Die Liste der Kinos im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf gibt eine Übersicht aller Kinos, die im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf existiert haben oder noch existieren. In der Liste sind die Ortsteile entsprechend der Bezirksgrenzen seit der Reform 2001 beachtet. Nach der Verwaltungsnummer sortiert: Charlottenburg, Wilmersdorf, Schmargendorf, Grunewald, Westend, Halensee, wobei es in Charlottenburg-Nord keine Kinos gab. __TOC__
Einleitung Die Verteilung von Kinos im Bezirk ergibt sich aus Besiedlungsgeschichte und Bevölkerungsverteilung. In den kinorelevanten Jahren ab 1910 gehörte der Bereich um den Kurfürstendamm („City West“) zum Kernbereich Berlins und war bei der Ansiedlung früher „Kintöppe“ und der großen Lichtspieltheater für die Investoren und Inhaber interessanter als die zentrumsferneren Ortsteile. So entstand als zentraler Standort mit dichterer Anordnung. Auch das Berlinale-Festival fand nach den Anfangsjahren im Steglitzer Titaniapalast hier den Ausgangspunkt. Im Bezirk wurden – wie für Berlin weithin – aus vielen geschlossenen Kinos in der Kinokrise der 1960er Jahre Supermärkte.
Eine Vollständigkeit der Liste ist nicht zu garantieren. In den 1910er Jahren boomte der Bedarf an Kintöppen und oft genügte ein Vorführapparat in einem Gastraum.Hans Land: Lichtspiele: Aus: Mitunter ist auch das Nachverfolgen zu den älteren Kinos erschwert, da die Inhaber und Betreiber auch Kaufleute, Gastwirte und Hausbesitzer waren. Besonders in der Frühzeit wurde mitunter die Ehefrau aus steuerrechtlichen Gründen als Kinoinhaberin eingesetzt.
Übersicht im Bezirk Die Aufstellungen von Kinos im (Groß-)Bezirk wurden nach den Ortsteilgrenzen entsprechend der Bezirksreform von 2001 aufgeteilt. So orientieren sich diese Listen noch an den beiden Alt-Bezirken Charlottenburg und Wilmersdorf. Die 66 Kinos des Ortsteils Charlottenburg wurden in eine gesonderte Charlottenburger Liste aufgenommen. Daher werden historische Strukturen hier innerhalb des Artikels erwähnt, jedoch nicht separat zum Bezirk strukturiert. Für Wilmersdorf waren 23 Kinos, für Schmargendorf fünf Kinos sowie eines in Grunewald und je sechs in Westend sowie Halensee recherchiert worden.
Die zwölf Kinos der Ortsteile Grunewald, Halensee, Schmargendorf sind in einer nach Ortsteilen sortierbaren Gesamtliste zusammengefasst. Die 23 Kinos des Ortsteils Wilmersdorf sind in der Liste der Kinos in Berlin-Wilmersdorf zusammengefasst.
Kinos im Altbezirk Charlottenburg Im Ortsteil Charlottenburg-Nord bestanden niemals Kinos. Sechs Kinos in Westend sind in der anschließenden Westend-Liste aufgenommen.
Im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf bilden die 66 Kinos im Ortsteil Charlottenburg den weitaus größten Anteil. Dies spiegelt sich darin wider, dass von den aktiven Kinos in Berlin die folgenden sechs Spielstätten im Ortsteil liegen:
Astor Filmlounge, seit 1948 Cinema Paris, seit 1950 Delphi-Filmpalast am Zoo, seit 1949 Filmkunst 66, seit 1951 Kant Kino, seit 1905 Zoo Palast, seit 1957
Kinos des Altbezirks Wilmersdorf Wilmersdorf entwickelte sich ab 1886 mit dem ersten Bebauungsplan von einer ländlichen Gemeinde zum vornehmen Wohnbezirk. Damit einher ging der Bau „hochherrschaftlicher“ Wohnhäuser für zahlungskräftige Bewohner aus ganz Berlin. Im damaligen Vergnügungsviertel um den Wilmersdorfer See gab es um 1910 laut „Wilmersdorfer Zeitung“ bereits drei Kinematographentheater mit zusammen 600 Plätzen.
Entsprechend der fortschreitenden Bebauung entstanden die ersten Kinos im Bereich des Dorfkerns in der Berliner-, Uhland- und Blissestraße vorwiegend als Ladenkinos oder wie im Falle der Amor Lichtspiele mit angefügtem Kinosaal. Der erste eigenständige Kinobau entstand 1913 in der Berliner-Straße mit dem Wittelsbach-Palast. 1926 entstand durch Friedrich Lipp das Großkino Atrium mit mehr als tausend Sitzplätzen und aufwendiger Gestaltung, das auch Besucher aus ganz Berlin anlockte. Schließlich folgt 1927 noch das Universum im WOGA-Komplex am Kurfürstendamm von Erich Mendelsohn, das die Reihe der Kurfürstendamm-Kinos abschließt. Am oberen Ende des Kurfürstendamms, in Halensee knüpfen die Rote Mühle und das Rivoli an die Tradition der Ausflugslokale und des nahe gelegenen Lunaparks an.
