Die Hessischen Altneckarschlingen sind ein mehrteiliges EU-Vogelschutzgebiet im hessischen Ried in Südhessen. Das Schutzgebieterstreckt sich von Astheim im Kreis Groß-Gerau bis an die hessische Landesgrenze nach Baden-Württemberg zwischen Lorsch und Heppenheim und gliedert sich in vier Hauptabschnitte in den Landkreisen Bergstraße, Groß-Gerau und Darmstadt-Dieburg. Die Abschnitte folgen weitgehend lückenlos dem Alt-Neckarbett, dem heute verlandeten Flusslauf des Neckars, der vor 2000 Jahren durch die Oberrheinische Tiefebene mäanderte.

Zahlreiche Feuchtgebietskomplexe machen die Altneckarschlingen zu einem bedeutenden Lebensraum: Nasswiesen, Röhrichte, Seggenriede, feuchte Äcker und Ackerbrachen sowie Bruch- und feuchte Laubmischwälder, Bäche, Kies- und Tongruben, Schlammteiche und Flutrasen. Einer Vielzahl von Vogelarten gemäß Anhang I und nach Artikel 4 (2) der Vogelschutzrichtlinie dient das Schutzgebiet zur Brut oder als Rast- und Überwinterungsquartier.

Lage

Das VSG Altneckarschlingen liegt im südhessischen Ried. Das Band von Feuchtgebieten verteilt sich über etwa 45 Kilometer vornehmlich in Nord-Süd-Richtung von Ginsheim bis nach Lorsch. Es wird in vier Hauptabschnitte und 32 Unterabschnitte gegliedert.

Die Schwarz- und Hegbachaue erstreckt sich im Norden des Kreises Groß-Gerau von Groß-Gerau über 10 Kilometer durchgehend von Ost nach West bis zur Mündung des Schwarzbachs in den Rhein. Das Scheid- und Landgrabensystem dehnt sich über 12 km, ebenfalls im Kreis Groß-Gerau, ab Groß-Gerau in zahlreichen Schlaufen entlang dem Scheidgraben und Landgraben nach Süden bis nach Crumstadt. Das Pfungstädter Moor befindet sich im Südwesten des Kreises Darmstadt-Dieburg; das Band der Teilgebiete schlingt sich ab Pfungstadt zwischen den Autobahnen A5 und A67 nach Süden bis Hähnlein und weiter bis in den Norden des Kreises Bergstraße bei Zwingenberg-Rodau. Der Weschnitz- und Hambachkomplex erstreckt sich im Kreis Bergstraße zwischen Bensheim, Lorsch und Heppenheim bis an die Landesgrenze nach Baden-Württemberg.

Mehrere FFH-Gebiete, Landschaftsschutzgebiete und zahlreiche Naturschutzgebiete überdecken sich mit dem VSG. Außerhalb der als Schutzgebiet ausgewiesenen Flächen finden sich weitere Altneckarschleifen, die heute Brachen sind, Weide- und Ackerland oder sie sind überbaut.

Schutzgebiet Die Hessischen Altneckarschlingen wurden mit weiteren hessischen Gebieten Anfang der 2000er Jahre vom Land Hessen der EU-Kommission für das zusammenhängende Netz europäischer Schutzgebiete Natura 2000 als Vogelschutzgebiet (VSG) vorgeschlagen. Das Meldeverfahren wurde im Jahr 2004 abgeschlossen und die rechtliche Sicherung der Verpflichtungen, die sich aus den Naturschutzrichtlinien ergaben, erfolgte im Januar 2008 mit der „Verordnung über Natura 2000-Gebiete in Hessen“. Das Schutzgebiet umfasst eine Fläche von Fläche 2.793 Hektar.

Der Verlauf der Schutzflächen folgt dem früheren Verlauf des Neckars, der sich nach der letzten Eiszeit seinen Weg entlang des östlichen Randes der Rheinebene suchte und bei Trebur in den Rhein mündete. Dabei schlug der Neckar viele große Mäander, die teilweise heute noch in der Landschaft gut zu erkennen sind. Auch wenn hier kein Fluss mehr fließt, sind die Senken der Mäander geblieben, in denen sich nach Niederschlägen das Wasser sammelt. Nach zwischenzeitlicher ackerbaulicher Nutzung, die an vielen Stellen wegen Vernässung wieder aufgegeben wurde, entstanden erneut dichte Schilfbestände. Es folgten die typischen Bewohner feuchter Flächen und Stillgewässer wie Blaukehlchen, Rohrammer, Teichrohrsänger sowie Knoblauch- und Kreuzkröte, die heute schützenswert sind.

Die Altneckarschlingen liegen zum Teil im Naturpark Bergstraße-Odenwald.

