Wind River (Alternativtitel: Wind River – Tod im Schnee) ist ein Thriller von Taylor Sheridan, der am 21. Januar 2017 im Rahmen des Sundance Film Festivals Weltpremiere feierte und am 4. August 2017 in die US-amerikanischen Kinos kam. Bereits im Mai 2017 wurde der Film im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele von Cannes in der Sektion Un Certain Regard gezeigt, wo Sheridan mit dem Regiepreis (Prix de la mise-en-scene) ausgezeichnet wurde. Im Vorspann wird darauf hingewiesen, dass der Film von wahren Begebenheiten inspiriert wurde.
Handlung Cory Lambert ist im Indianerreservat „Wind River“ in Wyoming als Weißer beim United States Fish and Wildlife Service als Wildhüter angestellt. Er macht vor allem Jagd auf Raubtiere, die den Viehbestand gefährden. Auf der Pirsch entdeckt er im Schnee die barfüßige Leiche der indigenen 18-jährigen Natalie, der besten Freundin seiner verstorbenen Tochter.
Zur Untersuchung des Vorfalls entsendet das FBI die weiße, in Las Vegas stationierte Agentin Jane Banner. Sie ist nur unzureichend auf das winterliche Wetter und die Mentalität der Menschen vor Ort vorbereitet; die soziale Lage im Reservat ist geprägt von Perspektivlosigkeit, Armut, ethnischen Konflikten und sexualisierter Gewalt. Der Chef der örtlichen Stammes-Polizei ist mit nur sechs Beamten für ein Gebiet von mehr als 3000 km² zuständig. Da Banner nicht ortskundig ist, heuert sie Lambert als Führer an. Er erzählt ihr, dass auch seine Tochter drei Jahre zuvor unter ungeklärten Umständen in der Wildnis gestorben war. Die Ungewissheit quält ihn bis heute und hat seine Ehe mit der Indigenen Wilma zerrüttet.
Der örtliche Pathologe stellt fest, dass Natalie niedergeschlagen und mehrmals vergewaltigt wurde und anschließend durch die eisige Kälte geflohen sein muss, bis sie an einer durch die eiskalte Luft verursachten Lungenblutung starb. Die FBI-Beamtin ermittelt, dass Natalie einen weißen Freund namens Matt hatte, der bei einem Ölbohrunternehmen arbeitet. Als Banner mit Lambert einer Spur in den Bergen folgt, finden sie Matts Leiche. Am nächsten Tag fährt sie mit dem Polizeichef und zwei seiner Männer zu Matts Wohnwagen auf dem Bohrgelände, wo es zum Konflikt mit der bewaffneten Wachmannschaft kommt, weil deren Leiter Täterwissen preisgibt. Lambert ist unterdessen in der Nähe und sucht nach Spuren.
In einer Rückblende wird Natalies Todesnacht gezeigt. Matt teilt sich den Wohnwagen mit Pete und dem Leiter der Wachmannschaft, die in dieser Nacht mit den Kollegen ausgegangen sind. Natalie und Matt liegen im Bett, als unerwartet die betrunkenen Männer zurückkehren. Pete belästigt das Mädchen und es kommt zu einer Schlägerei, bei der Matt von fünf Männern überwältigt wird. Pete vergewaltigt Natalie, die anderen sehen zu. Als Matt sich losreißt, um sie zu verteidigen, kann sie nur dünn bekleidet und barfuß in die eiskalte Wildnis entkommen.
Zurück in der Gegenwart hat Lambert per Zufall die Spur eines Schneemobils entdeckt, die vom Fundort von Matts Leiche zum Bohrgelände führt. Als er den Polizeichef per Funk warnt, ist es bereits zu spät: Der Konflikt am Wohnwagen eskaliert, bei der heftigen Schießerei werden alle Polizisten getötet. Banner, die eine schusssichere Weste trägt, überlebt schwerverletzt. Lambert tötet mit seinem Jagdgewehr aus der Entfernung vier der fünf Wachleute. Nur Pete, der Vergewaltiger, kann verletzt fliehen. Nachdem Lambert den Schauplatz erreicht hat, versorgt er Banner notdürftig. Sie schickt ihn dem Flüchtigen hinterher, im Wissen, dass Lambert den Mann nicht gefangen nehmen wird. Lambert spürt Pete im verschneiten Wald auf und bringt ihn auf einen Bergkamm. Dort verspricht er ihm, dass er eine Chance bekommt, wenn er die Wahrheit sagt. So bringt er Pete dazu, die Vergewaltigung Natalies und den gemeinschaftlich begangenen Mord an Matt zu gestehen. Lambert hält sein Wort und lässt Pete frei mit dem Hinweis, er habe nun dieselbe Chance wie Natalie: Er könne barfuß versuchen, die meilenweit entfernte Straße zu erreichen. Pete läuft los, bricht schon nach wenigen hundert Metern zusammen und stirbt.
Nach einem Besuch bei Banner im Krankenhaus geht Lambert zu seinem Freund Martin, Natalies Vater. Dieser hat sein Gesicht weiß und blau bemalt und bezeichnet es als sein Totengesicht. Da das Wissen um die traditionelle Bemalung verloren gegangen ist, hat er es selbst erfunden. Ein Anruf seines Sohnes Chip aus dem Gefängnis bringt ihn davon ab, Suizid zu begehen. Lambert bleibt neben ihm sitzen, um seiner Tochter zu gedenken.
Im Abspann heißt es: „Für jede Bevölkerungsgruppe gibt es in den USA Vermissten-Statistiken. Für amerikanische Ureinwohnerinnen nicht. Niemand weiß, wie viele vermisst werden.“Der Text im Abspann der Originalversion lautet: „While missing person statistics are compiled for every other demographic, none exist for Native American women“.
Produktion Stab und Filmvertrieb Die Regie übernahm Taylor Sheridan, der auch das Drehbuch zum Film schrieb. Wind River ist nach Sicario von 2015 und Hell or High Water von 2016 der erste Studiofilm Sheridans, bei dem er Regie führte, und der dritte, für den er das Drehbuch schrieb. Der Film stellt nach Sicario und Hell or High Water den Abschluss seiner American-Frontier-Trilogie dar.Oliver Armknecht: Wind River In: film-rezensionen.de, 29. Dezember 2017.Matt Goldberg: Taylor Sheridan on 'Wind River' and How It Connects to 'Sicario' and 'Hell or High Water' In: collider.com, 4. August 2017. Auf die Frage, wie er darauf gekommen sei, eine Geschichte von dort zu erzählen, erklärte Sheridan gegenüber epd Film: „In meinen Zwanzigern war einer meiner besten Freunde ein Native American, der in einem solchen Reservat aufgewachsen ist. Er nahm mich oft mit dorthin, und mich hat diese Welt fasziniert. Ich war dort natürlich ein Außenseiter, so wie Jeremy Renner alias Cory Lambert im Film. Aber ich habe bis heute viele Freunde dort, und es hat mich über die Jahre immer wieder beschäftigt, wie schlecht die USA mit diesen Menschen umgehen.“ Der Bonner Generalanzeiger schreibt: „Das Drehbuch haben die Stämme der Arapahoe und Schoschonen in dem Reservat gegengelesen.“ Einige Bewohner waren im Film zudem Statisten.Mord im Reservat: „Wind River“ mit Jeremy Renner In: General-Anzeiger, 5. Februar 2018.
Wind River setzt sich laut Sheridan mit der modernen amerikanischen Frontier, dem Grenzgebiet, auseinander, und der Film blicke auf Amerikas größtes Versagen, die Indianerreservate. Im General-Anzeiger ist zu lesen: „Er fesselt mit der Schönheit des Ortes, schockiert mit der Gewalt und bewegt mit einer Katharsis am Ende der Geschichte. Der spannende Thriller mit Anleihen vom klassischen Western ist mehr als eine Mörderjagd: Landschaftsgemälde und Sozialstudie.“
Zwei Monate nachdem Wind River in den USA in die Kinos gekommen war, wurden die ersten Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs gegen den Produzenten Harvey Weinstein publik, woraufhin sich Sheridan mit den Geldgebern, Produzenten und Hauptdarstellern des Films besprach und erneut mit der Weinstein Company verhandelte: „Ich musste mir den Film zurückholen“, sagt Sheridan. Vom sekundären Geschäft mit DVDs und Streamings trat die Weinstein Company nach den Vorwürfen und den Verhandlungen gänzlich zurück; Lionsgate und Netflix übernahmen. Lediglich der Kinovertrieb blieb bei der Weinstein Company, allerdings gingen von diesem Zeitpunkt an die Vertriebserlöse für den Film an das National Indigenous Women’s Resource Center, das sich für die Aufklärung von Verbrechen an indigenen Frauen einsetzt.Christoph Schröder: 'Wind River': Kälte als Daseinsform In: Zeit Online, 6. Februar 2018.
