Nathan Chen (* 5. Mai 1999 in Salt Lake City, Utah) ist ein US-amerikanischer Eiskunstläufer, der im Einzellauf startet. Er ist der Olympiasieger von 2022 sowie der Weltmeister von 2018, 2019 und 2021.

Chen ist der erste Eiskunstläufer, dem es gelang, fünf verschiedene Vierfachsprünge erfolgreich im Wettbewerb zu landen (Toeloop, Salchow, Rittberger, Flip und Lutz).

Persönliches Nathan Chen wurde am 5. Mai 1999 in Salt Lake City als jüngstes von fünf Kindern von Hetty Wang und Zhidong Chen geboren. Seine Eltern waren 1988 als Studenten aus China in die USA emigriert. Seine Mutter, die ihn als Kind zum Eislauftraining begleitete,https://heavy.com/sports/2018/02/nathan-chen-family-parents-olympics-college/https://www.bustle.com/p/nathan-chens-parents-struggles-as-immigrants-have-made-the-olympian-all-the-more-passionate-for-his-sport-8131232 arbeitet als Übersetzerin in Krankenhäusern, sein Vater, Doktor der Pharmazie, arbeitet auf dem Gebiet der medizinischen Forschung und hat ein kleines pharmazeutisches Unternehmen.

Nach Ende der Saison 2017/18 wurde Chen von der Yale University als Student angenommen und nahm im Herbst 2018 sein Studium in Statistik und Datenwissenschaft auf.

Anfänge im Eiskunstlauf 180px|mini|links|Nathan Chen, 2015 Nathan Chen begann im Alter von drei Jahren mit dem Eislaufen, nachdem er seinen beiden älteren Brüdern beim Eishockey zugesehen hatte.http://figureskatersonline.com/nathanchen/bio/ Seine beiden älteren Schwestern betrieben auch Eiskunstlauf. Chen nahm neben dem Eiskunstlauftraining auch Ballettunterricht an der Ballet West Academy und nahm sieben Jahre lang an Gymnastikwettbewerben auf regionaler und bundesstaatlicher Ebene teil. Seinen ersten Wettkampf im Eiskunstlauf bestritt er im Jahr 2003. Er wurde sowohl bei den Novizen (2010 und 2011) als auch bei den Junioren (2012 und 2014) je zweimal US-amerikanischer Meister. 2016 verletzte sich Chen bei einem Schaulaufen an seiner linken Hüfte und musste operiert werden, sodass er, obwohl als Dritter der US-Meisterschaften erstmals für Weltmeisterschaften qualifiziert, 2016 nicht daran teilnehmen konnte.https://nextshark.com/figure-skater-born-chinese-immigrants-represent-u-s-2018-olympics/

Chen trainiert in Lakewood, Kalifornien bei Rafael Harutjunjan. Seine Choreografin ist Shae-Lynn Bourne.

Karriere

Saison 2016/17 – Aufstieg in die Weltspitze

Der äußert sprungstarke Chen stieß in der Saison 2016/17 in die Weltspitze der Senioren vor. Mit einem zweiten Platz bei der NHK Trophy und einem vierten Platz bei der Trophée Eric Bompard qualifizierte er sich erstmals für das Grand-Prix-Finale. Dort errang er auf Anhieb die Silbermedaille.https://www.goldenskate.com/2016/12/2016-17-grand-prix-final-men/

Im Januar 2017 wurde Chen als jüngster Eiskunstläufer seit 1966 US-Meister der Senioren.https://www.goldenskate.com/2017/01/chen-takes-u-s-title-record-score/ Er zeigte dabei in seiner Kür als erster Eiskunstläufer überhaupt fünf Vierfachsprünge, darunter einen vierfachen Lutz, Toeloop, Flip und Salchow. Zusammen mit seinem Kurzprogramm gelangen ihm somit als erstem Eiskunstläufer sieben saubere Vierfachsprünge in einem Wettbewerb.

