Schmidmühle (auch „Schmiedmühle“, „Schmidtmühle“; früher auch „Sengenmühl“, „Sengermühle“ oder „Schneidermühle“, „Schneidmühle“) ist eine abgegangene Mühle, aber noch ein existierender Gemeindeteil der Gemeinde Sengenthal im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz in Bayern.

Lage Die Einöde Schmidmühle liegt westlich vor der Albstufe des Oberpfälzer Jura. Die Mühle selber lag dort an dem der Sulz zufließenden Wiefelsbach, der neben acht anderen Mühlen das Mühlrad für den einen Mahlgang der Schmidmühle (so 1836) antrieb.Repertorium des topographischen Atlasblattes Neumarkt, 1836, S. 18, 53

Geschichte Die Mühle soll zu dem 1180 aufgeführten Besitz der bayerischen Herzöge (5 Huben und 2 Lehen in „Sengental“) gehören, der von den Staufern auf sie übergegangen ist.Monumenta Boica, Bd. 36, München 1852, S. 341 In den Salbüchern der Bayernherzöge ist sie als „Sengenmühle“ eingetragen.Romstöck/Dürr, S. 165 Nach einem Verzeichnis von 1616 stand der Hauszehent dem Pfarrer von Berngau zu, zu deren 1480 errichteten Filiale St. Nikolaus Reichertshofen (ab 1853 eigene Pfarrei) die Mühle ursprünglich gehörte.Buchner I, S. 100, 103

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Mühle, die damals im Besitz des Pflegamtsverwalters des wolfsteinischen Schlosses Burgruine Obersulzbürg war, zerstört und 1663 von einem Neumarkter Huf- und Waffenschmied wiederaufgebaut. Wahrscheinlich erhielt die Mühle damit den Namen „Schmidmühle“. Auch für 1670 ist überliefert, dass der Klein- und Großzehent der Mühle dem Pfarrer zukommt.Romstöck/Dürr, S. 165; Buchner I, S. 102

Am Ende des Alten Reiches, um 1800, gehörte die Mühle zur Oberen Hofmark Berngau und unterstand hochgerichtlich dem herzoglich-baierischen Schultheißenamt Neumarkt.Heinloth, S. 280

Im Königreich Bayern wurde zwischen 1810 und 1820 der Steuerdistrikt Forst, dann die gleichnamige Ruralgemeinde des Rentamtes Neumarkt gebildet, die aus Forst selber, Braunshof, Rocksdorf und Stadlhof bestand. In diese Gemeinde wurde die Gemeinde Wiefelsbach des Steuerdistrikts Reichertshofen mit ihren zehn Einöden integriert, außer der Schmiedmühle die Kindlmühle, die Kastenmühle, die Birkenmühle, die Braunmühle, der Dietlhof, die Gollermühle, die Ölkuchenmühle, die Schlierfermühle und die Seitzermühle.Heinloth, S. 322 f., 329 (dort falsch „Wieselsbach“) So erscheint 1834 die Schmidmühle als einer von sechs Orten von Sengenthal.Königlich Bayerisches Intelligenzblatt für den Regen-Kreis, Regensburg, 18. Juni 1834, Spalte 795/796

1848 umfasste das Areal der Schmidmühle 147,61 Tagewerk; dazu hatte der Müller noch Besitz in Reichertshofen und Stauf.Romstöck/Dürr, S. 166 Gemäß der Volkszählung vom 1. Dezember 1875 bestand die Mühle aus drei Gebäuden und hatte 13 Einwohner, an Großvieh drei Pferde und 21 Stück Rindvieh.Kgl. Statistisches Bureau in München (Bearb.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern... nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Decbr. 1875, München 1876, Spalte 885

Seit dem 18. Jahrhundert im Besitz der Müllerfamilie Gmelch, starb als letzter Müller der Schmidmühle 1937 Josef Gmelch. Danach ging die Mühle in den Besitz von Nürnberger Bürgern über und wurde zu einem Erholungsheim umgebaut, das wegen seines eisenhaltigen Brunnens einige Bekanntheit erlangte. 1940 mietete ein nahes Zementwerk das Heim zur Unterbringung ausländischer Arbeitskräfte und kaufte es schließlich 1942. Ein Teilabbruch erfolgte 1952. 1967 wurden die Stallungen des Anwesens zu einer Pension für Reitpferde umgewidmet. 1991 erwarb ein Ehepaar aus Neumarkt das restliche Schmiedmühlen-Anwesen.

Erhalten hat sich (Stand: 1986) ein zweistöckiges Wohnstallhaus mit Fachwerkgiebel aus dem 18. Jahrhundert, das als Baudenkmal gilt.Sixtus Lampl und Otto Braasch: Denkmäler in Bayern, Band III: Oberpfalz. Ensembles, Baudenkmäler, Archäologische Geländedenkmäler, München: R. Oldenbourg Verlag, 1986, S. 159

Einwohnerzahlen 1830: 4 (1 Haus)Karl Friedrich Hohn: Der Regenkreis des Königreichs Bayern, geographisch und statistisch beschrieben, Stuttgart und Tübingen: Cotta, 1830, S. 142 1836: 11 (1 Haus)Popp, Th. D. (Hg.): Matrikel des Bissthumes Eichstätt, Eichstätt: Ph. Brönner, 1836, S. 41 1861: 14 („Schneidmühle“, 3 Gebäude)Joseph Heyberger: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon, München 1867, Spalte 710 1871: 13Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern... nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Decbr. 1875, Spalte 885 1938: 26Buchner II, S. 453 1961: 12 (2 Wohngebäude)Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961, München 1964, Spalte 553 1987: 4 (1 Wohngebäude, 1 Wohnung)

Literatur Franz Xaver Buchner: Das Bistum Eichstätt. I. und II. Band, Eichstätt: Brönner & Däntler, 1937/1938

Kurt Romstöck (Text) und Alfons Dürr (Zeichnungen): Die Mühlen im Landkreis Neumarkt i. d. Opf. , Neumarkt i. d. Opf. 2004

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Einzelnachweise

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