mini|Dallas Symphony Orchestra (2008) Das Dallas Symphony Orchestra (DSO) ist ein 1900 gegründetes Sinfonieorchester in Dallas, Texas. Es zählt zu den ältesten Orchestern der USA und versteht sich als größte Organisation für darstellende Kunst im Südwesten der Vereinigten Staaten.Mission Statement, mydso.com, abgerufen am 14. September 2018. Seit 1989 ist es im Morton H. Meyerson Symphony Center im Arts District beheimatet.
Zu den ehemaligen Orchesterleitern gehörten u. a. Antal Doráti, Walter Hendl und Georg Solti. Nachdem Jaap van Zweden 2018 seinen Abschied nahm, wurde Fabio Luisi ab der Saison 2019/20 designierter Musikdirektor und ab 2020/21 Musikdirektor.
Einordnung Das Dallas Symphony Orchestra ist das achtälteste Orchester der USA: nach New York (1842), Saint Louis (1880), Boston (1881), Chicago (1891), Cincinnati (1895), Pittsburgh (1895) und Portland (1896).Laurie Shulman: The Meyerson Symphony Center: building a dream. University of North Texas Press, Denton 2000, ISBN 1-57441-082-2, S. 2; vgl. Robert Finklea: What Sank the Dallas Symphony Orchestra – After 74 years? In: The New York Times, 9. Juni 1974, S. 1. Als erstes Orchester aus dem Süden der Vereinigten Staaten erreichte es den Status eines „major orchestra“.Ronald L. Davis: Classical Music and Opera. Bill C. Malone (Hrsg.): The New Encyclopedia of Southern Culture. Band 12: Music. University of North Caroline Press, ISBN 978-0-8078-3239-4, S. 43–48, hier: S. 45. Obwohl es nicht zu den traditionellen Big Five gerechnet wird, gehört es mit diesen zur „Group 1“ der League of American Orchestras und damit zu denjenigen 24 Orchestern mit dem höchsten Budget., americanorchestras.org, abgerufen am 14. September 2018. Die Hauptspielstätte des Sinfonieorchesters, die McDermott Concert Hall im Meyerson Center in Dallas, wird zu den besten Konzerthäusern der Welt gezählt. Hinsichtlich der Akustik rangiert das Konzerthaus in den USA hinter der Symphony Hall in Boston und der Carnegie Hall in New York.Vgl. Leo L. Beranek: Concert hall acoustics: Recent findings. In: The Journal of the Acoustical Society of America 139 (2016) 4, S. 1548–1556, .
Der ehemalige Chefdirigent Jaap van Zweden war mehrere Jahre, zuletzt nachgewiesen für die Saison 2015/16, der bestverdienende Orchesterleiter in den USA.Zachary Woolfe: Rising in Crescendo: Conductors’ Pay. In: The New York Times, 29. Juli 2018, S. AR6.
Geschichte
Deutschamerikanische Anfänge Die Gründung des ersten ständigen Sinfonieorchesters der Stadt im Jahr 1900 geht auf die Bemühungen des Deutschamerikaners Hans Kreissig zurück. Kreissig, der sich Ende des 19. Jahrhunderts in der texanischen Metropole sesshaft machte, war bereits 1890 an der Aufstellung des aus 21 Geigern bestehenden Dallas Symphony Club beteiligt.John William Woldt: Dallas Symphony Orchestra. In: Robert R. Craven (Hg.): Symphony Orchestras of the United States. Greenwood Press, New York u. a. 1986, ISBN 0-313-24072-8, S. 386–390, hier: S. 387. Im Mai 1900 gab dieses auf bis zu 40 MusikerDer Eintrag im Handbook of Texas Online spricht von 32 Musikern. angewachsene Orchester sein EinweihungskonzertTheodore Albrecht: Dallas Symphony Orchestra . In: Handbook of Texas Online, hochgeladen am 12. Juni 2010; geändert am 1. November 2015. in der Turner Hall.Die Turner Hall in Dallas war ein Gebäude der Dallas Turnverein Association und an der Ecke Harwood Street, Young Street und Canton Street, direkt gegenüber dem Dallas Scottish Rite Temple, gelegen. Kreissig dirigierte den überwiegend nicht aus professionellen Musikern bestehenden Klangkörper und war Klaviersolist. Neben der Musik von Hans Kreissig spielte das Orchester Werke von Joseph Haydn, Pietro Mascagni, Gioachino Rossini und Richard Wagner. Die ersten Jahre gab es ein bis zwei Konzerte pro Saison.
Kreissigs ebenso deutschstämmiger Konzertmeister Walter J. Fried sollte ihn 1905 beerben. Das Orchester nahm The Beethoven Symphony Orchestra als neuen Namen an.
