In den Jahren von 1782 bis 1792 kämpften kurhannoversche Truppen in Ostindien im Dienst der Britischen Ostindien-Kompanie.
Historischer Hintergrund Seit dem Jahr 1775 befanden sich die 13 nordamerikanischen Kolonien im offenen Aufstand gegen das britische Mutterland. Ab 1778 griff Frankreich auf Seiten der amerikanischen Kolonisten in der Krieg ein, 1779 folgte Spanien und 1780 die Niederlande. Der Krieg spielte sich nicht nur in den Nordamerikanischen Kolonien, sondern auch in anderen britischen Kolonialbesitzungen ab. In Ostindien geriet die Britische Ostindien-Kompanie unter Druck, da die Franzosen von Französisch-Indien zusammen mit den Marathen und dem Sultan von Mysore Hyder Ali gegen die Kompanie vorgingen (Zweiter Mysore-Krieg). Da keine britischen Regimenter mehr zur Verfügung standen, hatte die Britische Krone bereits Truppen im Heiligen Römischen Reich geworben. Hessische und braunschweigische Truppen kämpften in Nordamerika und fünf Bataillone Hannoveraner verstärkten die Truppen auf Menorca und Gibraltar. Die Lage des Kurfürstentums Hannover war dabei unter den deutschen Staaten eine besondere, weil es seit 1714 in Personalunion mit Großbritannien verbunden war: Der König von Großbritannien war zugleich Kurfürst von Hannover. Staatsrechtlich gesehen war Kurhannover eigenständig. Beschlüsse des britischen Parlaments galten also nicht für Kurhannover. Die Ostindien-Kompanie wandte sich daher an den britischen König Georg III., um die Erlaubnis zu erhalten, zwei Regimenter deutscher Infanterie in Sold nehmen zu dürfen.
Am 1. Juni 1781 wurde die Erlaubnis mit Auflagen erteilt. Zu den Auflagen gehörte, dass die Offiziere und Unteroffiziere aber nur ein kleiner Stamm Mannschaften aus Freiwilligen der kurhannoverschen Armee bestehen sollte. Der Rest sollte mit (deutschen) Ausländern aufgefüllt werden. Geplant waren zwei Bataillone, die inklusive Stab 1037 Köpfe stark sein sollten. Jedes Bataillon sollte aus zehn Kompanien bestehen, darunter eine Kompanie Grenadiere, eine Kompanie leichte Infanterie und acht Kompanien Füsiliere.
Nach dem Einsatz in Ostindien sollten die Regimenter in die Kurhannoversche Armee übernommen werden.
Aufstellung und Fahrt nach Ostindien Die Werbung verlief sehr erfolgreich. Es bewarben sich mehr Offiziere als benötigt wurden; dass alle mit einer Rangstufe mehr eingestellt wurden, war nicht unwichtig.
Oberkommandierender und Chef des Regiments Nr. 15 wurde der Oberst Carl Ludwig Reinbold (* 1726; † 11. November 1787)Ernst von dem Knesebeck, Geschichte der churhannoverschen Truppen in Gibraltar, Minorca und Ostindien, S. 160 – zuvor Oberstleutnant und ein Veteran des Siebenjährigen Krieges –, Chef des 16. Regiments wurde der Oberstleutnant Wangenheim (zuvor Major im leichten Dragoner-Regiment Nr. 9).
Der Zustand der Mannschaften war weniger erfreulich, es fand sich ein buntes Gemisch von Deserteuren bis Künstlern. Aber nach drei Monaten – im September 1781 – war das 15. Regiment formiert, bekleidet und bewaffnet. In drei Divisionen machte es sich auf den Weg nach Stade zur Einschiffung. Mitte Oktober wurden das Regiment auf vier zu kleine Transportschiffe gebracht, um von dort unter Bedeckung durch eine Fregatte nach England gebracht zu werden. Ein aufkommender Sturm trieb jedoch ein Schiff ab. Es musste nach einigen Tagen mit 11 Offizieren und 234 Mann bei Ritzebüttel vor Anker gehen. Dort blieb es bis Dezember, als sich die Mischung aus Enge, schlechtem Essen und unzweckmäßiger Kleidung entzündete. Am 11. Dezember wollten zahlreiche Soldaten das Schiff verlassen. Die Offiziere versuchten, die Lage zu beruhigen, konnten letztlich aber nicht verhindern, dass etliche Soldaten sich in Ritzebüttel einquartierten und 37 komplett desertierten. Die Deserteure wurden schnell wieder gefangen und nach Stade in das Gefängnis gebracht. Die restliche Mannschaft wurde zunächst nach Otterndorf und dann nach Stade einquartiert. Über 30 Mann wurde Kriegsgericht gehalten.
