzen die erste Kirche. Sie wurde in Holzbauweise errichtet.Pisanica – Pissanitzen/Ebenfelde bei ostpreussen.net Beim Tatareneinfall 1656 erfuhr das Gotteshaus eine totale Zerstörung. Es wurde eine neue Kirche, wohl wieder aus Holz, errichtet, die jedoch später einem Brand zum Opfer fiel.
Nach den Plänen des Berliner Baumeisters Arthur Kickton wurde in den Jahren 1913/14 eine Kirche aus Steinen gebaut,Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 123–124, Abb. 571. die am 29. Januar 1914, acht Monate vor Kriegsausbruch, eingeweiht wurde. Bereits im ersten Kriegsjahr wurde sie von russischen Truppen zerstört.Bild der kriegszerstörten Kirche in Pissanitzen (Deutsches Historisches Museum)
Zu Beginn der 1920er Jahre wurde das Gotteshaus in der ursprünglichen Weise im heute noch vorhandenen Zustand wiederhergestellt: als unverputzter Ziegelbau mit eingebautem Turm.
Der Innenraum ist in drei Schiffe unterteilt und hat flach gedeckte Abseiten. Über dem Mittelschiff befindet sich ein Tonnengewölbe. Der Altarraum hat ein massives Kreuzgewölbe. Der Kanzelaltar wurde in gotisierenden Formen ausgeführt. Die Ausmalung der Kirche hat Ernst Fey aus Berlin vorgenommen.
Nach 1945 wurde das Gotteshaus der katholischen Kirche übereignet, die es innen dem veränderten liturgischen Gebrauch anpasste. Zunächst war es Filialkirche der Pfarrei Wiśniowo Ełckie (Wischniewen, 1938–1945 Kölmersdorf); seit 1971 ist es Pfarrkirche der neu errichteten Pfarrei PisanicaPisanica – Parafia pw. Matki Bożej Królowej Polski im Bistum Ełk.
Evangelische Kirchengemeinde Kirchengeschichte Im Jahr 1565 wurde Pissanitzen evangelisches Kirchdorf und erhielt im selben Jahr seine Pfarrkirche.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente. Göttingen 1968, S. 494. Das Dorf gehörte anfangs zur Inspektion Lyck und wurde später in den veränderten Kirchenkreis Lyck in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union eingegliedert. Erster Pfarrer der Kirche war der bereits seit 1552 hier amtierende Hieronymus Maletius (1525–1583), der sich nicht nur als Theologe, sondern auch als Buchdrucker, Übersetzer und Dolmetscher einen Namen machte.
Im Jahr 1925 zählte das Kirchspiel Pissanitzen 3.300 Gemeindeglieder, die in einem weit gestreuten Gebiet wohnten. Das Kirchenpatronat oblag den staatlichen Behörden.
Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung brachte das Leben der Kirchengemeinde Pissanitzen bzw. Ebenfelde zum Erliegen. Heute leben nur wenige evangelische Kirchenglieder hier. Sie halten sich zur evangelischen Kirchengemeinde in der Kreisstadt Ełk (), einer Filialgemeinde der Pfarrei in Pisz (Johannisburg) in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.
