mini|hochkant|Linda Sarsour (2016) Linda Sarsour (* 1980 in Brooklyn, New York City) ist eine amerikanische politische Aktivistin. Von 2005 bis Februar 2017 war sie Vorsitzende der Arab American Association of New York (AAANY).
Familie und Ausbildung Sarsour wurde 1980 als ältestes von sieben Kindern in Brooklyn geboren. Ihre Eltern waren in den späten 1970er Jahren aus al-Bireh (Westjordanland) in die USA eingewandert. Ihr Vater besaß einen Tante-Emma-Laden. Sie ging auf eine überwiegend von Afroamerikanern besuchte Schule. Mit 17 Jahren heiratete sie in arrangierter Ehe. Mit 19 bekam sie ihr erstes von inzwischen drei Kindern.Linda Sarsour Is a Brooklyn Homegirl in a Hijab, Alan Feuer, 9. August 2015, The New York Times 2001 studierte sie am Kingsborough Community College und wurde Englischlehrerin.
Aktivismus in New York City Infolge der islamistischen Terroranschläge am 11. September 2001 nahm die Polizei Muslime in Sarsours Nachbarschaft fest und verdächtigte auch Sarsour als Terrorunterstützerin. Daraufhin begann sie, arabischstämmigen Familien als Übersetzerin und Rechtsberaterin zu helfen. Daraus erwuchs ihr Engagement für die Bürgerrechte von Einwanderern und Flüchtlingen. Mit 25 wurde sie Leiterin der AAANY, wo sie bis heute arbeitet. Sie unterstützt Betroffene gegen Strafverfolger, die ihre Bürgerrechte missachten, gegen unberechtigte Überwachung und gegen die Polizeimethode Stop-and-frisk, Personen aus vagen Gründen anzuhalten und zu durchsuchen. 2004 rief eine arabische Zeitung junge Muslime mit einer Fotografie zweier in Israel inhaftierter Palästinenser zum Märtyrertod auf. In einem Interview gab Sarsour an, das Foto zeige einen ihrer Cousins und einen Freund. US-Ermittler hätten sie verhört und ein Abschiebeverfahren gegen ihren Ehemann eingeleitet, der seit sieben Jahren in den USA lebte. Deshalb setzte sich Sarsour mit mehreren muslimischen Gruppen in ihrem Stadtteil für die Wahl John Kerrys zum neuen US-Präsidenten ein. Sie warf dem amtierenden Präsidenten George W. Bush vor, er habe Israel zeitlebens mit Geld und Waffen gegen die Palästinenser unterstützt.Sarmad S. Ali (Columbia Journalism, 2004): Ab 2005 übernahm Sarsour die Gesamtleitung der AAANY. Bis 2012 wurde diese zur wichtigsten Interessenvertretung für etwa 35.000 Einwanderer aus arabischen Staaten in Bay Ridge (New York). Seitdem bewarb sich Sarsour als erste Amerikanerin arabischer Herkunft für einen Sitz im Stadtrat, der 2017 frei wird. Ihre engste Mitarbeiterin ist die 24-jährige Jenny Goldstein. Sie verwaltet die AAANY, wenn Sarsour auf Reisen ist.Boris Fishman (Tablet Magazin, 26. Januar 2012): The Stranger
2011 erklärte Sarsour in einem Interview, ihre Arbeit betreffe zu 99 Prozent heimische und lokale Themen. Doch sobald sie die palästinensische Herkunft ihrer Familie erwähne, werde sie als „sehr politisch“ eingestuft. Sie unterstütze einen gewaltfreien Widerstand der Palästinenser gegen die israelische Besatzung, nicht aber die Hamas und die Palästinensische Autonomiebehörde. Sie bejahe das Existenzrecht Israels, glaube aber, eine Zweistaatenlösung werde wegen Grenz- und Siedlungsproblemen nicht funktionieren. Sie wünsche sich eine Einstaatenlösung, in der alle in Frieden, Gerechtigkeit und Gleichheit zusammenleben könnten. Durch ihre Teilnahme an einem Dialogprojekt habe sie Verständnis für jene gewonnen, die auf der Gegenseite des israelisch-palästinensischen Konflikts litten.Budd Mishkin (New York One, 25. Juli 2011): 2012 tweetete sie, nichts sei „gruseliger als der Zionismus“ (nothing is creepier than Zionism).Jerusalem Post, 5. Februar 2017: Linda Sarsour, Women’s March organizer, works to link civil rights struggles to Palestinian cause 2015 kommentierte sie auf Twitter ein Foto, auf dem ein palästinensischer Junge einer Gruppe schwerbewaffneter israelischer Soldaten mit einem Stein in der Hand gegenübersteht: „Die Definition von Mut. #Palästina.