In der Zwischenzeit hatte Eisgang die Elbe gesperrt und man beschloss, die Ankunft des 16. Regiments in Stade abzuwarten und die Mannschaften dann einzuschiffen. Im März 1782 wurden die Truppen nach England eingeschifft, wo sie bis September verblieben. Am 11. September liefen sie mit der Flotte von Lord Howe aus, die zur Verstärkung nach Gibraltar fuhr. Die im Jahr zuvor Angekommenen des 15. Regiments waren bereits im Februar nach Ostindien abgesegelt. Aber bereits in England waren 2 Offiziere und 95 Mann verstorben, weitere 240 Mann verblieben im Lazarett in Portsmouth.
Die Reise der Brilliant Am 5. Juni 1782 waren 7 Offiziere und 176 Mannschaften unter dem Kommando des Hauptmanns Plato mit der Brilliant nach Ostindien abgereist. Doch ihr Schiff scheiterte am 28. Oktober 1782 an den Klippen der Komoren-Insel Johanna.William Milburn, Oriental Commerce S. 62 Fast alle wurden gerettet und von den Einheimischen freundlich aufgenommen, etliche starben allerdings an tropischen Krankheiten. Das Schiff, das die Gestrandeten nach Bombay bringen sollte, wurde durch einen Sturm bis nach Sokotra abgetrieben. Dennoch erreichte es schließlich Goyo in der Bucht von Cambay. Ende 1783 kamen die Überlebenden nach Tellicherry, wo ein Detachement unter Major von Krause stationiert war. Es meldeten sich dort 3 Offiziere sowie 44 Unteroffiziere und Mannschaften.
Ankunft der Regimenter Trotz eines kleinen Seegefechts mit den Franzosen, waren die ersten Hannoveraner bereits am 11. September 1782 in Madras angekommen. Die Truppen wurden vom Gouverneur Macartney begrüßt und im Fort St. George einquartiert. Im April 1783 erreichten das 16. Regiment und die restlichen Truppen des 15. Regiments Madras, ohne weitere Zwischenfälle. Beim Brand der Duke of Anthol vor Madras starben aber 1 Unteroffizier und 5 Mann. Nur die Brilliant blieb vermisst und zwei Kompanien unter Major Berenius waren bereits zur Armee des Generalmajors Stuart († 1793) abkommandiert worden.
Lage in Indien Seit der Anwerbung der Truppen hatte sich die Lage in Indien etwas geändert. Die Marathenfürsten hatten Frieden geschlossen und Hyder Ali war gestorben. Die Hauptstadt von Französisch-Indien Pordichery war eingenommen und die Festung geschleift. Aber Tipu Sultan, der Sohn von Hyder Ali, führte den kämpft weiter und die Franzosen unter dem Marquis de Bussy hatte sich in der Festung Cuddalore verschanzt, wo sich auch die britische Armee befand. Der französische Admiral Suffren hielt sich mit den britischen Admiral Sir Edward Hughes die Waage. Trotz vierer Seegefechte konnte bisher keine Seite einen Vorteil erringen.
Cuddalore
Die Armee von Cuddalore war zu schwach gegen die Franzosen vorzugehen und musste auf Verstärkung durch die Hannoveraner warten. Am 8. Juni erreichten 6 Kompanien unter Wangenheim die Armee unter Stuart. Dort standen nun 8 Kompanien (43 Offiziere und 800 Mannschaften und Unteroffiziere). Die britische Armee bestand aus ca. 10.000 Mann davon 2500 Europäer, der Rest aus einheimischen Kriegern (Sepoy), deren Kampfkraft als gering eingeschätzt wurde.
Die französische Armee bestand aus 5000 bis 6000 europäischen Soldaten und stand vor der Stadt. Die Stadt selber war durch einen Wall und einen Graben geschützt. Der linke Flügel der Armee stand an der See und unter dem Schutz der Kanonen der Stadt zudem war er durch tiefe Ravins geschützt. In der Mitte stand die Hauptbatterie, davor ein lichtes Palmenwäldchen, durchsetzt mit Gräben und Verhauen. Der rechte Flügel bestand aus Erdwällen, zickzackförmig angelegt und mit Kanonen bestückt. Das rechte Flügel lehnte sich an den Berg Banda-Pollam, der mit dornigem Gestrüpp bewachsen war. Hinter dem Zentrum und dem rechten Flügel stand eine Art Landwehr, die Bonds-Hedje genannt wurde.
