Die Ausschreitungen während der Unruhen in Palästina, auch bekannt als die Unruhen an der Klagemauer, der Buraq-Aufstand (arabisch: ثورة البراق, Thawrat al-Burāq) oder die Ereignisse von 1929 (hebräisch: מאורעות תרפ"ט, Meora'ot Tarpat, wörtlich: Ereignisse des Jahres 5689 Anno Mundi), im Jahr 1929 gipfelten in Massakern an jüdischen Bewohnern Hebrons am 23. und 24. August 1929 und Safeds am 29. August 1929.Reign of Terror in Safed. In: Glasgow Herald. 14. September 1929 (news.google.com). Sie waren ein Teilereignis von Gewalttätigkeiten, die einige Tage zuvor in Jerusalem ihren Ausgang genommen hatten und bei denen in ganz Palästina 133 Juden und 113/116 Araber starben und die 198/339 jüdische und 232 arabische Verletzte forderten.
Ablauf Vorgeschichte ab 1920 Bereits zuvor hatten sich 1920 die Nabi-Musa-Unruhen und 1921 die Unruhen von Jaffa ereignet, doch verliefen die Auseinandersetzungen zumeist auf politischer Ebene und wurden durch politische und religiöse Autoritäten reguliert. Eine ihrer Abmachungen sah vor, dass Juden das Recht hatten am Kotel (Klagemauer) zu beten und dazu eine enge Zugangspassage benutzen konnten, sie durften jedoch an der Mauer keine Einrichtungen hinterlassen. Dennoch brachten Juden seit 1922 Stühle und Trennwände zu hohen Feiertagen an den Ort mit, was jedes Jahr zu deren Entfernung durch die Briten führte.
1928: Radikalisierung auf beiden Seiten mini|Begräbnis jüdischer Opfer in Safed 1929 Der Waʿad Leʾummī (), die Exekutive der gewählten Repräsentantenversammlung (Palästina) der jüdischen Palästinenser, forderte seit längerer Zeit die Unterstellung des Kotel unter ihre Zuständigkeit, was Demonstrationen, Pressekampagnen und mehrere politische Versammlungen als Forderung bestätigten. Bereits am 14. August 1928 hatten in Tel Aviv 6000 Juden unter der Parole „Die Mauer gehört uns“ demonstriert. Am gleichen Abend hatten rund 3000 Juden am Kotel demonstrativ gebetet. Am nächsten Tag nahmen tausende muslimische Demonstranten ihrerseits die Mauer in Beschlag, hörten Gebetslesungen an und entfernten Bittschriften aus der Mauer.mini|Markt in Safed nach arabischen Ausschreitungen 1929Am 23. September 1928, dem Kol Nidre (Vorabend) zu Jom Kippur, brachten Juden erneut Sitzbänke und eine Trennwand zur optischen Abtrennung des Männerbereichs vom Frauenbereich mit. Der britische Distrikt-Gouverneur Edward Keith-Roach erklärte nach einem Besuch am Kotel am Vorabend diese Trennwand zum Problem und brachte sie muslimischen Geistlichen zu Bewusstsein. Die Geistlichen sahen eine Verletzung des status quo aus der osmanischen Zeit für die Heiligen Stätten. Gleichzeitig forderte Keith-Roach den aschkenasischen Rabbiner und schammásch Baruch Glazstein zur Entfernung auf, was dieser aus religiösen Gründen ablehnte und erst am nächsten Tag zulassen wollte. Der britische Polizeioffizier Douglas Duff entfernte am 24. September die Trennwand gewaltsam und vertrieb die betenden Juden. Auf den Vorfall reagierten beide Seiten mit gegenseitigen Provokationen.
Im November 1928 gründete der „Großmufti“ von Jerusalem, Mohammed Amin al-Husseini, an der Spitze des Obersten Islamischen Rates mit seinen Anhängern eine Vereinigung zum Schutz der heiligen Stätten (dies sind die Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem und Hebron, die beiden sogenannten Haram). Er stilisierte die Jerusalem-Frage zur internationalen Schicksalsfrage der weltweiten muslimischen Gemeinschaft (Umma) und ergriff Maßnahmen, um Juden das Beten zu erschweren: Die Passage, zuvor eine Sackgasse, wurde als Durchgang für Passanten und Maultiere geöffnet, lautes Absingen von Liedern, Baulärm und herabfallendes Material sollte die Juden stören.
