Prinzen, Prälaten und Sansculotten ist eine historische Romanbiographie von Clara Viebig aus dem Jahr 1931. Der Roman beschreibt das Leben des letzten Trierer Kurfürsten Klemens Wenzeslaus, dessen Regierungszeit von Reformwillen, Repräsentiersucht und Hofintrigen bestimmt war und durch den Einmarsch der Sansculotten in seine Residenzstadt Koblenz ihr Ende fand.

Handlung Auf der Reise nach Trier schweben dem neu gewählten Kurfürsten Klemens Wenzeslaus zahlreiche reformerische Ideen vor. Als jüngster Sohn des sächsischen Kurfürsten Friedrich August II. ist er von den Ideen der Aufklärung nicht unbeeinflusst. Er hat am Dresdner Hof eine gute Erziehung genossen. Er plant, pädagogische Reformen umzusetzen, den Städtebau voranzutreiben und die Volksreligion von abergläubischen Riten zu säubern. Außerdem verfolgt er das Ziel, das ausschweifende Leben von Adel und Klerus einzuschränken und die Staatsfinanzen zu konsolidieren, die unter seinem Vorgänger Johann Philipp in Schieflage geraten sind.

Sein Regierungsantritt steht unter einem schlechten Stern. Auf dem Weg von Mainz über den Hunsrück hat er einen Unfall und erlebt in einem kleinen Dorf die Armut der Bevölkerung. Ein Aufenthalt am Wallfahrtsort Klausen wird gestört durch Nachrichten über Autonomiebestrebungen des Priors von Prüm. Um seinen Regierungsantritt nicht mit harten Maßnahmen zu beginnen, schreitet er nicht ein, was ihm den Ruf von Schwäche einträgt. Unwillen erregt er auch in Trier, als er aus Kostengründen die Feierlichkeiten zu Ehren seines Regierungsantritt absagt. Seine Bemühungen, sich mit dem Domdechanten Boos von Waldeck, sein Rivale bei der Kurfürstenwahl, zu versöhnen, scheitern. Dies bestärkt ihn, seinen Regierungssitz in Koblenz zu nehmen, wo ihn die Bürger freundlich begrüßen. Bei einem nächtlichen Rundgang durch die Stad, zusammen mit seinem Wirklichen Geheimen Rat Laroche, wird der Kurfürst erneut mit Armut und Schmutz in öffentlichen und privaten Anlagen konfrontiert. Dies bestärkt ihn, städtebauliche Verbesserungen vorzunehmen.

Gleichzeitig beginnt eine Parallelhandlung über Liebe und Leiden einer Bürgertochter. Der verwitwete Vater erlaubt seiner Tochter nicht, dem Einzug des Kurfürsten zuzuschauen, da er sie vor den Blicken der Männer schützen möchte. Er plant, sie, gegen ihre Wünsche, mit dem ältlichen Schneidergesellen Franz Klüsserath zu verheiraten. Durch die Intervention des Kurfürsten, der die junge Frau bei seinem nächtlichen Rundgang kurz kennengelernt hat, stimmt sie gezwungenermaßen einer Ehe mit dem ungeliebten Mann zu, aber auch die Geburt der Tochter Marie lässt beide nicht glücklich werden.

Schon bei den ersten politischen Verhandlungen stellt sich heraus, dass der Kurfürst zwischen allerlei Gruppeninteressen und weltanschaulichen Fronten steht. So schätzen die Kirchenmänner seine freigeistige Haltung nicht. In diese Kritik bezieht man auch Laroche mit ein, der in Briefen eines katholischen Pfarrers an seinen Freund das Mönchswesen verspottet haben soll. Außerdem hat sich dessen Ehefrau Sophie von Laroche mit der Veröffentlichung des Romans Geschichte des Fräuleins von Sternheim hervorgetan, was zu jener Zeit für eine Frau skandalös ist.

Überdies soll der Kurfürst den Widerruf der Schmähschrift „Anmaßungen der römischen Kurie“ durchsetzen, die der von ihm bewunderte Weihbischof von Hontheim verfasst hat. Die Angelegenheit wird prekär, als der Papst seinen Gesandten Bellisoni nach Köln schickt, um den Widerruf durchzusetzen. Mit der Aufhebung des Jesuitenordens werden die Jesuitenkollegien, die der Kurfürst besonders schätzt, aufgehoben. Das Volk widersetzt sich seinem Prozessionsverbot und führt erneut die Echternacher Springprozession durch.

