mini|hochkant=1.3|Porsche 919 Hybrid mit der Nummer 2; Siegerwagen bei der IAA 2017 mini|hochkant=1.3|Toyota TS050 Hybrid und Porsche 919 Hybrid hier beim 6-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring 2017; Vorne der in Le Mans ausgefallene Toyota mit der Nummer 7, dahinter der siegreiche Porsche mit der Nummer 2 mini|hochkant=1.3|Der an der dritten Stelle der Gesamtwertung ins Ziel gekommene und später disqualifizierte Oreca 07 (Startnummer 13) von Rebellion Racing mini|hochkant=1.3|Der G-Drive-Oreca 07 von Memo Rojas, Ryō Hirakawa und José Gutiérrez während des ersten Trainings in der Box mini|hochkant=1.3|Boxenarbeit beim fünftplatzierten United Autosports-Ligier JS P217 von Will Owen, Hugo de Sadeleer und Filipe Albuquerque mini|hochkant=1.3|Der siebtplatzierte Oreca 07 von CEPC Manor TRS Racing mini|hochkant=1.3|Darren Turner, Jonny Adam und Daniel Serra gewannen im Aston Martin Vantage GTE die LMGTE-Pro-Klasse mini|hochkant=1.3|Der Ford GT von Stefan Mücke, Olivier Pla und Billy Johnson mini|hochkant=1.3|Der nicht gestartete Bio-Methan-LMP2 von Welter Racing aus der Garage 56 Das 85. 24-Stunden-Rennen von Le Mans, der 85e Grand Prix d’Endurance les 24 Heures du Mans, auch 24 Heures du Mans, fand vom 17. bis 18. Juni 2017 auf dem Circuit des 24 Heures statt.
Vor dem Rennen
LMP1-Klasse
Wie in den Jahren davor gab der Automobile Club de l’Ouest als Veranstalter des 24-Stunden-Rennens Ende Januar 2017 eine Liste der ersten 14 Einladungen zum Rennen im Juni bekannt.Erste Einladungsliste des ACO Eingeladen wurden neben den Gesamt- und den Klassensiegern des Vorjahres die jeweiligen Sieger der European und der Asian Le Mans Series. Dazu kamen zwei Rennteams, die von der International Motor Sports Association nominiert wurden. Außerdem erhielten alle für die FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft 2017 eingeschriebenen Teams der vier Rennklassen ein automatisches Startrecht.
Schon vor dem Ablauf der FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft 2016 fiel eine Entscheidung, die wesentlichen Einfluss auf die Saison 2017 und das 24-Stunden-Rennen von Le Mans hatte. Im Oktober 2016 gab der Vorstand der Audi AG das Ende des LMP-Programms zum Ende der Saison bekannt.Audi steigt aus der WEC aus Mit dem Ausstieg aus dem Langstreckensport endete bei Audi auch die 23 Jahre dauernde Ära von Motorsportchef Wolfgang Ullrich.Wolfgang Ullrich geht in den Ruhestand Unter seiner Leitung war Audi 1999 zum ersten Mal in Le Mans angetreten. Bereits ein Jahr später gab es den ersten Gesamtsieg, eingefahren von Tom Kristensen, Frank Biela und Emanuele Pirro im Audi R8. Es folgten weitere 13 Gesamterfolge bei diesem 24-Stunden-Rennen. Durch den Rückzug von Audi reduzierte sich die Anzahl der Hersteller in der LMP1-Klasse von drei auf zwei.
Auch das privat geführte Schweizer Rebellion Team beendete Ende 2016 das LMP1-Programm und wechselte in die LMP2-Klasse. Damit erhöhte sich der Verlust der LMP1-Fahrzeuge von zwei auf vier.
Bei den Fahrern kam es ebenfalls zu Veränderungen. Durch den Rückzug von Audi verloren sechs LMP1-Piloten ihr Cockpit. Das beste Ersatzcockpit fand der dreifache Le-Mans-Sieger André Lotterer, der zu Porsche wechselte. Dort waren von sechs drei Fahrerplätze vakant geworden. Mark Webber hatte Ende 2016 seine Karriere beendet und die beiden Vorjahressieger Romain Dumas und Marc Lieb hatten keinen Vertrag mehr erhalten.Romain Dumas und Marc Lieb nicht mehr im Porsche-LMP1 Für sie kehrten Nick Tandy und Earl Bamber ins LMP1-Programm von Porsche zurück.
