mini|120px|Wappen von Wangen mini|Wangener Innenstadt aus der Luft Die Liste der Kulturdenkmale in der Wangener Altstadt umfasst die als Kulturdenkmale gelisteten Gebäude in der als Gesamtanlage geschützten Altstadt von Wangen im Allgäu gemäß dem denkmalpflegerischen Werteplan. Die eigentliche Denkmalliste auch für den Rest des Stadtgebiets ist wie die meisten in Baden-Württemberg nichtöffentlich. Die Beschreibung folgt dem Denkmalpflegerischen Werteplan Gesamtanlage Wangen im Allgäu.
Denkmalpflegerischer Werteplan – Beschreibung Wangen im Allgäu bietet mit seinem weitgehend erhaltenen mittelalterlichen Stadtgrundriss und dem reichen historischen Gebäudebestand den fast unverfälschten Gesamteindruck einer ehemaligen Reichsstadt. Die Hauslandschaft der staufischen Oberstadt ist vor allem durch Gebäude des 16. Jahrhunderts geprägt, die nach dem Stadtbrand von 1539 errichtet wurden. Die im späten 14. Jahrhundert angelegte Unterstadt wurde mehrfach von Bränden heimgesucht, so dass die Gebäude hier in die Zeit vom 15. bis 19. Jahrhundert datieren. Die Altstadt hat sich ihre ursprüngliche Silhouette und Struktur bewahrt: stadtbildbestimmend sind noch immer die Türme der Pfarrkirche und der Stadtbefestigung und das Nebeneinander von repräsentativer Bebauung an Markt- und Postplatz, stattlichen Bürgerhäuser an den zentralen Achsen der Oberstadt und kleinteiliger Bebauung an den Nebenstraßen und in der Unterstadt. Aufgrund dieser Bedeutung ist Wangen eine Gesamtanlage gemäß § 19 DSchG, an deren Erhaltung ein besonderes öffentliches Interesse besteht.
Stadtbaugeschichte
Stadtwerdung Das geschlossene Waldland des Westallgäus erfuhr im frühen Mittelalter keine nennenswerte Besiedlung. Auch in Wangen, dessen Name für „Siedlung mit Viehweiden“ steht („wang“= Wiese), kam die Siedlungstätigkeit erst im 8. Jahrhundert in Gang. Wangen wird erstmals in einer in das Jahr 815 datierten Urkunde des Klosters St. Gallen erwähnt. Das Kloster richtete im frühen 9. Jahrhundert zur Verwaltung seiner umfangreichen Besitzungen sogenannte Kellhöfe ein. Ein solcher St. Gallischer Kellhof, angelegt auf dem nach zwei Seiten abfallenden Hochflächensporn über der Argen, der Schutz vor den Überschwemmungen und mit einer einfachen Höhenbefestigung umgeben auch vor Angreifern bot, dürfte die Keimzelle der späteren Stadt Wangen gewesen sein. Die zentralörtliche Funktion des Kellhofes und die verkehrsgünstige Lage am Schnittpunkt zweier Fernstraßen führte in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts zu einer Marktgründung, die das Wachstum des Ortes beförderte. Dieser erste Wangener Markt, der maßgeblichen Anteil an der allmählichen Loslösung von St. Gallen und der Erhebung Wangens zu Stadt hatte, dürfte in der Paradiesstraße zu lokalisieren sein. In einer Urkunde von 1217 werden die Wangener Bewohner als „cives“, also als Bürger einer befestigten und beschützten Stadt bezeichnet.