Entsprechend dem Schutzzweck zielen Fachbeobachtungen und Gutachten allein auf seltene und außergewöhnliche Vogelarten. Darüber hinaus sind die Altneckarschlingen ein vielfältiger Lebensraum für alle Arten feuchtigkeitsliebender Tiere und Pflanzen, die nur nicht so systematisch beobachtet und dokumentiert werden, darunter auch so besondere wie Schlammpeitzger, Sumpfschrecke, Biber oder Elsässer Haarstrang.

Geschützte Vogelarten In den Feuchtwiesen, Röhrichten, Seggenrieden und Bruchwäldern brüten, rasten und überwintern zahlreiche Vogelarten, die europäischem Schutz unterliegen. Der Schutzzweck Die Beobachtungen im Schutzgebiet zielen

Brutvögel

Rastvögel

Sonstige bedeutsame Arten

Die Abschnitte des Schutzgebiets Das Schutzgebiet ist ein mehr oder weniger durchgängiges Band von Feuchtgebietskomplexen im Verlauf des verlandeten Altneckars. Es gliedert sich von Nord nach Süd in 4 Hauptabschnitt mit insgesamt 32 Teilgebieten: Schwarz- und Hegbachaue, Scheid- und Landgrabensystem, Pfungstädter Moor und Weschnitz- und Hambachkomplex.

Hauptabschnitt 1: Schwarz- und Hegbachaue mini|Schwarzbach bei Astheim

Die Auen des Hauptabschnitts 1 befinden sich im Norden des Kreises Groß-Gerau. Sie erstrecken sich im Westen von der Mündung des Schwarzbachs in den Rhein nach Osten hin bis nach Groß-Gerau. Schwarzbach-Mühlbach und Hegbach befinden sich derzeit in keinem guten Zustand. Der Hauptabschnitt besteht aus fünf Teilgebieten: Teilgebiet Lage Besondere Arten 1. Schwarzbachaue Astheim Südlich Astheim („Hinter Astheim“), weitläufiges Offenland, größtenteils extensives Weideland. Zwei Reviere der Beutelmeise, höhere Dichten des Blaukehlchens Herrenwiese Nordwestlich von Astheim zwischen Schwarzbach und dem Ginsheimer Altrhein; FFH-Gebiet Grünland im Bereich der Herrenwiese nordwestlich Astheim 2. Schwarzbachaue Trebur Südlich Trebur („Wolwenweide“) in direkter Verlängerung der Schwarzbachaue Astheim. Weitläufiges Offenland, stellenweise vernässt und großenteils beweidet. Im Norden ein Feuchtwald aus Hybridpappeln entlang des Schwarzbaches. Drei Reviere der Grauammer 3. Schwarzbachaue östl. Trebur Längerer, sehr schmaler Bereich der Schwarzbachaue. Übergang von Waldsaum zu Feuchtgrünland mit Schilfbestände, vor allem im NSG „Erlenwiese und Kratzenau von Groß-Gerau und Nauheim“. Mehrere Reviere des Blaukehlchens, Schwarzkehlchens sowie der Grauammer. Ehemals auch Vorkommen der Beutelmeise. 4. Hegbachaue östl. Nauheim Bereich um den Hegbach bei Nauheim südlich der Bahnlinie zwischen Nauheim und Groß-Gerau mit dem Hegbachsee östlich Nauheim. Überwiegend landwirtschaftlich genutzt. Mehrere Reviere des Kiebitz 5. Klärteiche Groß-Gerau und Umgebung Komplexes Teichgebiet entlang des Landgrabens, früher gespeist durch Klärwässer der Südzucker AG, heute weitgehend trockengefallen. Früher: Rastende Limikolen, ehemals Brutkolonie der Lachmöwe, sehr hohe Dichten des Blaukehlchens kleinere Kiesgrube Nördlich angrenzend an die KlärteicheUferschwalben, Flussregenpfeifer Endlache von Wallerstädten Ehemaliger Klärteich, heute nur noch als stellenweise verschilfte Hochstaudenflur. gelegentliche Bruten der Rohrweihe