Klemens Wenzeslaus fühlt sich einsam. Er ist glücklich, als seine Schwester Maria Kunigunde, amtierende Äbtissin von Thorn und Essen, nach Koblenz kommt. Seit ihrer Kindheit stehen die beiden in einem für Geschwister engen, fast zärtlichen Verhältnis. Doch Gundels Ankunft führt zu neuen Problemen: Sie und Laroche konkurrieren um die Gunst des Kurfürsten, wobei differierende Ansichten über die Ansiedelung protestantischer, vermögender Kaufleute und Steuerzahler ins streng katholische Kurfürstentum, beide besonders entzweien. Indes beginnt der Kurfürst mit dem aufwendigen Bau eines Palastes, da er seiner Schwester die baufällige Philippsburg nicht länger zumuten will. Die Kosten des Baus, von Pariser Baumeistern ausgeführt und mit Gemälden von Januarius Zick geschmückt, übersteigt bei weitem das Budget. Laroches Schwiegersohn, der Handelsherr Brentano, der seine Tochter Maximiliane geheiratet hat, leiht ihm eine große Summe. Auch treibt der Kurfürst Gelder von Klöstern ein, indem er deren Aufhebung androht. Um die Trierer zu versöhnen, beginnt er den Bau eines neuen Priesterseminars in Trier. Dennoch warnt der Trierer Domkapitular von Kesselstadt vor der Sympathie der Stadt mit den Ideen der Franzosen:

Klemens Wenzeslaus fällt der Missmut seiner Schwester auf, deren Alter sich bemerkbar macht und die ihre Kinderlosigkeit bedauert. Doch zunächst vertreiben Reisen, das neue Schloss, der Bau eines kostspieligen Theaters und die Aufführung von Mozarts ‚Die Entführung aus dem Serail‘ die trüben Gedanken.

Das von Laroche durchgesetzte Toleranzedikt zugunsten von Protestanten erbost Maria Kunigunde derart, dass sie dem Kurfürsten enthüllt, die ‚Spottbriefe‘ stammten tatsächlich von Laroche. Dieser entlässt schweren Herzens seinen Berater, obwohl er befürchtet, dass der Nachfolger im Amt, Freiherr von Duminique, nicht die Fähigkeiten seines Vorgängers habe. In Trier wird Kesselstadt ersetzt durch den Freiherrn von Kerpen, da jener für die „Zurücknahme allzu freisinniger und vom Volk noch nicht genügend verstandener Reformen“Viebig, Clara: Prinzen, Prälaten und Sansculotten, Stuttgart: DVA 1931, S. 162. eintritt. Die enttäuschten Trierer wenden sich mehr und mehr den Ideen der Französischen Revolution zu. In Koblenz lassen sich französische Emissäre nieder, die für die Ideen der Französischen Revolution werben. Monsieur Roger, ein Parfumeur, etabliert sich gegenüber der Schneiderwerkstatt. Er erobert die unglückliche Lotte Klüsserath im Sturm und wirft auch ein Auge auf Marie, deren Ehemann nicht ahnt, dass seine Frau ihn mit dem Franzosen betrügt.

In Frankreich präsentiert sich Graf Mirabeau als ‚Mann der Freiheit‘. Er greift die Vorrechte der Adeligen an; der Dritte Stand formiert sich zur Nationalversammlung. Aufgrund des wachsenden Zustroms französischer Migranten schleicht sich unter den Koblenzern Misstrauen ein. Man hält jeden für einen Spion. Teuerung und Unsicherheit tun ein Übriges, und der Kurfürst richtet nächtliche Bürgerpatrouillen ein. Die Trierischen Zeitung und das Koblenzer Intelligenzblatts unterliegen der Zensur.

Eine neue Situation tritt ein, als in den Wirren der Revolution französische Adelige in Koblenz Zuflucht suchen. Klemens Wenzeslaus fühlt sich verpflichtet, sie aufzunehmen, zumal viele Mitglieder seiner Familie unter den Flüchtlingen sind, wie Graf Charles Artois, sein Neffe, und der Graf von Paris. Der Kurfürst quartiert sie in seinem Schloss Schönbornslust ein und „sonnt […] sich in dem Gefühl, Gutes zu tun“, obwohl Gundel dem Bruder zu bedenken gibt, „daß nicht alles, was zu uns herüberströmt, deines Mitleids wert ist“. Vielfach seien „versprengte Soldaten, Deserteure, rohes Pack, Landstreicher und Faulenzer […] und aus der Haft befreite Verbrecher“Viebig, Clara: Prinzen, Prälaten und Sansculotten, Stuttgart: DVA 1931, S. 233. unter den Flüchtlingen. Dennoch kann sie selbst sich dem Charme der Migranten, insbesondere des gutaussehenden Artois nicht entziehen, und auch sie schlägt ihm kaum etwas ab.

