Der Evangelische Verein für Innere Mission Frankfurt am Main ist Träger sozialer Einrichtungen und Dienste in Frankfurt am Main und im Rhein-Main-Gebiet. Der Verein, seine Häuser und seine Beratungsstellen beschäftigen über 1.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in stationären und ambulanten Angeboten der Alten- und Krankenhilfe, der Kinder- und Jugendhilfe, der Sucht- und Wohnungslosenhilfe, der Prostituiertenberatung, der Bildung sowie in Service-Einheiten. Die Innere Mission Frankfurt ist eine gemeinnützige Organisation und Mitglied der Diakonie Hessen.
Geschichte Im Jahr 1850 wurde in Frankfurt am Main der Gesamtverein für Innere Mission aus bestehenden christlichen Hilfsvereinen gegründet. Er war einer von vielen Vereinen, die sich nach einer aufrüttelnden Rede des deutschen Theologen Johann Hinrich Wichern am 22. September 1848 auf dem ersten Evangelischen Kirchentag in Wittenberg in Folge der Gründung des Centralausschusses für die Innere Mission der deutschen evangelischen Kirche in allen Kirchregionen bildeten. Die Arbeit des Vereins wurde in den ersten Jahren wesentlich von dem evangelischen Pfarrer Gustav Schlosser und ab 1890 von dem Pfarrer und liberalen Politiker Friedrich Naumann geprägt. Schlosser trat 1873 aus dem hessischen Kirchendienst aus und war als Seelsorger in der Inneren Mission für Jungarbeiter, Obdachlose, Prostituierte und Dienstbotinnen tätig. Neben seiner Arbeit für die bestehenden christlichen Vereine schuf er weitere Einrichtungen, wie die Herberge zur Heimat, das Magdalenum für Prostituierte, eine Stadtmission und das Vorasyl zur vorübergehenden Unterbringung gefallener Mädchen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg konzentrierte sich die Arbeit der Inneren Mission Frankfurt auf die stationäre Betreuung und Pflege älterer Menschen. In den 1970er und 1980er Jahren kamen Angebote für Aids- und Drogenkranke sowie für Prostituierte hinzu. Traditionelle Arbeitsbereiche wie das Bahnhofshospiz, die Bahnhofsmission und eine Buchhandlung mit Verlag gingen an andere Träger über oder wurden eingestellt.
Der Evangelische Verein für Innere Mission Frankfurt wird vom Vorstand mit den beiden hauptberuflichen Vorstandsmitgliedern Pfarrerin Clarissa Graz und dem Gesundheitsökonomen Holger Hothum geleitet. Die Beratung und Aufsicht des Vorstandes erfolgen über den Verwaltungsrat mit bis zu zehn Mitgliedern unter dem Vorsitz von Wilfried Knapp. Der Verwaltungsrat setzt sich aus Fachleuten für Finanzen, für Personal, für Immobilienmanagement, für Bau und Architektur und Juristen zusammen.
Einrichtungen der Inneren Mission Frankfurt
Seit 1850 verbindet die Innere Mission Frankfurt praktizierte christliche Nächstenliebe mit den Herausforderungen der modernen Gesellschaft von heute und morgen. Die Einrichtungen der Inneren Mission Frankfurt haben den Menschen in seiner Besonderheit im Blick: wertschätzend und ressourcenorientiert.
In der Altenpflege wurden seit Jahrzehnten immer wieder richtungsweisende Konzepte umgesetzt, die bis heute bundesweit vorbildlich sind. Die fünf Altenwohnanlagen – vom selbstständigen betreuten Wohnen bis zur stationären Langzeitpflege mit Sterbebegleitung – sind Lebensorte, die Würde bewahren und eine besondere Atmosphäre ausstrahlen. Auch für Menschen mit Behinderungen, für Sucht- und Aidskranke sowie für Schüler und Kindergartenkinder gibt es Angebote. Zudem betreibt die Innere Mission Frankfurt eine eigene Schule, das Bildungszentrum für Pflege im Hufeland-Haus, das für alle offen und staatlich anerkannt ist. Menschen im Wachkoma finden ebenfalls professionelle Pflege und Betreuung. Darüber hinaus unterhält die Innere Mission Frankfurt mit dem Projekt TAMARA eine Beratungsstelle für Prostituierte in Frankfurt. Die Organisations- und Qualitätsberatung der Inneren Mission Frankfurt unterstützt nicht nur andere Altenheime und Altenpflegeschulen, sondern auch ambulante Pflegedienste, Betreutes Wohnen und Kindertagesstätten.