Im Zuge der Amtsübernahme im Jahr 1911 durch Carl Venth, der sich als Violinist an der Metropolitan Opera verdient gemacht hatte, kamen etliche New Yorker Musiker mit nach Dallas, was einer Neubelebung gleichkam. Durch den deutschen Einfluss der Anfangsjahre nahm das Orchester verstärkt Musik von Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Johannes Brahms, Richard Wagner und Richard Strauss in sein Repertoire auf. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs und der damit verbundenen antideutschen Ressentiments sowie dem Auftreten von Influenza und Meningitis stellte das Orchester 1914 seine Arbeit ein.
Nach dem Ersten Weltkrieg stellte Walter J. Fried das Orchester neu auf und führte es bis zu seinem Tod 1925. In seiner zweiten Amtszeit gab das Orchester jährlich bis zu vier Konzerte.
Rosenfield-Ära: van Katwijk bis Kletzki Für die Belebung des Orchesters bewog John Rosenfield von der Dallas Morning News in den 1920er Jahren Unternehmer, für den Klangkörper zu spenden.Natalie Ornish: Pioneer Jewish Texans. Texas A&M University Press, Dallas 2011, ISBN 978-1-60344-423-1, S. 237. Er hatte fortan wesentlichen Einfluss auf die Auswahl der Dirigenten (van Katwijk bis Kletzki).John Rosenfield Collection, legacy.lib.utexas.edu, abgerufen am 26. September 2018.
Unter Paul van Katwijk von der Southern Methodist University wurden die Saison und die Programmgestaltung des mehrheitlichen Amateurorchesters zunächst ausgedehnt. Aufgrund mangelnder Nachfrage gab das Orchester 1937 allerdings kein Konzert.John William Woldt: Dallas Symphony Orchestra. In: Robert R. Craven (Hg.): Symphony Orchestras of the United States. Greenwood Press, New York u. a. 1986, ISBN 0-313-24072-8, S. 386–390, hier: S. 387f.
Im Jahr 1938 wurde Jacques Singer, ein Protegé Leopold Stokowskis, neuer Chefdirigent in Dallas. Nach dem Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg wurden Singer und etliche Musiker zum Militärdienst eingezogen, sodass das Orchester im Verlauf des Krieges erneut seine Arbeit unterbrach.John William Woldt: Dallas Symphony Orchestra. In: Robert R. Craven (Hg.): Symphony Orchestras of the United States. Greenwood Press, New York u. a. 1986, ISBN 0-313-24072-8, S. 386–390, hier: S. 388.
Rosenfield machte sich nach dem Zweiten Weltkrieg für eine Neuaufstellung und Professionalisierung des Orchesters stark. Als neuer Chefdirigent wurde der Ungar Antal Doráti berufen, der mit seinem Orchester 15 Abonnementkonzerte sowie Sonderkonzerte, Kinderkonzerte, Tourneen und Schallplattenaufnahmen anbot. Er ließ ungewöhnliche Werke von Robert Schumann und Felix Mendelssohn Bartholdy spielen. Außerdem setzte er, nicht immer zum Beifall seiner konservativen Gäste, auf moderne Stücke. So folgte der Violinvirtuose Yehudi Menuhin einer Einladung nach Dallas und spielte Bartóks zweites Violinkonzert. Weitere Gastkünstler waren u. a. José Iturbi, Leopold Stokowski und Artur Rubinstein.Robert Finklea: What Sank the Dallas Symphony Orchestra – After 74 years? In: The New York Times, 9. Juni 1974, S. 1. Am 9. Januar 1949 realisierte das Dallas Symphony Orchestra für die NBC-Serie Orchestras of the Nation die amerikanische Erstaufführung von Bartóks Oper Herzog Blaubarts Burg.OPERA BY BARTOK HAS DEBUT ON AIR. Dorati Leads Dallas Orchestra in U.S. Bow of 'Bluebeard's Castle' on NBC Network. In: The New York Times, 9. Januar 1949, S. 65. Außerdem vergab das Orchester in dieser Zeit mehrere Auftragskompositionen, etwa Paul Hindemiths Sinfonia Serena und Walter Pistons Symphonic Suite.
Nachdem Doráti 1949 zum Minneapolis Symphony Orchestra gewechselt war, übernahm Walter Hendl, dessen letzte Stelle ein ständiges Dirigat bei den New Yorker Philharmonikern war, die Orchesterleitung. Mit Ausnahme von 1955, wo er mit dem American Symphony Orchestra auf Tournee im Nahen Osten war, sollte er dem Orchester acht Saisons vorstehen. 1952 trat der Pianist Van Cliburn mit dem Orchester auf.
