Holmead, geboren als Clifford Holmead Phillips (* 2. Oktober 1889 in Shippensburg, Pennsylvania, USA; † 22. Februar 1975 in Brüssel, Belgien) war ein US-amerikanischer Maler. Der stilistisch vielseitige Autodidakt malte hauptsächlich Landschaften und Porträts.

Leben Jugend und Ausbildung Der einzige Sohn des Möbelfabrikanten John Clifford Phillips und dessen Ehefrau Anna Margaret geb. Kelso zog schon als Kind die Natur, die seine Fantasie anregte, der Gesellschaft anderer Kinder vor. Schon früh zeigte er einen Widerwillen gegen die zahlreichen technischen Entwicklungen seiner Zeit und absolvierte zunächst zwischen 1908 und 1912 eine handwerkliche Ausbildung in der Möbelfabrik seines Vaters. Dieser schenkte ihm zu seinem 21. Geburtstag ein Auto, das er aufgrund seiner Abneigung gegenüber Automobilen, der mit ihnen verbundenen Zerstörung der Natur und ihrer Gefahr für andere, verkaufte und gegen eine Schiffspassage tauschte. Im April 1912 reiste er auf der Olympic nach Europa. Während seiner Überfahrt sank die Titanic, das Schwesterschiff, auf ihrer Jungfernfahrt nach New York. Obwohl ein einschneidendes Ereignis in seinem Leben, betrachtete er dieses Unglück jedoch anscheinend nicht als beängstigendes Ergebnis des rasanten technischen Fortschritts, denn es sollten noch weitere ca. 24 Atlantiküberquerungen im Laufe seines Lebens folgen.

Bei seiner ersten Europareise verbrachte er mehrere Monate in Frankreich, vor allem in Paris, in Italien, Deutschland und England. Er besuchte dort die Museen und beschäftigte sich intensiv mit der europäischen Kunst und besonders mit den Alten Meistern. Bei seiner Heimreise stand sein Entschluss, selbst Maler zu werden, fest. Während sein Vater darüber entsetzt war, unterstützte ihn die Mutter nach ihren Möglichkeiten. Clifford Holmead Phillips wollte sich selbst zum Maler ausbilden, die Schulen und Akademien empfand er als zu einschränkend. In seiner autodidaktischen Fortbildung aber folgte er zunächst genau deren Vorgaben. Zwischen 1913 und 1924 reiste er zu zahlreichen amerikanischen Museen – auch Naturkundemuseen –, besuchte Galerien und Ausstellungen, studierte, skizzierte und zeichnete, was ihn besonders beeindruckte und brachte später seine eigenen Vorstellungen auf die Leinwand.

Etwa ab 1920 schloss er sich verschiedenen Künstlerkolonien in Neu England an. Erste Stationen waren Mystic und Old Lyme in Connecticut sowie Gloucester. 1922 folgte ein längerer Aufenthalt in Provincetown (Cape Cod), wo 1923 erstmals einige seiner Bilder im Rahmen einer Ausstellung der Art Association gezeigt wurden. Es waren zarte, luftige Idyllen, traditionelle Landschaften in einem spröden, silbrigen Licht, einsame Farmhäuser und Bäume. Aber er empfand die dort praktizierte Malerei zunehmend als zu schön und suchte nach neuen Anregungen.

1924 reiste er wieder nach Europa, wo er nun einen jahrelangen Aufenthalt geplant hatte und bis 1931 vorwiegend in Brügge (Belgien) lebte. Von dort aus unternahm er zahlreiche Reisen in andere Länder, und besonders oft besuchte er Paris. Die Wintermonate verbrachte er vorwiegend in New York. In Paris sorgte der Anblick eines Werkes des französischen Expressionisten und Fauvisten Maurice de Vlaminck für eine grundsätzliche Änderung seiner Kunstauffassung. Vlamincks dynamische Linienführung und die starken Farben beeindruckten Clifford Holmead Phillips so sehr, dass er sich mehr und mehr der expressiven Richtung anschloss, seinen Stil später selbst aber als „Crude Expressionism“ bezeichnete, eine raue, schnörkellose Version. Er malte vorwiegend Landschaften und Stadtansichten. 1925 lernte er seinen späteren Freund und Förderer François Monod kennen, damals Assistenzkurator am Pariser Musée du Luxembourg. 1926 wurden Clifford Holmead Phillips Bilder im Rahmen der „121st Annual Exhibition of Paintings and Sculpture“ der Pennsylvania Academy of the Fine Arts, Philadelphia, gezeigt.