Altenhilfe und Pflege
Hufeland-Haus Im November 1964 wurde das Alten- und Krankenheim der Inneren Mission in Frankfurt-Seckbach, Wilhelmshöher Straße 34 () eröffnet und 1974 in Widmung des Arztes Christoph Wilhelm Hufeland umbenannt. Richtungweisend war bereits in den ersten Jahren die Einrichtung eines Betriebskindergartens zur Behebung des Personalmangels. Der Gerontologe Siegfried Gößling wurde 1971 Geschäftsführer und prägte den Begriff der aktivierenden Pflege, der zum wesentlichen Bestandteil zeitgemäßer Konzepte der Rehabilitation und Geriatrie wurde. Die Umsetzung erfolgte ab 1973 durch Einführung der Ergotherapie und des Betreuten Wohnens in den Anwesen Wilhelmshöher Straße 18b und 18c, der ersten Tagespflege Deutschlands im Hufeland-Haus. Es folgten 1974 die Aufnahme der Physiotherapie, 1976 Inbetriebnahme eines Hilfezentrums mit Bewegungsbad und Hydrotherapie, sowie im gleichen Jahr Essen auf Rädern und Mobile Dienste/Hilfen zur Haushaltsführung. Im Jahr 1977 wurde die Altenpflegeschule aus Schloss Meerholz übernommen und 1989 der ambulante Pflegedienst gegründet.
Der Kundenstamm am Standort Hufeland-Haus umfasst ca. 800 Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen. Ca. 250 Menschen wohnen dauerhaft im Hufeland-Haus. Es verfügt über
132 stationäre Plätze in der Altenpflege, davon 10 für Kurzzeitpflege 47 Wohnpflegeplätze für Menschen mit Behinderungen 60 Wohnungen für Betreutes Wohnen.
Zusätzlich besuchen etwa 40 Menschen aus dem Frankfurter Osten regelmäßig die Tagespflege. Gäste aus dem Haus und der Umgebung besuchen das Tagesrestaurant.
Die Kita Hufeland-Haus bietet 48 Plätze, davon 24 Plätze für Kinder unter 3 Jahren. Das Bildungszentrum für Pflege im Hufeland-Haus (BiZeP) stellt 180 Schulplätze bereit. Die Therapiepraxis leistet – auf ärztliche Verordnung – Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie für Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses, aber auch für Menschen aus unserem Quartier.
Das Hufeland-Haus beschäftigt ca. 250 Mitarbeitende und wird von 40 Menschen ehrenamtlich unterstützt.
Schloss Meerholz Das ehemalige Nonnenkloster in Gelnhausen () und früherer Wohnsitz einer Seitenlinie der Grafen von Ysenburg wurde im Jahre 1942 von der Stadt Frankfurt am Main erworben und als Schullandheim genutzt. Die amerikanische Militärregierung gab das Anwesen auf Bitten der Inneren Mission zur Nutzung als Altersheim frei. Die Anfang der 1970er Jahre eingerichtete Altenpflegeschule wechselte 1977 ins Hufeland-Haus. 1972 wurde bundesweit erstmals Bewegungs- und Beschäftigungstherapie mit gezielten Übungen und Trainingsmethoden Im Pflegedienst eingesetzt. In den 1980er Jahren wurden Schwerstpflegebedürftige, eine Schreinerwerkstatt und das Haus Wichern im alten Amtsgericht Hanauer Landstraße 23 mit Kurzzeitpflege in den Betrieb integriert. 1995 konnte das Haus Ysenburg, Hanauer Landstraße 53, Gelnhausen, als Abteilung für jüngere behinderte Pflegebedürftige und 2010 die Wachkomastation mit Namen Gräfin Karoline eingeweiht werden. 2016 war der Neubau Haus im Park im idyllischen Schlosspark mit Teich fertig und konnte bezogen werden.
Im Schloss Meerholz werden jüngere und ältere Menschen nach ihren individuellen Gewohnheiten und Bedürfnissen gepflegt, versorgt und betreut. Für Menschen mit erworbenen schwersten neurologischen Hirnschädigungen (apallisches Syndrom/Wachkoma der Phase F) stehen 25 Plätze zur Verfügung.
Das Pflege-, Hilfe-, Unterstützungs-, Betreuungs- und Versorgungsnetz baut auf über 65 Jahren Erfahrung und Kompetenz, mit der die Kultur der stationären Pflege in Deutschland mitgeprägt wurde. Schloss Meerholz ist das erste Pflegeheim in Deutschland, das Beschäftigungstherapie für Menschen mit Behinderungen erprobt und dafür bereits 1972 eine eigene Abteilung eingerichtet hat. Die Einrichtungen bestehen aus mehreren spezialisierten Häusern und Wohnbereichen mit jeweils eigenen Pflege- und Betreuungskonzepten. Zusätzlich zur vollstationären Dauerpflege werden Kurzzeitpflege sowie Tagespflege und ein Mittagstisch für Gäste im Kaisersaal des Schlosses angeboten.
