mini|Maurice Quentin de La Tour (1704–1788): Madame du Châtelet–Laumont (Privatsammlung) Frauen in der Philosophie beschreibt das Wirken von Philosophinnen als Wissenschaftlerinnen in Geschichte und Gegenwart. Während Frauen viele Jahrhunderte lang gar nicht oder nur als marginale Randerscheinung eine traditionell männlich dominierten Philosophie und Wissenschaft wahrgenommen wurden, erhalten sie seit mehreren Jahrzehnten wachsende Aufmerksamkeit. Die Sozial- und Geschichtswissenschaften haben die Rolle und das Wirken von Frauen in der Wissenschaft untersucht und Hindernisse für Philosophinnen analysiert, die sich ihnen in der Vergangenheit bei einem beruflichen Einstieg stellten und heute in anderer Form stellen.
Einige Philosophinnen wurden während des Mittelalters und der Neuzeit akzeptiert, aber keine wurde Teil des westlichen Kanons bis zum 20. und 21. Jahrhundert, als einige Quellen darauf hinweisen, dass Susanne Langer, G.E.M. Anscombe, Hannah Arendt und Simone de Beauvoir in den Kanon aufgenommen wurden.Duran, Jane. Eight women philosophers: theory, politics, and feminism. University of Illinois Press, 2005.
Geschichte der Philosophinnen mini|Dr. phil Helene Stöcker (1903) Obwohl es seit den frühesten Zeiten Philosophinnen gab und einige von ihnen zu Lebzeiten als Philosophen anerkannt wurden, sind fast keine weiblichen Philosophen in den westlichen philosophischen Kanon eingegangen. Philosophiehistoriker sind mit zwei Hauptproblemen konfrontiert. Das erste ist der Ausschluss von Philosophinnen aus der Geschichte und aus philosophischen Texten, was dazu führt, dass Philosophiestudenten zu wenig über Philosophinnen wissen. Das zweite Problem betrifft das, was die kanonischen Philosophen über die Philosophie und den Platz der Frauen in der Philosophie zu sagen hatten. In den letzten fünfundzwanzig Jahren gab es einen exponentiellen Anstieg an feministischen Schriften zur Geschichte der Philosophie und zu dem, was als den philosophischen Kanon.
Die im christlichen Abendland über Jahrhunderte gepflegte Annahme, Männern komme der Geist zu und Frauen die Sinnlichkeit, hinderte daran, als Philosophin bekannt und erfolgreich zu werden. Ebenso stellten Beschränkungen beim Zugang zu höherer Bildung und Berufsverbote hohe Hürden für philosophierende Frauen dar. Der französische Philosoph Jacques Derrida bemerkte: „Die Geschichte der Philosophie ist phallozentrisch.“
Tatsächlich hat es in der Geschichte der Philosophie stets bedeutende Frauen gegeben, wenngleich gesellschaftliche Einschränkungen den Zugang zur philosophischen Öffentlichkeit lange verwehrten. Dies betraf, nicht nur in der Antike, sondern auch in Mittelalter und Neuzeit, teils auch den Zugang zu höherer Bildung, fast durchgehend aber die öffentliche Präsentation von Forschungsergebnissen, das Lehren und Lernen an Fachinstituten wie Philosophenschulen oder Universitäten. Dies änderte sich in Europa erst seit dem 19. Jahrhundert nach und nach.
In den frühen 1800er Jahren begannen einige Hochschulen und Universitäten im Vereinigten Königreich und in den Vereinigten Staaten von Amerika damit, Frauen zuzulassen, und brachten mehr weibliche Akademiker hervor. Dennoch zeigen Berichte des US-Bildungsministeriums aus den 1990er Jahren, dass nur wenige Frauen in der Philosophie blieben und dass die Philosophie eines der am wenigsten gendergerechten Fächer in den Geisteswissenschaften ist.Salary, Promotion, and Tenure Status of Minority and Women Faculty in U.S. Colleges and Universities."National Center for Education Statistics, Statistical Analysis Report, März 2000; U.S. Department of Education, Office of Education Research and Improvement, Report # NCES 2000–173; 1993 National Study of Postsecondary Faculty (NSOPF:93). Siehe auch "Characteristics and Attitudes of Instructional Faculty and Staff in the Humanities." National Center For Education Statistics, E.D. Tabs, Juli 1997. U.S. Department of Education, Office of Education Research and Improvement, Report # NCES 97-973;1993 National Study of Postsecondary Faculty (NSOPF-93). Die Encyclopedia of Philosophy (EoP), die 1967 erschien, enthielt „... Artikel über mehr als 900 Philosophen“, [aber] keinen Eintrag für Wollstonecraft, Hannah Arendt oder Simone de Beauvoir. Diese Philosophinnen spielten in dem damaligen Wissenskanon kaum eine Rolle.
