Die portugiesisch-senegalesischen Beziehungen beschreiben das zwischenstaatliche Verhältnis von Portugal und dem Senegal. Die Länder unterhalten seit 1974 direkte diplomatische Beziehungen.
Historisch sind die Länder seit der Ankunft der Portugiesischen Entdeckungsreisenden als erste Europäer hier im 15. Jahrhundert verbunden. Einige Familiennamen und Ortsbezeichnungen gehen auf die lange Anwesenheit der Portugiesen im heutigen Senegal zurück, etwa Saly Portudal oder Rufisque. Auch die eigene sprachliche und kulturelle Identität der senegalesischen Region Casamance geht auf die Portugiesen zurück.
Im Jahr 2008 erhielt Senegal den Status eines assoziierten Beobachters in der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder, deren Gründungsmitglied Portugal ist. Die Portugiesische Sprache wird in Senegal besonders verbreitet gelehrt und ist zudem die Wurzel des Crioulo, der verbreiteten Regionalsprache in der Casamance.
Im Jahr 2011 lebten 1.623 Senegalesen in Portugal.Jorge Macaísta Malheiros. Lissabon Juni 2013: Diagnóstico da População Imigrante em Portugal: Desafios e Potencialidades (Deutsch: Untersuchung der Zuwandererpopulation in Portugal: Herausforderungen und Möglichkeiten) (Senegal auf Seite 36 der PDF-Datei 2,24 MB) In Senegal leben deutlich weniger Portugiesen, zumeist Mitarbeiter portugiesischer oder anderer internationaler Organisationen und Unternehmen. Im Jahr 2012 sendete der öffentlich-rechtliche portugiesische Fernsehsender RTP in seiner Serie Portugueses pelo Mundo (dt. etwa: „Portugiesen über die Welt verstreut“) eine Folge über Senegals Hauptstadt Dakar und ihr Umland. Dort stellten mit einer UN-Mitarbeiterin, einem Fußballtrainer, einem Hochschullehrer und einem Werftleiter vier Portugiesen ihren Wohnort Dakar den Zuschauern vor.Portugueses Pelo Mundo – Dacar, Episódio 20 de 25, Webseite der RTP-Serie zur Folge aus Dakar (Nr. 20 von 25 der 5. Staffel), abgerufen am 1. Februar 2017, abgerufen am 1. Februar 2017
Geschichte Vor 1975 mini|Das bekannte Sklavenhaus in Gorée (um 1839) Der portugiesische Seefahrer Dinis Dias nahm die Insel Gorée 1444 in Besitz, danach errichteten die Portugiesen zum Schutz ihres neuen Handelspunktes eine Festung. 1536 bauten die Portugiesen hier ein erstes Sklavenhaus, an dessen Stelle das heute bekannte, 1776 von Holländern errichtete Sklavenhaus steht.Eintrag zum Sklavenhaus auf der Insel Gorée (unter Cronologia) in der portugiesischen Denkmalliste SIPA, abgerufen am 29. Januar 2017
Der portugiesische Seefahrer Gonçalo Gamboa Ayala, erster Kapitän (Capitão-mor) von Cacheu, gründete 1645 den Ort Ziguinchor, heute Hauptort des Gebietes von Casamance (port. Casamansa).
Hier lebende Portugiesen aus Militär, Verwaltung oder Handel heirateten auch Einheimische, etwa Töchter lokaler Handelsfamilien oder befreundeter Sklavenhändler. Diese Frauen wurden Signare genannt und besaßen oder erlangten teils selbst Einfluss und Besitz.
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erwachte erstmals auf Seiten Frankreichs Interesse an dem Gebiet, das etwas größer als das heutige Belgien ist. Der damalige, farbige Gouverneur der portugiesischen Besitzung, Honório Pereira Barreto warnte in mehreren Briefen die Zentralregierung in Lissabon vor der Gefahr der zunehmenden Anwesenheit interessierter ausländischer Personen in Ziguinchor, jedoch ohne Antworten zu bekommen. Der Abgeordnete für die Insel Madeira etwa sah in der portugiesischen Abgeordnetenkammer beim Tagesordnungspunkt zum Thema Casamansa 1840 in der Besitzung keine ausreichende Bedeutung, um dem französischen Interesse an ihr nicht nachzukommen. Außer Alexandre Herculano, der heftig widersprach, zeigte kein Abgeordneter besonderes Interesse an dem Thema.Fernando Cristóvão (Hrsg.): Dicionário Temático da Lusofonia. Texto Editores, Lissabon/Luanda/Praia/Maputo 2006, S. 641ff. (ISBN 972-47-2935-4)
Die dennoch bestehen gebliebenen französisch-portugiesischen Differenzen in der Casamansa-Frage kamen ab 1870 verstärkt zum Vorschein, als Frankreich aus dem Abkommen vom 18. März 1868 rechtmäßige eigene Ansprüche auf das Gebiet las, während Portugal das Abkommen in dem Punkt gegensätzlich interpretierte. Nach einer Reihe Zwischenfälle in der Region trafen Portugal und Frankreich 1886 in Berlin eine Vereinbarung über die Grenzen Guineas. Portugal trat dabei Ziguinchor an die Franzosen ab, während Frankreich den Portugiesen das Gebiet von Cacine (heute eine Ortschaft der Region Tombali in Guinea-Bissau) im Norden Guineas überließ. Das Abkommen stieß auf Ablehnung in der bestimmenden afro-portugiesischen Familie, den Carvalho de Alvarengas, die weitgehend die Geschicke Zinguinchors bestimmten.