Chen debütierte im Februar 2017 im südkoreanischen Gangneung bei den Vier-Kontinente-Meisterschaften. Im Kurzprogramm zeigte er zur Musik von Le Corsaire eine Vierfach-Lutz-Dreifach-Toeloop-Kombination, einen vierfachen Flip sowie einen dreifachen Axel. Weiterhin erhielt er für sämtliche seiner Pirouetten und Schrittsequenzen die höchstmögliche Level-4-Bewertung. Er verbesserte damit seine persönliche Bestleistung im Kurzprogramm um mehr als zehn Punkte und erreichte mit 103,12 Punkten als erst dritter Eiskunstläufer überhaupt nach Yuzuru Hanyū und Javier Fernández die 100-Punkte-Marke. Als Führender ging Chen in seine Kür zu Borodins Polowetzer Tänzen und stand seine fünf Vierfachsprünge, allerdings nicht alle davon perfekt.https://www.goldenskate.com/2017/02/2017-4ccs-men/ Dennoch übertraf er die 200-Punkte-Marke und verbesserte seine persönliche Bestleistung auf 204,34 Punkte. Zwar konnte Hanyū den US-Amerikaner in der Kür bezwingen, am Ende reichte es für Chen jedoch zu seinem ersten Sieg bei einer großen internationalen Meisterschaft der Senioren. Er verbesserte dadurch nicht nur seine persönliche Gesamtbestleistung auf 307,46 Punkte, sondern durchbrach als erst dritter Eiskunstläufer nach Hanyū und Fernández auch die 300-Punkte-Marke. mini|links|Nathan Chen (Mitte) auf dem Podium der Vier-Kontinente-Meisterschaft 2017 Nach seinem Sieg bei den Vier-Kontinente-Meisterschaften ging Chen mit hohen Erwartungen zu seinem Weltmeisterschaftsdebüt in Helsinki. Im Kurzprogramm stürzte der US-Amerikaner jedoch beim dreifachen Axel.https://www.goldenskate.com/2017/03/2017-worlds-men-sp/ Seine Leistung reichte im bis dato technisch höchstwertigen Wettbewerb der Eiskunstlaufgeschichte dennoch, um als vorläufiger Sechster in die Kür zu gehen.https://www.isuresults.com/results/season1617/wc2017/wc2017_Men_SP_Scores.pdf Unter Zugzwang gekommen, versuchte er in der Kür sechs Vierfachsprünge und damit das mit Abstand technisch höchstwertige Programm des Feldes, stürzte jedoch beim vierfachen Lutz und vierfachen Salchow.https://www.isuresults.com/results/season1617/wc2017/wc2017_Men_FS_Scores.pdf Dennoch stellte dies die immerhin noch viertbeste Kür dar und bestätigte den sechsten Gesamtplatz. Zwar zeigte sich Chen nach dem Wettbewerb enttäuscht, fand aber Trost darin, trotz der Fehler immer noch wettbewerbsfähig gegen die starke Konkurrenz gewesen zu sein.https://www.goldenskate.com/2017/04/2017-worlds-men-fs/ Er hatte im Vorfeld und während der WM außerdem mit Schlittschuhproblemen zu kämpfen, die aufgrund fehlenden Ersatzes nicht zufriedenstellend gelöst werden konnten.

Saison 2017/18 – Olympische Spiele und erster WM-Titel

In seine erste olympische Saison startete Chen vielversprechend. Bereits bei seinem ersten Wettbewerb, den U.S. International Figure Skating Classic, einem Challenger-Turnier in seiner Heimatstadt Salt Lake City, gelang es ihm im September 2017 als erstem Eiskunstläufer, fünf verschiedene Vierfachsprünge erfolgreich zu landen (Toeloop, Salchow, Rittberger, Flip und Lutz).

Der erste Grand-Prix-Wettbewerb der Saison bedeutete für Chen sogleich seinen ersten Grand-Prix-Sieg der Karriere. Beim Cup of Russia gelang es ihm, den amtierenden Weltmeister und Olympiasieger Yuzuru Hanyū hinter sich zu lassen.https://goldenskate.com/2017/10/chen-upstages-hanyu-in-moscow/ Auch bei seinem zweiten Grand-Prix der Saison, Skate America, siegte der Amerikanerhttps://goldenskate.com/2017/11/2017-skate-america-men/, diesmal vor Landsmann Adam Rippon. Damit qualifizierte sich Chen souverän für das zweite Grand-Prix-Finale seiner Karriere. Dieses gewann Chen am 8. Dezember 2017 in Nagoya zum ersten Mal. Trotz zahlreicher Fehler reichte es am Ende knapp zum Sieg vor dem ebenfalls nicht fehlerfreien Lokalmatadoren Shōma Uno.https://goldenskate.com/2017/12/2017-gpf-men/ Es war der insgesamt dritte Sieg eines US-Amerikaners bei einem Grand-Prix-Finale nach Jeremy Abbott (2008/09) und Evan Lysacek (2009/10).

Anfang Januar 2018 verteidigte Chen seinen Titel bei den US-amerikanischen Meisterschaften mit sieben gelungenen Vierfachsprüngen souverän; Probleme bereitete ihm lediglich der dreifache Axel.