In Deutschland konnte zum ersten Mal 1901 eine Frau als Philosophin promovieren. Helene Stöcker durfte dabei aktiv studieren, nicht nur als Gasthörerin, wie es sonst Frauen gestattet war. Da es aber keine Möglichkeit für sie gab, bei einem Philosophieprofessor zu promovieren, musste sie sich auf ein kulturästhetisches Thema einlassen, das ihr vorgegeben wurde.
Antikes Griechenland Einige der frühesten Philosophen waren Frauen, wie Hipparchia von Maroneia (aktiv ca. 325 v. Chr.), Arete von Kyrene (aktiv 5.-4. Jahrhundert v. Chr.) und Aspasia von Milet (470–400 v. Chr.). Aspasia erscheint in den philosophischen Schriften von Platon, Xenophon, Aischines Sokratikus und Antisthenes. Einige Gelehrte behaupten, dass Platon von ihrer Intelligenz und ihrem Witz beeindruckt war und seine Figur Diotima im Dialog Symposion auf sie zurückführte. Sokrates schreibt der (möglicherweise fiktiven) Diotima von Mantinea seine Lektionen in der Kunst des Eros (oder der philosophischen Suche) zu. Platons endgültige Ansichten über Frauen sind sehr umstritten, aber der Dialog Politeia deutet darauf hin, dass Platon Frauen für ebenso fähig hielt, sich zu bilden, intellektuelle Visionen zu entwickeln und die Stadt (Polis) zu regieren.
Antike östliche Philosophie In der antiken Philosophie in Asien leisteten Frauen viele wichtige Beiträge. Im ältesten Text der Upanishaden (ca. 700 v. Chr.) nehmen die Philosophinnen Gārgī Vāchaknavī und Maitreyi an den philosophischen Dialogen mit dem Weisen Yajnavalkya teil. Ubhaya Bharati (ca. 800 n. Chr.) und Akka Mahadevi (1130-1160) sind weitere bekannte weibliche Denkerinnen in der indischen philosophischen Tradition. In China würdigte Konfuzius die weibliche Jing Jiang von Lu (5. Jh. v. Chr.) als weise und als Vorbild für seine Schüler, während Ban Zhao (45-116) mehrere wichtige historische und philosophische Texte verfasste. In Korea gehörte Im Yunjidang (1721–93) zu den bedeutendsten Philosophinnen der aufgeklärten mittleren Chosŏn-Ära. Zu den bemerkenswerten muslimischen Philosophinnen gehören Rabia von Basra (Rābiʿa al-ʿAdawiyya al-Qaysiyya) (714-801), A'ishah al-Ba'uniyyah von Damaskus (gestorben 1517) und Nana Asma'u (1793–1864) aus dem Sokoto-Kalifat im heutigen Nigeria.
Mittelalterliche Philosophie mini|„Tod der Philosophin Hypatia in Alexandria“ (sie wurde von einer wütenden Menge getötet) – Kunstwerk von Louis Figuier (1866). Die mittelalterliche Philosophie reicht vom Untergang des Weströmischen Reiches im 5. Jahrhundert nach Christus bis zur Renaissance im 16. Hypatia (350 - 370 bis 415 n. Chr.) war eine griechische Mathematikerin, Astronomin und Philosophin in Ägypten, das damals zum Oströmischen Reich gehörte. Sie war die Leiterin der neuplatonischen Schule in Alexandria, wo sie Philosophie und Astronomie lehrte.
Nach dem Abschluss ihrer Ausbildung begann sie, selbst Mathematik und Philosophie zu unterrichten. Sokrates von Konstantinopel berichtet, von überall seien Hörer zu ihr gekommen. Der berühmteste von ihnen war Synesios, der im letzten Jahrzehnt des 4. Jahrhunderts bei ihr sowohl Philosophie als auch Astronomie studierte. Damaskios berichtet, Hypatia habe den Philosophenmantel (tríbōn) getragen und sei in der Stadt unterwegs gewesen, um öffentlich zu unterrichten und allen, die sie hören wollten, die Lehren Platons oder Aristoteles’ oder auch jedes beliebigen anderen Philosophen auszulegen. Wie diese Nachricht zu deuten ist, ist in der Forschung umstritten. Jedenfalls stützt sie nicht die Ansicht, Hypatia habe einen aus öffentlichen Mitteln finanzierten Lehrstuhl innegehabt; dafür gibt es keinen Beleg.Heinrich Dörrie, Matthias Baltes: Der Platonismus in der Antike, Band 3, Stuttgart-Bad Cannstatt 1993, S. 133 Anm. 6; Edward J. Watts: City and School in Late Antique Athens and Alexandria, Berkeley 2006, S. 194 f.; Maria Dzielska: Hypatia of Alexandria, Cambridge (Massachusetts) 1995, S. 56. Die Hypothese einer staatlich bezahlten Lehrtätigkeit Hypatias vertreten Markus Vinzent: „Oxbridge“ in der ausgehenden Spätantike. In: Zeitschrift für antikes Christentum 4, 2000, S. 49–82, hier: 67–69 und Pierre Chuvin: Chronique des derniers païens, Paris 1991, S. 90.
