mini|hochkant=0.8|Pride-Flagge der Pansexuellen, 2010 entworfen auf Tumblr: Pink = Zuneigung zum weiblichen Spektrum Gelb = Zuneigung zu nichtbinären Geschlechtsidentitäten Blau = Zuneigung zum männlichen Spektrum

Pansexualität (von der altgriechischen Vorsilbe pan „gesamt, umfassend, alles“, und Sexualität) bezeichnet eine sexuelle Orientierung, bei der Personen in ihrem Begehren keine Vorauswahl nach Geschlecht oder Geschlechtsidentität treffen. Für pansexuelle Menschen ist es nicht vom Geschlecht abhängig, wen sie begehren und lieben, das können auch transgeschlechtliche, nichtbinäre oder intergeschlechtliche Personen sein. Dabei kann die Anziehung spirituell, emotional, romantisch, physisch und/oder sexuell sein. Von der pansexuellen Orientierung unterscheidet sich die pangender Geschlechtsidentität („allgeschlechtlich“, vergleiche Gender).

Im Gegensatz zu Pansexualität wurde Bisexualität (von lateinisch bi „zwei“) nur als Liebe zu Personen des eigenen Geschlechts sowie zu gegengeschlechtlichen Personen verstanden (Frauen/Männer), mittlerweile erweitert sich die Bedeutung zur Liebe zu Personen des eigenen und eines weiteren Geschlechts (kann auch nichtbinär sein). Die Definitionen sind jedoch schwer voneinander abzugrenzen und können sich überschneiden.Infoseite: Pansexualität wird zuweilen als Unterbegriff von Bisexualität aufgefasst, siehe den Abschnitt Bisexual Umbrella unter Bisexualität.

Geschichte In der Psychiatrie hatte der Begriff der Pansexualität früher eine andere Bedeutung und wurde von Otto Kernberg 1967 im Zusammenhang mit der – damals noch anders bezeichneten – Borderline-Persönlichkeitsstörung geprägt.Brigitte Vetter: Psychiatrie. Ein systematisches Lehrbuch. 7. Auflage. Schattauer, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-7945-2566-9, S. 129 (Google Books [abgerufen am 30. Juni 2023]). Kernberg habe, so Brigitte Vetter in ihrem Psychiatrie-Lehrbuch, den Versuch unternommen, charakteristische Symptome und Charakterzüge zusammenzufassen, von denen sie acht benennt und an siebter Stelle schreibt:

Der Begriff Pansexualismus entstammt einem anderen Zusammenhang und war in kirchlichen Pamphleten der 1920er und 1930er Jahre eine frühe abschätzige Bezeichnung für die Psychoanalyse von Sigmund Freud.

Der Begriff Pansexualität zur Bezeichnung einer sexuellen Orientierung kam Anfang der 1990er Jahre auf. Bereits 1970 warb die kanadische Feministin Shulamith Firestone aber in ihrem Buch Frauenbefreiung und sexuelle Revolution (Originaltitel: The Dialectic of Sex: The Case for Feminist Revolution) für eine Überwindung sämtlicher Geschlechtsunterschiede. Ihre Forderung, sich der Kategorien Homo-, Hetero- und Bisexualität zu entledigen, kann darüber hinaus als Aufruf zu einer gesamtgesellschaftlichen Pansexualität verstanden werden. Im Laufe der Zeit rückte die Psychoanalyse davon ab, Pansexualität zu pathologisieren, und der Begriff wurde mehr und mehr Gegenstand queerfeministischer Debatten, die Pansexualität als Gegenkonzept zur vermeintlich natürlichen Heterosexualität verstanden.

Aus queerfeministischer Perspektive ist der Begriff besonders interessant, da er dichotome Kategorien von Geschlecht bzw. Gender und sexuellem Begehren ablehnt. Pansexualität wird als eine sehr inklusive sexuelle Orientierung beschrieben, da pansexuelle Menschen explizit auch eher marginalisierte Personengruppen wie intersexuelle Menschen oder sich als agender definierende Personen in ihr Begehren miteinschließen. Es wurde allerdings darauf hingewiesen, dass daraus keine moralische Überlegenheit der Pansexualität gegenüber anderen sexuellen Orientierungen ableitbar sei, da diese niemals das Produkt freier Entscheidungen sind.

In jüngster Zeit outeten sich mehrere prominente Persönlichkeiten als pansexuell; darunter Jazz Jennings, Miley Cyrus und Madison Bailey. Eine Studie aus dem Jahr 2017 bezifferte den Anteil pansexueller Menschen in der Altersgruppe von 18 bis 34 Jahren in den USA auf insgesamt zwei Prozent.

Omnisexualität, omnisexuell Die Bezeichnung Omnisexualität, kurz omnisexuell (von lateinisch omnis „ganz, jeder, alle“), wird manchmal in gleicher Bedeutung wie pansexuell verwendet, so auch vom LSBTIQ-Lexikon 2017: „Omnisexualität ist eine sexuelle Orientierung, die Menschen für sich in Anspruch nehmen, die sich zu allen Geschlechtern sexuell und/oder emotional hingezogen fühlen. Omnisexuelle Menschen richten ihr Begehren auf die Vielfalt von Geschlechtern, einschließlich, zwischen und jenseits der binären Geschlechter Mann und Frau.“ An anderer Stelle wird ein Bedeutungsunterschied zwischen omni- und pansexuell herausgestellt: Während für pansexuelle Menschen das Geschlecht Anderer bei der sexuellen Anziehung keine Rolle spiele, würden omnisexuelle Menschen hingegen die begehrten Personen nach ihrem Geschlecht unterscheiden und die Verschiedenheiten der Geschlechter wertschätzen.

Siehe auch

Literatur Nikki Hayfield: Bisexual and Pansexual Identities. Exploring and Challenging Invisibility and Invalidation. Routledge, London / New York 2020, ISBN 978-1-138-61375-1. Corey E. Flanders (Hrsg.): Under the Bisexual Umbrella. Diversity of Identity and Experience. Routledge, London / New York 2019, ISBN 978-1-138-33087-0. Karen Morgaine: Pansexuality. A Panoply of Co-Constructed Narratives. Cognella Academic Publishing, 2019, ISBN 978-1-5165-8779-7. Elisabeth Tuider: Polysexuell, pansexuell, queer: Heteronormativitätskritik und die Pädagogik. In: Anja Kraus (Hrsg.): Körperlichkeit in der Schule: Aktuelle Körperdiskurse und ihre Empirie. Band 5: Sexualität und Macht (= Pädagogik: Perspektiven und Theorien. Band 23). Athena, Oberhausen 2012, ISBN 978-3-89896-502-6, S. 11–35 (online auf academia.edu).

Weblinks

Lexikoneintrag: Pansexualität. In: Queer-Lexikon.net. 9. Juni 2021. Sophie Aschenbrenner, Amelie Berboth: Querfrage: Bisexuelle Menschen, seid ihr nicht eigentlich pansexuell? In: Jetzt.de. 2. April 2021 (Pro und Kontra). Carola Felchner: Pansexuell. In: mylife.de. 2. März 2021 (Wissenschaftsjournalistin). Bundeszentrale für politische Bildung (bpb): Pansexualität / pansexuell + Omnisexualität / omnisexuell. In: LSBTIQ-Lexikon. 27. März 2017.

Einzelnachweise Flyer von Frank Thies: Echte Flaggen-Vielfalt. Rellingen, 10. Mai 2021 (gefördert vom Familienministerium Schleswig-Holstein; PDF: 268 kB, 2 Seiten auf echte-vielfalt.de). Pansexual Pride Flag: Colour Symbolism. In: Tumblr.com. 11. August 2010, abgerufen am 30. Juni 2021 (englisch). Donald E. Tarver II: Transgender Mental Health: The Intersection of Race, Sexual Orientation, and Gender Identity. In: Billy E. Jones, Marjorie J. Hill (Hrsg.): Review of Psychiatrie: Mental health issues in lesbian, gay, bisexual, and transgender communities. Band 21, Nr. 4. American Psychiatric Publishing, Washington 2002, ISBN 1-58562-069-6, Kapitel 5, S. 95 (englisch; ). Bonnie Kruse: Pansexuell – was ist das? In: PraxisVita.de, 10. September 2019, abgerufen am 9. Juli 2021. Bundeszentrale für politische Bildung (bpb): Pansexualität / pansexuell. In: LSBTIQ-Lexikon. 22. März 2017, abgerufen am 8. Mai 2022. Bundeszentrale für politische Bildung (bpb): Omnisexualität / omnisexuell. In: LSBTIQ-Lexikon. 22. März 2017, abgerufen am 8. Mai 2022. Misty M. Ginicola, Cheri Smith, Joel M. Filmore (Hrsg.): Affirmative Counseling with LGBTQI+ People. John Wiley & Sons, New York 2017, ISBN 978-1-119-37549-4, S. 365–366 (englisch; Glossar; ). Candice Jalili, Taylor Andrews: Omnisexual. In: Cosmopolitan. 17. Mai 2021, abgerufen am 9. Juli 2021 (englisch).

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