Zu seinen ersten Olympischen Spielen ging Chen mit hohen medialen Erwartungen.https://www.interviewmagazine.com/culture/nathan-chen-figure-skater-olympics-2018 Doch schon im Teamwettbewerb zeigten sich Probleme bei seinem Kurzprogramm. Diese konnte der US-Amerikaner auch im Einzelwettbewerb nicht abstellen. Er stürzte sowohl beim vierfachen Lutz, der Kombination, als auch beim dreifachen Axel; aus dem vierfachen Toeloop stieg er vorzeitig aus. Am Ende landete er auf dem 17. Rang und musste damit schon nach dem Kurzprogramm alle Ambitionen auf den Olympiasieg aufgeben. In der Kür zu Maos letzter Tänzer und Le sacre du printemps gelang Nathan Chen das Comeback. Er landete historische sechs Vierfach-Sprünge (darunter Lutz, Flip, Salchow und Toeloop) erfolgreich, nur beim vierfachen Flip als Einzelsprung musste er kurz mit der Hand auf das Eis fassen. Auch den dreifachen Axel, der ihm in letzter Zeit Probleme bereitet hatte, stand er problemlos, wie auch eine Kombination aus dreifachem Flip, Rittberger und dreifachem Salchow. Auch seine Pirouetten bekamen durchweg Level-4-Bewertungen. Am Ende reichte es für ihn in der Kür zu einer neuen persönlichen Punktebestleistung von 215,08 Punkten, der höchsten je bei Olympia erzielten Kürleistung. Er gewann damit die Kür mit fast neun Punkten Vorsprung vor Olympiasieger Yuzuru Hanyū und verbesserte sich dadurch noch um zwölf Plätze auf den insgesamt fünften Platz.

mini|hochkant|Weltmeister 2018 Bei der fünf Wochen später stattfindenden Weltmeisterschaft in Mailand gelang es Chen, im Gegensatz zum Auftritt bei den Olympischen Spielen, sein Kurzprogramm zu Benjamin Clementines Lied Nemesis ohne Sturz zu vollenden. Zwar hatte er bei seiner Vierfach-Lutz-Dreifach-Toeloop-Kombination und seinem vierfachen Flip zu kämpfen, was zu leichten Abzügen im Ausführungsgrad führte, der dreifachen Axel bereitete ihm dagegen keine Probleme.https://www.isuresults.com/results/season1718/wc2018/wc2018_Men_SP_Scores.pdfhttps://goldenskate.com/2018/03/mens-short/ Insgesamt übernahm er damit die Führung im Kurzprogramm mit 101,94 Punkten. Als Chen als letzter des Starterfeldes in seine Kür ging, wusste er bereits, dass alle seine Konkurrenten gepatzt hatten.https://goldenskate.com/2018/03/chen-takes-world-title-with-47-points-to-spare/ Dennoch vereinfachte er seine Kür nicht und zeigte sechs Vierfachsprünge, die er alle erfolgreich landete. Am Ende brachte ihm seine Kür, die einzig sturzfreie der letzten Gruppe, einen Sieg mit über 47 Punkten Vorsprung ein, dem mit Abstand größten Vorsprung eines Weltmeisters seit Einführung des neuen Punktesystems bei Weltmeisterschaften im Jahr 2005.https://www.isuresults.com/results/season1718/wc2018/wc2018_Men_FS_Scores.pdf Mit 219,46 Punkten bedeutete sie auch eine nochmalige Steigerung zu Chens Olympiakür und damit seine persönliche Bestleistung. Auch die Gesamtpunktzahl von 321,40 Punkten stellte eine persönliche Bestleistung dar; es war die bis dahin zweithöchstbewertete der Eiskunstlaufgeschichte. Mit zwei gelandeten Vierfachsprüngen im Kurzprogramm und sechs gelandeten Vierfachsprüngen in der Kür gelang es Chen bei der Weltmeisterschaft somit auch als erstem Eiskunstläufer, acht Vierfachsprünge in einem Wettbewerb zu stehen.

Nathan Chen beendete die Saison somit mit Siegen bei allen Wettbewerben, bei denen er teilgenommen hatte, mit Ausnahme der Olympischen Spiele.

Saison 2018/19 – Studium und zweiter WM-Titel mini|Nathan Chen beim Grand-Prix-Finale in Vancouver Als Grand-Prix-Wettbewerbe für die unter neuem Punktesystem gestartete nacholympische Saison 2018/19 wählte der nun in Yale studierende Chen Skate America sowie den Internationaux de France aus. Bei beiden blieb er siegreich und sicherte sich somit souverän die Teilnahme am Grand-Prix-Finale in Vancouver. Auch dort gewann Chen und verteidigte somit seinen Titel aus dem Vorjahr, erneut gegen Shōma Uno.

Am 27. Januar 2019 wurde Chen in Detroit zum dritten Mal hintereinander US-amerikanischer Meister. Weder bei seinem mit zwei Vierfachsprüngen bestückten Kurzprogramm noch bei seiner mit vier Vierfachsprüngen bestückten Kür unterliefen ihm Fehler. Insgesamt bekam er von den Punktrichtern 342,22 Punkte.https://goldenskate.com/2019/01/nathan-chen-dominates-men-to-win-third-u-s-title/