Krakow am See ist eine Stadt im Süden des Landkreises Rostock in Mecklenburg-Vorpommern. Sie ist Sitz des Amtes Krakow am See, dem vier weitere Gemeinden angehören. Seit dem Jahr 2000 ist Krakow staatlich anerkannter Luftkurort. Krakow bildet für seine Umgebung ein Grundzentrum.Regionales Raumentwicklungsprogramm Mittleres Mecklenburg/Rostock 2011 - Zentralorte und perspektivische Entwicklung, Planungsregion MMR, abgerufen am 12. Juli 2015.
Geographie Geographische Lage Die Stadt liegt nördlich der Mecklenburgischen Seenplatte am Nordwestufer des stark gegliederten, buchten- und inselreichen Krakower Sees, dessen Fläche zu etwa 80 % zum Stadtgebiet gehört. Der Südteil des Krakower Sees sowie weitere Seen (u. a. Alter Dorfsee, Bossower See, Derliener See, Langsee und Schwarzer See) sind Teil des Naturparks Nossentiner/Schwinzer Heide. Krakow am See liegt etwa 18 Kilometer südlich der Kreisstadt Güstrow.
Nachbargemeinden (im Uhrzeigersinn, von Norden beginnend) sind: Mühl Rosin, Hoppenrade, Kuchelmiß, Dobbin-Linstow, Plau am See, Neu Poserin, Dobbertin, Reimershagen und Zehna.
Stadtgliederung Zu Krakow am See gehören folgende Ortsteile:
Geschichte Geschichte der Stadt Mittelalter und Frühe Neuzeit Krakow am See, eine altmecklenburgische Landstadt, wurde am 21. Mai 1298 erstmals urkundlich erwähnt. Der Name ist slawischen Ursprungs, könnte „Ort der Krähen“ bedeuten oder von krk („Hals“) abgeleitet sein, bezogen auf die Form des Krakower Sees. Die Stadt war im Mittelalter der Sitz der Fürstenlinie Werle-Güstrow und mitunter Tagungsort der mecklenburgischen Landesfürsten. An die ehemalige Burg erinnert heute nur noch der Name „Burgplatz“ in Krakow. 1325 kam es hier zum ersten Hostienschändungsprozess in Mecklenburg, als Fürst Johann II. mehrere ansässige Juden rädern ließ. Eine Kapelle entstand dort und zog Pilger an. Der Berg, an dem dies geschah, heißt heute „Jörnberg“ (von „Judenberg“).Almuth Wagner: Art. Krakow am See. In: Irene Diekmann (Hg.): Wegweiser durch das jüdische Mecklenburg-Vorpommern. Verlag für Berlin-Brandenburg, Potsdam 1998, ISBN 3-930850-77-X, S. 142–151.
Ab 1436 zu Mecklenburg gehörig, wurde Krakow landtagsfähig im Lande und war eine der Städte im Wendischen Kreis, die bis 1918 auf mecklenburgischen Landtagen der 1523 vereinten Landstände vertreten waren. Die Einwohner Krakows lebten von Handel, Handwerk, Gewerbe, Fischerei, Landwirtschaft und der Wollweberei. Die Stadt erlebte mehrere Großbrände, zuletzt 1759. Die heutige Stadtanlage lässt kaum Strukturen aus der Zeit von vor diesem Ereignis erkennen.
19. Jahrhundert mini|Synagoge 1821 wurde ein jüdischer Friedhof angelegt, auf dem die letzte Beisetzung 1936 stattfand. Er ist beim Novemberpogrom 1938 beschädigt und 1950 wieder hergerichtet worden. 1866 errichtete die jüdische Gemeinde von Krakow eine Synagoge am Schulplatz. Sie gehört zu den wenigen jüdischen Gotteshäusern in Mecklenburg, die die Zerstörung von 1938 überstanden. Der Grund war, dass sie bereits 1920 an die Stadt verkauft worden war, die sie dem Arbeiterturn- und Sportbund „Fichte“ als Turnhalle zur Verfügung stellte, die bis 1986 genutzt wurde. Seit 1986 wird sie als Kulturhaus bzw. als Krakow-am-See-Information genutzt.
1842 wurde auf dem Mühlenberg eine Holländerwindmühle errichtet, die 1975 nach einem Blitzschlag abbrannte. 1874 gründete sich eine Freiwillige Feuerwehr.Ralf-Peter Odebrecht: Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Krakow am See. In: Krakower Seen-Kurier, Jg. 24 (2014), Heft 5, S. 30. 1875 entstand das Rathaus am Markt, und 1882 erhielt Krakow Eisenbahnanschluss an Güstrow und Plau.
