mini|Lageplan des Flugplatzes Dresden-Kaditz um 1916eingetragen auf einer Kartengrundlage von 2017 Der Flugplatz Dresden-Kaditz war ein Flugplatz im Dresdner Stadtteil Kaditz. Am 26. Oktober 1913 wurde er als einer der weltweit ersten städtisch betriebenen FlugplätzeDer 1910 eröffnete Luftschiffhafen Düsseldorf wurde ebenfalls städtisch verwaltet. in Anwesenheit von König Friedrich August III. von Sachsen als „Land- und Wasser-Flugplatz Dresden“ feierlich eingeweiht und sowohl von Luftschiffen als auch Flugzeugen genutzt. Zwei Tage zuvor wurde als wesentlicher Bestandteil die städtische Luftschiffhalle in Betrieb genommen. Schon in der Planung im Februar 1913 wurde das Flugplatzgelände in einen städtischen südlichen Bereich und in einen militärischen nördlichen Bereich geteilt. Von der hier geplanten militärfiskalischen Schleusenhallenanlage für Luftschiffe wurde 1914/15 nur eine feststehende Bergehalle errichtet. Als Flugpionier nutzte Hermann Reichelt den Platz für seine Flugzeugproduktion, seine Testflüge und Flugvorführungen, bei einer derer er 1914 hier tödlich verunglückte.

Im Ersten Weltkrieg wurde der gesamte Platz militärisch genutzt, anschließend auch für den Luftpostverkehr. Aufgrund der im Versailler Vertrag getroffenen Regelungen zur Demilitarisierung mussten bis 1921 beide Luftschiffhallen abgerissen werden. Aufgrund seiner ungünstigen Lage im Elbtal wurde der Flugplatz aufgegeben. Ein Abschlussflugtag fand am 26. April 1926 statt, der Linienflugverkehr wurde am 5. Juli 1926 eingestellt. Seine Aufgaben übernahm der neue, historisch der zweite, Flughafen Dresdens auf dem Dresdner Heller. Endgültig eingestellt wurde der Flugbetrieb im September 1927, die Flugplatzanlagen fanden zum Teil an dem neuen Standort weitere Verwendung. Die Fläche des Flughafens ist heute u. a. von der Erweiterung der Kläranlage Dresden-Kaditz, mit Kleingärten und einem Autohof belegt.

Vorgeschichte mini|Silhouette der Dresdner Altstadt mit einem Eindecker über ihr (1912) Im Jahr 1901 gründete sich der „Sächsische Verein für Luftschiffahrt“, der die Freiballonfahrt fördern wollte. Vor allem nach 1907 stiegen an Wochenenden, wenn das Wetter es zuließ, Freiballons auf, für die ab 1909 zwei Ballonaufstiegsplätze gebaut wurden: Der eine befand sich in der Nähe von Weißig bei Nünchritz, der andere in der Mitte der neuen Pferderennbahn in Dresden-Seidnitz.

Neben Ballonaufstiegen experimentierte vor allem der Flugpionier Hermann Reichelt 1909/10 mit selbstgebauten Drachenfliegern und Motorflugzeugen und nutzte dafür den Dresdner Heller. Am 24. November 1909 gelang ihm ein Gleitflug von 72 Metern Länge in 16 Metern Höhe, das war der weiteste Schwebeflug, der damals in Europa gemessen wurde. Im Herbst 1910 starteten Hans Grade und Oswald Kahnt vom Heller aus und erreichten 300 Meter Höhe über der nördlichen Neustadt. Beide nutzten 1911 den Pferderennplatz und die Dresdner Vogelwiese für ihre Flüge.

Im Wesentlichen wurde allerdings Dresden gemieden, da eine geeignete Piste für Starts und Landungen der damals bruchgefährdeten Maschinen fehlte. Auch Luftschiffe – das erste Luftschiff, die Parseval PL 6 kam am 12. Juli 1910 nach Dresden, der erste Zeppelin, der LZ 11 „Viktoria Luise“ der DELAG, landete am 18. August 1912 in DresdenFiedler, S. 185. Die Angabe auf www.dresdner-stadtteile.de ist demzufolge falsch, der LZ 17 „Sachsen“ – war der zweite Zeppelin, der in Dresden landete. – hielten sich bei diesen Besuchen nur Stunden auf, solange es keinen befestigten Landeplatz und eine Wartungshalle gab.