Toyota Motorsport reagierte auf den dramatischen Ausfall 2016, als der führende Wagen in der vorletzten Runde den Sieg verlor, und meldete ein drittes Fahrzeug. Der Toyota TS050 Hybrid mit der Startnummer 8 wurde Sébastien Buemi, Anthony Davidson und Kazuki Nakajima anvertraut, der 2016 den desaströsen letzten Teil fuhr. Im Wagen mit der Nummer 7 sollte ursprünglich der dreimalige Tourenwagen-Weltmeister José María López den Platz neben Mike Conway und Kamui Kobayashi einnehmen. Der bisherige Stammpilot Stéphane Sarrazin wurde in den dritten Wagen zum Toyota-Rückkehrer Nicolas LapierreNicolas Lapierre kehrt zu Toyota zurück und zu Yūji Kunimoto versetzt. López hatte jedoch beim 6-Stunden-Rennen von Silverstone einen schweren Unfall und konnte beim folgenden 6-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps nicht starten. Dadurch fehlten ihm Rennkilometer. Bei Toyota tauschte man daher vor dem Rennen die Cockpits und platzierte den in Spa mit ausgezeichneter Leistung fahrenden Sarrazin wieder im Wagen mit der Nummer 7.Toyota tauscht Cockpits
Zu zwei Änderungen gegenüber der geplanten Fahrerbesetzung kam es auch beim ByKolles Racing Team. Erst stieg der ehemalige polnische Formel-1-Pilot Robert Kubica, der den ENSO CLM P1/01 fahren sollte, im April 2017 aus dem Projekt wieder aus. Für ihn wurde James Rossiter verpflichtet, der zu Oliver Webb und Dominik Kraihamer ins Team kommen sollte. Am 1. Juni gab das Team bekannt, dass Rossiter am Le-Mans-Wochenende für sein angestammtes Super-GT-Team in Japan Testfahrten absolvieren musste. Sein Ersatz wurde der frühere Audi-LMP1-Testfahrer Marco Bonanomi.Bonanomi für Rossiter bei Kolles
LMP2-Klasse
Die größte Anzahl an Startern hatte mit 25 die LMP2-Klasse. Für das Racing Team Nederland des inzwischen 61-jährigen Jan Lammers, der 1988 das Rennen mit den Partner Johnny Dumfries und Andy Wallace auf einem Jaguar XJR9-LM gewann, plante der Formel-1-Rekordstarter Rubens Barrichello sein Le-Mans-Debüt. Dritter im Team war der Niederländer Frits van Eerd, Miteigentümer von Jumbo Supermarkten und Finanzier des Projekts.Frits von Eerd finanziert das Racing Team Nederland Bei Signatech Alpine Matmut war Nicolas Lapierre einer der Stammpiloten bei den Rennen der Weltmeisterschaft. Durch dessen Wechsel zu Toyota wurde bei Alpine ein Fahrerplatz frei, der von Romain Dumas eingenommen wurde. Sein Le-Mans-Debüt gab der ehemalige Toro-Rosso-Formel-1-Pilot Jean-Éric Vergne, der bei CEPC Manor TRS Racing mit den Partnern Tor Graves und Jonathan Hirschi ins Rennen ging.Jean-Éric Vergne fährt für Manor in Le Mans
LMGT-Pro-Klasse
Am meisten Rennspannung versprach, wie in den Jahren davor, die GT-Klasse der Profis. Fünf Hersteller traten gegeneinander an. Zu den in der Weltmeisterschaft engagierten Teams von Ferrari, Ford, Aston Martin und Porsche kam in Le Mans Chevrolet hinzu. Das größte Aufgebot stellte wie im Vorjahr das von Chip Ganassi geführte Ford-Team. Vier Fahrzeuge wurden gemeldet, die von einer internationalen Fahrermannschaft gelenkt wurden. Von den 12 Piloten, die 2016 für Ford ins Rennen gingen, waren 2017 noch zehn dabei. Die Änderungen betrafen Marino Franchitti, der keinen Vertrag mehr erhielt und durch Luís Felipe Derani ersetzt wurde und Sébastien Bourdais. Bourdais, der ursprünglich im Wagen mit der Nummer 68 gemeldet war, hatte im Mai beim Training zum 500-Meilen-Rennen von Indianapolis einen schweren Unfall. Er erlitt dabei mehrere Beckenbrüche und eine Fraktur der rechten Hüfte.Bourdais fällt nach schwerem Unfall aus Als Ersatzpilot wurde am 31. Mai Tony Kanaan bekannt gegeben. Großer Abwesender bei AF Corse war Gianmaria Bruni. Der langjährige Ferrari-Werkspilot hatte während der Saison seinen Vertrag gelöst und war zu Porsche gewechselt, erhielt für Le Mans jedoch keine Startfreigabe. Neu ins Team kam Lucas di GrassiLucas di Grassi fährt für AF Corse in Le Mans, der in den letzten vier Jahren in Le Mans für Audi LMP1-Fahrzeuge fuhr und dabei dreimal aufs Podium der ersten drei der Gesamtwertung kam. Bei Chevrolet Racing kam der dreimalige Le-Mans-Gesamtsieger Marcel Fässler, ebenfalls langjähriger Audi-LMP1-Pilot, zur 2-Wagen-Mannschaft.
