Der Begriff Geozone(n) (auch Geographische Zonen oder Zonales Modell) wird hier als Oberbegriff für alle Modelle der Bio- und Geowissenschaften verwendet, die die Erdoberfläche nach verschiedenen Merkmalen in Zonen einteilen. Eine „Zone“ ist in diesem Zusammenhang eine abgrenzbare Fläche mit auffallenden Ähnlichkeiten bestimmter naturräumlicher Erscheinungen, die in ost-westlicher Anordnung in etwa auf den gleichen Breitengraden (ein- oder mehrfach) vorkommen (zum Beispiel die Ökozone der Immerfeuchten Subtropen nach Schultz, die u. a. auf der Südhalbkugel zwischen 25 und 40° südlicher Breite an den Ostseiten aller Kontinente zu finden ist) – und die Teil verschiedener, die ganze Erde umfassender Zonen ist.
Die primäre Ursache aller Geozonen sind die Klimazonen, die sich prinzipiell – sofern nicht durch Hochgebirgsklimate unterbrochen – weltumspannend gürtelförmig um die Erde erstrecken und deren Entstehung auf gleichartige thermische Klimabedingungen durch unterschiedlich starke Sonneneinstrahlung zurückzuführen ist. Der Grund für die Existenz verschiedener, nebeneinander liegender Geozonen innerhalb eines Breitengradbereiches sind weitere Klimaparameter – vor allem die Niederschläge im Wechsel der Luftdruck- und Windsysteme – in den jeweiligen Klimazonen. Abweichungen von den parallelen Breitenkreisen werden durch die klimatischen Auswirkungen von Meeresströmungen und Gebirgen oder durch besondere regionale Bodenbeschaffenheiten (vor allem Wasserdurchlässigkeit und -haltevermögen) verursacht.
Geozonen bilden immer nur einen zeitweiligen Zustand ab, da sich das Klima der Erde in langen Zeiträumen immer verändert. Der menschengemachte Klimawandel führt sehr wahrscheinlich schon in wenigen Jahrzehnten zu notwendigen Anpassungen der Klimazonen- und der anderen geozonalen Modelle.Webseite vom „Institute for Veterinary Public Health“, abgefragt im Januar 2013. Prognosekarten nach dem „Worst Case“-Klima-Szenario „A1Fl“ des IPCC.
Die in Schulbüchern häufige Bezeichnung Landschaftsgürtel vereint Elemente aus Klimatologie, Bodenkunde, Geobotanik und Geomorphologie, die – unklar voneinander abgegrenzt – auf einen geozonalen Raum projiziert werden.Sascha Leufke (Autor), Michael Hemmer, Gabriele Schrüfer, Jan Christoph Schubert (Hrsg.): Klimazonen im Geographieunterricht - Fachliche Vorstellungen und Schülervorstellungen im Vergleich in Münsteraner Arbeiten zur Geographiedidaktik, Band 02, 2011, (PDF), S. 33.
Höhenstufen sind keine Geozonen, obwohl auch hier der prägende Faktor das Klima ist. Biogeographische Modelle, die keinen direkten Bezug zum Klima aufweisen (wie z. B. das Floren- oder Faunenreich) werden ebenfalls nicht zu den Geozonen gerechnet!
Begriff „Geozonal“ ist zusammengesetzt aus den altgriechischen Worten γη / „ge“ (Vorsilbe Erd-) und „zṓnē“ (sich gürten). Der Begriff bezeichnet eine der geographischen Maßstabsebenen zwischen „global“ und „regional“.
Der Ausdruck „Geozone“ geht u. a. auf einen Vorschlag des Geographen Josef Birkenhauer zurückJosef Birkenhauer: Notes on a Transformed Regional Geography: a West German view. Geography Vol. 71, No. 2, 1986, S. 131–135. und ist fast ausschließlich im Zusammenhang mit der Didaktik der Geographie, vor allem in Schulen und Schulbüchern, gebräuchlich. So wird er z. B. im Handbuch des Geographieunterrichts als Sammelbegriff für die verschiedenen Modelle zur Einteilung der Erde verwendet, die sich mit den klimaabhängigen Erscheinungsformen der Naturräume befassen.Dieter Böhn, Dieter Börsch, Helmuth Köck (Hrsg.): Handbuch des Geographieunterrichts. Aulis-Verlag. In gleicher Weise stehen die Geozonen in zahlreichen Lehrplänen. Da der Begriff lediglich undifferenziert aus den Worten Erde und Zone zusammengesetzt ist, eignet er sich gut als lexikalischer Oberbegriff für alle Arten von Zonen.
