Als Nationale Schulen bezeichnet man eigenständige nationale Komponistenschulen der Klassischen Musik, die sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts in Abgrenzung zur international vorherrschenden deutsch-französisch-italienischen Musiktradition entwickelten. In dieser Zeit ließen sich viele europäische Komponisten von der Volksmusik ihres Heimatlandes beeinflussen, sodass ihre Werke eine unverwechselbare nationale Prägung erhielten. Komponisten eines Volkes, die sich in dieser Weise um die Einbeziehung der Volksmusik in ihre Werke bemühten und sich auch gegenseitig beeinflussten, werden zu einer bestimmten nationalen Schule gerechnet. Die Entwicklung begann während der Hochromantik und vollzog sich bis etwa zur Mitte des 20. Jahrhunderts, wobei auch nachromantische Strömungen wie Impressionismus oder Neoklassizismus mit den Zielen der Nationalen Schulen verbunden wurden, so etwa bei Béla Bartók, Karol Szymanowski oder Manuel de Falla.

Besonders populäre Komponisten, welche mit nationalen Elementen arbeiteten, gelten als Nationalkomponisten.

Entstehung

Grund für ihre Herausbildung war die staatliche Neuordnung Europas im 19. Jahrhundert. Aufgerüttelt durch den Geist der französischen Revolution (1789) begannen einige unter Fremdherrschaft stehende Völker Europas, wie z. B. die von den österreichischen Habsburgern regierten Tschechen, sich gegen das sie beherrschende Regime aufzulehnen und sich auf ihre nationale Identität zu besinnen. Diese Bewusstwerdung schlug sich auch im Werk verschiedener Komponisten nieder, die durch die Komposition einer Musik mit typisch nationalem Charakter auf künstlerischer Ebene die nationale Eigenständigkeit ihres Volkes hervorheben und gegen die fremden Machthaber protestieren konnten. Ähnliche Geschehnisse spielten sich auch in Ungarn und Polen ab. Es kam dadurch zur Besinnung auf nationale Kulturtraditionen in Sprache, Literatur, Kunst und Musik.

Vertreter (Auswahl)

Russland Modest Mussorgski (1839–1881) und Das Mächtige Häuflein Polen Frédéric Chopin (1810–1849) Stanisław Moniuszko (1819–1872) Mieczysław Karłowicz (1876–1909) Frankreich George Bizet (1838–1875) Camille Saint-Saëns (1835–1921) Hector Berlioz (1803–1868)

Tschechoslowakei Josef Suk (1874–1935) Bedřich Smetana (1824–1884) Antonín Dvořák (1841–1904) Leoš Janáček (1854–1928) Deutschland Carl Maria von Weber (1786–1826, England) Finnland Jean Sibelius (1865–1957) Skandinavien Niels Wilhelm Gade (1817–1890, Dänemark) Edvard Grieg (1843–1907, Norwegen) Christian Sinding (1856–1941, Norwegen) Carl Nielsen (1865–1931, Dänemark) Hugo Alfvén (1872–1960, Schweden) England Cecil Sharp (1859–1924) Ralph Vaughan Williams (1872–1958) Gustav Holst (1874–1934) Frank Bridge (1879–1941) Niederlande Bernard Zweers (1854–1924) Spanien Isaak Albéniz (1860–1909) Enrique Granados (1867–1916) Manuel de Falla (1876–1946) Ungarn Ferenc Erkel (1810–1893) Béla Bartók (1881–1945) Zoltán Kodály (1882–1967) Rumänien George Enescu (1881–1955) Italien Giuseppe Verdi (1803–1901) Gioachino Rossini (1792–1868) Griechenland Dionysios Lavrangas (1860–1941) Manolis Kalomiris (1883–1962) Kroatien Vatroslav Lisinski (1819–1854) Jakov Gotovac (1895–1982) Serbien Kornelije Stanković (1831–1865) Stevan Stojanović Mokranjac (1856–1914) Stevan Hristić (1885–1958) Türkei (siehe die Türkische Fünf) Ahmed Adnan Saygun (1907–1991) Cemal Reşit Rey (1904–1985) Ulvi Cemal Erkin (1906–1972) Ferid Alnar (1906–1978) Necil Kâzım Akses (1908–1999)

Einzelnachweise

Kategorie:Musik des 19. Jahrhunderts Kategorie:Organisation (Klassische Musik) Kategorie:Nationalismus