mini|André Derain, Foto um 1903 im Sakko André Derain (* 17. Juni 1880 in Chatou bei Paris; † 8. September 1954 in Garches bei Paris) war ein französischer Künstler. Er schuf unter anderem Gemälde, Grafiken, Skulpturen, Bühnenbilder und -kostüme, überdauert hat vor allem seine Malerei.

Derain war neben Henri Matisse der Hauptvertreter des Fauvismus und wird zu den ersten Malern der Klassischen Moderne gezählt. Er wurde zeitweilig als der führende Kopf der französischen Avantgarde angesehenDaniel Henry (Kahnweiler): Junge Kunst — André Derain. Verlag von Klinkhardt & Biermann, 1920, Leipzig, S. 11 ff. und stand ebenfalls in engem Kontakt zu den Kubisten Picasso und Braque.

Seine sich in den zwanziger Jahren vollziehende Abkehr von der Diskussion um die Moderne löste eine heftige Kritik aus.

Leben Frühe Jahre Derain wurde am 17. Juni 1880 in Chatou geboren. Sein Vater war ein wohlhabender Konditor und Stadtrat. Nachdem er die Schule Sainte-Croix in Le Vésinet besucht hatte, ging er auf das Lycée Chaptal in Paris und gewann dort im Jahre 1898 einen Preis für Zeichnen und einen für Naturwissenschaften.

Derain wandte sich früh der Malerei zu und etwa im Alter von 15 Jahren erhielt er einige Unterrichtsstunden von le père Jacomin, dessen Sohn sein Klassenkamerad war. Derain gestand später, dass er wahrscheinlich nichts aus diesem Unterricht gelernt habe.

Seine Eltern planten für ihn eine Karriere als Offizier oder Ingenieur und schickten ihn auf die École des Mines in Paris.

Durch die Freunde, die er in Paris gewann, wurden seine künstlerischen Ambitionen gefördert und seine intellektuellen Bedürfnisse angeregt. Zu diesen Freunden gehörten der Sohn des symbolistischen Dichters Villiers de L’Isle-Adam, Linaret, ein Malerfreund, und der Comte de la Noue, ein junger, exzentrischer bretonischer Aristokrat.

Aufenthalte in Paris – Fauvismus (1898–1907) Derain besuchte von 1898 bis 1899 die Académie Camillo in der Rue de Rennes in Montparnasse, wo er von Eugène Carrière unterrichtet wurde.André Derain, guggenheim.org, abgerufen am 1. November 2016.

Eine wesentliche Änderung in seinem Leben verursachte die im Jahre 1900 beginnende Freundschaft mit Maurice de Vlaminck, der einige Jahre älter war als Derain. Bei ihren Zusammentreffen diskutierten sie die anarchistischen und die naturalistischen Autoren oder Cézanne und Courbet und die „Primitiven“. Es war die Leidenschaft für das Radikale, die die Themen ihrer Gespräche formte und die Vlaminck, begierig die Vergangenheit herauszufordern, dazu veranlasste, reine Grundfarben für seine Bilder zu verwenden. mini|hochkant|links|André Derain: Porträt Henri Matisse, 1905 Bei einem Besuch der Van-Gogh-Retrospektive in der Galerie Alexandre Bernheim (später Bernheim-Jeune) im Jahr 1901 machte er Vlaminck mit Henri Matisse bekannt, den er zuvor beim Kopieren klassischer Werke im Louvre kennengelernt hatte. Darauf folgte ein Besuch Matisses bei den beiden jungen Männern in Chatou. Matisse berichtete darüber: „Die Malerei von Derain und Vlaminck überraschte mich nicht, denn sie kam den Studien, die ich selbst machte, sehr nahe.“ Somit waren bereits die Künstler beieinander, die wenige Jahre später den Fauvismus hervorbrachten.