Unter Paul Kletzki zog das Orchester von der Music Hall at Fair Park zurück zum McFarlin Memorial Auditorium.John William Woldt: Dallas Symphony Orchestra. In: Robert R. Craven (Hg.): Symphony Orchestras of the United States. Greenwood Press, New York u. a. 1986, ISBN 0-313-24072-8, S. 386–390, hier: S. 388f.
Superlative und Gegensätze 1961/62 übernahm Sir Georg Solti das Orchester als leitender Dirigent („senior conductor“); gleichzeitig wurde er Musikdirektor des Royal Opera House in London.John William Woldt: Dallas Symphony Orchestra. In: Robert R. Craven (Hg.): Symphony Orchestras of the United States. Greenwood Press, New York u. a. 1986, ISBN 0-313-24072-8, S. 386–390, hier: S. 389. Solti, der später dem Chicago Symphony Orchestra vorstand, führte das Orchester in neue musikalische Sphären. Gleichzeitig begannen die Probleme.
Donald Johanos, der dem Orchester bereits als ständiger Dirigent und Hausdirigent bekannt war, folgte Solti. Er verantwortete eine 2,5 Millionen US-Dallar hohe Zuwendung der Ford Foundation und blieb bis 1970 im Amt. In den 1960er Jahren erhielt das Orchester auch einen ersten Plattenvertrag. Außerdem verantwortete er das Engagement von Paul Freeman, einem der wenigen Afroamerikaner im Amte eines (stellvertretenden) Dirigenten im Südwesten der Vereinigten Staaten.Daniel J. Wakin: Donald Johanos, 79, a Conductor of Symphony Orchestras. In: The New York Times, 6. Juni 2007, S. A21. In seiner Amtszeit verließen mit der Orchesterleitung unzufriedene ältere Musiker den Klangkörper, die Johanos durch junge Kollegen ersetzte. 1968 wurde das Dallas Symphony Orchestra Mitglied der International Conference of Symphony and Opera Musicians.Dallas Symphony Orchestra, icsom.org, abgerufen am 14. September 2018.
Anfang der 1970er Jahre versuchte Anshel Brusilow das Orchester mit der Reihe „Dallasound“ der Rock- und Popmusik zu öffnen. In der Folge aber stiegen die Kosten und ein jüngeres Publikum konnte nicht erreicht werden. Brusilow verließ schlussendlich das Orchester: er wurde Hochschullehrer an der University of North Texas und schrieb für den kommerziellen Markt.
Max Rudolf, der dem Orchester ab 1973 im fortgeschrittenen Alter als Dirigent vorstand, hob die Qualität des Klangkörpers, trat jedoch aufgrund einer desaströsen Finanzsituation im Januar 1974 von seinem Posten zurück.
Ein neues Management behob die finanziellen Probleme und Louis Lane führte das Orchester zu alter Größe. So wurde ab 1976 (bis in die Amtszeit von Mata hinein) der Leipziger Gewandhauskapellmeister Kurt Masur als erster Gastdirigent verpflichtet.
Bedeutungsgewinn Unter Eduardo Mata, der 1977 sein Amt antrat, entwickelte sich das Orchester weiter. 1977 wurde das Vokalensemble des Orchesters, der Dallas Symphony Chorus, begründet. Mata legte einen Schwerpunkt auf lateinamerikanische Komponisten wie Alberto Ginastera und Carlos Chávez Ramírez sowie Robert Xavier Rodríguez, der ab 1982 Composer in Residence war.John William Woldt: Dallas Symphony Orchestra. In: Robert R. Craven (Hg.): Symphony Orchestras of the United States. Greenwood Press, New York u. a. 1986, ISBN 0-313-24072-8, S. 386–390, hier: S. 386. 1981/82 ging das Orchester auf Auslandstournee nach Mexiko. An der Ostküste der Vereinigten Staaten war das Sinfonieorchester 1981 präsent. Es gastierte in der Carnegie Hall in New York und im Kennedy Center in Washington, D.C. sowie in Europa und Singapur. Auch kam das Orchester bei RCA und Dorian unter Vertrag. Von 1982 bis 1989 wurde der Konzertneubau (Morton H. Meyerson Symphony Center) organisiert.
Andrew Litton führte das Orchester erstmals ins Fernsehen; die Ausstrahlung von Amazing Music erfolgte 1995 auf dem A&E Network. Litton berücksichtigte verschiedene Musikrichtungen wie Jazz, Musik der Romantik und eine Kooperation mit der Folk-Gruppe Peter, Paul and Mary. Außerdem spielte er Werke von Richard Strauss, Dmitri Schostakowitsch und George Gershwin ein.