mini|400px|Anteil der Schulbildungsausgaben am BIP im internationalen Vergleich aus dem Jahr 2011. Deutschland (grün) und Südkorea (rot) sind hervorgehoben.

Das südkoreanische Schulsystem hat seine Wurzeln im Konfuzianismus. In der Geschichte wurde es durch verschiedene Einflüsse geprägt, unter anderem durch den Buddhismus.

Heutzutage gehört das Schulsystem zu den erfolgreichsten der Welt. Es gibt private und öffentliche Schulen, in denen Frontalunterricht und Auswendiglernen dominieren. Zusätzlich nehmen die meisten Schüler Nachhilfeunterricht in so genannten Hagwons. Über das Schulsystem gibt es seit einigen Jahren große Meinungsunterschiede unter Wissenschaftlern, insbesondere darüber, ob die Lernmethoden für die Schüler schädlich sind.

Geschichte des Schulsystems

Zeit vor 1945 Die Geschichte der koreanischen Schulbildung kann etwa bis zu der Zeit der Drei Königreiche zurückverfolgt werden. Es gab bereits damals öffentliche wie auch private Schulen. Die Schulen und die Art der Bildung wurden über die Zeit sowohl von Konfuzianismus wie auch vom Buddhismus erheblich beeinflusst.

Die Zeit der drei Königreiche mini|Junger Mann in Yangban-Tracht In der Zeit der Drei Königreiche existierten auf der koreanischen Halbinsel drei Reiche. Diese waren Goguryeo (37 v. Chr.–668 n. Chr.), Baekje (18 v. Chr.–660 n. Chr.) und Silla (57 v. Chr.–918 n. Chr.). Sie alle waren untereinander verfeindete Staaten. Ihre Bildungssysteme stützten sich in ihrer Art der Bildung in allen Drei Reichen auf den Konfuzianismus, den Buddhismus und die Martial Arts. In Goguryeo wurde 372 erstmals eine staatliche Bildungseinrichtung gegründet. Diese so genannte „Daehak“ (대학; große Schule), diente dazu, den männlichen Nachwuchs der „Yangban“-Oberschicht in chinesischer Literatur, Geschichte und Bogenschießen zu unterrichten. Ab dem Jahr 427 wurden dann auch in vielen Städten und Provinzen private Schulen gegründet. Die so genannten „Gyeongdang“ hatten den Zweck, vor allem die Unterschicht zu bilden. Es wurde in allen Schulen vor allem auf die Soziallehre, als auch die Martial Arts, Wert gelegt. Vor allem in Silla wurde großer Wert auf die Ausbildung in den Martial Arts gelegt. Durch diese Ausbildung und andere Faktoren gelang es Silla die Drei Reiche unter sich zu vereinen.

Goryeo-Dynastie Die Goryeo-Dynastie (918–1392) war in den Anfangsjahren stark buddhistisch geprägt. Über die Zeit jedoch setzte sich der Konfuzianismus durch. Dies kann man vor allem sehr gut im Wandel des Schulsystems beobachten. König Gwangjong (949–979) führte im Jahre 958 das staatliche Prüfungssystem „Gwageo“ für Beamte (nach chinesischem Vorbild der Tang-Dynastie) ein. Es wurde übernommen um qualifizierte Nachwuchsbeamte für den Hof zu finden. Nach dem System konnte jeder Beamter werden, wenn er die Prüfungen bestand. In Realität konnten dies jedoch nur Mitglieder der „Yangban“, da das Studium für die Prüfungen Jahre in Anspruch nahm.

Durch den Wandel zum Konfuzianismus gab es eine steigende Nachfrage an Bildung. Deshalb schuf der König Injong (1123–1146) im Jahre 1127 im ganzen Land Schulen. Es wurde bereits im Jahre 992 die Universität „Gukjagam“ gegründet. Dies war die erste Universität des Landes. Im Laufe der Jahre stieg die Zahl der Universitäten auf elf an.

Die Bildung blühte während der Goryeo-Dynastie im gesamten Land auf. Durch den Anstieg des Bildungsniveaus wurden in Korea große Fortschritte im Druck, als auch in Philosophie, Literatur und den Naturwissenschaften vollbracht. So wurde zum Beispiel bereits um 1232 in Korea der Druck mit Lettern aus Metall entwickelt.

Joseon-Dynastie mini|Seodang-Schule der Joseon-Zeit Während der Joseon-Dynastie (1392–1910) wurde Korea durch und durch konfuzianistisch beziehungsweise neokonfuzianistisch. Dies führte dazu, dass die hohen Regierungsämter nun nur noch durch das Absolvieren des staatlichen Prüfungssystems erreicht werden konnten.

