Call Me by Your Name ist ein Spielfilm von Luca Guadagnino aus dem Jahr 2017. Das romantische Drama basiert auf dem 2007 erschienenen gleichnamigen Roman von André Aciman (deutsch: „Ruf mich bei deinem Namen“) und erzählt von der Affäre zwischen einem 17-jährigen Jugendlichen (dargestellt von Timothée Chalamet) und einem 24-jährigen US-Amerikaner (Armie Hammer) nach einer Begegnung in einem Sommer im Italien der 1980er-Jahre.

Der Film hatte am 22. Januar 2017 im Rahmen des Sundance Film Festivals Premiere. In Deutschland wurde Call Me by Your Name am 13. Februar 2017 in der Sektion Panorama der 67. Berlinale erstmals vorgestellt. Der US-amerikanische Kinostart erfolgte am 24. November 2017, der in Deutschland und den deutschsprachigen Teilen der Schweiz am 1. März 2018.

Zur Oscarverleihung 2018 wurde Call Me by Your Name als bester Film nominiert, zudem Timothée Chalamet als bester Hauptdarsteller. James Ivory wurde mit einem Oscar für das beste adaptierte Drehbuch ausgezeichnet. Außerdem erhielt Mystery of Love eine Nominierung als bester Filmsong.

Handlung Norditalien im Sommer 1983: Der 17-jährige Elio lebt mit seinen Eltern in einer Villa auf dem Land. Die Familie ist jüdisch und sehr gebildet, auch ist Elio mehrsprachig aufgewachsen. Sein amerikanischer Vater ist Professor für Archäologie und forscht über antike Skulpturen. Zu seinen Eltern pflegt Elio ein inniges Verhältnis. Er vertreibt sich die Zeit mit Klavierspielen, Bücherlesen und Schwimmengehen. Häufiger trifft er sich mit der gleichaltrigen Französin Marzia, mit der er sich eine Beziehung vorstellen könnte.

Wie jedes Jahr nimmt Elios Vater für rund sechs Wochen einen Doktoranden bei sich auf, der ihm bei der Forschungsarbeit assistieren soll. Diesen Sommer handelt es sich um den 24-jährigen Amerikaner Oliver, der Neuengländer und ebenfalls jüdischer Abstammung ist. Elio muss Oliver sein Zimmer abtreten. Der Sohn des Professors findet den selbstbewusst auftretenden und scheinbar sorgenlosen Amerikaner anfänglich arrogant. So amüsiert er sich über Olivers kurze Verabschiedungsfloskel „Later“ („später“, in der deutschen Synchronisation „Wir sehen uns“).

Elio wird von seinen Eltern gebeten, Oliver die Gegend zu zeigen. Allmählich freunden sich die beiden an. Der gewandte Oliver findet zu Elios Verwunderung schnell Zugang zu den Einwohnern der in der Nähe gelegenen Kleinstadt. Auch gewinnt er die Gunst der Mädchen des Ortes. Als Oliver mit einem der Mädchen namens Chiara auf einer Tanzfläche anbandelt, muss Elio registrieren, dass er darauf mit Eifersucht reagiert. Er empfindet verstärkt verwirrende und intensive Gefühle für Oliver. So schleicht er sich einmal in sein Zimmer und riecht an seiner Unterwäsche. Bei einem Gewitter liest Elios Mutter ihm aus einem Gedicht von Margarete von Navarra vor, in dem der verliebte Ritter Armadour fragt: „Was ist besser, zu reden oder zu sterben?“ Elio beginnt daraufhin zögerliche Annäherungsversuche.

Bei einem Ausflug an einen See versucht Elio, Oliver zu verführen. Oliver geht zunächst auf die Avancen ein, zieht sich dann aber zurück. Offenbar plagen ihn ein schlechtes Gewissen und die Furcht öffentlicher Bloßstellung davor, ein schwules Verhältnis mit dem deutlich jüngeren Sohn seines Vorgesetzten zu führen. Während Oliver tagelang nicht mehr mit ihm redet, trifft sich Elio wieder häufiger mit Marzia, und die beiden haben ihren ersten Sex miteinander. Über kurze Briefwechsel nähern sich Elio und Oliver wieder einander an und vereinbaren ein nächtliches Treffen.