Um die vielen im Krieg zerstörten Kinos zu ersetzen, entstehen in den umliegenden Ortsteilen Behelfskinos wie das Pax in der Aula des Hildegard-Wegscheider-Gymnasiums. Als einziger Neubau entstehen 1956 die Melodie Lichtspiele am Roseneck in Schmargendorf. Die einzigen überlebenden Kinos sind das Bundesplatz-Studio am Bundesplatz und die Eva Lichtspiele in der Blissestraße. Das Graffiti in der Pariser Straße schloss als letztes Off-Kino 1996 seine Tore.
Kinoliste von Wilmersdorf
Name/Lage Adresse Bestand Beschreibung Amor-Lichtspiele----Neue Lichtspiele () WilmersdorfUhlandstraße 81 1911–1943 Auf dem Doppelgrundstück Uhlandstraße 81/82 betrieb der Kreistaxator sein technisches Büro und 1911 wurden zwei Neubauten errichtet. Im Nachbarhaus 83/84 war 1910 der Kinematographenbesitzer Julius Umlauf als Berliner Neubürger (im Einwohnerteil vorher nicht eingetragen) im Erdgeschoss eingezogen. 1911 wurde auf dem vorher unbebauten Grundstück Uhlandstraße 80 ein Neubau der Gebrüder Wohlfahrt errichtet. Vom Bildhauer Otto Wohlfahrt (Wilmersdorf, Mannheimer Straße 30) folgte ein Bau auf dem Teilgrundstück Nr. 81 des vorherigen Doppelgrundstücks 81/82. Ursprünglich waren in 81 LadengeschäfteS. Hänsel, A. Schmitt: Kinoarchitektur 1895–1995. 1995, ISBN 3-496-01129-7, S. 232. vorgesehen.Die beiden Wohnhäuser der Wohlfahrts boten je zehn Mietern Platz. Uhlandstraße 81 ist Wohnsitz von Otto Wohlfahrt, Bildhauer Fritz Wohlfahrt ist Eigentümer des Hauses Mannheimer Straße 30 (mit 19 Mietern). Josef Umlauf ist im Gewerbeteil mit „Kinematographentheater“ und im Einwohnerteil als „Kinematographenbesitzer“ im Haus der Spediteure Franzkowiak und Kurzhals Uhlandstraße 83/84 parterre notiert. Nachdem das Nachbargrundstück einbezogen und die Brandmauer (zwischen 80 und 81) durchbrochen wurde, konnte ein seitlich aus dem Gebäude heraustretender Theatersaal erbaut werden. In diesem wurden am 11. November 1911 die „Neuen Lichtspiele“ eröffnet.Amor-Lichtspiele in Kino Wiki Die Leinwand am Ende des ebenerdigen Zuschauerraums lag in drei Meter Höhe, die Projektion erfolgte darüber hinweg. Josef Umlauf (Kinematographische Vorstellungen) zog 1912 in die Mannheimer Straße 43.Aus den Berliner Adressbüchern 1911/6135 + 1912/6331 + 1913/6164 ergibt sich, dass die Westseite der Mannheimer Straße unbebaut war. Auf dem Grundstück 30 an der Ecke Mecklenburgische Straße stand das Mehrfamilienhaus (20 Mieter) von Bildhauer Otto Wohlfahrt, dieses wird im Jahr 1911 aufgegeben. Die östlichen Grundstücke um die Mecklenburgische Straße (nun mit Paretzer Straße) bis zur Wilhelmsaue waren parzelliertes Bauland und werden neu nummeriert ab 1912 bebaut, wobei die Strelitzsche Straße neu eingebunden wurde. Die Bildhauer Wohlfahrt bauten 1911 in der Uhlandstraße 80 und 81 neu, sie gehören ab 1912 dem Kaufmann Pinkus aus Berlin der 1914 in die 80 einzog. Der Bildhauer Fritz Wohlfahrt wohnt in Uhlandstraße 81, wo auch der Kinosaal ist. Der Kinobesitzer Josef Umlauf ist von der Uhlandstraße 83/84 in die Mannheimer Straße 43, wo die Mietshäuser 40-44 zwischen Wilhelmsaue und Berliner Straße schon vor 1910 gebaut waren. Bemerkenswert ist der Bildhauer Otto Wohlfahrt der 1914/3557 seine Werkstatt in S 59 (Neuköllner Seite) Kottbusser Damm 92 hat. Hier befand sich seit 1913 das Neuköllner Kukuk-Lichtspielhaus. Die Nutzung des Kino-/ Theatersaals in der Uhlandstraße 81 bleibt bis zur Benennung als „Amor“ nicht eindeutig belegt, bei den Gewerbetreibenden ist weder die Adresse noch ein Besitzer unter kinematographische Vorstellungen genannt. Jedoch zog Otto Wohlfarth mit seiner Bildhauerwerkstatt nach Neukölln auf das Grundstück auf dem seit 1913 ein Lichtspielhaus bestand. Ab 1915 führt Fritz Wohlfahrt aus der Erlanger Straße 12 in Neukölln Hermannstraße 49 das Vorgängerkino des 1925 neu erbauten Palast-Kino Stern (Ufa im Stern). Nicht Josef Umlauf als Kinematographenbesitzer, sondern 1913 ist Conrad Umlauf (Buchbinder, Kinobesitzer) in Neukölln, Hermannstraße 55 aufgenommen. 