Else Mathilde Erna Hirschberg (* 11. Februar 1892 in Berlin; † 1942 im KZ Auschwitz) war eine deutsche Chemikerin. Sie gilt als die erste Chemieabsolventin an der Universität Rostock.Tim Peppel, Gisela Boeck: Else Hirschberg (1892–1942): the rediscovery of the private and professional life of the first female chemistry graduate at Rostock University in a digitised world. In: The Journal of Genealogy and Family History. 2018, 2, S. 1–19. doi:10.24240/23992964.2017.1234512.
Leben alternativtext=|mini|Grabstein von Aurelie Hirschberg, der Mutter von Else Hirschberg, auf dem Jüdischen Friedhof in Rostock. Else Hirschberg kam 1892 in einer jüdischen Familie zur Welt. Ihr Vater Louis Michael (genannt Ludwig) Hirschberg, war Kaufmann und Eisenbahndirektor. Ihre Mutter Aurelie Hirschberg, geb. Kroner, stammte aus einer bedeutenden Rabbinerfamilie. Insgesamt hatte das Paar vier Töchter: Else, Paula, Hertha und Margot. Else Hirschberg besuchte Lyzeen in Berlin, Königsberg und Rostock.
1908 begann Hirschberg Vorlesungen für das Fach Chemie an der Universität Rostock zu besuchen. In Mecklenburg wurde Frauen das Studium erst im Wintersemester 1909/10 erlaubt. Ihr Verbandsexamen legte Hirschberg 1913 bei August Michaelis ab, wurde jedoch aufgrund eines fehlenden Abiturs nicht zur Promotion zugelassen. Ab 1917 arbeitete Hirschberg als wissenschaftliche Hilfsarbeiterin am Physiologischen Institut der Universität Rostock. 1927 legte sie eine dem Abitur ähnliche Prüfung ab und konnte 1928 ihre Promotion abschließen. Parallel schrieb sie sich für ein Medizinstudium ein; dies ermöglichte ihr eine reguläre Anstellung. Aufgrund ihrer jüdischen Abstammung wurde Hirschberg 1933 entlassen.
Nach dem Tod der Mutter 1936 zog Hirschberg nach Hamburg, wo sie als Laborleiterin im Israelitischen Krankenhaus Hamburg arbeitete. Sie bemühte sich vergeblich um eine Ausreise in die USA, wozu sie William Albert Noyes, den sie von einer Tagung in Rostock kannte, um Hilfe bat. Er übernahm für sie, Hertha und Margot Hirschberg Affidavits, die die drei Schwestern aber nie erreichten. Am 11. Juli 1942 wurde Else Hirschberg mit ihrer Schwester Margot nach Auschwitz deportiert, ihr genaues Todesdatum ist nicht bekannt.
Gedenken mini|Denksteine für die Schwestern Else, Hertha und Margot Hirschberg in der Schillerstr. 29 in Rostock. In der Wiesenstraße 26 in Hamburg-Eimsbüttel wurde im August 2016 ein Stolperstein für Else Hirschberg eingeweiht. Vor ihrem alten Rostocker Wohnhaus in der Schillerstraße 29 wurde am 6. Juli 2017 für sie und ihre Schwestern Denksteine platziert.Gisela Boeck, Tim Peppel: Die Chemikerin Else Hirschberg (1892–1942). In: Traditio et Innovatio, Magazin der Universität Rostock. Nr. 1, 2017, , S. 17. Seit 2022 trägt der Radschnellweg entlang des Südstadt-Campus der Universität Rostock den Namen Else-Hirschberg-Weg.
Publikationen (chronologisches Gesamtverzeichnis)
Beiträge zur Kenntnis der Pharmokologie [sic!] von Convallaria majalis. Dissertation, Rostock 1928.
Literatur Tim Peppel, Gisela Boeck: Else Hirschberg (1892–1942): the rediscovery of the private and professional life of the first female chemistry graduate at Rostock University in a digitised world. In: The Journal of Genealogy and Family History. Band 2, 2018, S. 1–19, doi:10.24240/23992964.2017.1234512. Gisela Boeck, Tim Peppel: Die erste Rostocker Absolventin der Chemie. In: Nachrichten aus der Chemie. Band 66, Nr. 5, Mai 2018, S. 542–544, doi:10.1002/nadc.20184072924. Gisela Boeck, Tim Peppel: Die Chemikerin Else Hirschberg (1892–1942). In: Traditio et Innovatio, Magazin der Universität Rostock 1/2017, S. 16–17. (Digitalisat) Juliane Deinert: Die Studierenden der Rostocker Universität in der Zeit des Nationalsozialismus In: Gisela Boeck und Hans-Uwe Lammel (Hrsg.): Die Universität Rostock in den Jahren 1933–1945 (= Rostocker Studien zur Universitätsgeschichte, Band 21). Universität Rostock, Rostock 2012, S. 163–183, insbesondere S. 168 (Digitalisat). Bettina Kleinschmidt: Ausstellung zur Geschichte des Frauenstudiums an der Universität Rostock In: Kersten Krüger (Hrsg.): Frauenstudium in Rostock. Berichte von und über Akademikerinnen (= Rostocker Studien zur Universitätsgeschichte, Band 9). Universität Rostock, Rostock 2010, S. 58 (Digitalisat)
Weblinks Else Hirschberg im Rostocker Matrikelportal
Einzelnachweise
Kategorie:Opfer des Holocaust Kategorie:Todesopfer im KZ Auschwitz Kategorie:Person, für die im Bezirk Eimsbüttel ein Stolperstein verlegt wurde Kategorie:Chemiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1892 Kategorie:Gestorben 1942 Kategorie:Frau