Mudbound ist ein Filmdrama von Dee Rees, das am 21. Januar 2017 im Rahmen des Sundance Film Festivals seine Weltpremiere feierte. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Hillary Jordan aus dem Jahr 2009. Die Drehbuchadaption des Romans schrieb Rees gemeinsam mit Virgil Williams. Im Rahmen der Golden Globe Awards 2018 wurde Mary J. Blige als beste Nebendarstellerin nominiert, zudem Mighty River als bester Filmsong. Im Rahmen der Oscarverleihung 2018 erfolgten Nominierungen in den gleichen Kategorien, zudem wurden Rees und Williams für das beste adaptierte Drehbuch nominiert. Rachel Morrison erhielt als erste Frau in der Geschichte der Oscars eine Nominierung in der Kategorie Beste Kamera.
Handlung Im Mittelpunkt der Handlung, unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg im Süden der USA, stehen die weiße Familie McAllan und die afroamerikanische Familie Jackson.
Die weißen McAllans sind erst vor kurzem aus dem vergleichsweise idyllischen Memphis (Tennessee) in das fruchtbare, aber auch regenreiche Mississippi Delta gezogen. Sie haben ihre gesamten Ersparnisse in den Kauf einer Baumwollfarm gesteckt, die teilweise von kleinen Pachtbauern bewirtschaftet wird. Kaum angekommen, müssen die McAllans feststellen, dass sie einem Betrüger aufgesessen sind, der ihnen ein schönes Wohnhaus zu einem auffällig günstigen Preis vermietet hat. Das Haus wurde an eine weitere Partei verkauft, die das Anwesen bereits bezogen hat. Darum müssen die McAllans mit einem heruntergekommenen Farmhaus, ohne Strom oder fließendes Wasser, Vorlieb nehmen. Henry McAllan hat große Pläne für die von häufigen Regenfällen immer wieder in eine Schlammwüste verwandelten Felder am Mississippi. Seine Frau Laura kümmert sich um die beiden kleinen Kinder. Im Laufe der Zeit verliert sie allerdings zunehmend den Glauben an die Träume ihres Mannes. Die Modernisierung des Betriebs kommt nur langsam voran, außerdem muss sie sich täglich mit ihrem missmutigen und rassistischen Schwiegervater Pappy auseinandersetzen.
Die afroamerikanischen Jacksons gehören zu den Pachtbauern, die die McAllans zusammen mit der Farm übernommen haben. Als Zinspächter (Share tenant bzw. Tenant farmer) bewirtschaften sie seit Generationen fremdes Land, das ihnen nicht gehört. Hap und Florence Jackson träumen davon, irgendwann einmal anderenorts eine eigene Farm zu besitzen. Sie leben mit ihren minderjährigen Kindern, die regelmäßig auf den Feldern mitarbeiten müssen, in noch weit schlechteren Verhältnissen als die McAllans. Als ihr eigenes Maultier stirbt und sich Hap anschließend auch noch ein Bein bricht, droht ihnen der wirtschaftliche Kollaps. Weil sie für den Kauf eines neuen Zugtiers zu arm sind, müssten sie sich jetzt eines von den McAllans mieten. Damit aber würden die Jacksons zu Naturalpächtern (Sharecropper) absteigen: In Zukunft hätten sie dann nicht mehr einen fest vereinbarten, in Geld zahlbaren Pachtzins zu entrichten, sondern sie müssten die Hälfte ihrer jährlichen Ernte abliefern. Gewinn und Verlust wären für die Jacksons kaum noch zu kalkulieren, der Traum von der eigenen Farm wäre wohl dahin. Henry käme das gelegen, weil er billige Arbeitskräfte braucht. Zu seinem Unmut bezahlt Laura jedoch einen Arzt, der Haps Beinbruch kuriert.
Als Henrys Bruder Jamie McAllan und Haps Sohn Ronsel Jackson aus dem Krieg gegen Deutschland zurückkehren, wird dies zu einer Herausforderung für beide Familien. Denn zwischen den beiden Veteranen entwickelt sich aufgrund ihrer ähnlich traumatischen Kriegserlebnisse eine vorsichtige Freundschaft. Anfänglich nimmt Jamie den jungen Schwarzen nur auf der Ladefläche seines Pickups mit in die Stadt, bald schon aber besteht er darauf, dass Ronsel neben ihm auf der Vorderbank sitzt. Ronsel duckt sich zwar jedes Mal, wenn ihnen ein anderes Auto entgegenkommt, doch Pappy erkennt ihn eines Tages.
