mini|Handgezeichnete Karte um 1711

Kapf ist ein Dorf an der Lein, das zu Alfdorf im Rems-Murr-Kreis gehört und Teil der ehemaligen Gemeinde Vordersteinenberg war.

Lage mini|Blick auf Kapf vom Leintal Kapf liegt zwischen Alfdorf und Vordersteinenberg auf einer Kuppe über dem Leintal, nördlich des Flusses. Der Ort und die benachbarten Höfe und Mühlen zählen zum Streusiedlungsgebiet des Welzheimer Walds. Kapf liegt im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald.

Geschichte mini|Beschreibung 1790

Ersterwähnung

1342 wird ein Chúnradt der Heldening von „Kapff“ erwähnt.Hauptstaatsarchiv Stuttgart H 102/45 Nr. 36 Bl. 474r (Kopie von 1576), zitiert nach Reichardt S. 177.

Herrschaft

„Der befestigte Hof Kapf kontrollierte die Straße von Lorch nach Gaildorf, welche bei der Strübelmühle den Fluß überschritt. Er hatte für die Schenken von Limpurg hohe strategische Bedeutung, da er seit 1435 der südwestlichste Punkt ihres Wildbanns sowie des Gerichtsbezirks von Seelach war“, schreibt Wolfgang Runschke.Runschke S. 318. Er schließt sich damit an Ausführungen von Hansmartin Decker-Hauff 1949 an: „Hof Kapff ist eine mittelalterliche Wehranlage zur Sperrung der Straße vom Remstal ins Kochertal, von Lorch nach Gaildorf; er liegt genau dort, wo die Straße nach Überschreitung der Lein auf deren Nordufer den Berg hinaufsteigt und das Herrschaftsgebiet der Limpurger betritt. Der feste Hof stellt an strategisch wichtiger Stelle als südlicher Wachtposten der Herrschaft der Schenken von Limpurg, seine ganze Anlage ist wehrtechnisch aus seiner Stellung zur Straße und zur Lein erklärbar“.Decker-Hauff S. 9f.

1435 überließen die Brüder Konrad IV., Friedrich V. und Konrad V. von Limpurg dem Klaus Schenk den Hof Kapf und eine Fischenz (Fischrecht) in der Lein gegen 200 Gulden. Alle bisherigen Pachtzinsen entfielen. Nach Decker-Hauff erwarben die Schenken von Limpurg nach 1478 den Hof zurück und teilten ihn unter zwei Maiern auf, den 1574 genannten Kapffmeyern.Decker-Hauff S. 5. Das Hauptstaatsarchiv Stuttgart teilte mit: H 156 Bü 1 ist ein Lagerbuch [nach Runschke: um 1520] der Schenken von Limpurg (ohne Seitenzählung). Unter dem Ortsbetreff „Capff“ findet sich folgender Eintrag: „Dieser hoff mitsampt der vischentz ist versetzt worden vmb zweyhundert guldin anno 1435 vnd von wegen meiner gnedigen hern anno 1510 vmb die obgeschriben summa wider gelöst vnd des pfandbriefs haben inhaber der pfandtschafft emaln sy den heraus geben von ain Rat zu Gmund ain Vidimus genomen vff den tag als lesung gescheen ist“. Nach Rudolf von Andler waren in Kapf jeweils 1574 und 1576 ansässig: Paulin Kapffmaier, Wolf Kapffmaier, schenkischer Untertan und Maier in Kapf.

mini|Kapf lag im äußersten Südwesten des Oberamts Gaildorf Bis 1806 gehörte Kapf zur (ehemals limpurgischen) Herrschaft Gaildorf-Wurmbrand, Amt Gschwend.Beschreibung des Oberamts Gaildorf, S. 237. Nach der Übernahme durch Württemberg 1806 kam Kapf zum Oberamt Welzheim, 1808 als Teil des Stabs Spraitbach an das Oberamt Gaildorf.Königlich-Württembergisches Staatshandbuch (Juni 1808), S. XIV Google Books. Mit Vordersteinenberg wurde es 1938 dem Landkreis Schwäbisch Gmünd zugeordnet. Seit der Eingemeindung Vordersteinenbergs nach Alfdorf 1972 gehört Kapf zum Rems-Murr-Kreis.