Der Begriff wird in Wissenschaft und Literatur demnach selten und uneinheitlich verwendet. Synonyme sind häufig Geographische Zone und Zonale Modelle. Die ebenfalls in verschiedenen Publikationen angewandten Begriffe Geoökologische Zone, Vegetationszone, Florenzone, Biozone und Ökozone werden zusammenfassend als Zonale Modelle der Biogeographie bezeichnet und damit als zweiter Unterpunkt den Geozonen untergliedertHeinz Nolzen (Hrsg.): Handbuch des Geographieunterrichts, Bd. 12/II, Geozonen. Aulis Verlag Deubner & Co, Köln 1996. (→ Grundlage und Gliederung). (Geologische Zone ist ein Begriff aus der Geologie, der keinen Bezug zu den hier beschriebenen geografischen Zonen hat)
Die Teilaspekte, auf die Wert gelegt wird, sind bei allen Modellen jeweils andere; immer ist aber das Klima ein bestimmender Faktor, gefolgt von der Vegetation. Den Pflanzen und hierbei besonders ihren typischen Formationen kommt vermehrt Aufmerksamkeit zu: Einmal lassen sie sich relativ leicht erfassen und kartografieren, zum anderen nimmt man eine besondere Indexfunktion der Pflanzen an. Das heißt, dass aus einer Pflanzenformation recht sichere Schlüsse auf andere Faktoren wie Klima und Boden, aber auch vorhandene Tiere gezogen werden können.
Grundlage und Gliederung Klimazonen
Aufgrund der Kugelgestalt der Erde wird der Einfallswinkel der Sonnenstrahlen vom Äquator zu den Polen immer flacher. Damit nimmt die Strahlungsenergie (mathematisch berechenbar) entsprechend ab.dokumente-online.com Dies ist die primäre Ursache für die Entstehung der unterschiedlichen Klimate auf dem Planeten und damit der (solaren und thermischen) Klimazonen als Grundlage aller geozonaler Modelle.
Mit den sogenannten Klimaklassifikationen entstanden detaillierte Modelle der Klimatologen, die bereits große Ähnlichkeiten mit den biogeographischen Modellen aufweisen.Richard Pott: Allgemeine Geobotanik. Springer, Berlin / Heidelberg 2005, ISBN 3-540-23058-0.Dieter Heinrich; Manfred Hergt: dtv-Atlas zur Ökologie. (= dtv. 3228). 3. Auflage. München 1994, ISBN 3-423-03228-6.
Zonale Modelle der Biogeographie Der zweite Zweig der Geozonen umfasst die aus dem Klima und weiteren sekundären Merkmalen (Flora, Fauna, Wasserhaushalt, Boden u. ä.) abgeleiteten Modelle, die zonalen Modelle der Biogeographie. Zum Teil wird der Begriff „Landschaftszone“ als Oberbegriff verwendet.Hans-Ulrich Bender, Ulrich Kümmerle, Norbert von der Ruhren: Fundamente. Landschaftszonen und Raumanalyse. (= Geographie 11 Niedersachsen). Klett Ernst/Schulbuch (Mai 2000)D. C. Money: Landschaftszonen und Ökosysteme. (…) Charakteristika und Entwicklung. 6 verschiedene Bände, Klett Ernst/Schulbuch (1980–1997)Frithjof Altemüller: Folienbuch Klima- und Landschaftszonen der Erde: 65 Folienbilder für die Tageslichtprojektion : mit Erläuterungen und Arbeitsblättern für die praktische Schülerarbeit. Klett-Perthes, 1999.