Planungen mini|Modell der Luftschiffhalle des Flugplatzes Dresden-Kaditz mit LZ 17 im Verkehrsmuseum Dresden (Maßstab 1:200) Obwohl nur vier Standorte zur Auswahl standen (u. a. am Heller und in Seidnitz), beauftragte die Stadt ab 1911 dennoch Gutachten und Vergleiche. Als besonderes Problem erwies sich die Finanzierung, sodass der Rat der Stadt Dresden am 29. Oktober 1912 beschloss, einen Flugplatz mit einer Luftschiffhalle in städtischem Eigentum und durch die Stadt betrieben anzulegen. Damit schieden alle Standorte außerhalb der damaligen Stadtgrenzen aus und das Gelände zwischen Kaditz und Übigau wurde ausgewählt, obwohl sich auf dem Gelände bereits die 1907–1910 errichtete Kläranlage Dresden-Kaditz von Hans Erlwein befand – mit hohem Fabrikschlot. Entscheidend für diesen Standort war der städtische Grundbesitz dieses Geländes, der durch Zukäufe arrondiert werden konnte, wie auch die Nutzung der Elbe als Wasserlandefläche und der Elbwiesen als Notlandeplätze.

Im April 1913 erfolgte die Vertragsunterzeichnung zum Bau der städtischen Luftschiffhalle am Elbufer. Auftragnehmer war die Luftschiffbau Zeppelin G.m.b.H., Abteilung Luftschiffhafenbau, aus der im Mai 1913 die in Berlin ansässige Zeppelin Hallenbau Gesellschaft m.b.H. herausgelöst wurde. Konstrukteur und Subunternehmer für den Bau der Halle war das Ingenieurbüro von Zivilingenieur Ernst Meier in Berlin.Roland Fuhrmann: Ernst Meier – Schöpfer der windschnittigen Luftschiffhalle, in: Stahlbau, Bd. 83, Juli 2014, Nr. 7, S. 498–502. In einer Rekordzeit von sechs Monaten und sechs Tagen wurde die 191 Meter lange, 58 Meter breite und 37 Meter hohe Halle errichtet, die zwei Zeppeline gleichzeitig aufnehmen konnte. An beiden Stirnseiten waren je zwei halbrunde Drehtore angebracht, die auf Schienenhalbkreisen liefen. Im Inneren waren Laufstege und Schächte zur Versorgung der Luftschiffe mit Wasserstoffgas untergebracht. 900 Tonnen Eisen wurden für die riesigen Bögen verbraucht, von außen war die Halle mit Holz und Ruberoid-Pappe gedeckt, die Fenster bestanden aus gelbem Drahtglas, dessen Färbung die für die Ballons schädliche Sonnenstrahlung abhalten sollte. Hinzu kamen ein Aufenthaltsraum für Passagiere und das Büro.

Das eigentliche Flugfeld hatte ein Ausmaß von 1000 mal 750 Meter und erstreckte sich längs der Elbe, südlich der Kläranlage. Eingezäunt wurde jedoch ein erheblich größeres Areal (insgesamt 5600 Meter Bretterzaun), der Haupteingang befand sich an der Scharfenberger Straße und diente auch der Wagenzufahrt. Weitere Zugänge waren Fußgängern vorbehalten. Östliche Grenze war an der heutigen Washingtonstraße, die westliche lag jenseits der heutigen Autobahntrasse. Außerdem entstanden entlang des Zaunes Kassenhäuschen und Tribünen, die bei den geplanten Flugschauen Besuchern einen besseren Überblick über das Geschehen verschaffen sollten.

Etwa um dieselbe Zeit wurde dort eine Kompanie des Königlich-Preußischen Luftschiffer-Bataillons Nr. 3 unter Leitung des sächsischen Hauptmanns Gaissert stationiert. Daraus ging später die Kaserne in Übigau hervor.

Am 24. Oktober 1913 konnte die Halle übergeben werden, einen Tag später traf LZ 17 „Sachsen“ erneut ein, dieses Mal jedoch für einen längeren Aufenthalt. mini|König Friedrich August III. (rechts) bei der Einweihung des Flugplatzes am 26. Oktober 1913 Zwei Tage später, am 26. Oktober, erfolgte die Einweihung des Kaditzer Flugplatzes, offiziell als Städtischer Land- und Wasser-Flugplatz Dresden bezeichnet, durch Oberbürgermeister Otto Beutler im Beisein König Friedrich Augusts III., zahlreicher Ehrengäste und Tausender Dresdner. Den Ehrengästen wurde auch eine Fahrt (zugleich deren 200. Fahrt) mit LZ 17 in Richtung Sächsische Schweiz angeboten, von der 15 Personen Gebrauch machten. Nach der Rückkehr konnten die Besucher das Luftschiff und die Halle besichtigen, Ein- und Doppeldecker sowie Etrich Tauben zeigten Flugkünste. Zugleich wurde eine Elbfähre nach dem gegenüberliegenden Stadtteil Cotta in Betrieb genommen, die bis nach dem Ersten Weltkrieg existierte.