Ronsel hatte als Sergeant beim Panzerbataillon „Black Panthers“ gekämpft und während seines Einsatzes in Deutschland eine Frau kennengelernt. Er ließ sie zurück, ohne zu wissen, dass sie von ihm schwanger war. Jamie hingegen war B25-Bomberpilot, der im Luftkampf beinahe ums Leben gekommen wäre, hätte ihn nicht ein schwarzer Pilot der Tuskegee Airmen gerettet. Seitdem leidet Jamie unter wiederkehrenden Episoden einer posttraumatischen Belastungsstörung, worauf sein völlig verständnisloser Vater Pappy mit deutlicher Verachtung reagiert.
Jamie wie Ronsel fällt es nicht leicht, sich in das alltägliche Leben einzugliedern, und sie stellen nun zunehmend die Gegebenheiten ihrer von vielen Vorurteilen geprägten Heimat in Frage. Die beiden jeweils hoch dekorierten Kriegshelden haben sich verändert; die Welt, in die sie zurückkehren, ist hingegen dieselbe geblieben. Ronsel, der in Europa als Befreier gefeiert wurde, möchte die Regeln der Segregation („Separate but equal“) nicht mehr akzeptieren. So betritt er die örtlichen Geschäfte nicht mehr durch die Hintertür, sondern durch die bisher nur den Weißen vorbehaltene Vordertür. Nicht nur deshalb beschimpft Pappy den Heimkehrer als „Nigger“.
Schließlich werden Ronsel und Jamie mit den brutalsten Auswüchsen der Rassendiskriminierung konfrontiert. Nachdem Pappy das Foto von Ronsels Geliebter und dem gemeinsamen Kind im Pickup findet, mobilisiert er den örtlichen Ku-Klux-Klan, um die vermeintliche „Rassenschande“ zu rächen. Pappy droht mit Ronsels Ermordung und zwingt Jamie so, die Strafe für seinen Freund selbst zu bestimmen: Kastration, Blendung oder das Abschneiden der Zunge. Jamie wählt Letzteres, woraufhin Ronsel entsprechend verstümmelt wird. Wenige Tage später dringt Jamie in Pappys Zimmer ein und erstickt seinen Vater im Schlaf. Laura wird zur Mitwisserin, schweigt aber.
Am Ende verlässt Jamie die McAllan-Farm mit ungewissem Ziel, hat aber endlich, noch vor Ronsels Verstümmelung, mit der von ihm lange begehrten Laura geschlafen. Die Jacksons verlassen ebenfalls den Ort ihrer Demütigung und finden auf ihrer eigenen, schönen Farm ein neues Zuhause. Ronsel reist nach Europa und besucht dort seine ehemalige Geliebte Resl und Sohn Franz, der inzwischen im Schulkindalter ist.
Produktion Literarische Vorlage mini|hochkant=0.85|Die literarische Vorlage zum Film stammt von Hillary Jordan Der Film basiert auf einem im Jahr 2009 veröffentlichten Roman von Hillary Jordan.Graham Winfrey: 'Mudbound' Is a Major Step For Dee Rees, But Underrepresented Storytellers Remain — Sundance 2017 In: indiewire.com, 21. Januar 2017. Das Buch handelt von Rassismus und wohlgehüteten Geheimnissen einer weißen und einer afroamerikanischen Familie im Süden der USA in den 1940er Jahren. Der Roman wird aus der Perspektive von sechs Figuren erzählt, deren Leben trotz ihrer unterschiedlichen gesellschaftlichen Stellung oftmals Parallelen aufweisen. Der Buchtitel ist wie der Roman selbst von der Familiengeschichte Jordans mütterlicher Linie inspiriert. Ihre Mutter und ihre Großeltern lebten auf einer Farm in Lake Village in Arkansas, auf der es kein fließendes Wasser und keinen elektrischen Strom gab. Die Farm nannten sie Mudbound, was mit „an den Schlamm gefesselt“ übersetzt werden kann: Nach Regenfällen waren die Straßen überflutet und unbefahrbar, so dass die Farmbewohner tagelang „im Schlamm“ festsaßen und nicht entkommen konnten.Mudbound In: history.farmlib.org. Abgerufen am 22. Januar 2017. (PDF; 268 KB)'Mudbound' author provides insight into 'Tale' novel In: taleforthreecounties.org, 2. November 2010. Eine weitere Übersetzungsmöglichkeit wäre „schlammwärts“ (analog der englischen Richtungsangaben eastbound = ostwärts, westbound = westwärts etc.), in Anspielung auf den Umzug der Romanfamilie McAllan aus Memphis (Tennessee) in das fruchtbare, aber auch regenreiche Mississippi Delta.
