Haifa (, gelegentlich ;M. J. Chayen: The Phonetics of Modern Hebrew. The Hague / Paris: Mouton, 1973; S. 31; Zuckermann, Ghil‘ad 2005; Ghil’ad Zuckermann: “Abba, why was Professor Higgins trying to teach Eliza to speak like our cleaning lady?” Mizrahim, Ashkenazim, Prescriptivism and the Real Sounds of the Israeli Language. In: Australian Journal of Jewish Studies 19 (2005) S. 210–231, hier S. 226. [], dialektal ) ist mit 281.087 Einwohnern im Jahr 2017 Israelisches Zentralbüro für Statistik abgerufen am 13. November 2018 die drittgrößte Stadt Israels (nach Jerusalem und Tel Aviv-Jaffa).

Im Großraum Haifa leben etwa 600.000 Menschen. Dazu gehören außer der Kernstadt auch die Qrajot, Tirat Carmel, Daliyat al-Karmil und Nescher. Haifa zählt noch heute zu den Städten Israels mit einem erheblichen arabischen Bevölkerungsanteil. Es liegt am Mittelmeer an den Hängen des steil aufsteigenden Karmelgebirges und ist mit seinem Hafen ein bedeutendes Industrie- und Handelszentrum sowie Standort mehrerer Hochschulen, darunter das international renommierte Technion.

Die heutige Stadt Haifa, die auf verschiedene seit dem Altertum auf ihrem Gebiet entstandene und teils verschwundene Orte, darunter das phönizische Sykaminon, zurückgeht, existiert seit Mitte des 18. Jahrhunderts und war bis Mitte der 1940er Jahre überwiegend arabisch geprägt. In Bezug auf die religiöse Zusammensetzung bestand Haifa Mitte des 19. Jahrhunderts aus einer muslimischen Gemeinschaft, die 51 % der Gesamtbevölkerung ausmachte, arabische Christen mit 36 % und einheimische Juden mit 13 %, deren Vorfahren meist – wie jene vieler Muslime Haifas – Mitte des 19. Jahrhunderts vor europäischer Eroberung des osmanischen Nordafrikas geflohen und aus dem osmanischen Kernland Türkei zugezogen waren. Bis 1922 war in der insgesamt gewachsenen Stadtbevölkerung der muslimische Bevölkerungsanteil auf 38 % gesunken; der Anteil der palästinensischen Christen blieb bei 36 %, während der Anteil der Juden auf 25 % gestiegen war. Bis 1939 hatte sich die Zahl der muslimischen Einwohner durch Geburten, Zuwanderung vom Lande und dem nahen Ausland mehr als verdoppelt, aber ihr relativer Anteil blieb in der insgesamt gewachsenen Stadt mit 38,5 % beinah stabil, der Anteil palästinensischer Christen sank auf 26,2 %, dazu gekommen waren, aus Europa eingewandert, einenteils Christen, vor allem Expats und Angehörige der bewaffeneten und zivilen britischen Mandatsorgane, sowie andernteils Juden, deren Anteil auf 34,7 % stieg.Cultural Diplomacy in Mandatory Haifa: The Role of Christian Communities in the Cultural Transformation of the City, auf link.springer.com

Geographie Geographische Lage Haifa liegt in Nordisrael an der Bucht von Haifa des Mittelmeers und am nördlichen Abhang und auf dem Kamm des Karmelgebirges. Am nordwestlichen Stadtrand befindet sich Israels größter Seehafen.

Ausdehnung des Stadtgebiets Durch die Lage am Berghang hat Haifa eine besondere städtische Gliederung. Die verschiedenen Stadtteile steigen vom Meeresniveau bis auf eine Höhe von etwas über an. Dabei lassen sich drei Bebauungsgebiete unterscheiden: Am Meer in der Unterstadt (, kurz: Ha-ʿĪr, ) drängen sich zwischen Hafen und Karmelhang große Durchgangsstraßen und Bahnanlagen, Geschäftshäuser und Reste der Altstadt Haifas. Arabische Israelis unter den Haifanern leben vielfach in diesem Teil der Stadt, wo ihre Familien oft auch Immobilieneigentum haben. Im weitläufigen Mündungsgebiet des Qischons, im flächengrößten Stadtbezirk Mifratz Chejfa () in Nähe zum erweiterten Hafen, dominieren große Industriegebiete mit Raffinerien und chemischer Industrie, die gleichen großen Durchgangsstraßen und Bahnanlagen mit wichtigstem Bahnhof der Stadt, Hauptbahnhof Haifa und Ausbesserungswerk sowie Produktions- und Handelsgewerbe. Hier gibt es bislang kaum Wohnviertel. Aber durch die geplante Verlagerung der durch Hizbollah-Beschuss gefährdeten Petrochemie sollen hier künftig neue Wohngebiete entstehen. Auf halber Höhe (80–120 Meter über dem Meeresspiegel) in der mittleren Stadt befinden sich die Hauptgeschäftsgebiete und Verwaltungseinrichtungen. Dieser Stadtteil, Hadar haKarmel (Anmut/Zierde des Karmels), entstand ab 1920. Im höchstgelegenen Teil Haifas, Karmel haTsarfati (Französischer Karmel) und Merkaz haKarmel (Zentrum des Karmels), haben teure Hotels und Restaurants ihren Standort und befinden sich die wohlhabendsten Wohngegenden der Stadt. Die verschiedenen Ebenen Haifas werden durch die einzige Untergrundbahn Israels, die Karmelit, verbunden. Am südöstlichen Ausgang der Stadt, an ihrer höchsten Stelle, liegt auf über 400 Metern der Campus der Universität Haifa mit einem markanten Hochhausturm, nordwestwärts darunter der neue Campus des Technions, beide erschlossen durch die Luftseilbahn Rakkavlit zum Bahnhof Haifa Merkasit haMifratz in Mifratz Chejfa.