Sowohl beim GT-Team von Porsche wie auch bei Aston Martin vertraute man vor allem auf Fahrer mit langjähriger Le-Mans-Erfahrung. Bei Porsche waren das Richard Lietz, Patrick Pilet und Frédéric Makowiecki, bei Aston Martin Nicki Thiim und Darren Turner.
Am Mittwoch, dem 14. Juni, knapp bevor das erste freie Training begann, musste Lucas di Grassi seinen Startverzicht bekannt geben. Er hatte sich beim Fußballspielen das Wadenbein gebrochen. Seinen Platz bei AF Corse erhielt Michele Rugolo.Startverzicht von di Grassi
LMGT-Am-Klasse
Mit 16 Startern war die GT-Am-Klasse stark besetzt. Sieben Ferrari 488 GTE, ein Ferrari 458 Italia GT2 und drei Aston Martin Vantage GTE, trafen auf vier Porsche 911 RSR und einen Chevrolet Corvette C7.R.
Fahrer-Kategorien
Um an einem der Rennen der FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft und am 24-Stunden-Rennen teilnehmen zu können, müssen die Fahrer in den vier Rennklassen unterschiedliche Bedingungen erfüllen. Die Einstufungen werden vom Endurance-KomiteeFia-Endurance-Komitee der Fédération Internationale de l’Automobile vorgenommen. Ohne diese Klassifizierung ist ein Antreten in Le Mans nicht möglich. Die Einstufung der Fahrer unter Platin, Gold, Silber und Bronze ist die Basis für die Teilnahme der Fahrer in den Rennklassen.
Im Unterschied zu den restlichen Rennen der Weltmeisterschaft, wo auch Zweierteams möglich sind, sind in Le Mans pro Fahrzeug drei Fahrer obligatorisch. Der ACO kann allerdings bei Höherer Gewalt – zum Beispiel Ausfall eines Fahrers knapp vor dem Rennen und kein weiterer Ersatzfahrer gemeldet – Ausnahmen von dieser Regel gewähren.
Platin
In der großen LMP-Klasse sind Platin, Gold und Silber-Fahrer startberechtigt. Die Platin-Fahrer dürfen beim Rennstart nicht älter als 50 Jahre sein, sie müssen unter anderem entweder eine Superlizenz besitzen, die Gesamtwertung des Rennens einmal gewonnen haben oder bei einem Automobilhersteller einen Werksvertrag haben. Für Piloten, die keine regelmäßigen Langstrecken-Rennstarts vorweisen können, werden Ergebnisse aus Monoposto-Rennserien herangezogen.
Gold
Gold-Fahrer haben grundsätzlich dieselben Anforderungen zu erfüllen wie Platin-Fahrer, sind aber zwischen 51 und 59 Jahre alt. Dazu kommen Ergebnisse aus Monoposto-Serien und Markenpokalen.
Silber
Diese Klassifizierung bedeutet entweder ein maximales Alter von 30 Jahren und das Nichterfüllen der Platin/Gold-Anforderungen oder bei deren Erfüllung ein Alter über 59 Jahren. Ist der Pilot über 59 Jahre alt und hat keinen Platin/Gold-Status, jedoch einen internationalen Markenpokal und als Teamkollege eines Profifahrers ein GT- oder Sportchampionat gewonnen, erhält er ebenfalls Silber-Status.
Bronze
Diesen Status erhalten Fahrer, die zwar eine internationale B-Lizenz besitzen, aber noch keine Kriterien für Platin, Gold und Silber erfüllen konnten.
Fahrzeugklassen-Verteilung Die Fahrereinteilung erfolgte folgendermaßen:Fahrereinteilung LMP1: Kein Bronze-Fahrer erlaubt LMP2: Maximal 1-Platin-Fahrer; mindestens 1-Silber oder Bronze-Fahrer LMGT-Pro: Keine Vorgaben und Einschränkungen LMGT-Am: 1-Bronze-Fahrer obligatorisch; mindestens 1-Silber- oder Bronze-Fahrer
Garage 56
Die Garage 56 war auch 2017 für ein Team mit einer besonderen technischen Innovation reserviert. Den Zuschlag bekam Welter Racing für ein Fahrzeug mit Biomethan-Antrieb. Im Dezember 2016 gab das Team bekannt, dass eine Fertigstellung des Projekts bis zum Rennstart nicht möglich sei.
Vortests
Am 4. Juni fanden die Vortests statt. Aufgeteilt in drei Trainingseinheiten hatten die 60 gemeldeten Teams insgesamt acht Stunden Zeit, um sich auf das Rennen vorzubereiten. In der LMP1-Klasse fuhren die drei Werks-Toyota die besten Zeiten. Die schnellste Rundenzeit erzielte Kamui Kobayashi im Toyota mit der Nummer 7 mit einer Zeit von 3:18,132 Minuten. Er war dabei um 1,6 Sekunden schneller als Neel Jani bei seiner Pole-Position-Fahrt im Porsche 919 Hybrid im Jahr davor.