Stab und Finanzierung Regie führte Dee Rees, die gemeinsam mit Virgil Williams auch das auf Jordans Roman basierende Drehbuch schrieb. Rees erzählt die Geschichte, wie schon im Buch, aus sechs Perspektiven.Anna Wollner: Die besten Werke vom Toronto Film Festival In: Deutschlandfunk Kultur, 16. September 2017. Die Regisseurin sagt über ihren Film und dessen zeitgenössische Botschaft: „Er enthüllt die Rasse als ein wirtschaftliches Konstrukt und entlarvt die Tatsache, dass wir alle nicht nur miteinander, sondern auch mit unserer Geschichte verbunden sind.“ Weiter meint Dee Rees „Es gibt kein ‚damals‘ oder ‚in Zukunft‘, es gibt nur das Jetzt. Alles ist jetzt. Wir können unsere Geschichte nicht verleugnen und sagen, wir seien ein Produkt unserer Zeit. Wir sind die Zeiten und wir entscheiden, was für eine Nation wir sein werden.“ Hauptdarstellerin Carey Mulligan meint zu der Ansiedlung der Geschichte während und nach dem Zweiten Weltkrieg: „Es war eine faszinierende Zeit der Geschichte, an die ich nie wirklich gedacht habe. Krieg war in der Geschichte ein Katalysator für sozialen Wandel. Die Vorstellung von schwarzen Männern, die kämpfen und für ihr Land sterben und dann in eine Gesellschaft zurückkehren, die sich überhaupt nicht verändert hat und ebenso verächtlich und inakzeptabel war, war so bizarr, dass ich wirklich darüber nachdachte … das war wirklich interessant.“
Der Film wurde von MACRO und Zeal Media kofinanziert. Die Produzenten des Films sind Cassian Elwes, Chris Lemole und Tim Zajaros von Zeal Media, Charles D. King und Kim Roth von MACRO, Sally Jo Effenson und Carl Effenson.Tambay Obenson: In: shadowandact.com, 31. Mai 2016. Zudem erhielt der Film das Dolby Family Sound Fellowship, ein Zuschuss, der es Filmemachern erlaubt, ihre Sound Design mit Dolby Atmos abzurunden.Jeremy Kay: US Daily: 'Mudbound' receives Dolby Family Sound Fellowship In: screendaily.com, 18. Januar 2017.
Besetzung und Filmmusik Jason Clarke übernahm die Rolle von Henry McAllan, Carey Mulligan die seiner Frau Laura, und Garrett Hedlund, der auch im wahren Leben auf einer Farm aufwuchs, spielt dessen Bruder, beziehungsweise deren Schwager Jamie. Es handelt sich bei Mudbound nach Inside Llewyn Davis aus dem Jahr 2013 um den zweiten Film in dem Hedlund und Mulligan gemeinsam spielen. Jonathan Banks spielt Pappy McAllan. Rob Morgan übernahm die Rolle von Hap Jackson'Mudbound' Cast Set In: cohengardnerlaw.com, 1. Juni 2016., Mary J. Blige spielt seine Frau FlorenceAli Jaafar: Mary J. Blige Joins Cast of 'Mudbound' With Jason Mitchell, Jason Clarke, Garrett Hedlund & Carey Mulligan In: deadline.com, 25. Mai 2016., und der insbesondere durch seine Rolle im Film Straight Outta Compton bekannt gewordene Nachwuchsschauspieler Jason Mitchell übernahm die Rolle ihres Sohnes Ronsel. Kerry Cahill spielt Rose Tricklebank, Henry Frost übernahm die Rolle von Teddy, und Jason Kirkpatrick ist im Film in der Rolle von Oris Stokes zu sehen.
Die Filmmusik wurde von Tamar-kali komponiert. Auf dem Soundtrack enthalten sind zudem Songs des Singer-Songwriter-Duos Raphael Saadiq und Taura Stinsonder und der Song Mighty River von Mary J. Blige. Der Soundtrack zum Film umfasst 30 Musikstücke und wurde am 17. November 2017 als Download veröffentlicht. Am 1. Dezember 2017 veröffentlichte Milan Records den Soundtrack auch in physischer Form.
Dreharbeiten und Szenenbild mini|Die Dreharbeiten fanden in New Orleans und im weiteren Verlauf auch auf dem Gelände der Felicite Plantation (Foto) in Vacherie im St. James Parish statt