1808 gab es in Kapf neben dem Stab Spraitbach noch das Limpurg-Gaildorf-Wurmbrandische Patrimonial-Land-Obervogteiamt Gaildorf, zu dessen Oberem oder Gschwender Amt die Schultheiserei Gschwend mit Kapf zählte.Königlich-Württembergisches Staatshandbuch (Juni 1808), S. 737 Google Books. 1833 verzichtete das fürstliche Haus Solms-Braunfels als Teilhaber des Wurmbrandischen Anteils der Grafschaft Limpurg-Gaildorf auf die Ausübung der Polizeigewalt unter anderem in Kapf.Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom 26. September 1833 Google Books. Rudolf Moser: Vollständige Beschreibung von Württemberg. Bd. 1, Stuttgart 1843, S. 528 Google Books sagt, dass die Gutsherrschaft in Kapf dem Fürst Solms-Braunfels gehörte.

Grundherrschaft

Als Grundherren nennt die Oberamtsbeschreibung:

das Kloster Lorch, das die Zehnten und das Siebzehner-Gut besaß,Zum Lorcher Besitz in Kapf: Runschke S. 318f. und öfter. Limpurg mit 1 (früh aufgeteilten) Hof und 3 Selden.

Der große Lorcher Hof gehörte zu den sogenannten Siebzehner-Gütern. 1576 hatte ihn Veit Weller und Frau inne.Adolf Diehl: Die Freien der Waibelhube und das Gericht der Siebzehner. In: Zeitschrift für württembergische Landesgeschichte 7 (1943), S. 209–288, hier S. 285 Internet Archive.

Nach dem Lorcher Lagerbuch 1576 bestand der Weiler damals aus vier Höfen, die teils Limpurg, teils dem Kloster Lorch gehörten.Von Andler.

Zum Patrimonialamt des Freiherren vom Holtz in Alfdorf gehörte 1808 als „außeramtliche Filiale“ Kapf, was den Schluss zulässt, dass mindestens ein Untertan des Freiherren in Kapf lebte.Königlich-Württembergisches Staatshandbuch (Juni 1808), S. 668 Google Books. Siehe auch ebenda, S. 701.

Einwohnerzahlen

1539 gab es in Kapf vier Häuser und etwa 24 Kommunikanten. Zum Vergleich: Alfdorf 213, Vordersteinenberg 30 Kommunikanten.Gustav Hoffmann: Reformation und Gegenreformation im Bezirk Welzheim. In: Blätter für württembergische Kirchengeschichte NF 14 (1910), S. 15–49, 119–138, hier S. 38 DigiZeitschriften (25 Kommunikanten) nach dem Visitationsbericht A 499 Bü 4 Nr. 2 vom 2. September 1539 unter Kapff: „hat IIII heuser vnd ob XXIIII communicanten vnd gibt den zehend gen Lorch“ (Mitteilung des Wortlauts durch das Hauptstaatsarchiv Stuttgart).

1737 27 Seelen, 6 Dienstboten.Prescher Bd. 2, S. 215.

1790 60 Seelen.Prescher Bd. 2, S. 215.

1828 93 Einwohner.Landeskirchliches Archiv Stuttgart A 29, Nr. 105.

1852 140 Einwohner.Beschreibung des Oberamts Gaildorf, S. 236.

1874 142 Einwohner.Verzeichnis der Ortschaften des Königreichs Württemberg, S. 116.

1906 113 Einwohner.Das Königreich Württemberg Bd. 3, S. 162.

1936 110 Einwohner.https://wiki.genealogy.net/W%C3%BCrttemberg/Staatshandbuch_1936/094.