Reichsstadt 1348 mini|Wangen im Jahr 1611 Der Grundriss der Marktsiedlung des frühen 13. Jahrhunderts hat sich mit den Hauptachsen der Oberstadt, Herrenstraße und Paradiesstraße, die am Marktplatz in annähernd rechtem Winkel aufeinanderstoßen sowie der nach Nordosten von der Herrenstraße abzweigenden Schmiedstraße bis heute weitgehend erhalten. Diese staufische Kernstadt wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts umwehrt. Die aus einer Mauer mit Türmen und Toren sowie einem breiten vorgelagerten Graben bestehende Stadtbefestigung umgab die Stadt in einer unregelmäßigen, dem Oval angenäherten Form. In einer Urkunde von 1267 wird Wangen erstmals ausdrücklich als „oppidum“ bezeichnet, zehn Jahre später heißt es anlässlich einer Schenkung „in der stat ze Wangen“. 1286 verlieh König Rudolf von Habsburg Wangen die Privilegien der Stadt Überlingen und bestätigte den bereits seit präurbaner Zeit bestehenden Wochenmarkt. 1306 ist erstmals ein Rat der Stadt nachgewiesen, 1347 wird eine erste Zunftverfassung eingeführt, 1348 wird Wangen reichsunmittelbar. Die staufische Kernstadt besaß eine Süd-Nord-Ausdehnung von längstens 330 m, von West nach Ost hatte sie eine Breite von maximal 200 m. Im Osten zeichnet die Stadtmauer vom Eselsberg kommend den durch den Prallhang geformten Hangverlauf nach, wobei sie nicht auf der oberen Terrassenkante, sondern am Böschungsfuß errichtet wurde. An der Südwestecke des Kirchplatzes nimmt sie den Hangverlauf wieder auf und zieht in einem scharfen Knick rund 100 m nach Westen. Von der Südwestecke der Stadt verläuft sie fast geradlinig nach Norden, biegt zuerst nach Nordosten und nach Südosten ab, bis sie schließlich wieder auf den Eselsberg trifft. Von der Stadtbefestigung haben sich noch große Teile des Mauerringes sowie das Pfaffentor im Osten, das Lindauer- bzw. Martinstor im Südwesten und das Ravensburger- bzw. Liebfrauentor im Nordwesten eindrucksvoll erhalten.
Struktur und Erweiterung Zur inneren Struktur dieser ältesten Stadtanlage fehlen einschlägige Quellen. Gesichert ist der bis heute tradierte Standort der in das 9. Jahrhundert zurückreichenden und im späten 12. Jahrhundert durch einen Neubau vergrößerten Kirche, der sich westlich anschließende Kellhofbereich sowie das zwischen Kirche und Pfaffenturm eingestellte Rathaus. An Paradies- und Herrenstraße (beide bis in die frühe Neuzeit als „Markt“ bezeichnet) befanden sich die stadtbürgerlichen Häuser auf großen Parzellen, wobei sich im vorderen Teil die Wohnhäuser, im rückwärtigen Teil die zugehörenden Ökonomiegebäude lagen. Der spätere Marktplatz am Zusammentreffen von Paradies- und Herrenstraße war ursprünglich eher als Straße gebildet. Erst durch den Abriss des Hauses der Herren von Praßberg entstand im frühen 18. Jahrhundert der heutige große Platzraum. Wie weit sich die Bebauung im Gebiet von Schmiedstraße und Zunfthausgasse zu diesem Zeitpunkt nach Westen hin erstreckte, kann nur vermutet werden. mini|Barockes Rathaus von 1721 Der rasante wirtschaftliche Aufschwung Wangens durch den blühenden (Leinwand-)Handel im 14. Jahrhundert und der starke Zuzug von Bauern aus den umliegenden Herrschaften führte dazu, dass der Platz innerhalb des bestehenden Mauerrings bald nicht mehr ausreichte und die Stadt wohl im späten 14. Jahrhundert auf ungefähr das Doppelte ihrer bisherigen Fläche erweitert wurde. Die neu angelegte Unterstadt umfasste die gesamte Uferniederung zwischen der Oberstadt und der Argen, wobei zu vermuten ist, dass der Argenbogen hier stärker ausgebildet war und der Fluss im Zuge der Stadterweiterung ein neues Bett erhielt. Entlang des Ufers wurde eine neue Mauer errichtet, der Fluss übernahm jetzt die Funktion des vorherigen Stadtgrabens. Die alte östliche Stadtmauer zwischen Pfaffenturm und Eselsberg verlor ihre fortifikatorische Funktion und wurde in der Folge in die Bebauung der Spitalstraße miteinbezogen. Die Stadterweiterung erhielt mit dem Pulverturm im Norden und dem Isnyer- oder Georgentor im Süden Eckbefestigungen, von denen aus die Ummauerung an die staufische Stadtbefestigung angeschlossen wurde. Der Grundriss der Unterstadt nähert sich somit einem langgezogenen Rechteck von 340 m Nord-Süd- und ca. 120 m West-Ost-Ausdehnung an. Geschlossene Vorstadtsiedlungen entwickelten sich in Wangen weder im späten Mittelalter noch in der frühen Neuzeit. Nur vereinzelte, überwiegend gewerblich genutzte Gebäude inmitten großer Freiflächen entstanden außerhalb des Mauerrings.