Haus am Urselbach Im Alten- und Pflegeheim Haus am Urselbach, Hohemarkstraße 174, Oberursel (), werden 105 Menschen in den Pflegegraden 2 bis 5 in Dauer- oder Kurzzeitpflege betreut. An Demenz erkrankte Bewohnerinnen und Bewohner können in einer Hausgemeinschaft zusammenleben. Das Haus wurde im Jahre 1987 von der Inneren Mission Frankfurt zunächst angemietet und 2000 gekauft und 2011 durch zusätzliche Neubauten erweitert.
Nellinistift mini|Frankfurter Diakonissenhaus Stifterin des 1913 gegründeten Nellinistiftes ist Rose Livingston (1860–1914). Sie war die Tochter des ursprünglich aus Idstein in die USA ausgewanderten jüdischen Viehhändlers Marks Löwenstein, der 1866 als Millionär nach Frankfurt zurückkehrte. Unter dem Einfluss ihrer Erzieherin Minna Noll („Nelli“) trat Rose Livingston 1891 zum evangelischen Glauben über, getauft wurde sie in der Paulskirche. Nachdem „Nelli“, mit der sie bis zu deren Tode im Haus Myliusstraße 32 zusammenlebte, gestorben war, stiftete Rose Livingston dem Frankfurter Diakonissenhaus das „Nellinistift“ als Heimstatt für alleinstehende ältere Frauen evangelischen Glaubens. Zusätzlich stellte sie eine Million Reichsmark zur Verfügung.
Seit 1911 ist das Frankfurter Diakonissenhaus auch eine landes-kirchlichen Anstaltsgemeinde.Geschichte der Gemeinde, auf diakonisse.de, abgerufen am 25. Juni 2025
Das Nellinistift ist eine Einrichtung der vollstationären Pflege. In 68 Einzelzimmern und 13 Doppelzimmern finden 94 Bewohnerinnen und Bewohner Platz. Sie sind in das Mehrgenerationenzentrum Diakonissenhaus eingebunden. So bestehen etwa enge Kontakte zur Arbeit des Kinderhauses mit seinem Spielplatz im Park, in dem das Haus liegt.
Elisabeth-Maas-Haus Das Elisabeth-Maas-Haus, Andréstraße 102, Offenbach am Main () ist ein Altenpflegeheim mit 69 Plätzen in sechs Wohnbereichen. Diese vergleichsweise geringe Größe ermöglicht einen sehr persönlichen Kontakt zwischen Bewohnerinnen und Bewohner, Mitarbeitenden und Angehörigen. Das Elisabeth-Maas-Haus ist eine gemeinnützige GmbH, Mehrheitsgesellschafter ist der Evangelische Verein für Innere Mission Frankfurt am Main.
Bis 2011 befand sich das Haus in alleiniger Trägerschaft des Evangelischen Frauenvereins Offenbach am Main, der seit seiner Gründung vor über 100 Jahren (und seit 2012 als Freundeskreis Evangelischer Frauenverein) die Geschichte und Geschicke des Hauses bis heute prägt.
Ambulanter Pflegedienst KONTAKT Die KONTAKT – Freie-Alten- und Krankenpflege gGmbH leistet häusliche Hilfe und Pflege im Frankfurter Osten. Das Angebot richtet sich an Menschen jeden Alters mit verschiedensten Hilfebedarfen und mit unterschiedlichen sozialen, familiären, kulturellen und ökonomischen Hintergründen. Auch für Menschen mit psychischen Erkrankungen ist KONTAKT da. Die Hilfen werden von der Innenstadt bis nach Bergen-Enkheim und Fechenheim angeboten.
Die Angebote an die Klientinnen und Klienten richten sich nach deren Bedürfnissen im körperlichen, psychosozialen und hauswirtschaftlichen Bereich. Das Ziel ist, dass Menschen auch in Krisensituationen Entscheidungsmöglichkeiten haben und ein möglichst selbständiges und selbstbestimmtes Leben führen können.
KONTAKT – Freie Alten- und Krankenpflege gGmbH ist Ausbildungsbetrieb in einem großen Verbund.
Der ehemalige Pflegedienst „KONTAKT e.V.“ wurde 1979 gegründet, damit alte Menschen bei Hilfe- und Pflegebedürftigkeit ein qualifiziertes Angebot erhalten und so lange in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können, wie sie möchten. Der heutige Pflegedienst KONTAKT – Freie Alten- und Krankenpflege gGmbH gründete sich 2023 im Verbund mit dem ambulanten Pflegedienst des Hufeland-Hauses. Dieser besteht seit 1989 und arbeitet in enger Vernetzung mit den weiteren Angeboten des Hufeland-Hauses. Beide Pflegedienste sind in der Trägerschaft des Evangelischen Vereins für Innere Mission Frankfurt und des Fördervereins Kontakt – Freie Alten- und Krankenpflege e. V.
Sucht- und Wohnungslosenhilfe
Stiftung Waldmühle