Der Gewaltausbruch im August 1929 Als Gegenreaktionen und aus Enttäuschung über die angeblich nachgiebige Haltung zionistischer Institutionen gründeten die aggressiv auftretenden rechtszionistischen Revisionisten um deren Anführer Wladimir Zeev Jabotinsky ihrerseits im Januar 1929 ein West-Mauer-Komitee, das zum Schutz jüdischer Betender eine Bürgerwehr aufstellte und an Feiertagen in Schichten am Kotel patrouillierte. Am 15. August 1929 demonstrierten am Kotel jüdische Jugendliche, die ihn für sich beanspruchten. Am folgenden Tag versammelten sich nach dem Freitagsgebet arabische Demonstranten an dem Ort am Fuß des Haram al-Sharif (Tempelberg) und es kam zur Zerstörung von mitgebrachten Siddurim und anderen rituellen Gegenständen der Juden. Am folgenden Tag, einem Schabbat, fanden sich erneut viele Juden zum Gebet ein. Versuche muslimischer Demonstranten, dies zu verhindern, konnte die Polizei durch ihr Dazwischengehen unterbinden. In den folgenden Tagen zogen sich die Zusammenstöße hin.
Am 23. August 1929 kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen seitens der arabischen Bevölkerung in der Jerusalemer Altstadt, in Wohngegenden außerhalb der Stadtmauer und in Jaffa, Hebron (Massaker von Hebron), Gaza und Safed. Insgesamt starben nach Angaben von Thomas G. Fraser 133 Juden (339 Verletzte) und 116 Araber (232 Verletzte). Die getöteten Araber starben überwiegend durch die Aufstandsbekämpfung der britischen Sicherheitskräfte.
Das Massaker von Hebron Siehe: Massaker von Hebron (1929)
Das Massaker von Safed In Safed wurden zwischen 18 und 20 Juden getötet und 80 verwundet.Neil Caplan: Futile Diplomacy: Early Arab-Zionist Negotiation Attempts, 1913–1931. Vol. 1, Frank Cass, London 1983. (fehlende Seitenangabe) Die wichtigste von Juden bewohnte Straße wurde geplündert und die Häuser in Brand gesetzt.Arab Attack At Safed. In: The Times. 31. August 1929; S. 10, Ausgabe 45296, col D.The Safed Disorders. In: The Times 2. September 1929, S. 12, Ausgabe 45297. David Hacohen, Einwohner von Safed, beschrieb das Blutbad nach eigenem Erleben und den Berichten von Zeugen in seinem Tagebuch. Die Polizei habe während des ganzen Pogroms keinen Schuss abgefeuert. Selbst die Juden, die sich ins Serail zu Safed, Sitz der Verwaltung des Subdistrickts Safed, hatten retten können, schützten britische Sicherheitskräfte nicht vor arabischen Schützen.NN, “Saraya Safed”, auf: Zissil Encyclopedia of Tzfat; abgerufen am 26. September 2025.
mini|Kirche der Niederländisch-Schottischen Mission in Safed Die Ehefrau des in Safed wirkenden schottischen Missionars Semple zitierte dessen Erfahrungen:
Nachwirkungen Die Ereignisse wurden durch den Journalisten Albert Londres in Frankreich bekannt gemacht. Londres, sehr pro-zionistisch eingestellt, konnte in Paris die öffentliche Meinung praktisch im Alleingang beeinflussen. Indes wurde auch London aufmerksam. Vertreter der Shaw Commission besuchten Safed am 1. November 1929.Palestine Inquiry Commissioners To Visit Safed. In: The Times. 2. November 1929, S. 11, Ausgabe 45350, col E. Die Kommission unter der Leitung von Sir Walter Shaw legte am 31. März 1930 ihren Bericht vor, dieser stellte sich auf den Standpunkt, dass die Aufnahmefähigkeit Palästinas für weitere jüdische Einwanderung erschöpft sei, zudem sei die Zahl der Landverkäufe an jüdische Organisationen zu groß. Die Briten begannen zudem ihre Fähigkeit zu hinterfragen, mit den vorhandenen Sicherheitskräften das Gebiet effektiv kontrollieren zu können und beschlossen die Erhöhung ihrer Kontingente. Hebron und Gaza verloren ihre gesamte jüdische Bevölkerung, von der ein großer Teil, als Angehörige des sogenannten Alten Jischuv, distanziert oder sogar ablehnend zum Zionismus gestanden war.
Die Briten richteten Schnellgerichte mit Einzelrichtern ein. Gegen über 700 Araber wurde Anklage erhoben, 55 wurden des Mordes für schuldig befunden, 25 erhielten ein Todesurteil. 22 Todesurteile wurden nach Berufung am High Court in Palestine aufgehoben und in Gefängnisstrafen umgewandelt. 150 Araber erhielten Strafen für Plünderung und Brandstiftung. Auch gegen über 160 Juden wurde Anklage erhoben. Zwei wurden wegen Mordes verurteilt, aber danach begnadigt. Sieben Juden erhielten Strafen für Plünderungen, neun wegen leichter Vergehen.
Einzelnachweise
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