mini|Iwan Bunin im Jahr 1901 auf einem Foto von Maxim Dmitrijew Leichter Atem (, Ljogkoje dychanije) ist eine Kurzgeschichte des russischen Nobelpreisträgers für Literatur Iwan Bunin, die am 10. April 1916 in der Moskauer Zeitung Russkoje sloworuss. Русское слово (газета) – Das russische Wort erschien.
Inhalt Die fünfzehnjährige Olja Meschtscherskaja galt an ihrem Gymnasium als Schönheit und war nicht auf den Mund gefallen. Die Direktorin rief Olja zu sich und kam während ihrer Standpauke über den Tadel des Erscheinungsbildes dieser schlagfertigen Gymnasiastin nicht hinaus. Als die Direktorin Oljas Haartracht und teures Schuhwerk mit der Begründung monierte, sie sei schließlich Mädchen und noch keine Frau, folgte der niederschmetternde Widerspruch. Der 56-jährige Alexej Michajlowitsch Maljutin – das ist der Bruder der Direktorin – habe sie im vergangenen Sommerurlaub auf dem Lande zur Frau gemacht.
Vier Wochen nach dieser Aussprache wird Olja von einem Kosakenoffizier auf einem menschenüberfüllten Bahnsteig erschossen. Vor Gericht verteidigt sich der Todesschütze, er habe nicht anders gekonnt, denn Olja habe ihn mit ihrem Eheversprechen zum Narren gehalten. Männer habe sie abscheulich gefunden. Zur Erhärtung seiner Aussage kann der Offizier ein Tagebuchblatt Oljas vorlegen, auf dem sie zu Lebzeiten Maljutins sexuellen Missbrauch dokumentiert hatte.
Nun bringt der Erzähler als dritte und letzte Sequenz Oljas bisher nicht erwähnte kleine Klassenlehrerin ins Spiel. Wöchentlich einmal besucht die ältliche Jungfer Oljas Grab, verweilt stundenlang auf dem Friedhof und ruft sich die Erscheinung der Toten, zu Lebzeiten eine strahlende Schönheit, ins Gedächtnis. Da hatte Olja in der Pause auf dem Schulhof einer Mitschülerin – eigentlich nicht für die Ohren der Klassenlehrerin bestimmt – aufgezählt, was eine schöne Frau besitzen muss. Das Wichtigste sei ein leichter Atem. Und den habe sie.
Verfilmung 1994, Russland, 5. Kanalruss. Пятый канал (Россия): Liebesleidenschaftruss. Посвящение в любовь. 77-min TV-Film aus dem Sankt Petersburger Studio von Lew Zuzulkowskiruss. Цуцульковский, Лев Израилевич mit Alexandra Florinskaja-Budanowaruss. Флоринская-Буданова, Александра Евгеньевна als Olja.
Selbstzeugnis Borowsky schreibt 1995, mit Vorliebe habe Bunin schreibend das Verhalten einer Frau untersucht, sei „bis an die ›Grenze ihres innersten Wesens‹“Borowsky zitiert Iwan Bunin im Nachwort der verwendeten Ausgabe, S. 145, 18. Z.v.u. gegangen. Untersuchungsgegenstand in vorliegendem Text sei eben jener leichte Atem gewesen.
Rezeption Im April 1916 habe Paustowski in Jelez die Zeitung mit dem Text gekauft und nach der Lektüre „zum ersten Mal erfahren, wie die ewige Kraft der Kunst den Leser erhebe“Übersetzung der unten aufgeführten Literaturstelle russ. Лёгкое дыхание. Außerdem sind Äußerungen des Literaturkritikers Alexander Gisettiruss. Гизетти, Александр Алексеевич sowie der Schriftstellerinnen Jelena Koltonowskajaruss. Колтоновская, Елена Александровна und Galina Kusnezowaruss. Кузнецова, Галина Николаевна bekannt geworden.russ. Лёгкое дыхание Kommentare und Rezensionen
Deutschsprachige Ausgaben Verwendete Ausgabe Leichter Atem. S. 86–93 in: Iwan Bunin: Der Sonnenstich. Erzählungen. Übersetzt und herausgegeben von Kay Borowsky. 150 Seiten. Reclam, Stuttgart 1995 (RUB 9343), ISBN 3-15-009343-0
Weblinks Wikisource: Лёгкое дыхание (Бунин) (russisch)
Eintrag im Labor der Fantastik (russisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Werk von Iwan Bunin Kategorie:Literatur (Russisch) Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Kurzgeschichte