20. und 21. Jahrhundert 1905 erfolgte die Eröffnung einer ersten Badeanstalt unterhalb des Jörnbergs, die 1935 an ihren heutigen Standort etwas südlicher verlegt wurde. 1908 eröffnete das Kurhaus Schützenhof (heute Seehotel). Auf dem Lehmwerder wurde 1910 ein Gedenkstein für Fritz Reuter gesetzt.
1935 erhielt die Stadt Krakow den heutigen Namen Krakow am See. 1939 erklärte man den Krakower Obersee zum Naturschutzgebiet.
Während des Zweiten Weltkrieges bestand von 1943 bis 1945 am Altdorfer See ein KZ-Außenlager des KZ Ravensbrück, in dem 150 bis 200 weibliche Häftlinge lebten, die in den Getreidehallen Zwangsarbeit bei der Produktion von Flugzeugteilen für die Rostocker Heinkelwerke verrichten mussten. Von 1945 bis 1946 dienten der Ehmk- und Lehmwerder als sowjetisches Gefangenenlager, auf dem Gebiet um den Jörnberg waren bis zu 12000 Menschen untergebracht.
Von 1952 bis 2011 gehörte Krakow am See zum Kreis Güstrow (bis 1990 im DDR-Bezirk Schwerin, danach im Land Mecklenburg-Vorpommern). Seit der Kreisgebietsreform 2011 liegt die Stadt im Landkreis Rostock.
Von 1955 bis 1958 entstanden die Bootshäuser am Krakower Stadtsee. 1956 wurde Krakow am See durch Beschluss des Rates des Kreises Güstrow zum Kurort. Nach dem Ende der DDR wurde ab 1991 der historische Stadtkern im Rahmen der Städtebauförderung saniert. Seit 2000 ist Krakow am See „Staatlich anerkannter Luftkurort“.
Geschichte der Ortsteile Bellin mini|Dorfkirche Bellin. mini|Schloss Bellin. In Bellin befindet sich die spätromanische um 1230 erbaute Dorfkirche Bellin mit einem steinernen Sarkophag, einem Taufsteinbecken, Schnitzfiguren sowie Wand- und Deckenmalereien, sie hat außerdem eine hervorragende Akustik. Das Jagdschloss Bellin wurde für den Hamburger Reeder Henry B. Sloman erbaut. Die Familie Sloman wurde 1945 enteignet und erwarb das Anwesen nach der Wiedervereinigung 1990 zurück.
In den 1980er Jahren befanden sich Kinder aus Südwestafrika, die von der SWAPO in die DDR vermittelt wurden, in einem Kinderheim in Bellin. Vor der Rückführung nach Namibia, das im März 1990 unabhängig geworden war, waren 134 Kinder im Vorschulalter in Bellin. Der Rücktransport im August 1990 erfolgte auf der Grundlage eines Regierungsabkommens zwischen der neuen DDR-Regierung und Namibia.„18. Dezember 1979: Ossis aus Namibia“. In: Jan Eik, Klaus Behling: „Verschlusssache. Die größten Geheimnisse der DDR“. Verlag Neues Berlin, Berlin 2008, ISBN 978-3-360-01944-8.
mini|Ehemaliges Gutshaus Charlottenthal. Charlottenthal Ende des 18. Jahrhunderts, nach der Geschichtsschreibung 1793, ließ der 1788 gerade geadelte Kammerrat Otto Conrad Hahn, verstorben ohne Erben 1805,Gustav von Lehsten: Der Adel Mecklenburgs. J. G. Tiedemann, Rostock 1864, S. 94. das Gut Grube in Charlottenthal umwandeln,Wolf Lüdeke-von Weltzien: Das Land Werle, Gross- und Klein-Tessin. Buch- und Bildverlag, Nagold 2001, ISBN 3-926341-14-9, S. 63 f. um die Verwechslung mit einem anderen Gut Grube bei Bristow zu vermeiden.Friedrich Lisch (Hrsg.): Jahrbücher des Vereins für meklenburgische Geschichte und Alterthumskunde. Einundzwanzigster Jahrgang, In Commission Stiller, Rostock/Schwerin 1856, S. 116 f. Vor 1840 wurde die Ortschaft mit einem Teerofen und den Nebenbesitz Blechern und Krug unter Ober-Amtmann Franz Degener erwähnt.Grosherzoglich-Me(c)klenburg-Schwerinscher Staats-Kalender. 1837. Hofbuchdruckerei, Schwerin 1837, S. 89. 1843 wurde hier ein Herrenhaus im Stil der Tudorgotik von Baumeister Theodor Krüger für die Gutsbesitzerfamilie von Christian Wilhelm EngelGrosherzoglich Meklenburg-Schwerinscher Staats-Kalender 1850. Hofbuchdruckerei, Schwerin 1850, S. 221.Quartalbericht des Vereins für meklenburgische Geschichte und Alterthumskunde. XXI.2. Schwerin, den 7. Januar 1856, S. 2. errichtet. Ab 1898 war das Anwesen ein Gestüt des Generalmajors, Rennreiter sowie Präsident der Rennvereine, Florentin von Schmidt-Pauli (1850–1914). Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil B (Briefadel). 