Die Deutsche Aidshilfe e. V. (DAH) ist ein als Verein organisierter Dachverband von etwa 120 regionalen Mitgliedsorganisationen in Deutschland, der sich für Menschen mit HIV und AIDS einsetzt.

Geschichte Gründung und Entstehungskontext (1981–1985) Nach dem Auftreten der ersten Aids-Krankheitsfälle Anfang der 1980er Jahre war die öffentliche Wahrnehmung von HIV/Aids in der Bundesrepublik Deutschland von Unsicherheit, Angst und Stigmatisierung geprägt, insbesondere gegenüber homosexuellen Männern. Staatliche Reaktionen waren zunächst von Vorsicht, Unwissenheit und teilweise repressiven Debatten begleitet.

Vor diesem Hintergrund wurde am 23. September 1983 die Deutsche A.I.D.S.-Hilfe e. V. in Berlin gegründet, zunächst unter dieser Schreibweise und mit D.A.H. abgekürzt. Ausgangspunkt war das Engagement einer kleinen Gruppe, überwiegend schwuler Männer, die sich zum Ziel gesetzt hatte, zur neuen Krankheit Aids zu forschen, aufzuklären, zu beraten und Erkrankte zu unterstützen. Zentral war dabei anfangs die Aufgabe, die moralische Aufladung und Überfrachtung der pandemischen Infektionskrankheit zu überwinden und zu verhindern, dass die Opfer der Krankheit als Tätern stigmatisiert wurden.Teipelke, S. 13.

Die Gründung erfolgte als ehrenamtlicher Verein durch eine Frau und zehn Männer. Zu den Initiatoren zählten unter anderem die Krankenschwester Sabine Lange und der Verleger Bruno Gmünder.Der Partner von Bruno Gmünder, Christian von Maltzahn, verstarb 1997 an AIDS. Dem ersten Vorstand gehörten neben Lange der Schwulenaktivist Stefan Reiß sowie Siegfried (bekannt als Thomas) Zobel, der Wirt der Berliner Schwulenbar „Knolle“, an. Zentrale Ziele waren Aufklärung, Information und die Unterstützung von Erkrankten sowie der Einsatz gegen moralische Schuldzuschreibungen und gesellschaftliche Stigmatisierung. Gleichzeitig wurde die Aidshilfe Teil einer Bewegung, die schließlich die Abschaffung des § 175 StGB, zur Anerkennung und rechtlichen Gleichstellung homosexuellen Lebens in Deutschland führte.

Ausbreitung und Selbsthilfecharakter (1985–1989) Ab Mitte der 1980er Jahre kam es zu einer raschen Ausbreitung lokaler Aidshilfen. Bereits 1985 setzte ein erster Gründungsboom ein, ein weiterer folgte in den Jahren 1988 und 1989. Die Gründungen konzentrierten sich zunächst auf Großstädte mit ausgeprägter schwuler Subkultur. Träger dieser Initiativen waren überwiegend schwule Aktivisten, HIV-positive Menschen sowie deren Freunde und Angehörige.

Die Aidshilfe verstand sich in dieser Phase als Selbsthilfeorganisation und Teil einer sozialen Bewegung. Persönliche Betroffenheit, politisches Engagement und praktische Hilfe waren eng miteinander verbunden. Der anfängliche Fokus lag auf Aufklärung und Infektionsverhütung (Primärprävention), wurde jedoch bald um Beratung, Betreuung, Pflege und psychosoziale Unterstützung erweitert (Sekundär- und Tertiärprävention).

Strukturelle Prävention und politische Positionierung (späte 1980er Jahre) In den späten 1980er Jahren entwickelte sich innerhalb der Deutschen Aidshilfe das Konzept der sogenannten strukturellen Prävention. Dieses zielte darauf ab, nicht nur individuelles Risikoverhalten zu verändern, sondern auch gesellschaftliche Rahmenbedingungen in den Blick zu nehmen. Antidiskriminierungs-, Emanzipations- und Menschenrechtsarbeit galten fortan als ebenso wichtig wie Informationsvermittlung, Selbstwertstärkung und Kompetenzförderung.

