Der Lingner Altstadtgarten Dresden ist ein geplanter Wohnkomplex mit Gewerbeflächen auf dem ehemaligen Robotron-Gelände in der Dresdener Innenstadt.
Robotron-Gelände ab 1968
Die SED-Kreisleitung entschloss sich im Jahre 1968, in der Stadtmitte Dresdens einen neuen Gebäudekomplex für die Entwicklung und Herstellung von Rechentechnik an der Leningrader Straße gegenüber dem Neuen Rathaus zu bauen. Der 1969 bis 1972 vom VEB Wohnungs- und Gesellschaftsbau erstellte Gebäudekomplex bestand aus einem L-Bau (Kombinatsleitung, heute Motel), dem Atrium I (ZFT) und Atrium II (Robotron-Messelektronik und Betriebspoliklinik), einem Sozialgebäude (Betriebsgaststätte) sowie dem Rechenzentrum (später Teppichladen).
Übergang an die Treuhand 1990 Die Regierung Modrow erließ zum 1. März 1990 eine Verordnung,„Verordnung zur Umwandlung von volkseigenen Kombinaten, Betrieben und Einrichtungen in Kapitalgesellschaften vom 1. März 1990“ (GBL der DDR I, Nr. 14 S. 107) wonach Volkseigene Kombinate und Volkseigene Betriebe (VEB) in Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) oder Aktiengesellschaften (AG) mit der Treuhandanstalt als Gesellschafter umzuwandeln waren. Auf Grundlage dieser Verordnung wurde als Beauftragter der Treuhand für die Bildung des Aufsichtsrates für den VEB Kombinat Robotron mit Wirkung vom 30. Juni 1990 Prof. Dr. Gerhard Merkel, damals Direktor des Instituts für Informatik und Rechentechnik der Akademie der Wissenschaften der DDR sowie Mitglied des Forschungsrats der DDR, berufen.Prof. Dr. Gerhard Merkel war 1969 bis 1979 und 1983 bis 1985 Forschungsleiter bei Robotron und außerdem 1969 bis 1977 Direktor des Großforschungszentrums (GFZ) und des Zentrum für Forschung und Technik (ZFT) von Robotron (auf Empfehlung der Staatssicherheit wurde er zwischenzeitlich 1980 bis 1983 als Leiter der Arbeitsstelle für Molekularelektronik (ZFTM) in Dresden abberufen)
Am 1. Juli 1990 trat das von der am 18. März 1990 gewählten letzten Volkskammer der DDR beschlossene Treuhandgesetz„Gesetz zur Privatisierung und Reorganisation des volkseigenen Vermögens (Treuhandgesetz) vom 17.06.1990“ (GBL der DDR I, Nr. 33 S. 300) vom 17. Juni 1990 in Kraft. Somit endete die Beauftragung von Prof. Dr. Gerhard Merkel bereits nach einem Tag. Die Treuhand hatte nun die Aufgabe, möglichst kurzfristig die „Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu sichern“ (§ 8 Treuhandgesetz) oder, wenn das nicht möglich war, stillzulegen. Unter diesen Umständen beendeten der VEB Kombinat Robotron und seine Betriebe unmittelbar vor der Deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 ihre Rechtsfähigkeit von Amts wegen.vgl. Prof. Dr. Gerhard Merkel: Zur Industriegeschichte der Stadt Dresden von 1945 bis 1990. VEB Kombinat Robotron. Sitz Dresden. Ein Kombinat des Ministeriums für Elektrotechnik und Elektronik der DDR. Eine Gemeinschaftsarbeit der Arbeitsgruppe Industriegeschichte mit dem Stadtarchiv Dresden, Fassung vom 30. Dezember 2005, S. 60: „Ab 01.07.1990 galten im Wesentlichen die Gesetze der Wirtschaft der BRD auch für das Gebiet der DDR; es gab keinen geschützten Markt für die DDR-Betriebe mehr. Die DM wurde als Zahlungsmittel eingeführt mit dem Effekt, dass man für DM Waren und Leistungen aus aller Welt erwerben konnte und auch die bisherigen Kunden von Robotron in anderen sozialistischen Ländern Waren von den Robotron-Betrieben bzw. deren Nachfolgern nur gegen frei konvertierbare Währung kaufen konnten. Es entstanden für einige Monate nahezu chaotische Zustände („Bruchlandung“ der Wirtschaft als „Königsweg“ für den Anschluss der DDR an die BRD).“ (abgerufen am 26. Mai 2017)
Es gab bereits kurz nach der Insolvenz Pläne, das Areal abzureißen und einen Wohnkomplex zu bauen. Diese Pläne wurden aber wieder verworfen.