Klima Haifa hat ein mediterranes Klima mit heißen, trockenen Sommern und kühlen, regnerischen Wintern. Nach der effektiven Klimaklassifikation von Wladimir Peter Köppen und Rudolf Geiger wird dies als Csa (Heiße-Sommer-Mittelmeerklima) klassifiziert. Der Frühling beginnt im März, wenn die Temperaturen zu steigen beginnen. Bis Ende Mai erfolgt eine deutliche Erwärmung, die die heißen Sommertage ankündigt. Die durchschnittliche Temperatur im Sommer beträgt 26 °C und im Winter 12 °C. Schnee ist in Haifa selten, aber Temperaturen um 3 °C sind unter Umständen möglich, meist in den frühen Morgenstunden. Die Luftfeuchtigkeit ist das ganze Jahr über eher hoch, Regen tritt meist zwischen September und Mai auf. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt etwa 538 l/m².

Geschichte Vorgeschichte In der Kebara-Höhle am westlichen Steilhang des Karmel südlich von Haifa wurde 1983 bei archäologischen Ausgrabungen eine 60.000 Jahre alte Begräbnisstätte eines Neandertalers gefunden. Die Skhul-Höhle, etwa 100 Meter von der Kebara-Höhle entfernt, beherbergt 80.000 bis 120.000 Jahre alte Fossilien, die zunächst als „Mount Carmel Neanderthals“ bezeichnet wurden. Heute werden diese Funde zumeist als Begräbnisstätten von frühen anatomisch modernen Menschen interpretiert, die im Karmelgebirge gleichzeitig oder in mehrfachem zeitlichen Wechsel mit Neandertalern lebten.

Frühgeschichte und Antike Die frühe Siedlungsgeschichte Haifas und seiner Umgebung ähnelte der der ganzen Küstenregion der Levante. Während der mediterranen Bronzezeit (vom 14. Jahrhundert v. Chr. an) entstand eine Hafensiedlung an der Mündung des Flusses Kischon, die bis zum 10. Jh. v. Chr. bestand. Daneben entstand eine zweite Stadt südlich des Karmel-Kaps, die während der ganzen Antike Bestand hatte. Pseudo-Skylax (4. Jh. v. Chr.) nennt sie in seiner Beschreibung der levantinischen Küste Sykaminon und bezeichnet sie als von Tyros abhängige phönizische Siedlung. Hier gab es keinen Hafen, aber Landwirtschaft und Industrie, unter anderem Glasfabrikation und Purpurfarbenproduktion.Yehuda Karmon: Israel – Eine geografische Landeskunde, (= Wissenschaftliche Länderkunden; Bd. 22), Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1983, S. 55, 79, 159, 160–165. Die Zuordnung zum Einflussbereich der Phönizier wurde im 20. Jahrhundert durch archäologische Funde, insbesondere große Mengen phönizischer Keramikfragmente, bestätigt.

Karmel und Kischon (Fluss) werden in der Bibel erwähnt. Eine Grotte auf dem Karmel wurde später als Grab des Propheten Elias verehrt. Auf Arabisch wird der höchste Teil des Karmel als Muhraka, Ort der Feueropfer, bezeichnet, eine Anspielung auf hier praktizierte Opferkulte in kanaanäischer und früh-israelitischer Zeit.

In hellenistischer Zeit verlagerte sich die Siedlung in die Gegend des heutigen Bat Gallim, da der alte Hafen inzwischen versandet war. Die griechischsprachige Bevölkerung der Gegend lebte von Handel und Fischfang.

Spätantike und Mittelalter Haifa erscheint erstmals unter seinem heutigen Namen in der rabbinischen Literatur als Herkunftsort des Dimi aus Haifa (3. Jh. n. Chr.).