Im ganzen Land gab es Dorfschulen, die so genannten „Seodang“ (, ), die zwar nicht dem staatlichen Bildungssystem unterstanden, jedoch von diesem gefördert wurden. Sie waren dazu bestimmt, um der unteren Schicht ein Grundwissen in konfuzianischer Ethik beizubringen. Auf diesen bauten dann die staatlichen Bildungseinrichtungen, die sogenannten „Hanggyeo“, auf. Sie waren dafür bestimmt, die Studenten auf die Staatsprüfungen für Regierungsämter vorzubereiten.

Anschließend mussten verschiedene Examen bestanden werden. Das erste Examen (Sama) war für die unteren Beamtenposten bestimmt. Anschließend konnten zwei verschiedene Wege einschlagen werden, um weiter aufzusteigen. Es gab die zivile Laufbahn oder die militärische. Während der Ausbildung mussten beide Gruppen drei schwierige Prüfungen absolvieren. Den wenigen, die die letzte Prüfung meisterten, eröffnete sich eine Karriere in höchste Regierungsämter am königlichen Hof. Nach der Theorie sollten alle Koreaner die gleiche Chance haben an den Prüfungen teilzunehmen. In Wirklichkeit erreichten die höchsten Stellen jedoch nur männliche Mitglieder der angesehen „Yangban“-Familien.

Im 15. und 16. Jahrhundert änderte sich das System grundlegend, als immer mehr private Schulen gegründet wurden und diese dann auch häufig vom traditionellen Weg der Lehre abwichen. Die praktische Lehre (實學, 실학, Silhak) stand völlig zum Gegensatz des Neokonfuzianismus und die so genannten „Seoweon“ (, ) verdrängten die öffentlichen Schulen immer mehr, bis durch den Regenten Daewongun (大院君, 대원군, 1863–1873) fast alle Schulen geschlossen wurden. Dies geschah, um die Machtposition des Königs zu stärken.

Im 19. Jahrhundert kamen immer mehr christliche Missionare ins Land, welche jedoch nicht missionieren durften. Aus diesem Grund schufen sie viele Schulen nach westlichem Vorbild, die sowohl Gleichberechtigung und Bildung für alle proklamierten. Diese Schulen waren die Wonsanhaksa (, ). Eine von ihnen war die „Gungshin School“ (), die sich über die Jahre in die Yonsei University entwickelte. Durch die gewaltsame Öffnung Koreas im Jahre 1876, durch Japan, wurde nicht nur das Land grundlegend verändert, sondern auch das Bildungssystem. Der Ruf nach westlicher Bildung wurde im ganzen Land laut. Durch die „Gabo-Reformen“ wurde auch besonders das Bildungswesen in Korea stark verändert. Es wurde ein Bildungsministerium gegründet, welches mit der Festlegung von Bildungsstandards und der Kontrolle von Schulbuchinhalten betraut war. Dieses stellte ein neues staatliches Schulwesen, welches aus einer fünf- bis sechsjährigen Grundschule (小學校, 소학교, Sohakgyo) und einer siebenjährigen Mittelschule (Junghakyo) bestand, vor. Dieses System schaffte die alten Beamtenprüfungen ab und schuf somit den Weg in eine neue Ära. Der Erfolg dieser Einrichtungen beschränkte sich jedoch größtenteils auf Seoul, während ein Großteil der Bevölkerung auf das alte Schulsystem vertraute.

In den folgenden Jahren stieg die Zahl der privaten Schulen an, sodass es im Jahr 1909 landesweit 1300 Schulen gab. Somit spielte Bildung nach wie vor eine zentrale Rolle in der koreanischen Kultur und wurde als Erfordernis zur nationalen Erneuerung und gesellschaftlichen Modernisierung angesehen.

Japanische Kolonialzeit Während Korea unter der Kolonialregierung Japans (1910–1945) stand, wurde besonders das Schulsystem verändert, da dies ein wichtiger Pfeiler der Integration der Koreaner ins japanische Kaiserreich war. Der Ansatz der Japaner war die Koreaner zu „japanisieren“ und für immer zu kolonialisieren. Hierzu wurde im Jahr 1911 der „Joseon Ausbildungserlass“ (조선교육령; 朝鮮敎育令) verabschiedet, der das alte Schulsystem außer Kraft setzte und private Schulen so gut wie unmöglich machte.

Das japanische Schulsystem, nach preußischem Vorbild, sah vor, dass die Schüler jeweils vier Jahre zur Grund- und Mittelschule gehen müssen. Nach der Absolvierung der Schulzeit sollten sie für berufliche Tätigkeiten mit niedriger Qualifikation vorbereitet sein.

Ein Großteil der Lehrer waren Japaner und es wurde nur auf Japanisch unterrichtet. Themen wie koreanische Geschichte oder Geographie waren verboten. Des Weiteren war es Koreanern so gut wie unmöglich, eine höhere Schulbildung zu erreichen.