Erwerb durch die Moll Bau GmbH 1992 1991 wurde als Tochtergesellschaft der Treuhandanstalt die Treuhand Liegenschaftsgesellschaft mbH (TLG), die heutige TLG Immobilien, gegründet. Dieser oblag die Verwaltung, Verwertung und Entwicklung der Immobilienbestände in den neuen Bundesländern im Besitz der Treuhandanstalt. Das zum „wesentlichen Entwicklungsbereich“ südliche Pirnaische Vorstadt gehörende Robotrongelände war „klar als Erweiterungsfläche für die Dresdner Innenstadt definiert“.Die südliche Pirnaische Vorstadt mit dem ehemaligen Robotronareal. Webseite der Stadt Dresden unter: Stadtraum – Planen & Bauen – Stadtentwicklung, Planung und Erneuerung – Stadtplanung – Übergeordnete Stadtteilplanungen: „Die südliche Pirnaische Vorstadt mit ihrer unmittelbaren Nähe zur historischen Altstadt stellt einen wesentlichen Entwicklungsbereich der Dresdner Innenstadt dar… War in den 1990er Jahren die Funktion klar als Erweiterungsfläche für die Dresdner Innenstadt definiert, so ist heute zu konstatieren, dass Nutzungen wie Einzelhandel, zentrale Verwaltungseinrichtungen („Technisches Rathaus“), Gastronomie oder Kultur sich nur in geringem Maße bzw. nicht im Gebiet neu etabliert haben.“ (abgerufen am 27. Mai 2017) Die TLG verkaufte es 1992 an die 1990 gegründete Moll Bau Dresden GmbH.vgl. Martin Neubacher: Good bye, Robotron. In: Umrisse. Zeitschrift für Baukultur. Heft 1/2015, S. 7: „Es fand sich indes mit dem Unternehmer Werner Moll ein Investor, der das Gelände 1992 der Treuhand abkaufte.“ (abgerufen am 26. Mai 2017) Mit dieser GmbH sollten die Kapazitäten der 1932 gegründeten und im württembergischen Gruibingen ansässigen heutigen Georg Moll Tief- + Straßenbau GmbH + Co KG im Osten Deutschlands ausgeweitet werden.vgl. Webseite zur Geschichte der Georg Moll Tief- + Straßenbau GmbH + Co KG: „1932: Im April wird durch die Partner Georg Moll und Karl Hascher ein Baugeschäft gegründet. 1964: Werner Moll tritt in die elterliche Firma ein. Die Tätigkeiten im Tief- und Straßenbau werden verstärkt. 1990: Moll Bau Dresden wird gegründet und die Kapazitäten im Osten Deutschlands ausgeweitet.“ (abgerufen am 26. Mai 2017) Die Moll Bau Dresden GmbH war zu diesem Zeitpunkt bereits mit der versuchten Übernahme des VE BMK Kohle und Energie, Kombinatsbetrieb Industriebau Dresden, gescheitert.damaliger Sitz: „Moll Bau GmbH (VE BMK Kohle und Energie, Kombinatsbetrieb Industriebau Dresden), Nickerner Weg 2“ (aus: Birgit Breuel (Vorwort): Offizielles Firmenverzeichnis der Treuhandanstalt. Verlag Hoppenstedt, Darmstadt 1991 [Redaktionsschluss März 1991], S. 120–136); die Union-Bau als Nachfolger des BMK Kohle und Energie wurde am 18. Juni 1991 von der Dyckerhoff & Widmann AG (Dywidag) übernommen