1887 verstarb hier Jean Frédéric Chambaz, bedeutendster französischer Händler in der Region und Befürworter des biologischen und kulturellen Mestizentums. Neben Französisch beherrschte er fließend das regionale portugiesischbasierte Kreol und hatte hier 13 Söhne mit drei Frauen.
Erstmals wurde dieses portugiesische Kreol 1922 transkribiert, mit dem Werk Petit Catéchisme Créole-Portugais, Katesismu di Dotrina Krist(o~) des Franzosen Pierre J. Esvan. Es war in Französisch abgefasst, wurde gedruckt bei Souza Cruz im portugiesischen Braga, und gelangte nicht nach Guinea-Bissau. Darin zeigt Esvan, dass das lokale Kreol aus dem Portugiesischen und aus lokalen afrikanischen Sprachen entstanden ist.
Zwischen 1963 und 1975, insbesondere während des Portugiesischen Kolonialkriegs im benachbarten Guinea-Bissau, hatte Portugal keinen Botschafter in Senegal akkreditiert, sondern ließ seine Interessen durch die schweizerische Botschaft in Dakar vertreten.Seite des schweizerischen Außenministeriums zu den Beziehungen zu Portugal, abgerufen am 20. Januar 2017
Seit 1975 mini|Präsident Léopold Senghor (1987) Nach der Nelkenrevolution 1974 in Portugal und der folgenden Auflösung des Portugiesischen Kolonialreichs 1975 erhielten die Beziehungen beider Länder eine neue Grundlage. Mit der Doppelakkreditierung des portugiesischen Botschafters in Guinea-Bissau, João de Sá Coutinho Sotto Maior, in der senegalesischen Hauptstadt Dakar begannen am 20. Juni 1975 die direkten diplomatischen Beziehungen zwischen Portugal und Senegal.Übersicht zu den diplomatischen Beziehungen mit dem Senegal des Diplomatischen Instituts des portugiesischen Außenministeriums, abgerufen am 4. Mai 2019
Nach dem Tode des ersten senegalesischen Präsidenten Léopold Senghors Ende 2001 äußerte Mário Soares seine tiefe Trauer und bezeichnete Senghor als einen großen Freund und Mitstreiter gleicher Ideale. Die diplomatischen Beziehung beider Länder waren im September 1974 von Senghor und Soares persönlich in Paris vereinbart worden.Léopold Senghor morre aos 95 anos de idade Mário Soares “triste e emocionado” com morte de Senghor – „Léopold Senghor stirbt im ALter von 95, Mário Soares ‚traurig und berührt‘ durch Tod von Senghor“, Artikel vom 20. Dezember 2001 der portugiesischen Tageszeitung Público, abgerufen am 29. Januar 2017
Seit 2008 ist Senegal assoziierter Beobachter in der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder, deren Gründungsmitglied Portugal ist. Die bilateralen Beziehungen zwischen beiden Ländern haben sich in der Folge verstärkt. Besonders die Region Casamance wurde danach verstärkt ein Ziel der portugiesischen Entwicklungshilfe.
2015 eröffnete das portugiesische Kulturinstitut Instituto Camões ein Sprachzentrum in Ziguinchor, nach Dakar das zweite in Senegal. Parallel baute die senegalesische Regierung das seit der Unabhängigkeit 1960 eingerichteteHá 44 mil alunos a aprender português no Senegal – „44 Tausend Schüler lernen Portugiesisch im Senegal“, Artikel vom 13. November 2016 der portugiesischen Zeitung Diário de Notícias, abgerufen am 29. Januar 2017 Angebot an Portugiesischunterricht an weiterführenden Schulen aus. Heute ist Senegal mit etwa 44.000 Schülern noch vor Spanien das Land mit den meisten Portugiesischschülern im regulären Schulsystem, neben den außerschulischen Portugiesischangeboten u. a. des Instituto Camões.