Die Deutsche Aidshilfe positionierte sich zunehmend parteilich an der Seite von Menschen mit HIV/Aids und trat gegenüber Politik, Institutionen und Öffentlichkeit für deren Rechte ein. Damit wurde sie zu einem zentralen Akteur in der deutschen Aidspolitik und trug zur Etablierung eines vergleichsweise nicht-repressiven, lernorientierten Umgangs mit HIV/Aids bei.

Professionalisierung und Institutionalisierung (ab ca. 1986) Parallel zum Wachstum der lokalen Initiativen setzte ab Mitte der 1980er Jahre ein Prozess der Professionalisierung ein. Zunehmend wurden hauptamtliche Mitarbeitende, insbesondere aus der Sozialarbeit und Sozialpädagogik, eingestellt. Zudem entstanden erste Fachreferate, etwa 1987 das Referat für den Bereich Drogengebrauch.

Mit der Professionalisierung ging eine wachsende staatliche Förderung auf Landes- und Bundesebene einher. Die deutsche Aidsbekämpfung war dabei von einer vergleichsweise stabilen Finanzierung durch das Bundesministerium für Gesundheit sowie einer engen Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen geprägt, die unter anderem von der damaligen Bundesgesundheitsministerin Rita Süssmuth unterstützt wurde. Innerhalb der Organisation kam es zugleich zu Spannungen zwischen ehrenamtlicher Selbsthilfe und hauptamtlicher Organisationsentwicklung.

Entwicklung zum Dachverband Seit 1985 fungiert die Deutsche Aidshilfe als Dachverband regionaler Aidshilfen. Anfang 1990 wurde mit der Aids-Hilfe in Leipzig der erste Verein in den neuen Bundesländern gegründet.Kristin Weber: , 26. März 2010, LVZ online In Weimar gab es seit 1989 das AidsBeratungsCentrum, aus dem dann die AIDS-Hilfe Weimar & Ostthüringen e. V. hervorging. Bis Ende 1993, also zehn Jahre nach Entstehen der Deutschen Aidshilfe, entstanden rund 130 lokale oder regionale Mitgliedsorganisationen mit etwa 6.000 ehrenamtlichen und rund 500 hauptamtlichen Mitarbeitende. Zu den Aufgaben des Dachverbands gehörten Koordination, Interessenvertretung, Öffentlichkeitsarbeit, konzeptionelle Arbeit sowie politische Einflussnahme.

Inhaltlich richtete sich die Arbeit der Deutschen Aidshilfe auf sogenannte Hauptbetroffenengruppen von HIV/Aids. Während sich die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) primär an die Allgemeinbevölkerung wandte, übernahm die Deutsche Aidshilfe die Präventions- und Unterstützungsarbeit für besonders betroffene Gruppen und leistete so einen nachhaltigen Beitrag zur Prävention, Betreuung und gesellschaftlichen Wahrnehmung von HIV/AIDS und wurde zu einem festen Bestandteil des deutschen Gesundheitssystems.

Neue Vorstände, Kampagnen und Umbenennung (2008–2019) Im Oktober 2008 wurde von der Mitgliederversammlung in Erfurt der Vorstand fast vollständig ausgewechselt, nachdem der alte Vorstand einstimmig nicht entlastet worden war. in: Nachricht von optikur.de vom 6. Oktober 2008Deutsche Aids-Hilfe: neuer Vorstand gewählt (akt.) in: www.ondamaris.de, 5. Oktober 2008

Am 13. Oktober 2008 startete die Deutsche Aidshilfe mit „Ich weiß, was ich tu“ die erste bundesweite HIV-Präventionskampagne für Männer, die Sex mit Männern haben. in: News vom 15. Oktober 2008mini|Mitwirkende der Aidshilfe auf dem CSD 2011 in München

Im November 2014 verpflichteten sich die Mitgliedsorganisationen der DAH die Einbindung von Menschen mit HIV noch stärker zu fördern. Dazu wurde ein neues Verbandsorgan, PositHIVe GesichterHomepage von PositHIVe Gesichter., eingesetzt. Dessen Aufgabe ist es, die Beteiligung und Vernetzung von HIV-Positiven im Verband sicherzustellen.