Kirche

Aus dem um 1500 angelegten „Roten Buch“ des Klosters Lorch (im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt) erfährt man, dass es in Kapf eine der Großpfarrei Lorch zugeordnete Kapelle gab, die Peter von Kapf (eventuell um 1480) gestiftet hat. Die Seelsorge übernahm alle 14 Tage der Frühmesser von Alfdorf. Als Kapellenpatrone werden angegeben: Maria, Jacobus, Wendelin, Katharina und Barbara. Die Kirchweihe wurde am Sonntag nach dem Fest des Heiligen Ulrich begangen.Gebhard Mehring: Stift Lorch (1911), S. 79 Nr. 103 ULB Düsseldorf nach dem Roten Buch Seite 105, verzeichnet bei Gerhard Lubich: Auf dem Weg zur „Güldenen Freiheit“ (1168). Herrschaft und Raum in der Francia orientalis von der Karolinger- zur Stauferzeit. Husum 1996, ISBN 3-7868-1449-X, S. 269 Nr. 66. Den Eintrag zitiert auch Theodor Schön: Die abgegangene Kapelle im Weiler Karpf [!] Gemeinde Vorder-Steinberg OA. Gaildorf. In: Archiv für christliche Kunst 19 (1901), S. 7 UB Heidelberg. Er gibt ohne Quellenangabe für Peter von Kapf Belege zu 1470 und 1481 an, 1483 war er nach Schön bereits tot. Decker-Hauff S. 16 setzt ihn als Sohn des Klaus Kapf an und sagt, er sei zwischen 1485 und dem 23. Juni 1492 gestorben. Dagegen zitierte von Andler, der nicht davon überzeugt war, dass Peter von Kapf der Sohn des Klaus war, eine Lorcher Quelle, wonach 1483 Elisabeth Kapferin in Schorndorf, Witwe des Peter von Kapf an einem Rechtsstreit vor dem Seelacher Gericht beteiligt war. Eine Aufzeichnung des Lorcher Mönchs Augustin Seiz um 1515 weist die Siedlung Capff der zweiten klösterlichen Pfründe in Lorch zu.Gebhard Mehring: Stift Lorch (1911), S. 158 ULB Düsseldorf aus dem „Quartheft“ des Augustin (Hauptstaatsarchiv Stuttgart H 14 Bd. 175a, Bl. 4v–5r; Blattangabe nach Runschke). Zur Pfründe vgl. Klaus Graf in: Heimatbuch Lorch (1990), S. 91 UB Heidelberg.

Die limpurgische Obrigkeit und die beiden anderen Grundherrschaften (württembergisches Klosteramt Lorch, Freiherren vom Holtz in Alfdorf) schlossen sich der Reformation an. Daher gab es bis ins 19. Jahrhundert keine Katholiken im Ort. In der Pfarrbeschreibung von 1828 ist von 93 Evangelischen die Rede; Katholiken gab es keine.Landeskirchliches Archiv Stuttgart A 29, Nr. 105. 1874 kamen auf 133 Evangelische 9 Katholiken.Verzeichnis der Ortschaften des Königreichs Württemberg, S. 116. Noch 1936 waren von den 110 Einwohnern 109 evangelisch, nur einer katholisch.

Ortsname

Der auf die Siedlung übertragene Flurname bezeichnet häufig Aussichtsberge.Reichardt S. 177.

Namensformen mini|Namensform 1469

Es wurden alle von Lutz Reichardt 1993 veröffentlichten Belege berücksichtigt und durch weitere Nachweise ergänzt.

1342 „Kapff“ (Ersterwähnung in einer Urkunde, siehe oben).

1434 „Cappf“ (Urkunde, Kopie).Bestätigung der limpurgischen Reichslehen durch Kaiser Sigmund: Hauptstaatsarchiv Stuttgart H 14 Nr. 390, Bl. 48v–50r, zitiert nach Runschke S. 232 Anm. 830.

