mini|Schloss Wallsee in Merian (um 1670) Die protestantische Hochzeit von Maria Salome von Kölnpöck und Ferdinand Pangraz Gienger zum Grienpichel fand am 29. Dezember 1613 in Schloss Nieder-Wallsee„Nieder“-Wallsee zur Unterscheidung von Burg Oberwallsee in Oberösterreich. statt. Dabei waren über 140 protestantische Adelige anwesend und wurden von über 360 Bediensteten und 130 Kutschen begleitet.
Allgemeine Situation Der protestantische Adel in Österreich unter und ob der Enns war vom „Bruderzwist“ im habsburgischen Herrscherhaus zwischen Rudolf II. und Matthias verschont geblieben.
In Innerösterreich hat Karl II. schon in den 1580er Jahren die Gegenreformation begonnen. Sein jesuitisch erzogener Sohn Ferdinand II. setzte nach Übernahme der Regierungsgeschäfte 1596 schärfere Maßnahmen. Ab 1599 führten „Religionsreformationskommissionen“ unter der Führung des Seckauer Bischofs Martin Brenner mit militärischer Unterstützung richtige „Feldzüge gegen protestantische Bürger und Bauern“ durch. Wer nicht zum katholischen Glauben konvertierte, musste innerhalb weniger Wochen das Land verlassen. Ab 1613 wurde auch gegen nicht landsässige Adelige, ab 1. August 1628 auch gegen den (land)ständischen protestantischen Adel Innerösterreichs vorgegangen.Winkelbauer: Die Habsburgermonarchie vom Tod Maximilians I. S. 232–237.
In Österreich unter und ob der Enns betrieb Rudolf II. eine deutlich tolerantere Politik gegenüber Nichtkatholiken. Im Streit mit seinem Bruder Matthias warben beide Seiten um die Gunst des protestantischen österreichischen Adels. Die Evangelischen schafften es aber nicht ein Kirchenwesen zu organisieren und so blieb die Kirche von adeligen Patronatsherren dominiert und abhängig. Nach dem Aufstand der Böhmische Konföderation und der Niederlage in der Schlacht am Weißen Berg 1620 wurden 1627 alle evangelischen Pfarrer, Prädikanten und Schulmeister aus Niederösterreich ausgewiesen. Den landständigen österreichischen protestantischen Adeligen wurde das Konvertieren oder Verlassen des Landes befohlen. Die Maßnahmen wurden aber erst nach 1650 umgesetzt.Winkelbauer: Die Habsburgermonarchie vom Tod Maximilians I. S. 235.
Hochzeit
Der Bräutigam Ferdinand Pankraz Freiherr von Gienger zu Grünbühel, Rabenstein an der Pielach und Ranzenbach, später kais. Truchsess und niederösterreichischer Landrat, Sohn des Niklas Gienger zu Grünbühel (1556–1636), seit 1608 Freiherr, Herr der Herrschaften Grünbühel, Rabenstein, Altenhofen und Ranzenbach (Gem. Kilb), später dann Verordneter des niederösterreichischen Ritterstandes, und Maria Freiin von Windischgrätz, Tochter von Pankratz Freiherr von Windischgrätz und Margaretha Ungnad von Weißenwolff. Die Braut Maria Salome Kölnpöck war die Tochter von Nemrod Kölnpöckh zu Salaberg, Ottsdorf, Niederwallsee und Salome von Sinzendorf.
Johann Georg Adam von Hoheneck beschreibt diese Hochzeit als „mit eben mäßigen Pracht“, es waren auch überwiegend Personen aus dem Ritter- und Freiherrnstand, also nicht vom Hochadel, anwesend. Die Hochzeit fand auf dem Schloss Wallsee statt. Einige der Geschlechter waren ursprünglich Ministeriale der Walseer, wie die Schifer, Geymann oder Trauttmansdorff. Die große Mehrheit der Anwesenden war „protestantisch“ (= lutherisch evangelisch oder calvinistisch) und daher in Opposition zum römisch-katholischen Kaiser Matthias. Mindestens elf Männer sind sogar Unterzeichner des Horner Bundes.Johann Georg Adam von Hoheneck: Die Löbliche Herren Herren Stände…, Band 3, Passau 1747, S. XV f. In wenigen Jahren (1620) wird der Konflikt in der Schlacht am Weißen Berg endgültig zu Gunsten des Kaisers entschieden und die evangelischen Adeligen spüren die Maßnahmen der Gegenreformation. Die Anführer werden sogar hingerichtet, in Folge emigrieren viele als Exulanten nach Deutschland oder Ungarn.
Liste „Verzeichnuß und Beschreibung Aller Herren / und Frauenzimmer / auch Diener / und Roß / so Herren Ferdinand Pangrazen Gienger zum Grienpichel, und Fräulen Maria Salome Kölnpöckin Hochzeit, die den 29. Decembris Anno 1613. allhier zu Nidern-Walsee gehalten worden, beygewohnet haben.“