Als Galveston-Hurrikan wird der Hurrikan bezeichnet, der am Samstag, dem 8. September 1900 die texanische Stadt Galveston zerstörte. Mit durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten von über 200 Kilometern pro Stunde und Böen, die bis zu 300 Kilometer pro Stunde erreichten, war der Galveston-Hurrikan ein Sturm der Kategorie 4 auf der heutigen Saffir-Simpson-Hurrikan-Windskala.

Der Hurrikan forderte eine hohe Zahl von Todesopfern, welche von manchen Quellen auf 6000, von anderen auf bis zu 12.000 geschätzt wird. Die meisten offiziellen Berichte gehen von 8000 Todesopfern aus. Damit ist der Galveston-Hurrikan der atlantische Sturm, der die drittgrößte Anzahl an Todesopfern forderte, nach dem sogenannten Großen Hurrikan von 1780 und Hurrikan Mitch im Jahre 1998. In den USA ist der Galveston-Hurrikan neben Hurrikan Katrina aus dem Jahr 2005 eine der Naturkatastrophen, die die meisten Menschenleben forderte und die größten Verwüstungen anrichtete.

Anders als heutige Hurrikane erhielt der Hurrikan von 1900 keine offizielle Bezeichnung. Man kennt ihn aber unter den Namen Galveston-Hurrikan von 1900 oder Großer Galveston-Hurrikan (Great Galveston Hurricane im englischen Sprachraum). Ältere Quellen bezeichnen die Naturkatastrophe gelegentlich auch als die Galveston-Flut.

Die Stadt Galveston Geographische Lage mini|260px|Ausschnitt aus einer modernen Karte von Texas mit dem Küstenabschnitt, in dem Galveston liegt Zu der Katastrophe, die sich im September 1900 an der texanischen Küste abspielte, trug wesentlich die besondere geographische Lage von Galveston im Golf von Mexiko bei (). Die Stadt liegt auf einer der Küste vorgelagerten, langgestreckten schmalen Insel, die zugleich die südliche Grenze der Galveston Bay bildete. Die höchste Erhebung der Insel befand sich im Jahre 1900 mitten in der Stadt auf dem Broadway und lag lediglich über dem Meeresspiegel. Die meisten Inselgebiete erhoben sich jedoch nur wenig mehr als 1,3 Meter über den Meeresspiegel. Stieg der Meeresspiegel um 30 cm an, wie bei einer normalen Flut üblich, überspülte das Meerwasser mehr als 300 Meter der Strandbreite.

Verbunden mit dem Festland war die Insel durch eine Straßen- sowie drei Eisenbahnbrücken. Die Eisenbahnverbindung in Richtung Beaumont nutzte jedoch auch Fähren, auf die die Züge mitsamt den Passagieren verladen wurden.

Der wichtigste texanische Hafen Die Stadt Galveston war gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine prosperierende Stadt mit einer Bevölkerung von 38.000 Einwohnern. Es gab eine Straßenbahn, drei Konzertsäle für die kunstinteressierte Bevölkerung, und die Stadt verfügte bereits über elektrisches Licht. 20 Hotels aller Kategorien hielten Zimmer für Besucher bereit. Neben örtlichem und internationalem Fernsprechverkehr gab es zwei Telegrafengesellschaften. Aus heutiger Sicht deutet die Zahl der Einwohner auf eine eher unbedeutende, mittelgroße Stadt. Galveston war jedoch zu Beginn des 20. Jahrhunderts das wichtigste texanische Handelszentrum und übertraf an wirtschaftlicher Kraft sogar das 80 Kilometer weiter nördlich liegende Houston.

In der Rangfolge der US-amerikanischen Häfen lag Galveston an dritter Stelle – in keinem anderen US-amerikanischen Hafen wurde mehr an Baumwolle umgeschlagen. In der Stadt hatten sechzehn Konsulate ihren Sitz: unter anderem waren Russland und Japan vertreten. Ihre wirtschaftliche Vormachtstellung verdankte die Stadt zum einen dem Naturhafen der Galveston Bay, in einem gewissen Ausmaß jedoch auch dem Niedergang der 200 km südwestlich an der Matagorda Bay gelegenen Hafenstadt Indianola. 25 Jahre zuvor war Indianola für Galveston noch ein ernsthafter Konkurrent um die wirtschaftliche Vormachtstellung in der Region gewesen. Der Umschlag im dortigen Hafen war nur wenig niedriger als der im Hafen von Galveston. 1875 zerstörte jedoch ein Hurrikan Indianola zu einem großen Teil. Die Stadt wurde nach der ersten Zerstörung wieder aufgebaut. Ein zweiter Hurrikan im Jahre 1886 richtete vergleichbare Schäden an. Die Stadt Indianola wurde darauf von ihren Einwohnern aufgegeben. Ein zweiter Wiederaufbau unterblieb.

