Die AfD Nordrhein-Westfalen ist der Landesverband der rechtspopulistischen und rechtsextremenInstitut für Menschenrechte: Rassistisch und rechtsextrem: Klare Abgrenzung von der AfD geboten (7. Juni 2021); eingesehen am 7. September 2021 Partei Alternative für Deutschland (AfD) in Nordrhein-Westfalen. Der Landesverband wird seit dem 7. Februar 2022 von Martin Vincentz geleitet. Mit dem früheren Co-Landesvorsitzenden Marcus Pretzell als Spitzenkandidaten trat die Landespartei erstmals zur Landtagswahl 2017 an und zog daraufhin in den Landtag von Nordrhein-Westfalen ein. Zur Bundestagswahl 2017 trat die AfD in NRW mit dem früheren Co-Landesvorsitzenden Martin Renner als Spitzenkandidaten an und zog mit einer 15-köpfigen Landesgruppe erstmals in den 19. Deutschen Bundestag ein.
Geschichte Der Landesverband der AfD Nordrhein-Westfalen wurde am 12. April 2013 in Rommerskirchen gegründet. Sprecher der Partei (entspricht einem Vorsitzenden) wurde Alexander Dilger, blieb dies jedoch nur bis zum Monatswechsel November/Dezember 2013. Nachfolger als Vorstandssprecher wurde Jörg Burger. Für nur kurze Zeit, nämlich von April 2014 bis Juni 2014, war Hermann Behrendt Sprecher. Im Juni 2014 wurde dann Marcus Pretzell Landesvorsitzender, bis August 2015 teilte er sich dieses Amt mit Martin Renner.
Bei der Bundestagswahl am 22. September 2013 erreichte die AfD in Nordrhein-Westfalen 3,9 Prozent. Bei den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen am 25. Mai 2014 erzielte die AfD auf der Ebene der Kreise und kreisfreien Städte insgesamt 2,5 Prozent und konnte in eine Reihe von Stadträten und Kreistagen einziehen.So hat NRW gewählt -FDP wird bei Kommunalwahl abgestraft bei wdr.de Bei der ebenfalls am 25. Mai 2014 stattfindenden Europawahl kam die AfD in Nordrhein-Westfalen auf 5,4 Prozent. Bei der Landtagswahl 2017 bekam die AfD 626.756 Zweitstimmen (7,4 Prozent) und holte damit 16 Mandate.https://www.wahlergebnisse.nrw.de/landtagswahlen/2017/aktuell/a000lw1700.shtml
Im Dezember 2017 wurden Thomas Röckemann und Helmut Seifen zu Vorsitzenden gewählt.Landesparteitag NRW-AfD wählt Röckemann und Seifen an die Spitze, Kölner Stadt-Anzeiger, 9. Dezember 2017. Ab 2019 kam es zu einem zunehmenden Richtungsstreit zwischen Mitgliedern um den als gemäßigt geltende Co-Vorsitzenden Helmut Seifen und seinem dem völkisch-nationalen Flügel zugerechneten Kollegen Thomas Röckemann. Auf einem Sonderparteitag im Juli 2019 erreichten mehrere Anträge auf die Abwahl der jeweils anderen Fraktion nicht die notwendige Zweidrittelmehrheit der rund 500 Delegierten. Daraufhin traten der Vorsitzende Helmut Seifen und acht weitere Landesvorstandsmitglieder des 12-köpfigen Gremiums zurück. In den folgenden Monaten war Röckemann alleiniger Landesvorsitzender. Im Oktober 2019 unterlag er bei einer Neuwahl mit 215 von 540 Stimmen Rüdiger Lucassen, der 321 Stimmen erhielt und den Landesverband bis Februar 2022 als alleiniger Vorsitzender führte.https://www1.wdr.de/nachrichten/landespolitik/afd-landesparteitag-nrw-kalkar-102.htmlEx-Bundeswehroberst wird AfD-Landesschef, Zeit online, 5. Oktober 2019. Am 5./6. Februar beim 19. Landesparteitag in Siegen, löste Martin Vincentz den vorherigen Landessprecher Rüdiger Lucassen ab, der aus persönlichen Gründen nicht mehr kandidierte. Beim Landesparteitag am 24./25. Februar 2024 wurde Martin Vincentz im Amt bestätigt.
Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul teilte im Januar 2019 mit, dass der Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen die AfD in NRW wegen Kontakten zur rechtsextremen Szene, etwa zur Identitären Bewegung, und sich daraus ergebenden möglichen extremistischen Bestrebungen überprüft. Im November 2020 wurde mitgeteilt, dass derzeit keine verdichteten Anhaltspunkte für den Verdacht extremistischer Bestrebungen vorlägen und auch Ansätze einer parteiinternen Einbindung des Flügels in NRW vorerst gescheitert seien. Der Flügel, dem etwa 1.000 Mitglieder zugerechnet werden, sei jedoch erwiesen extremistisch und werde beobachtet.
