Als Wirtschaftsgeschichte Japans wird die Zeit ab dem 9. Jahrhundert betrachtet, aus dem erste wirtschaftliche Aktivitäten belegt sind. Die Interdependenz zwischen den ostasiatischen Nachbarn Japan, China und Korea zeichnet den Beginn des Fernhandels aus. Die wirtschaftsgeschichtliche Untersuchung dieser drei Länder zusammen ist nützlich und notwendig, um jedes dieser Länder einzeln zu verstehen. Ab dem 15. Jahrhundert werden die ersten Kontakte zu europäischen Seefahrern geknüpft. Die Entwicklung Japans zur Industrienation nahm ihre Anfänge schon vor der Öffnung des Landes Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Wirtschaftsgeschichte Japans im 20. Jahrhundert wurde vor allem bestimmt durch den Weg Japans als imperialistische Regionalmacht, die anschließende Niederlage im Zweiten Weltkrieg und die daraus folgende Besetzung Japans durch die USA.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte Japan ähnlich wie Deutschland eine Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs. In wenigen Jahrzehnten wurde aus Japan eine High-Tech-Nation. Seit den 1960er Jahren wuchs die japanische Wirtschaft jährlich zwischen vier und zehn Prozent. Die sogenannte Seifenblasen-Ökonomie (Bubble Economy), bei der am japanischen Aktien- und Immobilienmarkt spekuliert wurde, begann Mitte der 1980er und endete Anfang der 1990er Jahre. Seit den 1990er Jahren erreicht das Wirtschaftswachstum in Japan nicht mehr dieselben hohen Werte wie in der Vergangenheit. Es bewegt sich nach langer Stagnation im niedrigen einstelligen Bereich.

Bis zum 15. Jahrhundert In der Yayoi-Zeit, also etwa im 9. Jahrhundert vor Chr., begann in Japan die Landwirtschaft, davor wurde meist von Jagd und Fischerei gelebt. In der Landwirtschaft wurde sehr arbeitsintensiv ohne nennenswerten Gebrauch von Hilfsmitteln produziert. Unter den einzelnen Stammesverbänden wurde Tauschhandel betrieben. Verbesserte Techniken in der Landwirtschaft führten zu einem Bevölkerungswachstum. 600 vor Chr. zählte die Bevölkerung ungefähr fünf Millionen Einwohner. Von Handel und Geschäftsbeziehungen kann ab der Yamato-Zeit gesprochen werden, da ab dieser Zeit eine Politik verfolgt wurde, bei der Märkte durch Institutionen geschützt wurden. Aus der gleichen Zeit stammen auch erste Hinweise auf den Geschenkeaustausch zwischen Japan und China, die sowohl in chinesischen Historiographien niedergelegt, als auch durch Funde chinesischer Münzen in japanischen Gräbern belegt sind. Die gefundenen Münzen werden auf die Zeit der Regentschaft von Wang Mang während der Späteren-Han-Zeit datiert. Ein erstes Edikt von 646 n. Chr. verweist auf die Existenz von „Marktkontrolleuren“, die Handelsrouten und Märkte beaufsichtigten sowie Steuern eintrieben. Als Zahlungsmittel wurde häufig Seide verwendet. mini|Wado-Münze aus dem 8. Jahrhundert, Silber In der Wadō-Zeit (708–715) wurden die ersten Münzen in Japan geprägt, deren Vorlagen aus China stammten. Die Regierung forcierte eine wirtschaftliche Abwärtsspirale durch Misswirtschaft bei der Münzprägung. Zwischen 708 und 958 wurden Münzen durch verschiedene Edikte mehrfach abgewertet, so dass sie fast keinen Wert mehr besaßen. Diese Entwicklung führte dazu, dass in der Heian-Zeit vor allem chinesische Münzen der Song-Dynastie verwendet wurden. Der rege Handel zwischen Japan und China führte auf japanischer Seite zu einem Handelsdefizit. Darüber hinaus kam es durch den Zufluss der chinesischen Münzen und einer inflationären Preisspirale zum Ende des 12. Jahrhunderts zur Destabilisierung von Marktpreisen, worauf die Nutzung von Münzen der Song-Dynastie zunächst untersagt wurde. Das Verbot ließ sich jedoch nicht wie erwünscht umsetzen, so dass die Nutzung von Münzen etwa ein Jahrzehnt später wieder erlaubt wurde.