Sturmgefährdung Eine Reihe von Einwohnern aus Galveston hatte aus der Zerstörung und dem Niedergang von Indianola den Schluss gezogen, dass auch Galveston sturmbedroht sei. Die Stadt Indianola war vom Hurrikan vernichtet worden, obwohl sie in einem der geschützten Abschnitte der texanischen Küste lag und eine Reihe vorgelagerter Inseln die Wucht eines aus Richtung Golf kommenden Sturms hätte mildern müssen. Der Sturm trieb jedoch eine riesige Flutwelle durch Indianola hindurch und verwandelte die dahinter liegende Prärie bis dreißig Kilometer ins Inland hinein in eine offene Wasserlandschaft. Als der Wind drehte, flossen diese Wassermassen mit großer Geschwindigkeit durch Indianola hindurch wieder ab und spülten dabei auch noch die letzten verbliebenen Häuser fort. Um einem vergleichbaren Schicksal wie Indianola zu entgehen, forderten daher eine Reihe der Galveston-Einwohner einen Schutzwall, der Galveston vor einer vergleichbaren Flutwelle schützen sollte. Ihre Besorgnis wurde von der Mehrheit der Einwohner von Galveston nicht geteilt.

Die Stadt Galveston hatte seit ihrer offiziellen Gründung im Jahre 1839 mehrere starke Stürme ohne größeren Schaden überstanden. Viele Einwohner waren daher überzeugt, dass auch zukünftig Stürme ohne Sturmfluten in Galveston vorübergehen würden. Zur Beruhigung der Einwohner trug zusätzlich ein offizieller meteorologischer Bericht bei. Dieser wurde im Jahre 1891 durch Isaac Cline, den Direktor des Büros des Nationalen Wetteramtes in der Galveston News veröffentlicht. Isaac Cline argumentierte darin, dass es wegen der Lage der Stadt unwahrscheinlich sei, dass ein sehr starker Hurrikan mit größeren Überflutungen in der Stadt einhergehen werde. Das hinter Galveston liegende Festland lag niedriger als Galveston. Von einem Sturm aus dem Golf herangetriebenes Wasser werde zuerst dieses überfluten.

Der Schutzwall wurde auch wegen dieses Berichtes nie errichtet. Wie sich im September 1900 herausstellte, hatten dagegen Bau-Erschließungen, die auf der Insel vorgenommen wurden, die Verwundbarkeit der Stadt durch eventuelle Stürme deutlich erhöht. Sanddünen entlang der Küste waren im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts abgetragen worden, um mit diesem Sand die niedriger gelegenen Teile der Insel aufzufüllen. Damit hatte die Stadt Galveston den geringen Schutz verloren, den sie durch diese natürlichen Barrieren vor den Wellen aus dem Golf von Mexiko besaß.

Entstehung Aufgrund der eingeschränkten Möglichkeiten der Wetteraufzeichnung im Jahre 1900 ist der Entstehungsort des Sturmes nicht endgültig geklärt, der Galveston am 8. September zerstörte.

Die Berichte von Schiffen waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts immer noch die einzig verlässliche Quelle über Stürme, die sich über dem Meer zusammenbrauten. Und da die drahtlose Telegrafie erst an den Anfängen ihrer Entwicklung stand, wurden diese Berichte erst weitergegeben, wenn die Schiffe in einem Hafen anlegten.

Heute geht man davon aus, dass der Galveston-Hurrikan, wie die meisten atlantischen Stürme, vor der westafrikanischen Küste entstand. Als Vorboten des aufziehenden Sturmes werden Schiffsberichte gewertet, die am 27. August 1900 auf 19 Grad nördlicher Breite und 48 Grad westlicher Länge, auf halber Strecke zwischen den Kapverden und den Antillen, ein Gebiet mit „instabilem Wetter“ observierten.

Drei Tage später wurde Antigua von einem heftigen Gewitter heimgesucht, dem eine schwül-warme und windstille Wetterperiode folgte, wie sie häufiger nach dem Durchzug eines tropischen Zyklons auftreten. Am 1. September meldeten US-amerikanische Wetterbeobachter einen Sturm mittlerer Intensität südöstlich von Kuba.