Die Schlacht von Cuddalore Am 9. und 10. Juni kreuzten die britische und die französische Flotte vor der Stadt, Keiner konnte einen Vorteil erringen bis ein heftiger Ostwind aufkam. Die Briten zogen sich bis nach Madras zurück und Admiral Suffren konnte Vorräte und Verstärkung in die Stadt bringen.
Am 13. Juni um 4 Uhr morgens stellte sich die britische Armee in folgender Schlachtordnung auf: Rechter Flügel unter Generalmajor Stuart: 78th (Highland) Regiment of Foot, 4 Regimenter Sepoys und eine Batterie von 4 18pfündern Zentrum unter Oberst John Elphinstone: 101st Regiment of Foot, 2 Regimenter Sepoys und die Hannoveraner unter Wangenheim Linker Flügel unter Oberst Andrew Gordon:73rd (Highland) Regiment of Foot, Regiment Madras, 3 Regimenter Sepoy, ein kombiniertes Grenadierkorps von 500 Mann, eine Batterie aus 6 18pfünder auch der General Stuart befand sich auf dem linken Flügel
Die Schlacht begann um 5 Uhr mit einem Artillerieduell, der linke Flügel rückte vor und vertrieb die Franzosen aus ihren Stellungen. Um 8 Uhr erhielten die Hannoveraner Befehl das Zentrum anzugreifen. Das 101. Regiment und ein Bataillon Sepoy sollten die rechte Flanke sichern. Die Hannoveraner durchquerten unter Verlusten das Palmenwäldchen, formierten sich neu und griffen an, weder das 101. Regiment noch die Sepoy konnten Schritthalten, so wurde die rechte Flanke entblößt. Im Zentrum standen die Regimenter la Marc und Austrasie. Nach einem verlustreichen Gefecht gelang es den Franzosen die Hannoveraner von der rechten Seite zu Umfassen und sie so zu einem schnellen Rückzug zu zwingen. Dem Oberstleutnant Wangenheim gelang es aber die Truppen schnell wieder zu formieren und den nachrückenden Franzosen erhebliche Verluste beizubringen, die sich in die Schanze zurückzogen. General Stuart ließ nun den linken Flügel vorrücken und befahl Wangenheim einen erneuten Angriff. Die Franzosen zogen sich fluchtartig zurück und hinterließen dabei 7 Kanonen. Daraufhin brach die französische Stellung zusammen und alles flüchtete in die Stadt. General Stuart befahl unverzüglich die Belagerung der Stadt. Die beiden hannoverschen Regimenter verloren 5 Offiziere und 43 Mann und hatten 12 verwundeten Offiziere und 137 Mannschaften. insgesamt fielen 17 Offiziere und 201 Mann.
Belagerung Admiral Hughes sollte die Stadt von der Seeseite her einschließen, aber als das Belagerungsgerät ausgeladen war, erschien der französische Admiral Suffren und konnte die britische Flotte vertreiben, mehr noch er konnte Verstärkung und Vorräte in die Stadt bringen. Trotz der zahlenmäßigen Unterlegenheit und zunehmenden Problemen durch Krankheit und Versorgungsmängel wurde die Belagerung weitergeführt.
Am 25. Juni machten die Franzosen einen Ausfall, der blutig zurückgeschlagen wurde: 50 Franzosen fielen und 80 gerieten in Gefangenschaft. Unter den Gefangenen waren der Oberst Chevalier d’Amas und der Sergeant Jean Baptiste Bernadotte, der es später noch bis zum Marschall brachte. Am 30. Juni erreichte die Nachricht vom Frieden zwischen Frankreich und Großbritannien auch Ostindien und beendete die Belagerung.
Auch wenn der Krieg gegen die Franzosen beendet war, so war der Kampf gegen Tipu Sultan noch nicht beendet. Die Hannoveraner nutzten die Gelegenheit ihre Vorräte in Cuddalore zu ergänzen.
Nach Cuddalore Bei dem Feldzug in den Süden unter Oberst Fullerton kämpften auch Hannoveraner. Der Feldzug begann am 24. September 1783 und endete mit der Eroberung des Forts von Polygantchery. Nachfolgend kämpfte man noch bei der Eroberung von Cannanore. Die dortige Königin war eine Verbündete von Tipu Sultan und hatte einige britische Offizieren gefangen nehmen lassen, die sich auf der Jagd befanden. Nachdem Verhandlungen erfolglos blieben stürmen 5000 Briten und Hannoveraner die Stadt und nahmen die Königin gefangen. Für seine Tapferkeit erhielt der Major Kruse 2000 Taler als besondere Anerkennung.