Hauptabschnitt 2: Scheid- und Landgrabensystem mini|Weg im NSG Griesheimer Bruch

Dieser Abschnitt des VSG befindet sich im zentralen bis südöstlichen Teil des Kreises Groß-Gerau und erstreckt sich im Norden ab Groß-Gerau entlang des Scheid- und Landgrabensystems bis nach Crumstadt und besteht aus dreizehn Teilgebieten. Teilgebiet Lage Besondere Arten 6. Kollen- und Osterbruch Groß-Gerau Zwei längliche schmale Gebiete (beide NSG) bei Groß-Gerau. Das nördliche NSG „Kollenbruch von Groß-Gerau“ verbindet den Landgraben mit der Schwarzbachaue. Große. teils nasse Röhrichte. Typische Röhrichtarten, bemerkenswert die Knäkente und das Tüpfelsumpfhuhn 7. Bereich Berkach-Büttelborn Kleines Verbindungsgebiet vom Landgraben nördlich Berkach zu den Bruchwiesen von Büttelborn (Nr. 10). Feuchtes bis frisches Grünland. Wachtelkönig (nur in sehr nassen Jahren) 8. Deilwiesenbruch Dornheim Nördlicher Beginn des Scheidgrabens, in einem Westbogen bis nach Dornheim. Feuchtes bis nasses Grünland. Bei der GDE 2006 keine besonders bedeutsamen VogelartenSchlammpeitzger 9. Heißfeld, Wald nördl. Dornheim Laubwald auf erhöhtem Gelände zwischen dem Scheid- und Landgrabensystem. Greifvögel und Spechte 10. Bruchwiesen Büttelborn und Torfkaute Scheidgraben und Landgraben trennen sich hier, entlang des Landgrabens die ausgedehnten Bruchwiesen von Büttelborn (NSG). Feuchte bis nasse Wiesen, übergehend in Röhrichte und nasse Waldbereiche. Weiter südlich das NSG Bannholz von Dornheim-Wolfskehlen. Zwergsumpfhuhn, gelegentlich auch Tüpfelsumpfhuhn, Wachtelkönig, Schilfrohrsänger oder Rohrschwirl 11. Datterbruch Dornheim Südliche Verlängerung des Scheidgrabens bei Dornheim. Feuchtes bis nasses Grünland mit ausgedehnten Schilfflächen. Mehrere Reviere von Blaukehlchen und Neuntöter, Vorkommen von Bekassine, Beutelmeise, Knäkente, Rohrweihe und Tüpfelsumpfhuhn 12. Scheidgraben nördl. Wolfskehlen Fortsetzung vom Datterbruch bis Wolfskehlen. Feuchtes bis nasses Grünland. Außerdem das Wäldchen „Fuchslöcher“ auf trockenem, sandigem Boden. Mehrfacher Nachweis von Wachtelkönig, Braunkehlchen und Schilfrohrsänger 13. Bannholz und Griesheimer Bruch Wiederverbindung von Scheidgraben und Landgraben, mit dem NSG Griesheimer Bruch. Größtenteils bewaldet, stellenweise sehr nass. Am Westrand die Kiesgrube „Am Weilerhof“ (FFH-Gebiet Kiesgrube beim Weilerhof nordöstlich Wolfskehlen). Greife und Spechte; an der Kiesgrube Vorkommen von Flussregenpfeifer und Uferschwalbe 14. Erlenbruch- und Oberbruchwiesen Schmaler linearer Bereich des Scheidgrabens östlich und südlich Wolfskehlen. Frisches bis feuchtes Grünland. Frühere Vorkommen von Rohrweihe und Tüpfelsumpfhuhn, auch Kiebitze 15. Rallbruch Wolfskehlen Schlinge östlich des Scheidgrabens, ausgewiesen als NSG Rallbruch von Wolfskehlen. Überwiegend Feuchtwald. reifvögel und Waldvogelarten 16. Wolfsangel und Scheidgraben östlich Goddelau Fortsetzung des Scheidgrabens östlich Goddelau bis zur Mündung des Sandbachs. Feuchtes Grünland, Röhrichte, Feuchtwald und kleinere Teiche. Rohrweihe, in nassen Jahren Braunkehlchen und Kiebitz 17. Lehrbruch Crumstadt Bruch entlang des Sandbachs. Auwaldartige Bestände, stellenweise Verlandungszonen mit Flachwasser. Waldvogelarten, aber auch Blaukehlchen 18. Kiesgrube Schumann und Crumstädter Wald Kiesgrube, östlich und südlich an den Sandbach angrenzend, sowie ein größeres Wäldchen aus frischem Laubwald. Kiesgrube mit Flussregenpfeifer und Uferschwalben

Hauptabschnitt 3: Pfungstädter Moor bis Hähnlein mini|Pfungstädter Moor

Dieser Abschnitt des VSG befindet sich im südwestlichen Teil des Kreises Darmstadt-Dieburg und erstreckt sich im Norden ab Pfungstadt in mehreren weitgehend zusammenhängenden Teilgebieten in südlicher Richtung bis nach Hähnlein. Südlich Hähnlein folgen noch einige lose Teilgebiete, die bis in den Norden Kreis Bergstraße bis ins Umfeld von Zwingenberg-Rodau hinein ragen. Er besteht aus folgenden elf Teilgebieten: