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Camboglanna war ein römisches Hilfstruppenkastell im Nordwesten von England, County Cumbria, District Carlisle, Parish Walton.
Es gehörte zu der aus insgesamt 16 Kastellen bestehenden Festungskette des Hadrianswalls (per lineam valli), sicherte dessen westlichen Abschnitt und einen Übergang über den Fluss Cam Beck. Ungewöhnlich ist, dass, obwohl es als Wallkastell eingestuft wird, es nicht direkt an diesen angebaut worden war. Das Lager wurde etwa 300 Jahre, vermutlich ab der Mitte des 2. bis ins frühe 5. Jahrhundert n. Chr. vom römischen Militär genutzt. Vom Kastell und dem Wall ist heute nichts mehr erhalten.
Name Es existieren mehrere antike Quellen, die dieses Kastell namentlich nennen: die Notitia dignitatum und zwei römische Trinkgefäße („Rudge-Cup“ und ). Camboglanna bedeutet wahrscheinlich „Flussbiegung“ oder „gekrümmtes Tal“. Dies vermutlich deshalb, da man vom Kastellstandort aus eine gute Sicht auf eine Schleife des Cam Beck, eines Nebenflusses des River Irthing, hat. Zunächst konnte man die antike Ortsbezeichnung nicht exakt zuordnen (siehe dazu auch Banna). In der Notitia Dignitatum wird die Cohors I Dacorum, die epigraphisch für Birdoswald bezeugt ist, als Garnisoneinheit von Castlesteads (Amboglanna) angegeben. Lange war man daher der Meinung, mit Camboglanna wäre das benachbarte Birdoswald gemeint. Es scheint sich hierbei aber um einen Abschreibfehler der mittelalterlichen Kopisten zu handeln. Im diesbezüglichen Eintrag der Ravenna-Kosmographie des Geographen von Ravenna wird Banna zwischen Esica (Great Chester) und Uxelludamo (Stanwix) verortet. Von Ausgrabungen weiß man, dass zwischen Stanwix und Great Chester, direkt am Wall, zwei Kastelle standen. Aber auch aus der Kosmographie geht nicht hervor, welche dieser beiden Festungen als Banna zu identifizieren ist. Es wird jedoch in der Forschung heute allgemein als römischer Name für Birdoswald anerkannt. Lange Zeit wurde das Kastell auch mit dem weiter im Westen gelegenen Reiterlager Uxelodunum/Petrianis gleichgesetzt.Notitia Dignitatum Occ. XL, 28, Rivet/Smith 1979, S. 293–294.
Lage Camboglanna war das zwölfte Glied in der Festungskette des Hadrianswalls (vallum aelium). Es befand sich 12,8 km östlich von Stanwix (Uxelodunum/Petrianis) und 11 Kilometer westlich des Kastells Birdoswald (Banna) auf einem steil aufragenden Hügel, der das Tal des Cam Beck beherrscht. Von hier aus überblickte man eine Passage durch ein Moor im Nordwesten, über das heute die Fahrstraße von Brampton nach Longtown führt, und das Ostufer des Flusses. Der ummauerte Garten von Castlestads House markiert die Lage des Kastells, der etwa die Hälfte des Lagerareals überdeckt. 500 Meter nordwestlich des Kastells befindet sich die Cambeckhill Farm, in römischer Zeit der Standort eines Meilenkastells. Im späten 2. Jahrhundert gehörte die Wallregion zur Provinz Britannia inferior, ab dem 4. Jahrhundert zur Provinz Britannia secunda.Guy de la Bedoyere 1998, S. 112, J.C. Bruce 1966, S. 187.
Forschungsgeschichte Das Wissen über das Aussehen des römischen Lagers ist nur sehr dürftig. William Hutchinson erwähnt 1794 in seiner „Geschichte der Grafschaft Cumberland“ erstmals einige Details des Kastells. Sein Areal wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts vom Grundbesitzer William Ponsonby Johnson ergraben. Dabei konnte er auch einige Altäre und noch andere Antiquitäten bergen. 1741 wurden außerhalb des Kastells, ca. 200 Meter nördlich, teilweise die Reste eines Badehauses freigelegt. Die genaue Lage und sein Grundrissplan ist allerdings heute nicht genau bekannt. Haverfield legte in den Jahren 1898, 1901 und 1902 Sondierungsgräben an, um den genauen Verlauf des Südgrabens zu bestimmen. Das Kastell wurde 1934 von Richmond und Hodgson teilweise ausgegraben. Insbesondere wurden dabei kurze Abschnitte der Umfassungsmauern, abgesehen von der zerstörten Nord-Ost-Mauer, sowie des Ost- und Westtors freigelegt. Auch der südwestliche Eckturm konnte angeschnitten werden. Dabei stieß man auch auf Spuren eines Wehrgrabens, der das Lager zusätzlich umgab. Bei den Grabungen konnten auch mehrere Weihealtäre geborgen werden. 1991 führte auch die Royal Commission of Heritage Memorials in England, Sektion Newcastle (Königliche Kommission der Historischen Monumente in England, RCHME) Sondierungen auf dem Kastellgelände durch. Bei geophysikalischen Untersuchungen, die zwischen 1999 und 2001 durchgeführt wurden, konnte der Verlauf des Vallums neuerlich bestätigt werden. Sie zeigten auch einige Details der Bebauung der Zivilsiedlung (vicus) an den südlichen Abhängen des Kastellhügels. Dieselben Untersuchungen ließen auch Spuren römischer Feldgrenzen im Gebiet unmittelbar östlich der Siedlung erkennen. Im Jahr 2007 wurde eine geophysikalische Untersuchung durchgeführt, die die Ausbreitung des Vicus im Süden der Festung klären sollte.Biggins/Taylor 2007, S. February 2007
Inschriften Die erste bekannte römische Inschrift aus Castlesteads wurde 1690 entdeckt und war der britischen Gottheit Maponus von vier irregulären germanischen Kämpfern gewidmet worden. Im Zuge der Gartengestaltung im 18. Jahrhundert und der nachfolgenden Grabungen wurden weitere 40 Inschriften aus römischer Zeit geborgen. Diejenigen, die datiert werden konnten, waren in der Zeit zwischen 128 und 244 entstanden. Einige von ihnen befinden sich im Lapidarium des Sommerhauses an der Westseite des Rosengartens. Drei der Altäre waren dem persischen Gott Mithras geweiht, zehn den obersten römischen Staatsgöttern.
Darunter: Sieben für Iupiter Optimus Maximus, einer zusammen mit dem Numen Augusti; einer für den Genius Loci; drei für den unbesiegten Sonnengott (Sol Invictus) und Mithras; zwei für den Gott Belatucader, einschließlich eines, der auch der Minerva gewidmet war; zwei für den Kriegsgott Mars, darunter einer zusammen mit dem Numen Augusti; zwei für die Muttergöttinnen (Matrones). Andere Altäre waren den Gottheiten Neptun, der Victoria, Vanauntis, der Disciplina der Augusti und einem unbekannten Gott gewidmet.Eric Birley 1961, S. 203–205, J.C. Bruce 1966, S. 187, Inschriftenauswahl: Bauinschrift aus der Zeit des Hadrian (128-138) RIB 1978, Altar f.d. Disziplin (212-217) RIB 1978, Altar der Legio XX und der Cohors II Tungrorum (238-244) und RIB 1999, Altar des Iupiter Optimus Maximus von der cohors II Tungrorum (1. Jänner 241), RIB 1984; Altar f. Mithras RIB 1992; Altar f.d. Genius Loci; Belatucadrus RIB 1977; Altar f. Belatucadrus/Minerva RIB 1976, Altar f. Mars Sanguinus RIB 1986, Altar f. Mars/Num.Aug. RIB 1987, Muttergottheiten RIB 1988, RIB 1989, Altar f. Neptun RIB 1990, Altar f.e. unbekannten Gott RIB 1996, RIB 1997, Altar für Victoria RIB 1995, Altar für Vanauntis und den N.A. RIB 1991.
Entwicklung 122 befahl Kaiser Hadrian, im Norden Britanniens eine Sperrmauer, verstärkt durch Wachtürme und Kastelle, vom Tyne bis zum Solway Firth zu errichten, um die britischen Provinzen vor den ständigen Einfällen der Pikten aus dem Norden zu schützen. Der Wall wurde größtenteils durch Soldaten der drei in Britannien stationierten Legionen und Mannschaften der Classis Britannica errichtet.
Über die Geschichte des Kastells ist nur wenig bekannt. Vermutlich stand auf dem Hügel über dem Cam Beck schon vor Errichtung des hadrianischen Steinkastells eine römische Holz-Erde-Befestigung. Vielleicht ersetzte es das Lager von Brampton/Old Church, eines der Stanegatekastelle. Um die Mitte des 2. Jahrhunderts wurde darüber das hadrianische Steinlager errichtet. Seine Besatzung sicherte wohl zusammen mit der Mannschaft des Meilenkastells 57 einen Wallübergang und überwachte das östliche Ufer des Cam Beck, um Überfälle der nördlichen Stämme aus dem Gebiet von Bewcastle (Fanum Cocidi) rasch abwehren zu können. Das Kastell wurde vermutlich im späten 4. oder frühen 5. Jahrhundert aufgegeben und fiel danach dem Steinraub zum Opfer. U. a. wurde sein Baumaterial ab 1169 von Robert de Vaux für die Errichtung des nahen Augustinerklosters Lanercost Priory verwendet. Das Kastellareal wurde im Jahre 1789 von W. P. Johnson erworben, um darauf ein Herrenhaus zu errichten. Es sollte ein früheres Haus (Walton House) der Familie Dacre ersetzen, das mit Steinen vom Hadrianswall erbaut worden war. Die letzten Reste des Steinkastells wurden 1791 bei der Anlage des Herrenhauses (Castlesteads House) und seiner Gärten zerstört oder einplaniert. Auch das vallum wurde vollständig zugeschüttet.W. Hutchinson, History of Cumberland, 1794, Vol. I, S. 118, Guy de la Bedoyere 1997, S. 112, Bruce/Richmond 1966, S. 185–187, Richmond/Hodgson 1934, S. 159–165.