Zunächst sind die Koblenzer über die zahlungskräftigen Gäste erfreut, aber der aufwendige Lebensstil, mit Jagden, Theaterspielen und Gala-Diners lässt das Geld rasch schwinden, und die Stadt stöhnt nun über die schmarotzenden Müßiggänger. Auch sind die Bürger besorgt, als sie erkennen, dass sich die Sitten lockern und sich viele Frauen mit Franzosen einlassen, obwohl diese mit einem Anhang von Ehefrauen und Mätressen angereist seien.

Eines Tages ist Monsieur Roger verschwunden. Als sich offenbart, dass Lotte ihren Ehemann mit dem Parfumeur betrogen hat, endet die Familie in der Katastrophe, zumal offenbar wird, dass sich Marie beim freizügigen Umgang mit einem französischen Galan, infiziert hat. Lotte geht ins Wasser, Klüsserath gibt die siechende Tochter in ein Spital und geht als Soldat nach Frankreich in der Hoffnung, dort den Frevel an Monsieur Roger zu rächen. Letztlich stirbt er an Entkräftung. –

Die Großzügigkeit des Kurfürsten wird durch die Verschwendungssucht der Verwandten auf eine harte Probe gestellt. Auch aus der Bevölkerung geht Beschwerde über Beschwerde ein. Boos von Waldeck warnt den Kurfürsten vor allzu freizügiger Gastfreundschaft; er ziehe, neben einem feindseligen Verhalten Frankreichs, den Unwillen des Volkes auf sich, wenn er aus dem Kurfürstentum ein zweites Frankreich mache. In der Tat verwandeln die konterrevolutionären Garden, die Graf Artois anwirbt, Koblenz zu einem Truppenlager. Klemens Wenzeslaus erlässt ein Werbungsverbot, wodurch er sich Artois zum Feind macht.

Der Tod des verehrten von Hontheim setzt dem Kurfürsten zu, zumal ihm bewusst wird, dass er selbst wesentlich weniger beherzt als der Tote war und allzu viele seiner Reformen gescheitert wären:

Als Frankreich den Österreichern den Krieg erklärt, hat man in Koblenz Angst, die ungeliebten preußischen Soldaten könnten sich dort zum Schutz der Reichsgrenzen einquartieren. Als Friedrich Wilhelm II. von Preußen mit seinen Truppen durch Koblenz zieht, kommt es zu Konflikten, da die Franzosen einen Teil ihrer Lager räumen sollen. Letztlich verlassen sie Koblenz, um zu den preußisch-österreichischen Truppen zu stoßen.

Die Situation wird immer unübersichtlicher. Eine weitere Teuerung erschüttert das Land. In dieser Situation verlangt Brentano das geliehene Geld zurück, das der Kurfürst glücklicherweise nun von den angesiedelten protestantischen Bürgern vorgestreckt bekommt.

In Mainz verkündet General Custine eine Republik und macht Anstalten, nach anderen Städten zu greifen. In Frankreich enden Ludwig XVI., nun genannt Louis Capet, und Marie-Antoinette auf dem Schafott. Die Koblenzer wollen in Mainz um Schonung bitten und ihre Festung preisgeben. Klemens Wenzeslaus weist dies entsetzt zurück und bessert die Festungsanlagen aus. Als die Preußen und Österreicher der Stadt ihren Schutz versagen und sich zurückziehen, ersucht der Magistrat den Kurfürsten, die Stadt zu verlassen. Schweren Herzens folgen Klemens Wenzeslaus und Kunigunde diesem Ansinnen und wenden sich nach Augsburg, wobei auf dem schlechten Weg erneut die Kutsche umstürzt.

Die eingetretene Stille in Koblenz wird bald durchbrochen als Moreau in Koblenz einzieht. Die Koblenzer können dieser Truppe ihre Hochachtung nicht versagen:

Stoffgeschichte