“ Auf den Widerspruch eines jüdischen New Yorker Stadtrats („Nein, die Definition von Barbarei“) antwortete sie: „Die zionistischen Trolle sind zum Spielen draußen. Na los. Ihr werdet mich nie verstummen lassen.“The Yeshiva World, 3. November 2015: Hikind Meets With Menchaca To Discuss Recent Uproar Over Support Of Anti-Israel Social Media Posts
Sarsour bekämpft Islamfeindlichkeit, die sie als „antimuslimischen Rassismus“ bezeichnet und als „entmenschlichende Ideologie mit schrecklichen Folgen für die Betroffenen“ beschreibt. Muslime sollten falschen Aussagen mit Kenntnissen des Koran und des Islam entgegentreten, sich mit Nichtmuslimen verbünden und organisieren.Amanda Beam (Pacific Daily News, 20. Mai 2016): In Einzelaussagen verteidigte sie Einzelregeln der Scharia als „vernünftig“, etwa private Eheverträge oder das Zinsverbot.TruthOrFiction.com 2017: Women’s March Organizer Linda Sarsour Supports Sharia Law-MostlyTruth! Kongressabgeordnete der Republikaner griffen sie deshalb 2012 an.New York Times, 9. August 2012: Under Attack as Muslims in the U.S. 2012 deckten Presseberichte das Ausmaß der polizeilichen Überwachung von Muslimen und Studenten im Bundesstaat New York auf. Bei den heftigen Protesten dagegen blieben die etwa 700.000 Muslime der Stadt New York weitgehend passiv. Daher gründete Sarsour den New York Muslim Democratic Club, um die verschiedenen Muslimgruppen ihrer Stadt zu stärkerem gemeinsamen politischen Engagement zu bewegen. Sie orientierte sich dabei am Vorbild jüdisch-orthodoxer Gemeinden in Borough Park und Williamsburg (Brooklyn). Diesen war es einige Jahre zuvor gelungen, durch organisiertes Fundraising und Wählerregistrierung Einfluss auf die Kommunalpolitik und Zusagen von Politikern für die Achtung ihrer religiösen Bräuche zu erhalten. Sarsour stärkte die Vernetzung muslimischer Gruppen mit dem Kampf gegen die polizeiliche Überwachung, der Debatte um die Ground-Zero-Moschee und dem Kampf für die Anerkennung zweier islamischer Feiertage an staatlichen Schulen. Sie erreichte im Oktober 2013, dass beide damaligen Hauptkandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters die Einführung dieser freien Schultage im Wahlkampf versprachen. Als nächsten Schritt wollte sie arabische Amerikaner in den Stadtrat bringen, wie es orthodoxen Juden zuvor gelungen war.Matt Taylor (Tablet Magazine, 31. Oktober 2013): New York’s Muslim Community Organizers Have a Model: Ultra-Orthodox Jews
Im Juli 2014 machte Sarsour einige Angriffe gegen Muslime in Brooklyn mit einer Pressekonferenz öffentlich und erreichte so Polizeischutz für lokale Moscheen. Sie verteidigte die benachbarte jüdische Gemeinde gegen Vorwürfe, die Angriffe angestiftet zu haben.Paula Katinas (Brooklyn Daily Eagle, 22. Juli 2014): Coalition condemns attacks on Brooklyn Muslims Bald darauf gründete sie mit anderen Aktivisten die Kampagne Take on Hate für ganz New York City.Meaghan McGoldrick (Brooklyn Reporter, 30. Juli 2014): Am 3. September 2014 wurden sie und eine Mitarbeiterin von einem bewaffneten betrunkenen Mann verfolgt und mit Enthauptung bedroht.Meaghan McGoldrick (Brooklyn Reporter, 5. September 2014): Local activist threatened with beheading outside Bay Ridge mosque Im selben Monat wollte die umstrittene