Künstlerischer Durchbruch 1927 fand die erste europäische Einzelausstellung in der berühmten Pariser Galerie Bernheim-Jeune statt„Les Faubourgs de New York“, Peintures de Holmead Phillips, exposées du 7 au 18 Novembre 1927; Exhibition Flyer M.M. Bernheim-Jeune, Editeurs d’Art, Paris. François Monod hielt den EinführungsvortragPréface de François Monod; Exhibition Flyer M.M. Bernheim-Jeune, Editeurs d’Art, Paris, und nicht nur der französische Innenminister Albert Sarraut, der amerikanische Generalkonsul in Paris, Alphonse Gaulin, und Charles Masson, Direktor des Musée du Luxembourg mit seinem Stellvertreter Monod waren gekommen, sondern auch „tout Paris“ war anwesend, um die Arbeiten des schon im Vorfeld lebhaft diskutierten Amerikaners zu sehenThe New York Herald, Paris, 2. November 1927. Die Bilder zeigten den anwesenden Europäern sein Land so, wie der Künstler es sah. Sie waren vorwiegend im Stil des Amerikanischen Realismus und der Neuen Sachlichkeit gemalt: Eine New Yorker Vorstadt, Schlepper mit ihren schwarzen Rauchfahnen auf dem Harlem River, eine rote Straßenbahn, alte Häuser aus bemaltem Holz mit Balkonen, Straßen mit düsteren Backsteinhäusern und den immer gleichen Gesimsen und Fenstern, aber auch ärmliche Kartoffeläcker auf Cape Cod, eine einsame, tief eingeschneite Farm oder ein ödes, herbstliches Feld. Diese Ausstellung war der Durchbruch für Clifford Holmead Phillips, und noch im selben Jahr zeigte die New Yorker Montross Gallery erstmals seine Werke. 1928 folgte dort eine zweite Ausstellung„Paintings of 'Main Street' and other Subjects“ by Holmead Phillips; February 13th – 25th 1928; Exhibition Flyer Montross Gallery, New York sowie Ausstellungen im Brooklyn Museum, New York, und im Detroit Institute of Arts. Sie alle waren so erfolgreich, dass Bernheim-Jeune 1929 eine weitere Ausstellung in Paris„Peintures de Holmead Phillips” exposées du 2 au 13 Décembre 1929 chez M.M. Bernheim-Jeune, Editeurs d’Art, Paris durchführte, und die ebenso berühmte Galerie Durand-Ruel 1930 sowie 1931 Holmeads Arbeiten in ihren Pariser und New Yorker Räumen präsentierte„Paintings by Holmead Phillips, February 15th to 28th 1930 sowie January 15th to 31st 1931; Exhibition Flyer Durand-Ruel Gallery, New York.

Leben und Mittleres Werk 1933 lebte Clifford Holmead Phillips in München, wo die Galerie Heinemann seine Bilder ausstellte„Holmead Phillips, New York” 11. März bis 1. April 1933; Ausstellungsflyer Galerie Heinemann, München. Der Verkaufserlös ging vollständig an junge Münchner Künstler der Moderne. Er hatte bereits begonnen, selbst eine Sammlung aufzubauen und hoffnungsvolle Maler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu fördern. In München lernte er seine spätere Frau, die Bremer Fotografin Elisabeth Fritze, kennen und machte in Berlin u. a. die Bekanntschaft von George Grosz, den er erst in den USA wiedersah. 1934 stellte die Montross Gallery Holmeads Kunstsammlung unter dem Titel „Austro-German Modern“ aus„Austro-German Modern“, January 15th to 27th 1934; Exhibition Flyer Montross Gallery, New York. Diese Galerie, die den Maler einige Jahre lang in Amerika vertrat, zeigte 1934 und 1935 seine jeweils neuesten Werke in Einzelausstellungen.