Anthrom, die zonale Gliederung nach der Prägung durch den Menschen Die Naturräume der Erdoberfläche werden nicht nur durch natürliche Faktoren wie Klima, Geologie, Flora und Fauna geprägt, sondern in zunehmendem Maße durch den Menschen. Zonen gleicher Landnutzung ähneln sich dabei oft, auch wenn sie in verschiedenen Klimazonen liegen. Nach dem Modell von Erle C. Ellis und Navin Ramankutty lassen sich so verschiedene Anthrome definieren, beispielsweise Städte, Siedlungen, landwirtschaftliche und forstwirtschaftliche Flächen, sowie Wildnis.
Die Vielfalt der geozonalen Modelle mini|links|hochkant=3.6|Diese Animation zeigt nacheinander 11 Karten verschiedener geozonaler Modelle und veranschaulicht so ihre Unterschiede. (Schleifendauer ca. 3 Min.)
Animationsreihenfolge
Satellitenbildkarte der Erde (Hybrid aus Satellitenbild und physischer Karte der Landflächen) Solare Einstrahlung, vereinfacht (rot = stark, weiß = gering) Beleuchtungsklimazonen (Wendekreise und Polarkreise als Grenzen) Klimazonen (genetisch) Klimazonen, effektiv (nach Köppen/Geiger) Vegetationszonen Vegetationszonen, vereinfacht FAO-Ökozonen Zonobiome (nach Walter und Breckle) Ökozonen (nach Schultz) abschließend erneut Satellitenbildkarte
Die Auswahl der für ein Geozonen-Modell verwendeten Daten und Merkmale (wie Sonneneinstrahlung, Temperatur, Niederschlag, Pflanzendecke, Böden, Tierwelt u.v. a.) sind je nach Autor und Zweck unterschiedlich. Während die Vegetationszonenmodelle aus sehr vielen Zonen bestehen, kommt beispielsweise das Ökozonenmodell (Schultz) mit nur neun Zonen aus. So sind auch die Grenzen zwischen den Zonen sehr unterschiedlich gewählt. Zudem kommt es zwangsläufig zu Abweichungen, da die Übergänge in der Realität fließend sind und jeder Autor demnach seine eigene Festlegung vornehmen muss.(Anmerkung: Die in der Animation verwendeten Karten Vegetationszonen, FAO Ecozones, Zonobiome und Ökozonen sind auch als statische Wikipedia-Karten vorhanden.)
Datengrundlage mini|hochkant=1.2|Gliederung der wichtigsten terrestrischen Pflanzenformationen nach Temperatur und Niederschlag aufgrund verifizierter Daten.Die Hartlaubvegetation (12) liegt hier bei 13–20 °C und 300–900 mm.
Die Abgrenzung innerhalb fließender Übergänge und das Fehlen allgemeingültiger Standards hat zwangsläufig zu einer großen Modellvielfalt geführt. Zudem sind aufgrund des globalen Bezugsrahmens immense Datenmengen nötig, um zu belastbaren Ergebnissen zu kommen. Dies war bis zur Einführung der elektronischen Datenverarbeitung nur sehr eingeschränkt möglich. Für geozonale Modelle existiert daher eine Vielzahl von Grenzwerten und Aussagen, die über Jahrzehnte unkritisch beibehalten wurden, obwohl sie modernen Erkenntnissen teilweise nicht mehr entsprechen. Vergleiche werden dadurch erheblich erschwert.Carl Beierkuhnlein u. Jan-Christopher Fischer: Global Biomes and Ecozones – Conceptual and Spatial Communalities and Discrepancies. In: Erdkunde. Band 75, Nr. 4, 2021 ( PDF). , Zusammenfassung S. 249.
Ein Beispiel ist die Abgrenzung von Pflanzenformationen / Vegetationstypen nach den Jahresdurchschnittswerten für die Lufttemperaturen und Niederschlagssummen. Während die extrem trockenen, kalten und feuchten Klimaregionen immer schon recht einheitlich zugeordnet wurden, existieren dazwischen große Unterschiede. Die Zone der mediterranen Hartlaubvegetation wurde etwa wie folgt eingegrenzt: