Horst Reller (* 17. April 1928 in Braunschweig; † 17. Januar 2017 in Bissendorf, Region Hannover) war ein deutscher evangelisch-lutherischer Theologe und Oberkirchenrat im Kirchenamt der VELKD.

Leben Horst Reller wuchs in Braunschweig auf. Als Jugendlicher erlebte er im Martin-Luther-Haus Braunschweig eine um den Gottesdienst zentrierte lutherische Gemeinde unter Pastor Hans Leistikow und ihre Distanz zum herrschenden Nationalsozialismus. Diese Erfahrung prägte seinen Fokus auf Gemeinde als grundlegender Organisationsform evangelischen Kircheseins in der Volkskirche. Nach Kriegsdienst, Gefangenschaft, Abitur und Pflegehilfsdienst bei den Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel studierte er von 1948 bis 1953 Evangelische TheologieWozu sind Sie eigentlich gut, Herr Theologe, Die neue Furche 1951, S. 68f in Göttingen, Heidelberg und Basel u. a. bei Gerhard von Rad und Karl Barth. 1956 wurde er mit einer kirchengeschichtlichenKirchengeschichte (Zeittafel), in: Evangelisches Kirchenlexikon II, Göttingen 1958 (1. Auflage), Sp. 662–730, abgedruckt in: Kurt Dietrich Schmidt/Gerhard Ruhbach: Tabellen zur Kirchengeschichte, Göttingen 1999, S. 91ff. Arbeit zur Vorreformatorischen und reformatorischen Kirchenverfassung im Fürstentum Braunschweig WolfenbüttelLiteratur: Vorreformatorische und reformatorische Kirchenverfassung im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel bei Rudolf Smend sr. und Hermann Dörries in Göttingen promoviert. Im GemeindepfarramtPosaunenwerk der ev.-luth. Landeskirche Hannovers (Herausgeber), Wochenandachten 1961, 1965, 1967, 1968 in Winnigstedt in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig von 1957 bis 1963 initiierte er einen Jugendaustausch der Landeskirche mit dem Bistum Göteborg in Schweden. Deutschlandweite und internationale Wirkung erzielte er in seiner TätigkeitDie Superintendenz. Bischöflicher Dienst im Kirchenkreis in Geschichte und Gegenwart, in: Festsitzung des Kirchenkreistages Herzberg am Harz anläßlich der 400-Jahrfeier der Herzberger Superintendentur am 14. Mai 1966, Herzberg 1966, S. 9–18Hochschule, Kirche, junge Generation, Lutherische Monatshefte 1968, S. 234–240Der Entwurf der Leuenberger Konkordie im Gespräch, dialog 3/1972, Festausgabe zum 60. Geburtstag von Landesbischof Gerhard Heintze, S. 48–57 im Kirchenamt der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) in Hannover von 1963 bis zum Eintritt in den Ruhestand 1992, zuletzt als Oberkirchenrat im Referat „Gemeinde“. Auch im Seelsorgeausschuss entstanden Veröffentlichungen zu Grundsatzfragen, Familienplanung und Geburtenkontrolle.

Als Sekretär kirchlicher Kommissionen, die in Dialog- und Erprobungsverfahren Texte erarbeiteten,Christlicher Gottesglaube im Wandel. Anmerkungen zu Gustaf Auléns Buch "Das Drama und die Symbole", Lutherische Monatshefte 1967, S. 94–98Die Wirklichkeit neu deuten. Was kann ein Erwachsenenkatechismus heute leisten?, Lutherische Monatshefte 1970, S. 637–639mit Fulbert Steffensky: Durchbruch zur Mitte. Das "Neue Glaubensbuch" – Markstein für den Dialog?, Lutherische Monatshefte 1973, S. 572–576mit Manfred Seitz / Wolfgang Huber / Cord Cordes: Information über den Glauben. Ein Arbeitsbuch als Katechismus für Erwachsene, Lutherische Monatshefte 1975, S. 254–258Der "Evangelische Erwachsenenkatechismus" als theologische Vergewisserung in unserer Zeit, in: Luther 1976, S. 77–93, überarbeitet in: Lutherische Kirche in der Welt 1976, S. 20–54 brachte er den Evangelischen Erwachsenenkatechismus (1. Auflage Gütersloh 1975, 8. Auflage 2010 mit mehr als 300.000 verkauften Exemplaren) sowie das Handbuch Religiöse Gemeinschaften, Freikirchen, Sondergemeinschaften, Sekten,Sekten, Ökumenelexikon. Kirchen – Religionen – Bewegungen, S. 1081–1084 Weltanschauungsgemeinschaften, Neureligionen (1. Auflage in Buchform Gütersloh 1978, überarbeitet 2015) zum Abschluss. Beide Werke liegen bis heute in überarbeiteten Fassungen vor. Zum Evangelischen Erwachsenenkatechismus, der ins Koreanische übersetzt wurde, entstand auf Rellers Initiative u. a. eine Kurzfassung als Evangelischer Gemeindekatechismus (1. Aufl. 1979, 5. Auflage 1994), die theologische Kerninhalte mit Einstiegs- und Besinnungstexten nebst Bildern und Gebeten verband und ins DänischeMenneskeliv og kristendom. Katekismus for voksne, Köbenhavn 1981 und Englische übersetzt wurde. Arbeitshilfen wurden entwickelt.mit Hermann Müller: Bilder helfen sehen. Bilder helfen verstehen. Anregungen über den Gebrauch der Fotos im Evangelischen Gemeindekatechismus (EGK), Gütersloh o. J.Evangelischer Erwachsenenkatechismus. Werkheft 2, Gütersloh 1976Hartmut Jetter / Horst Reller / Ludwig Schmidt / Dietrich Steinwede (Hrsg.): Vom Glauben erzählen. Lesebuch zum Evangelischen Gemeindekatechismus, Gütersloh 1981Anregungen zum Taufgespräch und zu Taufseminaren: unter Verwendung der Handreichung "Einladung zur Taufe" und des "Evangelischen Gemeindekatechismus", [Hannover] 1978 Zusammen mit Hans Reimer wurde ein Konfirmandenbuch herausgegeben.mit Hans Reimer (Hrsg.): Leben entdecken. Ein Buch für Konfirmanden, Gütersloh 1981 Reller knüpfte bewusst bei den KatechismenKatechismus, Ökumenelexikon. Kirchen – Religionen – Bewegungen, Sp. 612f Martin LuthersMartin Luther. Der Große und der Kleine Katechismus, ausgewählt und bearbeitet von Kurt Aland und Hermann Kunst, mit einem Geleitwort von Karlheinz Stoll und einer Einführung von Horst Reller, Göttingen 2003 (3. Auflage) an.„Denn da predigt der Heilige Geist selber …“. Über Luthers Katechismusmeditation (= Herrenalber Texte, Nr. 49). 1983, S. 66–78.

Zusammen mit einer Gruppe von Pfarrern und interessierten Laien veranstaltete Reller deutschlandweit in evangelischen Gemeinden Glaubenskurse oder -wochenenden mit dem evangelischen Gemeindekatechismus, in denen ein besonderes Augenmerk auf der thematischen Arbeit in Gesprächen in Tischgruppen lag. Von Reller ab 1971Chronik der Deutschen Gesellschaft für Pastoralpsychologie, www.pastoralpsychologie.de betreute Tagungen zu neuen Methoden in der Seelsorge,Literatur: Seelsorge im Spannungsfeld. Bibelorientierung – Gruppendynamik?Seelsorge amerikanisch, Lutherische Monatshefte 1970, S. 411fModelle zur Seelsorgeausbildung und Seelsorgepraxis, in: Elisabeth Baden / Hermann Klemm / Hans Schmidt / Hugo Schnell / Waldemar Wilken: Zeitgerechte Seelsorge, Berlin 1971, S. 100–133 bzw. SpiritualitätLutherische Mystik und Sozialkritik im 17. Jahrhundert – eine Predigt Joachim Lütkemanns an die Regenten (1655), in Literatur: Herausforderung: Religiöse Erfahrung. Vom Verhältnis evangelischer Frömmigkeit zu Meditation und Mystik, S. 126–139Evangelische Spiritualität: Überlegungen und Anstöße zur Neuorientierung, vorgelegt von einer Arbeitsgruppe, hrsg. v. d. Kirchenkanzlei im Auftrag d. Raes d. Ev. Kirche in Deutschland, Gütersloh/Göttingen 1979 schlugen Brücken zwischen wissenschaftlicher Theologie und evangelikal kirchlichen Gruppen, aber auch zur Diakonie.Horst Seibert: Diakonie - eine missionarische Gelegenheit? Oder: Kann die Diakonie in der Krise der gegenwärtigen Kirche helfen, in: Weltweite Hilfe 3, hrsg. v. Diakonischen Werk in Hessen und Nassau, 1987, S. 31 Im Gemeindeausschuss der VELKD erarbeitete Reller die sogenannte „missionarische Doppelstrategie“, die Projekte missionarischen Gemeindeaufbaus als Ineinander von niedrigschwelligen „öffnenden“ und höherschwelligen „verdichtenden“ Maßnahmen beschrieb. Eigene PublikationenLiteratur: Alternative: Glauben. Missionarische Arbeitformen in der Volkskirche heute aus der Arbeit dieses Ausschusses,Zum Glauben rufen in einer nachchristlichen Gesellschaft. Zwischenbilanz der missionarischen Doppelstrategie, in: Hermann v. Loewenich / Horst Reller: Unterwegserfahrungen. Gemeinde entwickeln in Ost und West, Gütersloh 1991, S. 24–48, 150f. z. B. zum auf vier Jahre gestreckten Vor- bzw. Hauptkonfirmandenunterricht, parallel zum Besuch der 4. bzw. 8. Klasse mit Jungscharangeboten in der Zwischenzeit, das nach der norddeutschen Kleinstadt benannte sogenannte Hoyaer Modell, lösten vielfältige weiterführende Überlegungen zu Formen des Konfirmandenunterrichts aus. 1984 fördert der Ausschuss erstmals das nach finnischem Vorbild ökumenisch in Städten durchgeführte missionarische Projekt „Neu Anfangen“.Otto Diehn / Ben Jakob / Gerhard Köhnlein: Neu Anfangen. Christen laden ein zum Gespräch. Ein missionarisches Projekt öffnet Türen, Gütersloh 1988. 1986 gründete die Synode der VELKD u. a. auf Rellers Initiative hin das Gemeindekolleg der VELKD zunächst in Celle, seit 2008 in Neudietendorf in Thüringen, um Laien und Hauptamtliche in Projekten der Gemeindeentwicklung fortzubilden und zu begleiten.

Programme zur Gemeindeentwicklung aus amerikanischen lutherischen Kirchen wie Caring Community oder Word and Witness erschienen in deutschen Fassungen: Gottesdienst leben, bzw. Wort und Antwort. Zusammen mit dem praktischen Theologen Manfred Seitz förderte Reller als zuständiger Referent in den Tagungen des Pastoralkollegs der VELKD nicht nur die theologische Zusammenarbeit von Pfarrern lutherischer deutscher Landeskirchen, sondern auch KontakteHälsningsord, Prästmötet i Skara 1984: Människan i 80-talet, Skara 1984, S. 54f zu den skandinavischenÖkumene und Mission in Skandinavien, Lutherische Monatshefte 1969, S. 380–384Skandinavien: Hort der Tradition. Die Kirchenverfassungen ignorieren den Säkularismus, Lutherische Monatshefte 1970, S. 335–338 lutherischen Kirchen in Dänemark,Unser unbekannter Nachbar. Die dänische lutherische Volkskirche, Lutherische Monatshefte 1968, S. 79–82, abgedruckt in: Konvent kirchlicher Mitarbeiter, Kiel 1968, S. 65f Schweden,Schwedens Beitrag zur Ökumene. Nathan Söderblom als Wegbereiter kirchlicher Einheit, Lutherische Monatshefte 1966, S. 232–237Vertiefte schwedisch-deutsche Zusammenarbeit?, Lutherische Monatshefte 1969, S. 366fTheologie als Abteilung der philosophischen Fakultäten. Die Reformen in Schweden, Lutherische Monatshefte 1971, S. 55fBleibt in Schweden alles beim alten?, Lutherische Monatshefte 1973, S. 392–395Ohne des Staates schwere Hand. In Schweden Trennung von Staat und Kirche in Sicht, Lutherische Monatshefte 1972, S. 224–226 NorwegenDie Autorität der Bibel. Die Thesen des norwegischen Pfarrernotbundes, Lutherische Monatshefte 1966, S. 85–88Norwegen: Kritik an Ökumene, Lutherische Monatshefte 1971, S. 207Ein kritischer Partner. Zielvorstellungen des Katholizismus in Skandinavien, Lutherische Monatshefte 1974, S. 503–505 und Finnland. 1973 hatte Reller in Nyborg Strand/Dänemark eine deutsch-skandinavische Konsultation des Lutherischen Weltbundes zum Thema „Schulreform und Religionsunterricht“ initiiert, die gemeinsame Empfehlungen für die Bildungsaufgabe der Kirche im Religionsunterricht der Schule und in der Erwachsenenbildung formulierte, u. a. die zur Einrichtung von kirchlichen Instituten zur Fachberatung und Fortbildung und Seelsorge in Schulen und für Lehrkräfte.