Die Landesgeschäftsstelle der Partei wurde am 25. Juni 2019 von der Polizei durchsucht. Der AfD-Politiker Guido Reil soll sich eine Wahlkampf-Plakataktion von unbekannten Spendern aus dem Nicht-EU Ausland bezahlt haben lassen, woraufhin die Essener Staatsanwaltschaft diesem Verdacht nachgeht. Im Raum steht, dass die Zuwendungen vom Kassenwart der Partei im Rechenschaftsbericht verschwiegen oder falsch dargestellt wurden.
Anfang 2020 veröffentlichte die AfD Nordrhein-Westfalen ein Malbuch für Kinder mit dem Titel „NRW zum Ausmalen“. Ein Bild zeigte aus einem Schwimmbecken fliehende Badegäste, in dem sich mit Burka verhüllte Frauen und Männer mit großen Ohren und lockigen Haaren mit Knochen darin befinden. Ein Transparent trug den Schriftzug „Wir baden das aus!“ Dieses Bild wurde als kolonialistisch und rassistisch kritisiert. Ein anderes Bild zeigte einen Autokorso, in dem Männer mit Fes um sich schießen. Der Staatsschutz ermittelt nach einer Anzeige wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Nach massiver Kritik veröffentlichte die AfD eine Pressemitteilung, in der es hieß, dass im „Kampf gegen die Erfolge der AfD nun auch die Kunst- und Satirefreiheit angegriffen werden“ solle. Fraktionschef Markus Wagner sah die Verantwortung dafür bei „Antifa-Extremisten“. Kurz darauf gab Wagner bekannt, das Heft sei „verfrüht veröffentlicht“ worden, die beauftragte Projektgruppe sei „über das Ziel hinaus gegangen“. Das Projekt werde „sofort und ersatzlos beendet“.Daniel Veutgen: www.derwesten.de, 20. Februar 2020„Dieses Buch gehört in die braune Tonne“: AfD-„Malbuch“ in der Kritik. www.stern.de, 19. Februar 2020
An den Wochenenden 15./16. Mai und 22./23. Mai 2021 hat die AfD in der Siegerlandhalle in Siegen bislang eine Landesliste von zwanzig Personen für die Bundestagswahl 2021 gewählt. Eine weitere Veranstaltung für zusätzliche Listenplätze ist für den 20. Juni 2021 am gleichen Ort geplant. Ende Mai 2021 erklärte der stellvertretende Landessprecher Martin Schiller seinen Austritt aus der Partei, womit auch sein Vorstandsmandet vorzeitig endete. Anfang Juni erklärte Petra Schneider ihren Rücktritt.
Am 5./6. Februar 2022 wurde Martin Vincentz in Siegen neuer Vorsitzender und löste damit den alleinigen Landessprecher Rüdiger Lucassen ab.Dr. Martin Vincentz ist neuer Landessprecher der AfD NRW, AfD.nrw, 7. Februar 2022. Bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 2022 verlor die Partei zwei Prozentpunkte und landete bei 5,4 Prozent der Wählerstimmen.
Am 15. April 2023 fand der 20. Landesparteitag in Marl statt.Einladung zum 20. Landesparteitag AfD NRW, Afd.nrw, 18. April 2023. Im Zuge dessen wurde die nach dem Rücktritt des vorherigen Schatzmeisters vakant gewordene Funktion nachgewählt. Vorgeschlagen wurden der bis zu diesem Zeitpunkt stellvertretende Schatzmeister Christian Blex und Uwe Lindackers, der bereits Vorstandsmitglied im Bezirksverband Düsseldorf ist. Die Delegierten wählten mehrheitlich Blex, Lindackers wurde in der darauf folgenden Wahl stellvertretender Schatzmeister.Landesvorstand NRW, AfD.nrw, 17. April 2023 Den Landesparteitag eröffneten der Landessprecher Martin Vincentz und die Bundessprecherin Alice Weidel. Der Parteitag verlief insgesamt ruhig und unspektakulär, da es hauptsächlich um Satzungsänderungen ging.Ein AfD-Arbeitsparteitag mit (überschaubaren) Folgen, wdr.de, 15. April 2023
Auf dem Landesparteitag der AfD Nordrhein-Westfalen in Marl vom 10. bis 12. Juli 2026 konnte sich bei der Listenaufstellung für die Landtagswahl 2027 eher das moderate Lager um Landeschef Martin Vincentz durchsetzen. Bei der Abstimmung scheiterte ein Großteil der Kandidaten aus dem völkischen Lager um Matthias Helferich, dessen, im Juli 2025 durch das Landesschiedsamt beschlossener, Parteiausschluss im Juni 2026 vom Bundesschiedsgericht aufgehoben und in eine sechsmonatige Ämtersperre umgewandelt worden war. Helferich selbst verlor den angestrebten Listenplatz gegen Klaus Esser.