Kirchspielorte Bis 1945 gehörten zum Kirchspiel Pissanitzen (Ebenfelde):Schulort Name Änderungsname1938 bis 1945 PolnischerName Name Änderungsname1938 bis 1945 PolnischerName Czybulken Cybulki Loyen Loien Łoje Czynczen Zinschen Czyńcze Makoscheyen Ehrenwalde Makosieje Gollubien B Gollen Golubie Pissanitzen (ab 1926)Ebenfelde Pisanica Gollupken Lübeckfelde Golubka Ropehlen Kleinsentken Ropele Groß Lasken Laski Wielkie Sieden Mazurowo Karolinenthal Wólka Golubska Statzen Stacze Kulessen Kulesze Sypittken Vierbrücken Sypitki Kutzen, Dorf mitKutzen, Gut Kuczemit Kuczki Wyssocken Waltershöhe Wysokie
Pfarrer An der Kirche in Pissanitzen (Ebenfelde) amtierten als evangelische Geistliche:Friedwald Moeller: Altpreußisches Evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968, S. 111. Hieronymus Maletius, 1552–1567 Georg von Helm, 1567–1588 Matthias Burecko, 1588–1601 Johann Boretius, ab 1602 Paul Trentowius, 1608–1637 Matthias Trentowius d. Ä., 1637–1673 Matthias Trentowius d. J., 1671–1702 Fabian Wedecke, 1702–1732 Bernhard B. Olschewius, 1733–1738 Michael Pisanski, 1738–1742 Johann Christoph Funck, 1742–1748 Samuel Ocronglowius, 1748–1758 Andreas Trojan, 1758–1800 Johann Thomas Skrodzki, 1800–1812 Friedrich Hieronymus Maletius, 1812–1832 Friedrich Ed. Hieronymus Maletius,1832–1874 Ferdinand Prophet, 1870–1878Prophet (1837–1878) war Angehöriger des Corps Masovia. Theodor Heinrich Schulz, 1878–1899 Dietrich G. Hassenstein, 1900–1915 Otto Emil Rauch, 1916–1919 Theodor Heinrich H. Kaminski, 1920–1924 Richard Czygan, 1926–1933 Hermann Gesk, 1933–1939 Werner Rousselle, 1939–1942 Horst Adomat, 1942–1945
Kirchenbücher Von den Kirchenbüchern der Pfarrei Pissanitzen (Ebenfelde) haben sich erhalten und werden bei der Deutschen Zentralstelle für Genealogie (DZfG) in Leipzig aufbewahrt: Taufen: 1832 bis 1874 Trauungen: 1832 bis 1874 Begräbnisse: 1832 bis 1865.
Katholische Kirchengemeinde Kirchengeschichte Vor 1945 lebten nur sehr wenige Katholiken in Pissanitzen (im Jahr 1895 waren es 6, gegenüber 496 Angehörigen der evangelischen Kirche) bzw. Ebenfelde. Mit der Neuansiedlung von polnischen Bürgern nach 1945 kamen viele katholische Kirchenglieder nach Pisanica, die bald auch die bisher evangelische Kirche als ihr Gotteshaus betrachteten. Es entstand hier eine Gemeinde, die anfangs noch Filialgemeinde der Pfarrei in Wiśniowo Ełckie (Wischniewen, 1938–1945 Kölmersdorf) im Bistum Ermland war. Am 15. Mai 1971 wurde in Pisanica eine eigene römisch-katholische Pfarrei gebildet und die Kirche der Mutter Gottes, der Königin von Polen gewidmet. Sie ist heute Teil des Dekanats Miłosierdzia Bożego in Ełk im Bistum Ełk der Römisch-katholischen Kirche in Polen.
Pfarreiorte Zur Pfarrei () Pisanica gehören acht Dörfer: Name Deutscher Name Name Deutscher Name Czyńcze Czynczen1938–1945 Zinschen Pisanica Pissanitzen1926–1945 Ebenfelde Kucze mit Kuczki Kutzen, Dorf mit Gut Romanowo Romanowen1938–1945 Heldenfelde Łoje Loyen1938–1945 Loien Stacze Statzen Makosieje Makoscheyen1938–1945 Ehrenwalde Wysokie Wyssocken1938–1945 Waltershöhe
Anmerkungen
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Erbaut in den 1910er Jahren Kategorie:Kirchengebäude der Backsteingotik Kategorie:Umgewidmetes Kirchengebäude Kategorie:Maria-Königin-von-Polen-Kirche Kategorie:Kirchengebäude im Bistum Ełk Kategorie:Kirchengebäude in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Gmina Kalinowo