Am 12. Mai 2017 startete die Deutsche Aidshilfe die Kampagne „Kein Aids für alle (bis 2020)“. Zum Zeitpunkt des Kampagnenstarts erkrankten noch ca. 1000 Menschen jährlich an Aids.

2019 benannte sich die Deutsche AIDS-Hilfe e. V. in Deutsche Aidshilfe e. V. um. Sie steht als Gesprächspartner mit allen wesentlichen Hilfsorganisationen im In- und Ausland in ständigem Austausch.

Mitgliedsorganisationen Zur Deutschen Aidshilfe gehören zahlreiche örtliche Vereine, die HIV-positive oder an Aids erkrankte Menschen vor Ort begleiten. Die sechs metropolen AIDS-Hilfen bestehen in:

Berlin Die fast 300 Mitglieder des Berliner Aids-Hilfe e. V.Homepage des Berliner Aids-Hilfe e. V. unterstützen die Arbeit der 210 haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter. Jährlich finden in der Berliner Aids-Hilfe 7000 bis 8000 Beratungskontakte statt, weitere 5000 bis 6000 am anonymen Beratungstelefon 19 4 11. Rund 6000 Gäste nutzen die BAH-Frühstücke im Jahr. 1000 Kontakte haben die 30 ehrenamtlichen „Freunde im Krankenhaus“ (FriKs) jährlich. Die Arbeit wird von rund 27 hauptamtlichen (auf 22,53 Vollzeitstellen) und 180 ehrenamtlichen Mitarbeiter geleistet. Im Verein arbeiten HIV-Positive und -Negative, Männer und Frauen, Schwule, Lesben und Heterosexuelle.

Im Kuratorium der Berliner Aids-Hilfe e. V. sind Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Kultur aktiv: Keikawus Arasteh, Geschwister Pfister, Michael Flotho, Sylke Gandzior, Romy Haag, Monika Hansen, Irm Hermann, Thomas Hermanns, René Heymann, Klaus Hoffmann, Ricarda M. Hofmann, Susanne Juhnke, Katy Karrenbauer, Heidi Knake-Werner, René Koch, Jochen Kowalski, Renate Künast, Manfred L’age, Ulli Lohr, Frank Lukas, Annabelle Mandeng, Katharine Mehrling, Anne Momper, Michael Müller, Maren Otto, Georg Preuße, Rosenstolz, Barbara Schöne, Wieland Speck, Ingrid Stahmer, Katharina Thalbach, Paul van Dyk, Roswitha Völz, Udo Walz, WestBam, Judy Winter, Klaus Wowereit, Ades Zabel, Regina Ziegler. Sie alle engagieren sich, um gegen Stigmatisierung, Diskriminierung und Ausgrenzung von Menschen mit HIV/Aids zu kämpfen sowie Mittel für die Arbeit des gemeinnützigen und wohltätigen Vereins einzuwerben.

Die Berliner Aids-Hilfe ist Mitglied im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband (dpw) und im Netz der europäischen Telefon-Hotlines ENAH (European Network of AIDS Helplines). Zudem ist sie Unterzeichnerin der Initiative Transparente Zivilgesellschaft., abgerufen am 4. März 2014

Frankfurt am Main Frankfurt am Main war 1982 die Stadt in Deutschland, in der erstmals AIDS bei einem Patienten diagnostiziert wurde, und über Jahre war Frankfurt die Stadt mit der höchsten Zahl AIDS-Erkrankter in Deutschland pro Einwohner. In dieser Situation wurde die AIDS-Hilfe Frankfurt (AHF) 1985 gegründet; sie ist heute die größte AIDS-Hilfe in Deutschland.Vogt / Habeck, S. 20–21 An der Gründung wesentlich beteiligt war Hans Peter Hauschild.