Daraufhin gründete Tritschler eine Chatgruppe mit dem Namen „Operation Filibuster“, in der sich Abgeordnete der AfD Nordrhein-Westfalen organisierten, um die Abstimmung zur Landesliste durch das Aufstellen von mehr als 90 Kandidaten zu sabotieren und gezielt zu verzögern. Es kam zu chaotischen Zuständen und wechselseitigen Vorwürfe von körperlichen Übergriffe, Beleidigungen und Einschüchterungsversuche, die Abgeordneten Helferich und Knuth Meyer-Soltau stellten Strafanträge gegeneinander.
Ein vom Bundesvorstand initiiertes Mediationsverfahren zwischen Martin Vincentz und Sven Tritschler am 15. Juli 2026 in Düsseldorf scheiterte laut Tritschler nach 10 Minuten. In einem Schreiben an den Bundesvorstand gab sich Vincentz „fassungslos, dass eine Bundessprecherin der AfD sich nicht klar von derartigen undemokratischen, Antifa-ähnlichen Auswüchsen distanziert“.
Am 16. Juli forderte daraufhin der AfD-Bundesvorstand den Landesverband NRW schriftlich dazu auf, aufgrund der „übereinstimmenden Schilderungen“ von Bedrohungen und erheblichen Unterdrucksetzungen von stimmberechtigten Delegierten, die gesamte Aufstellung der Kandidaten für die NRW-Landtagswahl 2027 abzubrechen und neu anzusetzen, da sonst eine Nichtzulassung der Landesliste für die Landtagswahl drohen könne.
Vincentz wies das Schreiben des Bundesvorstands und die Aufforderung zum Abbruch der Landeswahlversammlung zurück. In einer Antwort an die AfD-Chefin Alice Weidel schrieb er, er wundere sich, dass „angebliche Rechtsunsicherheiten“ als Grund für einen Abbruch der Listenaufstellung angeführt würden, und vermutete eher die ungewünschte Zusammensetzung der Landesliste als Grund. Es gebe keine rechtliche Grundlage, auf welcher der Bundesvorstand eine laufende Landesversammlung abbrechen könne. Auch die Vorwürfe der Wahleinmischung wies er zurück, da „die Geheimheit der Wahl zu jedem Zeitpunkt gewährleistet gewesen sei“ und „strafbares Verhalten Einzelner – sollte es sich erweisen – Sache der Ermittlungsbehörden sei“ und nicht die Wahl der ersten Listenkandidaten beeinträchtige.
Am 17. Juli 2026 ging der Landesparteitag in Marl offiziell weiter. Das Lager der Abgeordneten um den Bundesvorstand stellte den Antrag, den Parteitag abzubrechen, doch die klare Mehrheit der knapp 500 Delegierten stimmte dagegen. Daraufhin verließen die Abgeordneten des Weidel-Lagers unter Protest den Saal. In der anschließenden Abstimmung der Landesliste wurden die von Vincentz aufgestellten Vertreter des gemäßigten Flügels bis Listenplatz 32 (von insgesamt 82 Plätzen) mit klarer Mehrheit gewählt. Der AfD-Bundesvorstand setzte daraufhin am 20. Juli 2026 eine Untersuchungskommission ein. Dieser soll die Finanzen des NRW-Landesverbands untersuchen und auch prüfen, ob gegen einzelne Mitglieder des Landesverbandes Ordnungsverfahren eingeleitet werden.
Organisation
Landesparteitag Höchstes Parteiorgan ist der Landesparteitag. Er berät und beschließt über grundsätzliche politische und organisatorische Fragen des Landesverbands, insbesondere über das Wahlprogramm und die Landessatzung, und wählt für zwei Jahre den Landesvorstand, die Rechnungsprüfer und das Landesschiedsgericht. Dieses entscheidet über parteiinterne Streitigkeiten und kann Mitglieder ausschließen. Der Parteitag findet als Vertreterversammlung (Delegiertenparteitag) statt. Die Kreisverbände entsenden dazu je zehn Mitglieder einen stimmberechtigten Delegierten.