Ferdinand von Zeppelin war ebenfalls eingeladen worden, konnte jedoch nicht teilnehmen und sandte tags darauf ein Glückwunschtelegramm:

Bis 1920 mini|LZ 17 „Sachsen“ während der Eröffnungsfahrten vom Flugplatz Dresden-Kaditz aus im Oktober 1913 über Meißen mini|Städtische Luftschiffhalle auf dem Flugplatz Dresden-Kaditz mini|Ballonhalle auf dem Flugplatz mini|hochkant|Werbung für den Besuch des Flugplatzes (1914) Nach der Einweihung fanden bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges regelmäßig Schauvorführungen sowohl mit Luftschiffen als auch Flugzeugen statt.

Vom 27. bis 31. Oktober 1913 unternahm LZ 17 mehrere Rundfahrten und am 31. Oktober zeigte der französische Kunstflieger Adolphe Pégoud mit seiner Blériot XI gemeinsam mit Willi Kanitz (mit einem Union-Pfeildoppeldecker) hier seine Flugkünste.

Von Oktober 1913 bis Dezember 1913 fanden insgesamt 207 Platzflüge statt, davon 161 mit Passagieren. 13 Überlandflieger wurden gezählt, außerdem war regelmäßig Hermann Reichelt zur Ausbildung seiner 12 Schüler in der Luft.

Da die Veranstaltungen, die an den Wochenenden stattfanden, sehr stark witterungsabhängig waren, gab es ein originelles System der aktuellen Information: Sowohl an Straßenbahnen und Vorverkaufsstellen wurden einfarbige Flaggen und Signalscheiben angebracht sowie am Turm des Dresdner Rathauses einfarbige Fahnen in den Farben Schwarz, Weiß und Rot des Kaiserreiches gehisst. Sie bedeuteten in diesen Fällen: schwarz: Veranstaltung fällt aus, weiß: Veranstaltungsdurchführung zweifelhaft und rot: Veranstaltung wird durchgeführt

Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 waren in Dresden-Kaditz mehrmals Luftschiffe zu Gast: 21. bis 24. Januar 1914 das Militärluftschiff M IV (System Groß-Basenach, Führung: Hauptmann von Jena) 12. März bis 29. Mai 1914 erneut das Parseval-Luftschiff PL 6 (mit einer Unterbrechung von ca. zwei Wochen – Aufenthalt in Leipzig –, Führung: Hauptmann a. D. Dinglinger) mit insgesamt 70 Aufstiegen und 1139 beförderten Personen 18. März bis Ende April 1914 das Militärluftschiff Z VII (LZ 22, Führung: Hauptmann Gaissert, nur Übungs- und Ausbildungsfahrten) 30. März 1914 das Militärluftschiff Z VI (ohne Landung, jedoch mit einem gemeinsamen Rundflug von Z VI und Z VII über Dresden) 22. April 1914 Militärluftschiff Z II mit Rückflug nach Gotha am gleichen Tag 5. Juli 1914 LZ 17 „Sachsen“ (400. Tour dieses Luftschiffes) 11. bis 29. Juli 1914 LZ 13 „Hansa“ mit mehreren Passagier-Rundflügen (am 29. Juli der letzte zivile Einsatz von LZ 13)

Am 2. Mai 1914 legte bei einer Auffahrt des PL 6 unter Aufsicht von Hauptmann a. D. Dinglinger ein Fräulein RioletteKeine weiteren Angaben in den verwendeten Quellen enthalten. ihre letzte Prüfung als Luftschiffführerin nach insgesamt 30 Fahrten und einem wissenschaftlichen Examen ab und erhielt als wahrscheinlich erste Frau der Welt den offiziellen Befähigungsnachweis einer Luftschiffführerin.Fiedler, S. 192.

Bedingt durch den milden Winter 1913/14 gab es nahezu an jedem Wochenende Flugveranstaltungen mit und ohne Passagiere, für die sich Hermann Reichelt und der Flugplatzdirektor Albert Meyer engagierten. Höhepunkte waren auch die Testflüge Hermann Reichelts, der in seiner AERO Fliegerschule GmbH auch junge Flieger ausbildete. Auch der Kunstpilot Pierre Chanteloup mit seinem Caudron-Doppeldecker und der Fallschirmspringer Thomik waren in Kaditz zu Gast. Rudolf Schöpp demonstrierte seine Fallschirmkonstruktion im März 1914 und am 31. März 1914 war Alfred Friedrich mit seiner Etrich-Taube zu Gast und demonstrierte Sturz- und Kurvenflüge. Zu den tragischen Zwischenfällen dieser Veranstaltungen gehörte allerdings auch der Tod Hermann Reichelts, der gemeinsam mit seiner Schwägerin am Karfreitag 1914 (10. April) in Kaditz abstürzte und dabei ums Leben kam.