Karl Reitz (* 31. Januar 1887 in Köln; † 10. Februar 1943 in BerlinStandesamt Berlin-Mitte, Sterbeurkunde Nr. 712 vom 12. Februar 1943 (Landesarchiv Berlin)) war ein deutscher Bratschist.
Leben und Wirken Karl Ludwig Peter Reitz war das erste Kind von Carl Reitz und Juliane Reitz, geb. Meister, aus der Koblenzer Kunsthandelsfamilie Meister (siehe auch Simon Meister). Nach dem Besuch der Realschule studierte er von 1903 bis 1909 bei Bram Eldering am Kölner Konservatorium. Als Solo-Bratscher arbeitete er von 1909 bis 1919 im Orchester des Stadttheaters Kiel, von 1920 bis 1924 am Deutschen Opernhaus in Berlin und von 1924 bis zu seinem Tod 1943 hatte er 19 Jahre die Position des Solo-Bratschers der Staatskapelle Berlin, also des Orchesters der Staatsoper Unter den Linden, inne.
Kammermusikalisch gehörte Reitz 1919 als 2. Geiger zu den Gründungsmitgliedern des renommierten (zweiten) Busch-Quartetts, das er allerdings nach gut einem Jahr wieder verließ.Busch, Adolf. In: Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie. 2., überarbeitete und erweiterte Ausgabe, Band 2. K. G. Saur, München 2005, ISBN 3-598-25032-0, S. 240 Die Freundschaft mit dem Bratschisten Emil Bohnke, der ebenfalls im Buch-Quartett mitwirkte, führte dazu, dass Reitz um 1920 einige Zeit mit seiner Familie bei dessen Schwiegervater Franz von Mendelssohn im Palais Mendelssohn in Berlin-Grunewald wohnte.
Ab 1920 war Reitz Mitglied im Quartett von Leopold Premyslav (1884–1952, Konzertmeister der Berliner Staatsoper) und 1925 ersetzte er den Bratschisten Willibald Wagner im Deman-Streichquartett, bestehend aus Rudolf Deman (1. Violine), Emil Kornsand (2. Violine) und Carl Dechert (Violoncello).
Im Bruinier-Quartett, benannt nach seinem Gründer und Primarius August Heinrich Bruinier, spielte Reitz als Nachfolger von Karla Höcker ab 1937 die Bratsche. Weitere Mitglieder waren zunächst Margarethe Schmidt-Laipa, später Fritz Wehmeyer (2. Violine) und am Violoncello Hans Chemin-Petit, gefolgt von Paul Blumenfeld sowie Carl Dechert. Nach Reitz’ Tod wurde das Bruinier-Quartett 1944 kriegsbedingt aufgelöst.
Reitz erlitt im Alter von 56 Jahren während der Probe zu einem Mozart-Werk einen Herzanfall und starb kurz darauf in der Berliner Charité.„Während der Probe zu einem Mozart fällt ihm der Boden aud der Hand...“. Tagebuch der Käthe Kollwitz, zitiert in Walter Kempowski: Das Echolot, Band 3, S. 688
Privates Karl Reitz war in erster Ehe mit der Violinistin Henni Marie Reitz, geb. Kähler (1891–1973), in zweiter Ehe ab 1928 mit Hildegard Reitz, geb. Ehlers (1896–1989), verheiratet und hatte vier Kinder.
Über seinen Bruder Hans Walter Reitz (1888–1955), Vertreter der Stilrichtung Neues Bauen in Deutschland,Hans Walter Reitz, Köln ArchitekturHans Walter Reitz, Neue Sachlichkeit Dresden lernte Reitz den Maler Albert Aereboe kennen. Um 1917 beauftragte er Aereboe, das Wohnzimmer in der Holtenauer Straße 59a in Kiel-Brunswick mit Wandmalereien und integrierten Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen zu einem Interieur zu gestalten. Die Möbel wurden nach Entwürfen von Hans Walter Reitz gefertigt. Dieses Werk hat sich ebenso wenig erhalten wie die Villa in der Kranzallee 55 in Berlin-Westend, die Hans Walter Reitz später für seinen Bruder realisierte und die bei einem der Luftangriffe der Alliierten auf Berlin zerstört wurde.
Tondokumente Für die Deutsche Grammophon nahm Reitz als Mitglied des Deman-Quartetts zwischen 1926 und 1930 Streichquartette von Beethoven (op. 18,4, op. 59,3 und op. 132), Dittersdorf (Es-Dur-Quartett), Glasunow (Interludium), Mozart (Dissonanzenquartett KV 465) und Schubert (Quartette D 87, D 804, D 810 sowie 5 Deutsche Tänze) auf. Schuberts Streichquartett Nr. 13 „Rosamunde“ D 804, aufgenommen im Januar 1928, ist vollständig im Internet Archive anzuhören.
Auf Parlophon erschien eine Aufnahme des Forellenquintetts mit dem Edith-Lorand-Quintett (Edith Lorand, Violine; Karl Reitz, Bratsche; Armin Liebermann, Violoncello; Max Skibicki, Kontrabass und Michael Raucheisen, Klavier), aufgenommen am 15. Juni 1928.
Am bekanntesten dürfte seine Mitwirkung als einer der Solisten in einer Aufnahme des Don Quixote mit der Staatskapelle Berlin unter der Leitung des Komponisten Richard Strauss sein. Seine Kollegen waren Enrico Mainardi (Violoncello) und Georg Kniestädt (Violine), aufgenommen im Oktober 1933 (Deutsche Grammophon, anzuhören auf YouTube).
Schließlich begleitete er zusammen mit Bruno Seidler-Winkler am Klavier die Altistin Friedel Beckmann in den Zwei Gesängen für eine Altstimme mit Bratsche und Klavier op. 91 von Johannes Brahms, aufgenommen im Februar 1939 (Electrola, anzuhören im Internet Archive op. 91,1 und op. 91,2).Reitz, Karl in GHT-BASE WEB
Dazu existieren Rundfunkaufnahmen.
Literatur Reitz, Karl. In: Erich H. Müller (Hrsg.): Deutsches Musiker-Lexikon. Limpert, Dresden 1929, Sp. 1135 (Online). (Einträge beruhen auf Eigenauskunft der Künstler.) Brigitte Maaß-Spielmann: Der Maler Albert Aereboe, 1889–1970. (= Schriften der Kunsthalle Kiel. Band 9). Kiel 1983, ISBN 3-923701-04-7, S. 77. (zgl. Phil.Diss. der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel 1981).
Weblinks
Wolfgang Amadeus Mozart: Trio für Klavier, Klarinette und Bratsche mit Karl Reitz, Henrich Geuser, Michael Raucheisen auf deezer.com Adolf Busch-Quartett (Anzeige mit Bild und zeitgenössischen Kritiken) in: Signale für die musikalische Welt Nr. 17, 1920
Einzelnachweise
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