1939. Einunddreißigster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1938. Siehe: FamilySearch. Zunächst übernahm seine Erbengemeinschaft, dann sein 1877 geborener Sohn Theodor von Schmidt-Pauli, Hauptmann a. D. Ihm werden um 1914 Umbauten am Herrenhaus nach Entwürfen von Paul Korff zugeschrieben.Elke Onnen, Ulrike Volkhardt (Hrsg.): Paul Korff. Ein Architektenleben. Werksverzeichnis, Lukas Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-86732-263-8, S. 23. In den 1920er Jahren war die Begüterung Charlottenthal ohne Nebenflächen 587 ha groß, davon 203 ha Forsten. Das Hauptgut Charlottenthal mit Blechern war ein Allodgut, also ein frei vererbbares Gut. Es stand unter der Verwaltung von Hrn. J. von der Wense. Das Nebengut Krug mit rund 17 ha war verpachtet an den Mühlenbesitzer B. Wever, Windfang mit 11 ha war lange in Pacht bei dem Offizier Hans-Wilhelm Herwarth von Bittenfeld (1888–1953),Hans Friedrich von Ehrenkrook et al.: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). 1957. Band III, Band 15 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Glücksburg/Ostsee 1957, S. 233 f. seine Familie wohnte noch 1940 dort.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil A (Uradel). 1941. Vierzigster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1940, S. 165. Nach 1945 wurde das Gebäude des Gutshauses bis 1998 zu Wohnzwecken genutzt. Seit 2005 befand sich dort ein brasilianisches Steak-Haus. Bei einem Brand in der Nacht auf den 11. April 2016 wurden große Teile des Gebäudes zerstört. Die Südfassade ist noch weitestgehend erhalten.
Grüner Jäger
Im Süden des heutigen Stadtgebiets, an der Grenze mehrerer Forstgebiete und Landstraßen, entwickelte sich nach der Errichtung eines Kruges der Grenzort Grüner Jäger, dessen Bedeutung mit dem Bau befestigter Straßen und der Eisenbahnlinie jedoch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts abnahm und 1945 wüst fiel.
Marienhof Marienthal wurde erstmals 1807 im Mecklenburgischen Staatskalender genannt als eine „Pertinenz“ (Nebengut) des Landgutes Bellin. Die Umbenennung in Marienhof erfolgte 1822. Das Gut gehörte unter anderem den Familien von der Osten-Sacken (ab 1806), von Behr (ab 1850) und Bronsart von Schellendorff (ab 1877). Es wurde in den 1930er Jahren aufgesiedelt. Das Herrenhaus Marienhof entstand um 1880, war nach 1945 im Eigentum der Gemeinde und wurde nach 1995 zu einem Hotel und Veranstaltungsort umgebaut.
Eingemeindungen Alt Sammit, Bossow und Möllen wurden am 1. Juli 1950 eingemeindet.Statistisches Bundesamt (StBA)-Wiesbaden (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7. Charlottental kam am 1. Januar 2002 hinzu.StBA (Hrsg.): Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2002. Bellin folgte am 1. Januar 2005.StBA (Hrsg.): Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2005.
Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 3495 1995 3200 2000 3111 2005 3626 2010 3294 2015 3509 Jahr Einwohner 2020 3412 2021 3422 2022 3381 2023 3384 2024 3324
Stand: 31. Dezember des jeweiligen JahresStatistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern: Statistischer Bericht. Bevölkerungsstand. Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Der Bevölkerungsanstieg zwischen 2000 und 2005 ist auf die Eingemeindungen von Charlottenthal und Bellin zurückzuführen.
Politik mini|hochkant=0.7|Rathaus. Stadtvertretung Die Stadtvertretung von Krakow am See besteht aus 14 Mitgliedern. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 68,5 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024.
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 CDU 30,0 % 4 27,3 % 4 SPD 22,6 % 3 19,8 % 3 Unabhängige Wähler Krakow am See (UWK) 9,3 % 2 18,3 % 3 Einzelbewerber Hilmar Fischer 6,3 % 1 10,0 % 1 Die Linke 16,2 % 2 9,6 % 1 Heimatverein Charlottenthal 10,5 % 2 7,3 % 1 Einzelbewerber Stephan Muske – – 3,0 % 1 Einzelbewerberin Franziska Frischgesell – – 2,4 % – FDP 2,2 % – 2,3 % – Einzelbewerber Karl-Heinz Kleinpeter 1,4 % – – – Einzelbewerber Axel Pfannenschmidt 0,9 % – – – Einzelbewerber Martin Dutz 0,5 % – – – Insgesamt 100 % 14 100 % 14
Bürgermeister