Mit der Heian-Zeit wurden Markttage an bestimmten Kalendertagen abgehalten, bis um 1470 Märkte bis zu sechsmal im Monat stattfanden. Die mittelalterlichen Märkte wurden durch die Grundstücksbesitzer, auf deren Grund und Boden diese Märkte stattfanden, kontrolliert. Für die Organisation wurden Gebühren erhoben. Weiterhin entstanden zu dieser Zeit Kaufmannsgilden. Die Entwicklung der Märkte führte zu einem Bedeutungsgewinn der Städte und im 14. und 15. Jahrhundert zur Entstehung des Großhandels. Seit der Tang-Dynastie gab es regen Handel mit China, der bedingt durch Herrscherwechsel immer wieder unterbrochen wurde, und zur Zeit der Song-Dynastie besonders florierte. Der Handel mit Korea begann, bei dem vornehmlich Baumwolle importiert wurde.

In der Zeit von 1280 bis 1600 fand ein Bevölkerungswachstum statt, bei dem im Jahr 1450 ca. 10 Millionen und 1600 zwischen 15 und 17 Millionen Menschen in Japan lebten. Es waren politisch unsichere Zeiten, in denen viel Geld für Kriegsführung ausgegeben wurde. Diese Kosten behinderten die wirtschaftliche Entwicklung.

Erste Kontakte mit Europa Die ersten Europäer (Portugiesen) trafen zum ersten Mal auf Japan in den 1540er Jahren. Die Portugiesen nahmen den Weg über China und brachten Güter mit, die sie in Japan verkauften. Dies wird auch die Epoche des Namban-Handels genannt, die im Jahre 1639 endete.

Handelsbeziehungen mit Portugal und Spanien mini|Eine portugiesische Karacke in Nagasaki (16./17. Jahrhundert) Portugiesen landeten 1543 mit einem Schiff auf Tanegashima, einer Insel südlich von Kyûshû, auf dem Weg von Siam nach Ningbo. Ein Sturm hatte sie dahin geblasen. Während dieser ersten Begegnung verkauften sie zwei westliche Feuerwaffen (Tanegashima-Arkebuse). Nachdem die Portugiesen zum ersten Mal auf der Insel Japan landeten, diente die Hafenstadt Nagasaki ab 1549 als Reiseziel der jährlich stattfindenden portugiesischen Japanfahrt. Der gemeinsame Handel stand im Vordergrund, die japanische Seite war sehr interessiert an den Kenntnissen und Fertigkeiten des Westens in den Bereichen Kartographie, Geographie und Navigation sowie im Schiffbau und der Astronomie. Obwohl sich Portugal und Spanien im Jahr 1580 unter Philipp II. vereinten, behielten beide Völker für ihre Überseegebiete die Sonderrechte in Japan.

Nach dem Tod Hideyoshis versuchte der erste Herrscher der Tokugawa-Familie, Ieyasu den japanischen Außenhandel weiter auszudehnen. Dabei wollte er den Warenaustausch nicht nur mit Portugiesen, sondern auch mit Spaniern, Holländern und Engländern. Allerdings führte die von Tokugawa ab 1612 neu eingeleitete Christenverfolgung dazu, dass die Beziehungen zwischen Spanien und Japan sich so verschlechterten, dass sie im Jahre 1624 ganz abgebrochen wurden. Im Jahr 1633 wurde das erste „Isolationsgesetz“ verabschiedet, welches den Handel mit dem Ausland verbot.

Die Beziehung zwischen Holland und Japan Nachdem die Engländer abgezogen und die Spanier und Portugiesen vertrieben wurden, waren die Holländer ab 1639 die einzige Verbindung zwischen Japan und Europa. Die Regierung des Shoguns leitete Maßnahmen ein, um von den Holländern regelmäßige Informationen über Europa zu bekommen. Jährlich musste eine holländische Delegation nach Edo reisen, um über die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in Europa zu berichten. So bildeten sie zwar eine wichtige Grundlage für die spätere Modernisierung Japans, dies reichte jedoch nicht aus, diese Reformen in Gang zu bringen.

Edo-Zeit Prägende Merkmale für die Edo-Zeit sind die Kontrollmaßnahmen, die der Shogun einführte, um seine Machtposition zu festigen. Dadurch wurde die wirtschaftliche Entwicklung Japans stark beeinflusst. Diese Maßnahmen waren das Ständesystem (Shi-nō-kō-shō), wechselnde Aufwartung (Sankin kōtai), das Steuersystem (Honbyakushō) und die Abschließungspolitik (Sakoku).Encyclopedia Britannica, Tokugawa period - Japanese history, Encyclopedia Britannica vom 21. Mai 2009. Aufgerufen am 27. Januar 2017.