Im Herbst 1901 wurde Derain zum Militärdienst einberufen und konnte seine Studien nur noch sporadisch fortsetzen. Er malte in den Folgejahren eine Reihe von Dekorationen für die Soldatenunterkünfte in Commercy, die jedoch sofort wieder übertüncht wurden. Er begann eine langanhaltende Korrespondenz mit Vlaminck. mini|links|Saal VII des Salon d’Automne, Grand Palais, Paris, 1905. Jacqueline Marval sitzt links neben der Büste, rechts Jules Flandrin. Louis Valtat und Albert Marquet sind ebenfalls zu sehen.Zuschreibung der Personen: siehe Bildquelle

Nach Beendigung seiner Militärzeit im Jahr 1904 überredete Matisse Derains Eltern, die andere Pläne mit ihrem Sohn verfolgten, ihm zu erlauben, sich von nun an nur noch der Malerei zu widmen. Derain schrieb sich entgegen dem Rat Vlamincks an der Académie Julian ein. Zur gleichen Zeit bekundete er sein Interesse für afrikanische Kunst und verweilte 1905 zusammen mit Matisse in Collioure. mini|André Derain: Charing Cross Bridge, London, 1906 Im Herbst 1905 kam es im Salon d’Automne zur Ausstellung der in Collioure entstandenen Arbeiten, woraufhin der Zeitungskritiker Louis Vauxcelles die Maler als Fauves bezeichnete.

Ambroise Vollard kaufte die Arbeiten Derains auf und nahm ihn unter Vertrag. In den Jahren 1905 und 1906 besuchte er London. In dieser Zeit entstanden seine persönlichsten fauvistischen Arbeiten. 1906 schloss Derain Freundschaft mit Picasso, nachdem er schon zuvor mit Guillaume Apollinaire Kontakt geknüpft hatte.

Heute erinnert der Chemin du Fauvisme in Collioure an die dortige Entstehung des Fauvismus: An 20 Stellen, wo die Staffeleien von Matisse und Derain standen, sind Reproduktionen der dort entstandenen Gemälde angebracht.Eine Fotogalerie der ausgestellten Reproduktionen:

Umzug nach Paris – Kubismus (1907–1914) mini|hochkant|links|Andre Derain: Madame Matisse, 1905 mini|Eingang zum Atelierhaus Les Fusains, Foto aus dem Jahr 2009 Im Jahr 1907 folgte der Umzug von Chatou nach Paris, in das Atelierhaus Les Fusains, 22 rue de Tourlaque, Montmartre. Während seiner Jahre in Chatou hatte er bereits viele der jüngeren Mitglieder des Montmartre-Kreises kennengelernt. Er liebte besonders die Diskussionen an den Restaurant- und Cafétischen und war in ständigem Kontakt mit Picasso, Braque, van Dongen und Vlaminck.

Derain unterzeichnete bei dem Galeristen Daniel-Henry Kahnweiler einen Exklusivvertrag und stand mit Picasso in engem Kontakt, als dieser die Arbeit zu Les Demoiselles d’Avignon begann.

Im Sommer des Jahres 1909 hielt er sich mit Braque in Carrières-Saint-Denis auf, 1910 mit Picasso in Cadaqués (Spanien). Im Herbst 1909 starb sein Vater. Drei seiner Werke waren 1910 in der Londoner Ausstellung Manet and the Post-Impressionists (Manet und die Postimpressionisten) vertreten.

In den Folgejahren unternahm der Künstler weitere Reisen, so unter anderem nach Beauvais, Serbonne-sur-le-Grand Morin, nach Camiers (Pas-de-Calais), nach Vers (Lot) und 1913 nach Martigues.

Erster Weltkrieg und die Jahre danach (1914–1921) Derain war mit Braque und Picasso in Montfavet, als der Krieg ausbrach, und wurde zu den Waffen gerufen. Er diente bei einer motorisierten Einheit in der Champagne, an der Somme, in Verdun, in L’Aisne und in den Vogesen. Während seines Soldatenlebens fertigte er Illustrationen zu André Bretons Mont-de-Pieté an und stellte im Herbst 1916 in der Galerie Paul Guillaume in Paris aus.

Kurz nach der Entlassung aus der Armee gab Derain sein Debüt in der Theater- und Ballettwelt. Diaghilev beauftragte ihn, Bühnenbilder, Vorhang und Kostüme für La Boutique Fantasque – Musik von Rossini, Choreographie von Massine – zu entwerfen. Die Erstaufführung fand am 5. Juni 1919 im Alhambra Theatre, London, statt.

Kahnweiler, der 1920 nach Paris zurückkehrte, kaufte nun wiederum bis 1922 die Arbeiten Derains auf. Von 1921 bis 1922 weilte Derain in Rom und erhielt im Jahre 1923 von Jean Renoir als Gegenleistung für ein Porträt – Derain malte dessen Frau – vier kleine Bilder von dessen Vater Auguste Renoir.