2. bis 7. September

Das Jahr 1900 war bis zu diesem Septembertag gut für die Stadt Galveston verlaufen. Am 21. April hatte man in Erinnerung an die Schlacht von San Jacinto das Texan Heroes Monument eingeweiht. Im Mai veröffentlichte die Galveston News Pläne zur Erweiterung des Hafens, die die wirtschaftliche Vormachtstellung von Galveston endgültig sichern sollte, die Baumwollernte hatte am 1. September begonnen und Galveston war der Hafen, in dem die größte Menge Baumwolle in Texas umgeschlagen wurde. Den Labor Day am 3. September feierte man mit einer Parade der Dockarbeiter und Baumwollverlader. In ihrer Ausgabe vom 8. September verkündete die Galveston News stolz, dass im letzten Jahrzehnt die Einwohnerschaft der Stadt um 30 Prozent zugenommen habe.

Am 4. September erhielt die Galveston-Niederlassung des Nationalen Wetteramtes die Meldung aus der Hauptzentrale in Washington, D.C., dass ein tropischer Sturm Kuba passiere. Am 5. September war sich die Zentrale in Washington sicher, dass dieser Sturm mit mittlerer Stärke und begleitet von schweren Regenfällen die atlantische Küste hinaufziehen und die Sturmausläufer bis nach Norfolk, Virginia bemerkbar sein würden. Man hoffte auch, dass der Sturm die lange Hitzeperiode beenden würde, die seit Wochen in den US-Staaten östlich des Mississippi River herrschte und eine Reihe von Hitzetoten gefordert hatte. Die Meteorologen Kubas – wegen ihrer interpretierenden Wettervorhersagen von den Meteorologen des Nationalen US-Wetteramtes verachtet – veröffentlichten dagegen in kubanischen Zeitungen, dass sich das Tiefdruckgebiet eines Hurrikans nördlich von Kuba befinde. Einer der kubanischen Meteorologen vertrat die Ansicht, dass der Sturm an der texanischen Küste auftreffen werde und sich bis nach San Antonio auswirken werde.

Am Donnerstag, dem 6. September, wurde der Sturm nordöstlich von Key West, Florida gemeldet – eine Fehlmeldung, die aber die Prognosen des Nationalen Wetteramtes bestätigte und der man alle weiteren Meldungen anpasste. So war man überzeugt, dass der tropische Sturm von Key West nach Tampa, Florida, weitergezogen sei. In Wirklichkeit blockierte ein Hochdruckgebiet den Weg des Hurrikans in Richtung Norden. Der zunehmend stärker werdende Sturm wurde daher in Richtung Galveston umgelenkt, das 1288 Kilometer von Key West entfernt lag. Die Stürme, die man in Florida beobachtete, waren lediglich die Ausläufer des entstehenden Hurrikans.

Nur die Schiffe, die ab Donnerstagnachmittag im Golf von Mexiko gegen ihren Untergang kämpften, hätten die Fehleinschätzung des Nationalen Wetteramtes korrigieren können. Das Dampfschiff Louisiana war von Port Eads in Louisiana aus in Richtung New York gestartet und wurde im Golf von Mexiko vom Sturm eingeholt. Während das Schiff von Böen mit einer Windgeschwindigkeit von geschätzten 240 Kilometern pro Stunde durchgeschüttelt wurde, registrierte Kapitän Halsey auf dem Barometer den ungewöhnlich niedrigen Druck von 973 Hektopascal – auf Meereshöhe beträgt der Druck normalerweise 1013 Hektopascal. Kapitän Simmons auf der Pensacola las sogar nur 967 Hektopascal ab. Der Sturm war nun längst kein mittlerer tropischer Sturm mehr – über dem aufgeheizten Golf von Mexiko hatte er sehr schnell an Stärke zugenommen und war nun eindeutig ein Hurrikan. Die Schiffe, die im Golf von Mexiko gegen ihren Untergang kämpften, besaßen jedoch keinerlei Möglichkeit, ihre Situation ans Festland zu melden, und anlanden konnten die Schiffe erst, als der Hurrikan Galveston schon zerstört hatte.

Am Freitagmorgen, einen Tag, bevor die Katastrophe über Galveston hereinbrach, korrigierte die Zentrale des Nationalen Wetteramts ihre Annahmen über den Verlauf des Sturms. Man kam allmählich zu der Überzeugung, dass der Sturm sich noch im Gebiet des Golfs von Mexiko befinde. Als Zugrichtung des Sturmes nahm man immer noch eine nordwestliche Richtung an. An den westlichen Küsten Floridas wurden bereits Schiffe vermisst.