1442 „Capff“ (Urkunde).Bestätigung der limpurgischen Reichslehen durch Kaiser Friedrich III.: Staatsarchiv Ludwigsburg B 113 I U 18 Digitalisat. Regest nach anderer Überlieferung mit Namensform Cappff: Regesta Imperii.

1469 Peter Schenck von „Kappff“ (Urkunde).Hauptstaatsarchiv Stuttgart A 469 I U 449 Digitalisat.

1469 „Hanns von Kapff“, Schultheiß zu Alfdorf (Urkunde).Staatsarchiv Ludwigsburg B 177 S U 980 Digitalisat.

um 1500 in „Capff“ (Kopialbuch).Rotes Buch des Klosters Lorch (stark beschädigt: Hauptstaatsarchiv Stuttgart H 14 Nr. 175) S. 105 bei Gebhard Mehring: Stift Lorch (1911), S. 79 ULB Düsseldorf.

1507 „Kapf“ (Urkunde).Bestätigung der limpurgischen Reichslehen durch König Maximilian: Staatsarchiv Ludwigsburg B 113 I U 20 Digitalisat. Druck: Johann Christian Lünig: Corpus juris Germanici […] (1727), Sp. 1226 Google Books. Gleichlautend in weiteren kaiserlichen Lehenbriefen ebenda.

um 1515 „Capff“ (Aufzeichnung).Gebhard Mehring: Stift Lorch (1911), S. 158 ULB Düsseldorf aus dem „Quartheft“ des Augustin Seiz (siehe oben).

1520 „Kapff“ (Urkunde).Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Spitalarchiv U 720 Digitalisat.

1560 zu „Kapff“ (Kopie).Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Spitalarchiv I.a.2, zitiert nach Reichardt S. 177.

1570 zu „Kapff“ (Kopie 16. Jahrhundert).Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Spitalarchiv XV.5, zitiert nach Reichardt S. 177.

1575 „Capf“ (handgezeichnete Karte).Heinrich Schweickher: Atlas des Herzogtums Württemberg, Württembergische Landesbibliothek Stuttgart Cod. hist. qt. 102, Bl. 9r Digitalisat WLB Stuttgart.

1576 „Kapff“ (Urbar).Hauptstaatsarchiv Stuttgart H 102/45 Nr. 17 Bl. 84r, zitiert nach Reichardt S. 177.

1714 „Kapff“ (Druck).Fernerweite Deduction und Vorstellung [...]. Ohne Ort 1714, Anhang S. 28 Google Books.

1765 „Kapf“ (Druck).[...] Herzogl. Würtembergisches Adress-Buch [...] auf das Jahr 1765, S. 179 WLB Stuttgart.

1775 „Kapf“ (Druck).Heinrich Prescher: Geprüfte Nachrichten […] (1775), S. 76 Google Books.

1785 „Kapff“ (Druck).Herzoglich-wirtembergisches Adreß-Buch […] auf das Jahr 1786, S. 321 Google Books.

1790 „Kapf“ (Druck).Prescher Bd. 2, S. 215.

1852 „Kapf“ (Druck).Beschreibung des Oberamts Gaildorf, S. 239.

Als mundartliche Form erhob Lutz Reichardt: „khapf“.

Flurnamen

Aufgrund der topographischen Karte 7124 gab Reichardt zwei mit dem Ortsnamen in Verbindung stehende Flurnamen an: Kapffeld und Kapffeldle.Reichardt S. 177.

Bauwerke mini|Wappen derer von Kapf Die alten Bauernhäuser waren gestelzte Wohnstallhäuser mit daneben liegender Scheuer. Adolf Schahl hob 1983 vier Fachwerkhäuser hervor:Schahl S. 116.

Nr. 6 von 1861.

Nr. 7 von um 1800. Ein geschnitzter Eckpfeiler wies Palmette, Herz, Band- und Knospengehänge auf.

Nr. 11 Kleinbauernhaus (Selde).

Nr. 20 von um 1800.

Schlössle (abgegangen)