Das Ständesystem (shinōkōshō)

Die japanische Bevölkerung wurde während der Edo-Zeit in vier verschiedene Stände unterteilt. Das sind in absteigender Rangfolge die Samurai (Daimyos, ihre Vasallen und Berater), Handwerker, Bauern und die Händler. Darüber hinaus gibt es noch kleinere Gruppierungen, die nicht einbezogen wurden, wie Priester, Ärzte und Hofadel. Mitglied eines Standes wird man nur durch die Geburt, und es dürfen keine Bindungen außerhalb der Kaste geschlossen werden. Jede Organisation hat einen Stammesführer, dessen Titel nur vererbt werden konnte oder durch Adoption weitergegeben wurde.

Wechselnde Aufwartung (Sankin kōtai)

Tokugawa führte Sankin kōtai ein, um eine bessere Kontrolle der ihm unterstehenden Daimyos zu besitzen. Alle Daimyos mussten sich, unabhängig von ihrem Wohnsitz, in Edo niederlassen und dort die Hälfte des Jahres leben. So konnte der Shogun potenzielle Aufstände rechtzeitig unterbinden. Dieses hatte große Auswirkungen auf die Zentralisierung und Bedeutung Edos als Zentrum der Wirtschaft. Durch die Ansammlung großer Menschenmassen, die aus der Gefolgschaft der Daimyos bestanden, erlebte Edo einen großen wirtschaftlichen Aufschwung. Straßen und Wasserstraßen wurden aus allen Gegenden Japans in Richtung Edo und Osaka errichtet und bekräftigten Edo als Zentrum für Japans Wirtschaft.

Steuersystem Die Edo-Zeit hatte ein spezielles Steuersystem: Das Ackerland und die zuständigen Bauern (Honbyakushō) wurden schriftlich notiert, wie in einem frühen Katastersystem, und durch ein dorf- und familieninternes Kontrollsystem wurde sichergestellt, dass jeder seine Steuern zahlte. Die Steuern wurden üblicherweise in Form von Reis und vergleichbaren Gütern gezahlt, abhängig vom Ertrag der Saison.

Politik der Abschließung Japans (Sakoku)

Anfang des 17. Jahrhunderts wurde eine sehr strenge Abschließungspolitik durch das Shogunat geführt. Diese hatte zum einen das Ziel, potenzielle Allianzen aufständischer Daimyos mit ausländischen Mächten zu unterbinden, zum anderen das Wachstum des Christentums zu unterdrücken und schließlich das Handelsmonopol in Japan zu schützen.

Wirtschaftliche Entwicklung

In dieser Zeit kam es zu einem Populationsanstieg (im Jahr 1600 waren es 20 Millionen Menschen, 1700 schon 30 Millionen). Dies änderte sich jedoch ab dem 17. Jahrhundert, da die städtische Migration zurückging. Grund dafür war, dass von 1600 bis 1700 die Daimyos in der Lage waren, immer mehr Steuern zu verlangen; aber gegen Ende des 17. Jahrhunderts hatte die agrarwirtschaftliche Produktion ihre Grenzen erreicht. Bis 1850 haben sich die Bevölkerungszahlen kaum geändert, da die Bevölkerung aufgrund von Krankheiten und Hungersnöten dezimiert wurde. Während die Händler eine Blütezeit bis ins 18. Jahrhundert erfuhren, kam es bei den Daimyos und Samurai zu den ersten finanziellen Schwierigkeiten. Die Haupteinnahmequelle war die landwirtschaftliche Produktion. Mit sinkenden Einnahmen aus dieser Quelle und damit einhergehend der Verarmung der Bauern kam es zu ersten Aufständen in der Bevölkerung. Die Regierung führte mehrere Steuerreformen im späten 18. Jahrhundert bis ins 19. Jahrhundert durch, jedoch konnte die finanzielle Situation nicht gebessert werden.

In den letzten 30 Jahren der Tokugawa musste sich der Shogun mit den Bauern- und Samurai-Aufständen sowie finanziellen Schwierigkeiten auseinandersetzen. Schließlich führten diese Faktoren dazu, dass die Regierungsform in Frage gestellt wurde. 1860 verlangte das Volk nach einer Restauration der kaiserlichen Macht. Eine Vereinigung des Landes wurde gefordert. Letzter Shogun war Yoshinobu im Jahr 1867, der vom Meiji-Herrscher abgelöst wurde.

Protoindustrialisierung und Öffnung Japans Frühes 19. Jahrhundert