In Senegal sind auch zivilgesellschaftliche Akteure aus Portugal aktiv. So unterstützte zuletzt die portugiesische Hilfsorganisation Assistência Médica Internacional (AMI) ab April 2018 ein Projekt zur Verbesserung frauenspezifischer Gesundheit in 17 Gemeinschaften der Region Thiès und der Region Diourbel, das sie auch überwiegend finanziert.Website zum Unterstützungsprojekt Dono-Manga-Krankenhaus (engl., port.), Website der Assistência Médica Internacional, abgerufen am 13. April 2019
Casamance Der gesamte Landesteil Casamance (port.: Casamansa) unterscheidet sich bis heute geografisch und kulturell vom Rest des Landes. Er ist durch seine Geschichte als portugiesische Kolonie und durch seine Nähe zum ehemals portugiesischen Guinea-Bissau geprägt. So wurde u. a. der Hauptort Ziguinchor im 17. Jahrhundert durch Portugiesen gegründet, und es wird hier ein Portugiesischbasiertes Kreol gesprochen, das Guineabissauische Kriolu. Der Casamance-Konflikt ging auf diese unterschiedlichen kulturellen Wurzeln zurück, die noch immer nachwirken.Fijus di Terra: 500 anos depois ainda se fala português no Senegal – „Fijus di Terra: 500 Jahre später wird noch immer Portugiesisch gesprochen in Senegal“, Artikel vom 20. Januar 2016 im Portugiesischen Kultur-Portal Vortex Magazin, abgerufen am 29. Januar 2017
Partnerstädte 1989 entstand die erste Städtefreundschaften, zwischen der portugiesischen Hafenstadt Viana do Castelo und der senegalesischen Hafenstadt Ziguinchor, die im 15. durch Portugiesen gegründet wurde. Seither sind zwei weitere Partnerschaften zwischen Kommunen beider Länder entstanden.Liste der portugiesisch-senegalesischen Städtepartnerschaften beim Verband der portugiesischen Verwaltungskreise (ANMP), abgerufen am 16. Mai 2020
Diplomatie mini|Der Hauptsitz des Instituto Camões in Lissabon ist ebenso an der Avenida da Liberdade gelegen wie die Botschaft Senegals Die Botschaft Portugals in Senegal residiert in der Villa Martha, Avenue des Ambassadeurs 6 der Hauptstadt Dakar. Zum Amtsbezirk der Botschaft gehören auch die Länder Burkina Faso (port.: Burquina Faso), Elfenbeinküste (Costa do Marfim), Gambia, Liberia, Mali, Mauretanien (Mauritânia), Guinea (República da Guiné) und Sierra Leone (Serra Leoa).Embaixada Portugal em Dakar Konsulate über die Botschaft hinaus unterhält Portugal in Senegal nicht.
Senegal unterhält in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon seine Botschaft in der Nummer 38 der zentralen Avenida da Liberdade. Dies ist zudem die Verbindungsbüro des Landes bei der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder, bei der es assoziierter Beobachter ist. Neben der Botschaft sind keine Konsulate Senegals in Portugal eingerichtet.
Kultur und Sprache Das portugiesische Kulturinstitut Instituto Camões ist mit zwei Sprachzentren in Dakar und Ziguinchor und einem Lektorat in Dakar vertreten., Website des Kulturinstituts Instituto Camões, abgerufen am 28. Januar 2017
Drei Baudenkmäler Senegals sind in der portugiesischen Denkmalliste SIPA gelistet. Neben dem Sklavenhaus (port.: Casa dos Escravos na Ilha de Gorée) im Speziellen und allgemein dem gesamten historischen Ortskern auf der Insel Gorée, seit 1978 UNESCO-Welterbe, ist dies die portugiesische Festungsanlage Forte de Portudal bei M’bour, ursprünglich aus dem 15. Jahrhundert.Eintrag des Forte de Portudal in der portugiesischen Denkmalliste SIPA, abgerufen am 29. Januar 2017 An der dortigen Badeküste der Petite-Côte wurde seit 1984 das Seebad Saly Portudal als touristisches Zentrum Senegals entwickelt.Porträt des Reiselands Senegal im Reisejournalisten-Portal Schwarzaufweiss (achter Absatz, unter Petit Côte/M’bour), abgerufen am 29. Januar 2017Information im Portal Senegal Reisen, abgerufen am 29. Januar 2017