Nach der islamischen Expansion ab 635 blieb Haifa eine unbedeutende Ortschaft, deren Einwohner hauptsächlich vom Fischfang lebten. Lange Zeit hatte die Stadt aufgrund ihrer geografischen Lage geringe Bedeutung. Das Karmelgebirge behinderte eine Reise nach Süden, östlich der Stadt, im Mündungsgebiet des Kischon, lagen ausgedehnte Sümpfe, und die Bucht von Haifa war ungeschützt den Westwinden ausgesetzt, was die Entwicklung des Hafens behinderte. Lange Zeit war daher Akkon die wichtigere Stadt an diesem Teil der levantinischen Küste.

Erst unter umayyadischer und abbasidischer Herrschaft ab dem 9. Jh. blühte die Wirtschaft Haifas dank Handelsbeziehungen zu Ägypten auf. Vermarktet wurden insbesondere Produkte der örtlichen Glasproduktion sowie der aus Seeschnecken gewonnene Purpur-Farbstoff.

In der Zeit der Kreuzzüge wurde Haifa mehrmals erobert und war Zentrum der Seigneurie Haifa im Königreich Jerusalem. 1265 wurde es endgültig von den Mamluken erobert und nahezu zerstört, sodass es bis in osmanischer Zeit ein unbedeutendes Fischerdorf war.Alex Carmel (), Geschichte Haifas in der türkischen Zeit 1516-1918 [תּוֹלְדֹוֹֹת חֵיפָה בִּיְמֵי הַתּוּרְכִּים, Haifa: , 1969; dt.], Clara Zellermeyer (Übs.), Wiesbaden: Harrassowitz, 1975, (=Abhandlungen des Deutschen Palästina-Vereins; Bd. 3), Seitenzahl wie hinter der Fußnotenzahl angegeben, ISBN 3-447-01636-1.

Osmanische Herrschaft Von 1575 stammt der erste Bericht über Haifa aus der Zeit der Osmanen, die 1516 den Mamluken die Levante abgerungen hatten. Er spricht von einer Siedlung in den Ruinen des mittelalterlichen Cayphas, so die Bezeichnung, die die Kreuzfahrer von den Römern übernommen hatten. Ab osmanischer Eroberung der Levante gehörte die Region Haifas zum Eyâlet Scham (Sitz: Damaskus). Die Hohe Pforte änderte die Verwaltungsbezirke 1660 und schuf das südlibanesische Eyâlet Sidon, deren Amtssitz wechselte von Safed (1660), über Sidon (1660–1775), Akko (1775–1841) nach Beirut (1841–1864).

Im Jahr 1752/1753 nahm Dhaher al-Omar Haifa ein. Nach Überfällen maltesischer Piraten erhielt er vom osmanischen Sultan finanzielle Mittel, um zum Schutz Haifas die Reste einer ursprünglich von Ludwig IX. von FrankreichDer auf genannte Kreuzfahrer beeindruckte und erhielt davon hergeleitet im Arabischen den Namen , auf sein Patrozinium ist Haifas maronitische Kathedrale von 1889 geweiht. in Auftrag gegebene Festung wieder aufzubauen.Giovanni Filippo Mariti, Travels through Cyprus, Syrian and Palestine with a General History of the Levant:3 Bde. [Viaggi per l’isola di Cipro e per la Soria e Palestina fatti dall’anno 1760 al 1768: 2 Bde., Lucca 1769 und Florenz 1776; engl.], London: G. G. J. and J. Robinson, 1791, Bd. 2, S. 130. 1761/62 ließ Dhaher al-Omar Haifa niederreißen und zwei bis drei Kilometer südöstlich neu anlegen. So entstand eine Siedlung mit einer geschlossenen Stadtmauer im Gebiet der heutigen Unterstadt mit einem neuen Ankerplatz. Oberhalb errichtete er die Festung Burǧ al-Salam (), von deren Namen das Toponym des heutigen Haifaer Stadtviertels Burdsch herrührt. Die Reste der Festung waren bis in die 1950er Jahre an der Stelle des heutigen Parks Gan haSikkaron nördlich vorm Rathaus erkennbar.

mini|250px|Haifa el-ʿatikah (=altes Haifa), German Colony und das neue HAIFA auf einer Karte des Palestine Exploration Fund von 1875 Dhaher al-Omar nannte die neue Siedlung al-ʿImara al-Dschadida (), doch setzte sich daneben die Bezeichnung al-Haifa al-Dschadida, neues Haifa, durch. Haifa gehörte zum Herrschaftsgebiet des autonomistischen Dhaher al-Omar, dessen Hauptstadt Akkon war. Dieses Gebiet war im Kern hervorgegangen aus Teilen des osmanischen Ejâlets Sidon, welches von 1660 bis 1864 bestand, und ging nach Dhaher al-Omars Sturz 1774 wieder an dieses über.