Besetzung und Synchronisation Elizabeth Olsen spielt im Film die FBI-Agentin Jane Banner. Jeremy Renner übernahm die Rolle des Mitarbeiters des United States Fish and Wildlife Service Cory Lambert. Kelsey Asbille spielt Natalie Hanson. Martin Sensmeier ist in der Rolle von Chip und Gil Birmingham in der Rolle von Natalies Vater Martin Hanson zu sehen. Die Rolle von Evan wurde mit Ian Bohen besetzt, Dillon wird von Matthew Del Negro und Curtis von Hugh Dillon gespielt, und Eric Lange ist in der Rolle von Dr. Whitehurst zu sehen. Die Rollen von Lamberts Frau Wilma und ihrem Sohn Casey wurden mit Julia Jones und dem Kinderdarsteller Teo Briones besetzt. Graham Greene spielt den Boss der örtlichen Polizei.
Die deutsche Synchronisation erfolgte nach einem Dialogbuch und unter der Dialogregie von Lutz Riedel bei der Berliner Synchron GmbH Wenzel Lüdecke. Gerrit Schmidt-Foß spricht in der deutschen Fassung Cory Lambert, Shandra Schadt leiht Jane Banner ihre Stimme.
Filmmusik Die Filmmusik wurde von Nick Cave und dem australisch-französischen Musiker Warren Ellis komponiert.Nick Cave & Warren Ellis Scoring Taylor Sheridan’s 'Wind River' In: filmmusicreporter.com, 18. Januar 2017. Der Soundtrack zum Film umfasst 23 Titel und wurde am 4. August 2017 von Lakeshore Records veröffentlicht.'Wind River' Soundtrack Details In: filmmusicreporter.com, 16. Mai 2017. Wenige Tage zuvor hatte das Under The Radar Magazine vorab das Stück Snow Wolf vorgestellt und Lakeshore Records hatte zudem bei YouTube einige Ausschnitte aus einem Querschnitt von Stücken aus dem Soundtrack veröffentlicht.
Dreharbeiten und Veröffentlichung mini|hochkant=1.2|Wind River wurde in Park City in Utah gedreht, wo im Januar 2017 beim Sundance Film Festival die Weltpremiere stattfand Der Film wurde in Park City in Utah gedreht, wo der Film auch am 21. Januar 2017 im Rahmen des Sundance Film Festivals seine Weltpremiere feierte. In: sundance.org. Abgerufen am 19. Januar 2017. (PDF; 17,8 MB) Sheridan sah sich gezwungen, dem Film einen Look zu verpassen, der eigentlich nicht sein bevorzugter ist: „In meiner Idealvorstellung lebt ein Film von sehr ausgewählten Kamerafahrten. Doch die konnte ich in diesem Fall über Bord werfen, denn in so hohem Schnee lassen sich keine Kameraschienen verlegen. Also musste mein Kameramann Ben Richardson dann doch auf Handkameras zurückgreifen.“
Im Juni 2017 wurde der Film beim Sydney Film Festival gezeigt. Am 4. August 2017 kam der Film in die US-amerikanischen KinosPatrick Hipes: 'Mary Magdalene', 'Current War' & 'Wind River' Get 2017 Release Dates From Weinstein In: deadline.com, 17. März 2017. und am 8. September 2017 in die britischen Kinos. Ab 20. Mai 2017 wurde der Film im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele von Cannes gezeigtScott Macaulay: The Cannes Film Festival Announces its 2017 Official Selection In: filmmakermagazine.com, 13. April 2017. und ab 7. Juli 2017 beim Filmfestival Karlovy Vary vorgestellt.Wind River In: kviff.com. Abgerufen am 20. Juni 2017. Der Kinostart in Deutschland war am 8. Februar 2018.Starttermine Deutschland In: insidekino.com. Abgerufen am 3. August 2017.
Rezeption Altersfreigabe In Deutschland ist der Film FSK 16. In der Freigabebegründung heißt es: „Der Film ist überwiegend ruhig und linear, mit genretypischen Kriminal- und Spannungs-Elementen erzählt, schildert jedoch auch realitätsnah und gut nachvollziehbar das harte Leben im Reservat. Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren können einzelne Szenen mit Darstellungen von Gewalt und Tod im Zusammenspiel mit der düsteren Atmosphäre des Films überfordern. 16-jährige sind in der Lage, diese Szenen in den Kontext des Genres und der Geschichte einzuordnen und sich ausreichend zu distanzieren.“Freigabebegründung für Wind River In: Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft. Abgerufen am 8. Februar 2018.
Kritiken Der Film wurde von 87 Prozent der von Rotten Tomatoes erfassten Kritiker positiv bewertet und erhielt hierbei eine durchschnittliche Bewertung mit 7,7 von 10 möglichen Punkten. Auf Metacritic wird der Film, basierend auf 44 Kritiken, mit 73 von 100 möglichen Punkten bewertet.