Niedergang in der Neuzeit mini|Das Kornhaus wird Stadtbibliothek Am Beginn der Neuzeit wurde Wangen von einer gewaltigen Brandkatastrophe heimgesucht: 1539 zerstörte ein vorsätzlich gelegtes Feuer rund 140 Gebäude an Marktplatz, Paradies-, Herren- und Schmiedstraße, mithin den größten Teil der Oberstadt, nur der Bereich von Kirche und Rathaus blieb verschont. Die Stadt und viele Bürger waren zu dieser Zeit so wohlhabend, dass der Wiederaufbau zügig erfolgte. Inwieweit hierbei planerisch in die alte Quartiersstruktur eingegriffen wurde, ist nicht überliefert, doch lassen die wie mit dem Lineal gezogenen Häuserzeilen an der breiten Herrenstraße und die überlieferte Anlage von Brandgassen dies vermuten. Im 17./frühen 18. Jahrhundert verursachten Dreißigjähriger Krieg, Türken- und Franzosenkriege sowie der Spanische Erbfolgekrieg mit ihren Belagerungen und hohe Kontributionszahlungen den wirtschaftlichen Niedergang der Stadt. So verwundert es nicht, dass sich das Bauwesen auf Reparaturen und wenige Ersatzbauten baufälliger Vorgänger beschränkte. Erst im 18. Jahrhundert begann Wangen sich etwas zu erholen, was sich auch mit der neuen Spitalkirche (1719), der Erweiterung des Rathauses (1719–1721) und dem Ritterhaus (1785–1789) baulich manifestiert.
Ausweitung im 19./20. Jahrhundert Neben dem teilweisen Abbruch der Stadtbefestigung ab den 1820er Jahren waren es Brände (1793, 1794, 1858, 1874), die den historischen Baubestand vor allem im Süden und Südwesten der Stadt tiefgreifend veränderten. Beim Wiederaufbau wurden die Grundstücke teilweise neu geordnet und Brandgassen angelegt. Außerhalb des Mauerrings verdichtete sich der Häuserbestand allmählich, aber erst mit dem Einzug der Industrie begann Wangen deutlich über seine Altstadt hinaus zu wachsen, neue Straßen wurden angelegt (1898 Karl-, 1905 Gegenbauer-, 1910 Bahnhofstraße). Zudem errichtete die Stadt etliche prominent platzierte, öffentliche Gebäude: Evangelische Kirche (1893), Badeanstalt (1898), Bahnhof (1902) und Post (1906). Im frühen 20. Jahrhundert gab es nur wenige bauliche Eingriffe im alten Kern, an der Peripherie aber schoben sich die Grenzen der Stadt durch neue Wohngebiete nach allen Seiten weit vor.
Nach dem Zweiten Weltkrieg, der keine Schäden am Gebäudebestand verursachte, hat die Stadt ihre Siedlungsfläche mehr als verdoppelt. Die im frühen 20. Jahrhundert angelegte Ringstraße wurde 1979 mit der Nord-Ost-Umgehung und der St.-Gallus-Brücke komplettiert. Zu diesem Zeitpunkt waren, zehn Jahre nach dem Beginn der Altstadtsanierung von den 180 Gebäuden schon rund die Hälfte instandgesetzt. Bis heute ist der größte Teil der historischen Bausubstanz Wangens saniert und durch die Ausweisung als Gesamtanlage (seit 1976) und die Aufstellung einer Altstadtsatzung geschützt.
Legende
Kulturdenkmale nach Straßen
Siehe auch
Weblinks
Annegret Kaiser: Denkmalpflegerischer Werteplan Gesamtanlage Wangen im Allgäu. (PDF; 3,6 MB) denkmalpflege-bw.de, 2. März 2016 In dieser Kartenansicht sind Kulturdenkmale ohne Koordinaten mit einem roten bzw. orangen Marker dargestellt und können in der Karte gesetzt werden. Baudenkmäler ohne Bild sind mit einem blauen bzw. roten Marker gekennzeichnet, Baudenkmäler mit Bild mit einem grünen bzw. orangen Marker.
Einzelnachweise
* Wangener Altststadt