Die mit dem Aufbau Ost verbundenen Hoffnungen auf eine rasante Angleichung der wirtschaftlichen Verhältnisse realisierten sich jedoch nicht wie 1992 erwartet. Insbesondere der Immobiliensektor enttäuschte sehr stark gegenüber den anfangs zu optimistischen Markteinschätzungen. Die Planungskonzepte auf der Grundlage des städtebaulichen Ideenwettbewerbs „Östlicher Altstadtring/Pirnaische Vorstadt“ von 1994 bis 1998 konnten infolge der zunächst negativen demographischen Entwicklung, verbunden mit weiterhin erheblichen Flächenpotentialen in der Innenstadt, nicht umgesetzt werden.vgl. Die südliche Pirnaische Vorstadt mit dem ehemaligen Robotronareal. Webseite der Stadt Dresden unter: Stadtraum – Planen & Bauen – Stadtentwicklung, Planung und Erneuerung – Stadtplanung – Übergeordnete Stadtteilplanungen: „Die in der Folge des städtebaulichen Ideenwettbewerbs ‚Östlicher Altstadtring/Pirnaische Vorstadt‘ 1994 bis 1998 auf Grundlage optimistischer Prognosen erarbeiteten Planungskonzepte haben nicht zu der erhofften Entwicklung geführt. Die entgegen der Anfang der 1990er Jahre prognostizierten Entwicklung eingetretene tatsächliche Situation mit einer deutlich zurückhaltenderen demografischen Entwicklung, den noch immer im Kernbereich der Innenstadt vorhandenen erheblichen Flächenpotentialen für innenstadtrelevante Nutzungen sowie veränderten Bedingungen auf dem Wohnungs- und Büromarkt führte in Folge nicht zur Umsetzung der Planung.“ (abgerufen am 27. Mai 2017)
Die Gebäude wurden demzufolge ohne Werterhaltung abgenutztvgl. Martin Neubacher: Good bye, Robotron. In: Umrisse. Zeitschrift für Baukultur. Heft 1/2015, S. 7: „Große Entwicklungsschübe setzte dies jedoch nicht frei. Es blieb bei der vorübergehenden Nutzung einzelner Gebäude, deren baulicher Pflege und Werterhaltung wenig Bedeutung beigemessen, geschweige denn, dass ihr architektonischer Wert gesehen wurde.“ (abgerufen am 26. Mai 2017) und 1999 die heutige Georg Moll Tief- + Strassenbau GmbH + Co. KG mit dem alleinigen Gesellschafter Rolf Gehrer gegründet, der 1993 als Geschäftsführer bestellt worden war.Webseite zur Geschichte der Georg Moll Tief- + Straßenbau GmbH + Co KG: „1991: Rolf Gehrer tritt als Leiter der Abteilung Tief- und Strassenbau in das Unternehmen ein. 1993: Die Firmen werden in verschiedene selbstständige Geschäftsfelder aufgeteilt. Rolf Gehrer wird als Geschäftsführer bestellt. 1999: Die heutige Georg Moll Tief- + Strassenbau GmbH + Co. KG wird gegründet. Rolf Gehrer übernimmt den Tief- und Straßenbau als alleiniger Geschäftsführer / Gesellschafter. 2000: In Gruibingen wird das Betriebsgelände mit ca. 30.000 qm Fläche gekauft. 2008: Das Verwaltungsgebäude wird neu gebaut. 2009: Die Abteilung Bauwerkserhaltung wird aufgebaut.“ (abgerufen am 26. Mai 2017) Nachdem die neue Firma in Gruibingen ein neues Betriebsgelände erwarb, worauf dann ein neues Verwaltungsgebäude sowie eine neue Abteilung Bauwerkserhaltung errichtet wurden, musste am 13. August 2009 die in Dresden-Alttorna ansässige Moll Bau Dresden GmbH abgemeldet werden.vgl. Wirtschaftsinformation (Stand 20. Januar 2012) zur Moll Bau Dresden GmbH – Dresden: „Die Firma Moll Bau Dresden GmbH war im Handelsregister beim Amtsgericht Dresden unter der Nummer HRB 614 registriert. Die eingetragene Rechtsform lautete Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Das Domizil befand sich in Dresden. (Alttorna 5 in 01239 Dresden)“ (abgerufen am 26. Mai 2017)
Werkstattverfahren 2009