Die beiden schlafen miteinander, halten ihre Beziehung aber geheim. Auch gewöhnen sie sich beim Sex an, sich gegenseitig mit ihrem eigenen Vornamen anzusprechen (). Beide bedauern, dass sie sich nicht schon eher ihre Gefühle füreinander eingestanden haben, da bereits Olivers Abschied naht. Elio wird von intensiven Gefühlen heimgesucht und masturbiert einmal in einen Pfirsich. Als Oliver wenig später ins Zimmer kommt und den Pfirsich sieht, amüsiert er sich zunächst, tröstet dann aber Elio, als dieser in Tränen ausbricht. Parallel vernachlässigt Elio den Kontakt zu Marzia, die sich in ihn verliebt hat. Ihre Gefühle werden nicht erwidert, aber sie und Elio erklären sich später, in ewiger Freundschaft verbleiben zu wollen.

Als Oliver in die USA zurückkehren muss, darf Elio ihn die letzten Tage zu einer Reise nach Bergamo begleiten. Bei der Rückkehr nach Hause trauert Elio seiner ersten großen Liebe nach. In einem persönlichen Gespräch lässt Professor Perlman seinen Sohn wissen, dass er über die Art der Beziehung zu Oliver Bescheid weiß, und stellt die Besonderheit der Freundschaft zwischen Elio und Oliver heraus. Er sei in seiner Jugend selbst einer ähnlich intensiven Liebe nahegekommen, habe seine Gefühle aber nicht ausgelebt. Der einfühlsame Professor erteilt Elio den Ratschlag, für eine lebendige Zeit im menschlichen Dasein auch die schmerzhaften Gefühle zu akzeptieren, da ansonsten drohe, mit zunehmendem Alter gar nichts mehr zu fühlen.

Monate später zur Zeit des Lichterfestes erhält die Familie einen Anruf von Oliver aus den USA. Nach anfänglichem Smalltalk erfährt Elio, dass Oliver verlobt ist und wohl bald heiraten wird. Nachdem seine Eltern Oliver gratuliert haben und Elio das Telefon wieder überlassen, gestehen sich die beiden, wie sehr sie sich vermissen, und sprechen sich wie während ihrer Liebe im Sommer mit ihren eigenen Namen an. Während im Haushalt gerade ein Essen vorbereitet wird, starrt Elio auf das Kaminfeuer. Er erinnert sich wieder an den vergangenen Sommer mit Oliver und beginnt zu weinen.

Produktion Literarische Adaption und Vorproduktion mini|hochkant|James Ivory (1991) Der Film basiert auf dem 2007 erschienenen Debütroman Ruf mich bei deinem Namen (Originaltitel Call Me by Your Name) des Literaturwissenschaftlers André Aciman.Ramin Setoodeh: Timothee Chalamet on Sundance Gay Love Story 'Call Me by Your Name', Chemistry With Armie Hammer In: Variety, 21. Januar 2017. Bereits kurz vor der Romanveröffentlichung hatten die Produzenten Peter Spears und Howard Rosenman die Filmrechte erworben, kamen allerdings mit der Entwicklung des Films nicht voran. Später holten sie ihren New Yorker Nachbarn, den bekannten Regisseur James Ivory, hinzu, der als Mitproduzent und Drehbuchautor des Films fungierte. Luca Guadagnino stieg in das Projekt ein, sollte allerdings zunächst nur nach passenden Drehorten suchen. Ivory schrieb das Drehbuch zum Großteil im Jahr 2014 nieder, wobei Guadagnino und dessen langjähriger Filmeditor Walter Fasano in die Entwicklung des Drehbuchs eingebunden waren und später noch ein paar Änderungen vornahmen.

Zeitweise überlegten Guadagnino und Ivory, gemeinsam Regie zu führen, doch die Finanziers des Films sahen zwei Regisseure wegen potenzieller Streitereien kritisch. Ivorys Ideen für den Film wurden außerdem als zu kostspielig abgelehnt. Daraufhin überließ Ivory die alleinige Regie Guadagnino, der den Finanziers versprach, den Film wesentlich günstiger drehen zu können. Ivory erhielt alleine den Credit für das Drehbuch und zeigte sich später weitgehend zufrieden mit dem Film. Er kritisierte aber, dass Guadagnino im Gegensatz zu seinem Drehbuchentwurf auf komplette Nacktheit der beiden Hauptdarsteller verzichtet hatte und sah das als Rücksichtnahme auf amerikanische Prüderie. Ivory hatte bereits in den 1980er-Jahren in einigen seiner Filme wie Maurice männliche Nacktheit gezeigt. Guadagnino verteidigte sich mit dem Hinweis, dass er in seinen früheren Filmen durchaus Nacktheit eingesetzt habe, um „alle Arten von Emotionen“ auszulösen, sie ihm aber in diesem Fall „komplett irrelevant“ erschienen sei.