1913 ist in W 50 Neue Ansbacher Straße 14 im Gartenhaus Fritz Staarzum Kinounternehmer Fritz Staar: als Cafetier benannt.Fritz Staar (* 16. Mai 1877, † 1957) war ein Kinounternehmer aus Berlin-Wilmersdorf. 1918 übernahm der Berliner Kinobesitzer Friedrich Staar die damaligen Potsdam Residenz–Lichtspiele. Er stellte als erster einen Kiosk für die Kartenabreißer auf. Am 26. März 1929 wird die Vereinigung sämtlicher Potsdamer Kinotheater unter der Direktion Staar bekanntgegeben. Seit 1929 gehören in Wilmersdorf die Arkadia-Lichtspiele (Be-Ba-Lichtspiele) zu den „Filmtheaterbetriebe Fritz Staar“. Ab 1930 übernahm die „Berliner Lichtspieltheater A.G.“ von Fritz Staar das Wilmersdorfer Kino: Atrium (Beba-Palast). Ab 1933 führte Staar das Babylon Kinovariete am Bülowplatz. Im Jahre 1934 wurde das Onkel-Tom-Kino von Fritz Staar erbaut und seit 1937 wurde er Inhaber der Meraner Lichtspiele (Royal). 1952 1953 übernimmt er das Lumina-Filmtheater in Zehlendorf und in Neukölln das Maxim-Filmtheater. 1957 führt seine Ehefrau Eva Staar die „Filmtheaterbetriebe Fritz Staar“ weiter und Eva und Ingeborg Staar. 1960 wird diese Gesellschaft Inhaber vom Palast-Kino Stern (Ufa im Stern) zu welchem Fritz Staar bereits über die UFA Rechte besaß.
Ab 1914 ist Fritz Staar als Lichtspieltheaterbesitzer mit einer Wohnung in der Lauenburger Straße 4 im I. Stock (das Wohnhaus steht Ecke Uhlandstraße 106) eingetragen. # # # Im Kinoadressbuch ist für 1917 der Name „Amor-Lichtspiele“ zur Uhlandstraße 81 aufgenommen,Recherche im Kino Wiki der Lichtspieltheaterbesitzer Wilhelm Gentes wohnt im Haus, der andere Teilhaber Kinobesitzer Fritz Staar (mit der Anmerkung im Adressbuch: „s. Gentes und Staar“) wohnt noch Lauenburger Straße 4. Die „Amor-Lichtspiele“ hatten 365 bis 400 Plätze, es gab täglich Vorführungen und Programmwechsel am Freitag und Dienstag, für die Zuschauerkapazität von 400 Plätzen sind fünf Kinomusiker eingesetzt.Marline Otte: Jewish Identities in German Popular Entertainment, 1890–1933: der jüdische Cellist Liebenbaum (Russe) spielte in den Amor-Lichtspielen. , Cambridge 2006. Mindestens ab 1924 betreibt Fritz Staar die Lichtspiele zeitweise als alleiniger Teilhaber. 1927 ist die National-Film-Theater GmbH für das Amor und andere Berliner Groß-Kinos vorübergehend als Kinoinhaber. Fritz Staar hat die Direktion für das Amor. 1928 ist Joachim Kühns und um 1930 ist Max Wehner der Geschäftsführer von Fritz Staar („Filmtheaterbetriebe Fritz Staar“).1) Verzeichnis der Lichtspieltheater: Kino-Adreßbuch vom Verlag Max Mattisson. 2) Reichs-Kino-Adressbuch, 1930, neunte Ausgabe (nach amtlichem Material bearbeitet). Verlag der „Lichtbildbühne“. Im Jahr 1930 wurde nur an drei bis vier Tagen der Woche vor 375 Plätzen gespielt. 1930 erfolgte in den Amor-Lichtspielen der Einbau der Tonfilmeinrichtung von Klangfilm. 1933 erfolgte ein Umbau im Eingangsbereich mit Schriftzug und Neonbeleuchtung. Der Zugang erfolgte weiterhin von der Uhlandstraße durch einen Vorraum mit Kasse und das Vestibül. Die Bestuhlung im Saal erhöhte sich auf 421 durch Umbau der rückwärtigen Reihen. 1938 wurde Herbert Zakogowski, 1938/1940 war Heinz SplawskiAmtliches Fernsprechbuch für den Bezirk der Reichspostdirektion Berlin. Ausgabe Juli 1940, Stand 9. März 1940, S. 22: Amor-Lichtspiele, Wilmersdorf, Uhlandstraße 81, 86 29 88. und ab 1941 wurde Robert Bauch Geschäftsführer von Fritz Staar.