Jahre der Kritik (1922–1939) Gegen Ende der zwanziger Jahre, in der er unter anderem 1928 den Carnegie-Preis für Nature morte: La Chasse erhielt, begannen die Jahre der sich gegen ihn einsetzenden Kritik, die sich unter anderem in dem Heft Pour ou Contre DerainPour ou contre André Derain : enquête, opinions, documents. Les Chroniques du Jour, 11. Jahrgang, Nr. 8, 1931 (Sondernummer mit Beiträgen von Georges Rouault, Pierre Courthion, A. Farcy, Waldemar George, André Salmon, M. G. Michel, R. Brielle u. a.) zeigt. Obwohl ihn verschiedene Maler und Kritiker in dieser Publikation verteidigten, wurde die Sache der Anklage von Pierre Courthion und Jacques-Emile Blanche vorgetragen: „Glaube und Heftigkeit, wie sie in seinen frühen Versuchen sich bezeugen, scheinen durch die Indifferenz eines Skeptikers ersetzt, der überwältigt wurde durch seine Kenntnis zu vieler Meisterwerke, die er in den Museen und Sammlungen gesehen hat.“

Derain begann sich nach und nach aus dem Pariser Leben zurückzuziehen, eine Tendenz, die zunahm, seit er im Jahre 1935 sein Haus in Chambourcy bezogen hatte, das bis zu seinem Tode sein Heim blieb. Was genau in dieser Zeit geschah, ist nicht leicht festzustellen. Es scheint, als ob eine gewisse Verschanzung stattfand.

1930 tauschte er seine afrikanischen Kunstgegenstände gegen griechisch-römische und ägyptisch-römische Porträts. 1931 fand die Ausstellung Neue Malerei von Derain in der Lefevre Gallery in London statt. Im Jahr 1933 verkaufte er einen weiteren Teil seiner Sammlung afrikanischer Kunst.

Die Kunsthalle Bern organisierte 1935 die erste große Retrospektive seines Werkes. In den dreißiger Jahren erhielt der Künstler von der Pariser Oper zahlreiche Aufträge für Kostüme und Dekorationen. Außerdem illustrierte er unter anderem 1932 Les Héroides von Ovid und 1938 Salomé von Oscar Wilde. 1937 nahm er an der Retrospektivausstellung der Indépendants in Paris teil.

Zweiter Weltkrieg und die Jahre danach (1940–1954) Anfang der vierziger Jahre arbeitete Derain hauptsächlich in Donnemarie-en-Montois, 1940 in Vichy und 1941 an der Loire, und kehrte nach der Befreiung von der deutschen Besatzung 1944 wieder nach Chambourcy zurück.

Während der Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg wurde Derain von den deutschen Besatzern als Vertreter der französischen Kultur umschmeichelt. 1941 unternahm er mit anderen französischen Künstlern eine von den Behörden organisierte Reise nach Berlin. Dort besuchte er unter anderem das Atelier Arno Brekers, der zu dieser Zeit ein Hauptvertreter der sogenannten Deutschen Kunst war. Die nationalsozialistische Propaganda bezog sich wiederholt auf diese Reise. Wieso Derain die Reise antrat, ist nicht geklärt. Es gibt Quellen, die darlegen, dass die Nationalsozialisten ihm bei Nichtantritt der Reise mit der Zerstörung seines Ateliers drohten.

Die radikale Abkehr Derains von den stilistischen und begrifflichen Sorgen der französischen Avantgarde erlangte ihren Höhepunkt., Guggenheim Hermitage Museum. 1944 schlug er das Angebot aus, Direktor der École nationale supérieure des beaux-arts de Paris zu werden, der wichtigsten Akademie der Bildenden Kunst in Frankreich. Nach der Befreiung wurde Derain von vielen Franzosen als Kollaborateur betrachtet und geächtet. Im Nachkriegsfrankreich gab es zunächst keine öffentlichen Ausstellungen seiner Werke.

Derain starb 1954 im Département Hauts-de-Seine. Der mit Derain befreundete Alberto Giacometti nahm als einziger namhafter Künstler an seinem Begräbnis teil.Reinhold Hohl: Lebenschronik. In: Angela Schneider: Giacometti. S. 32.

Malerisches Werk mini|hochkant=1.1|Derains Wohnsitz in Chambourcy, Fotografie aus dem Jahr 2007