1936 befreundete Clifford Holmead Phillips sich in New York mit Katherine S. Dreier, einer amerikanischen Malerin, Kunstmäzenin und Kunstsammlerin. Am 29. April 1920 hatte sie zusammen mit Marcel Duchamp und Man Ray in ihrer New Yorker Wohnung die „Société Anonyme Inc.“ zur Förderung moderner Kunst in den USA gegründet mit dem Ziel, später in ihrem Landhaus in Redding (Connecticut) ein Museum der modernen Kunst zu eröffnen. 1936 hatte Dreier ein erstes Werk von Phillips Die klugen und die törichten Jungfrauen, in die Sammlung aufgenommen, die sie 1941 als Folge der Gründung des New Yorker Museum of Modern Art der Yale University Art Gallery übergab„Collection of the Sociéte Anonyme: Museum of Modern Art 1920“, Yale University Art Gallery, New Haven; published for the Association in Fine Art 1950.

1936 und 1937 reiste Clifford Holmead Phillips erneut nach Europa und ließ sich zunächst in Stockholm, dann in Amsterdam und Den Haag nieder, ehe er 1938 nach Brüssel übersiedelte. Das Palais des Beaux Arts präsentierte seine WerkeExhibiton Flyer, Palais des Beaux-Arts, Bruxelles, du 4 au 15 Mars 1939 fast zeitgleich mit einer Einzelausstellung von Constant Permeke ein Jahr später. Danach zog er nach Oslo, wo eine Ausstellung von 36 seiner Bilder unter dem Titel „Malereien zum Menschlichen Drama“„Menneskelige Drama“ av Holmead Phillips, Amerikansk Maler, April 1940; Exhibiton Flyer, Kunstforeningen i Oslo im großen Künstlerhaus der Stadt, dem Kunstforeningen, stattfinden sollte. Aber als am Eröffnungstag, dem 9. April 1940, deutsche Truppen in Norwegen einmarschierten, wurde sie sofort geschlossen und er verließ Europa auf Umwegen. Sein Hab und Gut, das er in Oslo eingelagert hatte, kam erst 6 Jahre später in seinem Haus in Riverdale (New York) an. Holmead, wie er sich nun verkürzt nannte, konnte mit seiner Familie über Frankreich, Italien und Spanien am 18. Juli 1941 von Lissabon aus zurück nach New York reisen.

Nach dem Bruch mit Europa und dem Eintritt der USA in den Krieg befand sich Holmead in einer Schaffenskrise und durchlief eine Zeit der Selbstfindung. Er war noch unruhiger also sonst, zog bald nach St. Louis (Missouri), dann weiter nach Milwaukee, Rockport, Cape Anne (Massachusetts) und kam während dieser Jahre kaum noch zum Malen. Nachdem er zwei Ausstellungen bei Museen in Massachusetts abgelehnt hatte, zog er im Sommer 1945 nach Old Lyme (Connecticut), wo er schon als junger Künstler nach dem Ersten Weltkrieg in der Künstlerkolonie gelebt hatte. Endlich wollte er wieder den Anschluss an das Kunstleben in New York finden und kaufte das Haus in Riverdale (New York). Schon in der vertrauten Umgebung von Neu England hatte er wieder begonnen zu malen, aber nun spielte die ihn umgebende Landschaft keine Rolle mehr. Er malte manchmal in einer neuen, schon auf das Spätwerk hinweisenden Spachteltechnik nicht mehr nach der Natur, sondern schöpfte bei seinen wenigen Landschaften und Häusern aus düsteren Erinnerungen. Vor allem aber fesselten ihn nun Themen, die sich mit den Tragödien der Menschheit auseinandersetzten: Motive aus der Bibel, der klassischen Mythologie und der Dichtung, das Grauen des technischen Fortschritts im Krieg und das der Atombombe, aber auch humorvolle, spöttische, manchmal bittere Satire.