Islamkritikerin Pamela Geller wie schon 2012 in New York City Plakate in U-Bahn-Stationen und Aufdrucke auf städtischen Bussen veröffentlichen, die den Islam mit Enthauptungen des Islamischen Staates (ISIS) verknüpften. Sarsour betonte als Vertreterin der AAANY Gellers volles Recht auf freie Meinungsäußerung, verwies aber auf die von der New Yorker Polizei bekanntgegebene Zunahme von Hasskriminalität um 143 Prozent seit 2013. Diese Art Werbung werde vorhersehbar ignorante Personen ermutigen, ihren Hass auf Muslime auszuleben.Nicky Woolf (Guardian, 19. September 2014): Anti-Islam ad campaign to run on New York City buses and subways In den Folgetagen brachte sie eine breite Koalition religiöser Gruppen, Stadträte und Politiker zusammen, die die Geller-Plakate als Aufstachelung zum Hass verurteilten und die Einstellung der Plakataktion forderten.Christopher Mathias (Huffington Post, 23. September 2014): As Hate Crimes Increase, Officials Condemn ‘Vile’ Anti-Islam Ads In New York Subway
Am 4. März 2015 entschied New Yorks neuer Bürgermeister Bill de Blasio, dass öffentliche Schulen in New York dem Schulkalender ab 2016 zwei hohe muslimische Feiertage als schulfreie Tage hinzufügten. Sarsour begrüßte dies als historischen Erfolg, weil muslimische Schüler fortan nicht mehr zwischen ihrem Glauben und ihrer schulischen Ausbildung wählen müssten.Huffington Post, 4. März 2015: New York City Officially Adds Two Muslim Holidays To School Calendar Sie unterstützt die Kampagne Boycott, Divestment and Sanctions (BDS)Brigitte Theißl (Der Standard, 1. Februar 2017): Linda Sarsour steht in der ersten Reihe der "Women's March"-Bewegung und bedauerte im September 2016 mit anderen Vertretern von Bürgerrechtsgruppen eine Resolution des New Yorker Stadtrats gegen den BDS: Dies schränke die Meinungsfreiheit ein und bringe Bürgerrechtler gegeneinander auf, statt ihre Zusammenarbeit zu fördern.Jewish Voice for Peace (14. September 2016): New Yorkers Disappointed by City Council’s Vote against BDS and Palestinian rights Am 27. Februar 2017 stellte Sarsour den lutherischen Pastor Khader El-Yateem als ersten aus Palästina stammenden Bewerber ihres Stadtteils für den Stadtrat New York Citys vor und warb um Unterstützung für ihn.Kings County Politics, 27. Februar 2017: El-Yateem Makes History As First Palestinian Arab-American To Run For City Council
Landesweite Aktivitäten 2007 war Sarsour eine von drei graduierten Studentinnen, die an der University of Chicago unter dem Titel „The Hijabi Monologues“ Performance Art über Verschleierung entwickelten.What is Veiling?, Amer Sahar, Edinburgh University Press, ISBN 978-0-7486-9684-0, S. 228. 2011 zeichnete das Weiße Haus unter US-Präsident Barack Obama sie als Champion of Change („Heldin des Wandels“) aus.Champions of Change: Giving Back To The Community. NARA, ObamaWhiteHouse, 15. Dezember 2015
Seit 2014 verbindet Sarsour ihr Engagement für Muslime mit der Bewegung Black Lives Matter. Auf ihre Initiative hin beteiligten sich muslimische Organisationen an den Protesten in Ferguson (Missouri) gegen den Mord eines Polizisten an dem unbewaffneten schwarzen Teenager Michael Brown. Sie gründete die Initiative Muslims for Ferguson. Nachdem weiße Polizisten kurz nacheinander zwei weitere Schwarze (Philandro Castile, Alton Sterling) erschossen hatten, organisierte sie am 8. Juli 2016 die Konferenz Muslim Call To Action. Damit brachte sie Aktivisten der Muslime und anderer Religionen zusammen, um sie zum Schutz von Afroamerikanern zu verpflichten.ICNA, 19. Juli 2016: American-Muslims on Black Lives Matter & anti-racism