Kastell Etwa 60 Meter nordöstlich des Steinkastells kam 1934 im Wald eine weitere – 0,4 Meter hohe und 3 Meter breite – Geländeerhebung zum Vorschein, vermutlich die Reste eines Erdwalls. Er konnte noch bis an den Rand des Plateaus verfolgt werden, wo er in einem rechten Winkel nach Südwesten abknickte. Dort verloren sich nach etwa 10 Meter seine Spuren. 1991 wurden an der Ostmauer von der RCHME neuerlich, ca. 0,4 Meter hohe Reste dieses Erdwalls beobachtet. An der Südostecke stieß man 1934 auf Spuren eines Wehrgrabens und des Erdwalls (1,5 Meter hoch). Er gehörte entweder zu einem früheren Holz-Erde-Kastell oder einem provisorischen Annex, der später dem Steinkastell im Osten angefügt wurde (vgl. hierzu auch Kastell Onnum). Sollte hier tatsächlich ein Holz-Erde-Kastell gestanden haben, müsste es erheblich größer gewesen sein als das nachfolgende Steinkastell.
Das Steinkastell entstand zur Zeit des Hadrian, hatte den für mittelkaiserzeitliche Lager typischen quadratischen Grundriss mit abgerundeten Ecken (Spielkartenform) und maß ungefähr 114 × 114 Meter. Es bedeckte eine Fläche von 1,2 ha, seine Längsachse war von Nordwest nach Südost ausgerichtet. Die nördliche Mauer verlief parallel zum ca. 350 Meter entfernten Hadrianswall. Die gesamte Nordwestseite des Lagers wurde im Laufe der Jahrhunderte durch den Cam Beck abgeschwemmt, etwa 30 Meter des Kastellareals dürften dabei verloren gegangen sein. Die restlichen 50 % sind heute vom ummauerten Garten des Herrenhauses überdeckt, der Rest ist mit Laubbäumen bepflanzt. Ein Teil der Südwestmauer und möglicherweise Überreste des nordöstlichen Walls kann man im Wald als bis zu 1,2 Meter hohe Geländeerhebung erkennen. An der südöstlichen Gartenmauer liegt eine weitere Erhebung. Der noch am besten erhaltene Abschnitt der Kastellmauer ist im südlichen Winkel des Rosengartens zu sehen, wo sie noch etwa eine Höhe von 1,6 Meter erreicht. Sie wurde ebenfalls bei der Gartengestaltung im 18. Jahrhundert stark verstümmelt. Das Kastell war zusätzlich von einem 4,8 Meter breiten Wehrgraben umgeben. Die Breite der Berme betrug etwa 3 Meter. Von den vier Lagertoren – eines auf jeder Seite – ist heute keines mehr sichtbar. Sie dürften nach mittelkaiserzeitlichem Standard mit einem doppelten Durchgang versehen und durch zwei Türme flankiert gewesen sein. Aufgrund der West-Ost-Ausrichtung des Lagers und der Nähe zur steil abfallenden Böschung oberhalb des Cam Beck, ist es sehr wahrscheinlich, dass das Osttor als Haupttor (porta praetoria) diente anstatt des Nordtores. Die Mauer wurde vermutlich von einer rückwärtig aufgeschütteten Erdrampe abgestützt die gleichzeitig als Wehrgang diente. Das Kastell verfügte wohl auch über die für mittelkaiserzeitliche Hilfstruppenlager standardmäßigen Innengebäude: im Zentrum ein Hauptquartier (principia), ein oder zwei Getreidespeicher (horrea) und Mannschaftskasernen (centuria). Die Lagerhauptstraße (via principalis) verband das West- mit dem Osttor.
Vermutlich befand sich 300 Meter nördlich des Lagers, südlich vom Standort des Wachturms 57b, ein Exerzier- und Paradeplatz. Man fand dort drei von Soldaten der Garnison gestiftete Altäre.RIB 1979, RIB 1981 und RIB 1991, Eric Birley 1961, S. 203–205, J.A. Biggins/D.J.A. Taylor 2007, S. 15–30.
Hadrianswall