Mit der Unabhängigkeitsbewegung von 1919 wurden einige kleine Änderungen im Schulsystem vollzogen. So wurde die Grundschule auf 6 Jahre und die Mittelschule auf 5 Jahre verlängert. Es wurde ebenfalls der Ausbau der öffentlichen Schulen vorangetrieben, sodass es im Jahr 1936 in jeder Ortschaft eine Schule gab. Ein Großteil der koreanischen Mittelschüler und Studenten besuchten jedoch Bildungseinrichtungen in Japan, da die Möglichkeiten in Korea zu begrenzt waren.

Ab Kriegsbeginn 1941 wurde das koreanische Schulsystem rein japanisch und auf den Krieg ausgelegt. Dieser Umstand führte dazu, dass zu Kriegsende viele Schulen geschlossen wurden.

Während der Kolonialzeit stieg die Zahl an öffentlichen Schulen enorm an und die Bildung der Masse wurde stark vorangetrieben. Dies geschah jedoch nur, um die Koreaner zu 2. Klasse-Japaner zu erziehen und sie von Japan abhängig zu machen.

Zeit nach 1945 Das Bildungssystem Koreas spaltet sich nach Kriegsende, wie das Land selbst, in Nord- und Südkorea auf. Durch die amerikanische Kontrolle über Südkorea wurde dementsprechend auch ein Schulsystem nach US-amerikanischem Vorbild eingeführt. Dies ermöglichte der breiten Bevölkerung zum ersten Mal in der Geschichte Koreas die Chance auf freie und deregulierte Bildung.

Nach der Staatsgründung 1948 wurde bereits 1949 die allgemeine Grundschulpflicht eingeführt und 1951 das 6-3-3-4 System. Das System beruhte auf 6 Jahre Grundschule (Chohakgyo), 3 Jahre Mittelschule (Junghakgyeo), 3 Jahre Oberschule (Godeunghakgyo) und 4 Jahre Universität (Daehakgyo). Die Umsetzung war jedoch schwierig, da es an qualifizierten Lehrern wie an geeigneten Räumlichkeiten mangelte. Aus diesem Grund verabschiedete die Regierung 1954 einen Sechsjahresplan, mit welchem die Mängel behoben werden sollten. Somit stieg der Bildungsetat am Staatsbudget von 4,2 Prozent (1954) auf 14,9 Prozent (1959). Durch diese Anstrengungen wurde 1956 eine Einschulungsquote von 95 Prozent erreicht. + Klassengröße, Lehrerdichte und Versetzungsraten in südkoreanischen Grund-, Mittel- und Oberschulen von 1965 bis 2003 Jahr Grundschule Mittelschule Oberschule Klassen-größe Lehrer-dichte →Mittel-schule Klassen-größe Lehrer-dichte →Ober-schule Klassen-größe Lehrer-dichte →Höhere-Bildungs-einrichtung 1965 65,4 62,4 54,3 % 60,7 39,4 69,1 % 57,1 30,2 32,3 % 1970 62,1 56,9 66,1 % 32,1 42,3 70,1 % 58,2 29,7 26,9 % 1975 56,7 51,8 77,2 % 64,5 43,2 74,7 % 58,6 31,4 25,8 % 1980 51,5 47,5 95,8 % 62,1 45,1 84,5 % 59,8 33,3 27,2 % 1985 44,7 38,3 99,2 % 61,7 40,0 90,7 % 56,9 31,0 36,4 % 1990 41,4 35,3 98,8 % 50,2 25,4 95,7 % 52,8 24,6 33,2 % 1995 36,4 28,2 99,9 % 48,2 24,8 98,5 % 47,9 21,8 51,4 % 2000 35,8 28,7 99,9 % 38,0 20,1 99,5 % 42,7 19,9 68,0 % 2003 33,9 27,1 99,9 % 34,8 18,6 99,5 % 33,1 15,3 79,7 % Nachdem die Grundausbildung gesichert war, wurde 1968, unter der Regierung von Park Chung-hee (1961–1979), die Aufnahmeprüfung für Mittelschulen abgeschafft und durch eine Lotterie für die Plätze ersetzt. Dies geschah, weil eine zu große Nachfrage nach freien Plätzen entstanden war und durch diese Situation Eliteschulen entstanden. 1974 wurde das gleiche Verfahren für Oberschulen eingeführt. Anfangs führte dies jedoch zu einer Verschlechterung der Unterrichtsbedingungen, da die Klassengrößen stiegen (siehe Tabelle). Erst in den 1980er Jahren war der Ausbau des sekundären Bildungsbereiches weit genug fortgeschritten, um eine adäquate Ausbildung zu garantieren. Der Ausbau der sekundären Bildung war besonders für den wirtschaftlichen Aufschwung Südkoreas wichtig, da das Land gut ausgebildete Nachwuchskräfte brauchte.