Die Umsetzung erwies sich als anspruchsvoll, da der Roman aus der Ich-Perspektive das Innenleben der Hauptfigur Elio schildert, was in der filmischen Form schwierig umzusetzen ist. Das Drehbuch versuchte, nicht nur durch Dialoge, sondern vor allem durch gemächliche und teilweise schweigsame Szenen, die beispielsweise durch visuelle Metaphern die Stimmungen der Figuren ausdrücken, zu funktionieren. Im Gegensatz zum Film treffen Elio und Oliver in der literarischen Vorlage zwei Jahrzehnte nach ihrer ersten Begegnung in Italien wieder aufeinander. Elio erinnert sich an die Zeit seiner ersten Begegnung mit dem mittlerweile verheirateten Familienvater. Ivory erklärte das Auslassen der späteren Begegnung damit, dass er den Film mehr auf die zentrale Begegnung im Sommer fokussieren wollte. Das universale Thema des Films sei für ihn die erste Liebe. Ein von Ivory in seinem Drehbuchentwurf geplanter Erzähler in dritter Person wurde nicht übernommen und Guadagnino äußerte, dass man auch keine Erzählerstimme des älteren Elio haben wollte, da der Film komplett in der Gegenwart eines Sommers situiert sein sollte. Auch übernahm Ivory mehrere Nebenfiguren und einige Ereignisse aus dem Roman nicht in das Drehbuch, um eine inhaltliche Überfrachtung zu verhindern. Elios Vater ist in Acimans Roman ein klassischer Gelehrter am Schreibtisch, im Film wurde er zu einem Archäologen gemacht – dadurch konnte die Figur im Film aktiver wirken, zudem verknüpfen sich die antiken Männerstatuen thematisch mit der Haupthandlung. Guadagnino liebte die Idee, wie die Entdeckung einer aus dem See und aus der Vergangenheit gehobenen Statue die beiden Hauptcharaktere näherkommen lässt und so Gegenwart wie Zukunft beeinflusst.Luca Guadagnino: A Summer Place. In: Film Comment, Vol. 53, No. 5 (September-October 2017), S. 6.

Guadagninos Stil und Themen mini|Luca Guadagnino und André Aciman bei der Berlinale 2017 Guadagnino sagte über Call Me by Your Name: „Es ist ein Film über die unerbittliche Kraft des Verlangens und der Liebe, und auf welchen Wegen er oder sie diese finden können.“Sufjan Stevens spielt Film-Soundtrack für eine 'gay love story' ein In: Musikexpress, 9. Januar 2017. Er sah den Film als Abschluss einer Filmtrilogie über Verlangen, nachdem er sich mit diesem Thema bereits in seinen Filmen I Am Love (2009) und A Bigger Splash (2015) beschäftigt hatte. Im Gegensatz zu den vorherigen Filmen sollte der Zuschauer allerdings vor allem das Idyll einer Jugendliebe entdecken. Er habe zunächst nicht die Regie führen wollen, dann aber die Chance interessant gefunden, die Fehler vieler anderer Coming-of-Age-Filme zu vermeiden. Die meisten solcher Filme würden moralische Dilemmas erschaffen, durch die ihre Figuren wachsen sollen, etwa dass man zwischen zwei Liebhabern wählen müsse. Er benannte Maurice Pialats Jugendfilm Auf das, was wir lieben als Beispiel, wie man Figuren aus Fleisch und Blut in den Mittelpunkt stellen kann, anstatt in die Falle typischer Narrative zu gehen oder ausschließlich dreiaktige Perspektiven zu verwenden. Im Gegensatz zu seinen früheren Filmen wollte er keine Antagonisten, Aggressionen oder Tragödien einbauen, sondern „zwei Menschen in dem Moment“ in einem Stil von Einfachheit und Direktheit abbilden.