MarieLuiseDer Standard, 28. Dezember 2012 „Ein ungleiches Paar kommt selten allein“ ist eine ca. zweistündige Kammeroper in 17 Bildern von Kristine Tornquist (Libretto, 2011) und Gernot Schedlberger (Musik, 2011/12).
Handlung Marie und Luise sind siamesische Zwillinge, sie teilen sich zwei Beine und zweieinhalb Arme, aber sonst ist jede von ihnen eine eigenständige Persönlichkeit.
Weil sie sich in ihrer Gemeinsamkeit als vollkommen erleben, wollen sie sich politisch engagieren. Sie treten gemeinsam in die gelbe Partei ein, auf deren Agenda das Soziale ganz oben steht. Doch lernen sie bald, dass die Politik ihre eigenen Gesetze hat. Albin, rechte Hand des Parteichefs Professor Hirsch, erklärt ihnen unverblümt, wie man sich in der Politik und bei den Medien gegen Mitbewerber durchsetzt.
Da die Zwillinge sich bewähren und in den Medien populär geworden sind, wird ihnen endlich ein Amt angetragen – das Sozialressort. Doch kann nur eine vorne stehen. Die innerparteiliche Entscheidung zwischen Luise und Marie wird zur privaten Katastrophe. Marie verweigert in der Abstimmung ihre Stimme. Sie will nicht für sich gegen Luise stimmen. Die knappe Abstimmung fällt deshalb zugunsten Luises aus. Sie übernimmt unbeirrt die Sozialagenden.
Marie, die nicht damit einverstanden ist, dass Stimmen gegeneinander aufgerechnet werden, geht in Opposition zur violetten Partei. Die beiden Parteien koalieren und so gelten Marie und Luise als Symbole der Koalition, obwohl sie privat längst nicht mehr im Einklang sind.
Als jedoch die Wahl ansteht, beschließen die Parteien – getrieben von Spindoktor Albin – die Zwillinge wieder loszuwerden, da sie einen glaubwürdigen Wahlkampf gegeneinander erschweren. Marie und Luise werden also wieder zurück in ihr zweisames Leben katapultiert, doch nichts ist, wie es früher war. Ihre zunehmende Opposition hat sich auf ihren geteilten Körper verlagert. Marie hat sich in den Pressesprecher der Violetten, den schönen Alexander, verliebt. Sie verlangt die Trennungsoperation, auch wenn als sicher gilt, dass nur eine von ihnen überleben wird.
Komposition Die 90-minütige Kammeroper besteht aus 17 ineinander übergehenden Szenen oder Bildern und wurde 2011 bis 2012 komponiert, in der Besetzung 8 Sänger, ein Schauspieler und 12-köpfiges Kammerorchester.
In der Orchesterbesetzung nehmen 2 Bassklarinetten eine hervorragende Stellung ein, da sie als musikalisches Äquivalent zu den siamesischen Zwillingen Marie und Luise gedacht sind.
Die Streicherbesetzung ist in tiefem Register gehalten (2 Bratschen, Violoncello und Kontrabass), um die oft düsteren Stimmungen der Handlung wiedergeben zu können.
Gestaltung Szenenfolge Ouvertüre Marie und Luise Die einzelnen Menschen Die gelbe Partei Friseur und Presse Karriere Abstimmung Opposition Die violette Partei Alexander Intrige Wahlkampf Marie oder Luise Die Ärzte Operation Erwachen Nachspiel/Epilog
Besetzung Schedlberger verwendete in seiner fünften Kammeroper (op. 30) eine Besetzung von acht Sängern und Sängerinnen (teilweise Doppelrollen), einem Schauspieler und einem 12-köpfigen Kammerorchester, wobei die zwei Bassklarinetten im Kammerorchester als musikalisches Äquivalent zu dem siamesischen Zwillingspärchen stehen.
Piccoloflöte / Flöte / Altflöte (1 Spieler) Bassklarinette 1 Bassklarinette 2 / Klarinette in B Horn in F Trompete in B Akkordeon Klavier / Celesta (1 Spieler) Schlagwerk zwei Violen Violoncello Kontrabass
Werkgeschichte mini|Iwona Sakowicz und Salina Aleksandrova in der Titelrolle MarieLuise entstand im Auftrag des sirene Operntheater.sirene Operntheater (Archiv) Die UraufführungUdo Pacolt: Rezension der Uraufführung. In: Online Merker. 3. Januar 2013, abgerufen am 24. November 2024. fand in Wien am 31. Dezember 2012 im Palais Kabelwerk statt.Mitschnitt der Uraufführung auf YouTube Es folgten weitere Vorstellungen am 3., 4., 5., 8. und 9. Januar 2013. Die Produktion war eine Kooperation zwischen dem sirene Operntheater und der Österreichischen Gesellschaft für Zeitgenössische Musik (ÖGZM). Die musikalische Leitung hatte Gernot Schedlberger inne, Regie führte Kristine Tornquist, Produktionsleiter war Jury Everhartz.
Sänger/Schauspieler Iwona Sakowicz (Marie) Salina Aleksandrova (Luise) Richard Klein (Fux/Chop) Johannes Schwendinger (Falk/Dimezza) Johann Leutgeb (Hirsch/Neher) Günther Strahlegger (Bock/Morcellier) Gerhard Hafner (Friseur/Reporter) Lisa Rombach (Reporterin/Schwester Dolores) Klaus Rohrmoser (Dr. Z)
Leadingteam Gernot Schedlberger, musikalische Leitung Kristine Tornquist, Regie Andrea Költringer, Bühne Hans Lindner, Jakob Scheid, Michael Liszt, Clemens Miggitsch, Franz Jackel, Bühnenbau Markus Kuscher, Kostüme Edgar Aichinger, Licht und Technik Antonia Jurkovic, Maske Benjamin McQuade, Kaori Nishii, Korrepetition Theresa Busch, Regieassistenz Isabelle Gustorff, Dramaturgie Marianne Korner, mathematische Beratung Katja Graf, Tiertraining Jury Everhartz, Produktionsleitung
Musiker Claudia Schiske (Flöten) Thomas Schön (Bassklarinette 1) Sabine Zwick (Bassklarinette 2 / Klarinette) Hermann Ebner (Horn) Hermann Mitterer (Trompete) Bojana Foinidis (Akkordeon) Benjamin McQuade (Klavier / Celesta) Berndt Thurner (Schlagwerk) Ines Nowak-Dannoritzer (Viola 1) Martina Reiter (Viola 2) Francois-Pierre Descamps (Violoncello) Antal Rácz (Kontrabass)
Den Ehrenschutz der Aufführungen übernahm der Beauftragte der Stadt Wien für Universitäten und Forschung Alexander Van der Bellen.
Weblinks
Video der Uraufführungsproduktion auf YouTube Partitur (PDF; 3,2 MB) Libretto (PDF; 224 kB)
Einzelnachweise
Kategorie:Operntitel Kategorie:Oper in deutscher Sprache Kategorie:Oper aus dem 21. Jahrhundert Kategorie:Musik 2012 Kategorie:Kammeroper