Bis zum Hochmittelalter (zirka 1050 bis 1250) gibt es im Abendland kaum eine Unterscheidung zwischen Theologie und Philosophie, und die Philosophie läuft auf eine Betrachtung und Verteidigung des christlichen Glaubens hinaus. Bei Frauen fällt jedoch auf, dass sie manchmal aus einem viel persönlicheren Blickwinkel darüber schreiben, wie sie ihren Glauben leben.
Im Spätmittelalter (ca. 1250 bis 1500, in der Germanistik auch 1250 bis 1450) und in der Renaissance kommt es zu einer Säkularisierung der Philosophie, die auf die antiken Denker zurückgeht und versucht, sie zu übertreffen. Auch Frauen folgen dieser Neuorientierung der Philosophie, indem sie sich mit eher weltlichen Themen beschäftigen. Die Spuren eines Protofeminismus sind bereits in dieser Zeit erkennbar.
Zeitalter der Aufklärung Das Zeitalter der Aufklärung (auch Zeitalter der Vernunft und der Aufklärung) war die intellektuelle und philosophische Bewegung, die sich im 17. und 18. Jahrhundert in Europa stattfand. Die Aufklärung umfasste eine Reihe sozialer Ideen, die sich auf den Wert des durch Rationalismus und Empirie gewonnenen Wissens sowie auf politische Ideale wie Naturrecht, Freiheit und Fortschritt, Toleranz und Brüderlichkeit, konstitutionelle Regierungen und die formale Trennung von Kirche und Staat konzentrierten.
17. Jahrhundert Marie Le Jars de Gournay (1565–1645), war eine französische Schriftstellerin, Philosophin und Frauenrechtlerin. Ihr Hauptwerk besteht aus philosophischen Abhandlungen zur Moral, zur Theologie und zur Situation der Frauen. Sie kritisierte, dass Frauen keinen Zugang zu Bildung und Besitz hätten und gilt als „Mutter des modernen Feminismus“.Beatrice Zedler: Marie Le Jars de Gournay. In: A History of Women Philosophers. Volume II. Medieval, Renaissance and Enlightenment Women Philosophers, 500-1600. Dordrecht 1989. S. 299.
Elisabeth von der Pfalz (1618–1680) oder Elisabeth von Böhmen beeinflusste viele wichtige Persönlichkeiten und Philosophen, vor allem René Descartes, mit dem sie korrespondierte. Sie hinterfragte Descartes' Idee des Dualismus, also der Trennung von Geist und Körper, und seine Theorien zur Kommunikation zwischen Geist und Körper.
Sie wurde dessen eifrigste Schülerin und stand bis zu seinem Tod mit ihm in lebhaftem Briefwechsel, aus dem unter anderem sein Traktat Les Passions de l’âme entstand. Descartes widmete ihr später sein naturphilosophisches Hauptwerk, die Principia Philosophiae von 1644.In der französischen Fassung neu herausgegeben in C. Adam, P. Tannery (Hrsg.), Oeuvres des Descartes, t. IX: Meditations et Principes. Paris 1904; ab Seite 294. Online:
Anne Conway (1631-1679) war eine englische Philosophin, deren Werk, das in der Tradition der Cambridger Platoniker steht, einen Einfluss auf Gottfried Wilhelm Leibniz hatte. Conways Denken ist originell, da es rationalistische Philosophie ist, mit Belange und Muster der Frauenforschung (Gynozentrismus) die sich als eine Gegenbewegung zu dem in der Wissenschaft vorherrschenden Androzentrismus verstand, und in diesem Sinne war es einzigartig unter den Systemen des 17. Jahrhunderts. Sie war eine der ersten Frauen deren Werk gedruckt und verlegt wurde.
18. Jahrhundert