Die Liste der Kinos in Berlin-Charlottenburg gibt eine Übersicht aller Kinos, die im heutigen Berliner Ortsteil Charlottenburg existiert haben und noch existieren. __TOC__

Einleitung Die bis 1920 eigenständige Stadt und der (spätere) Bezirk Charlottenburg verfügte über zahlreiche Premierenkinos rund um Breitscheidplatz und Kurfürstendamm mit überregionaler Bedeutung sowie zahlreiche Bezirkskinos in den Wohnvierteln. Hinzu kamen mehrere Filmkunstkinos, dessen erstes die Filmbühne am Steinplatz war, die eine Antwort auf rein kommerziell ausgerichtete Programmauswahlen ist. Im Gefolge der 68er-Bewegung entstanden auch mehrere Off-Kinos (weg vom Kurfürstendamm) wie das Filmkunst 66, das Klick oder die Kurbel, die auch einem Kommerzialisierungsprozess unterworfen waren.

In der Zeit bis 1914 entstanden an den Hauptstraßen der Wohnviertel Kinematographentheater in Ladenlokalen oder Gewerbeetagen, aber auch erste speziell als Filmtheater errichtete Spielstätten wie das Kant-Kino, das bereits einen Rang besitzt. So eröffneten 1913 mit dem Tauentzienpalast (seit 1938 zu Schöneberg), dem Ufa-Palast am Zoo und dem Union-Palast (später Filmbühne Wien) die ersten großen Kinopaläste im Neuen Westen, wo das potenzielle Publikum für das neue Medium wohnte. Schon das 1911 eröffnete Prinzeß-Theater nahe dem Auguste-Viktoria-Platz zeigte mit seiner künstlerischen Ausgestaltung durch den Grafiker Lucian Bernhard die Möglichkeiten des Kinos als eigenständige Bauform. Weitere richtungweisende Bauten entstanden 1925 mit dem Capitol am Zoo von Hans Poelzig und dem Piccadilly von Fritz Wilms. Der 1926 eröffnete Gloria-Palast vertrat mit seinem neobarocken Stil eine weitaus konservativere Richtung und bot mit einem Fünf-Uhr-Tee in seinen Räumen das entsprechende Ambiente für ein zahlungskräftiges Publikum.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten ging der Premierenbetrieb weiter, neue große Häuser entstanden nicht mehr. Auch in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs und bei Bombenangriffen fanden weiter Vorführungen statt, für die Zuschauer waren Schutzräumen eingerichtet. Die alliierten Luftangriffe im November 1943 führten zur Zerstörung des Capitol, des Gloria- und des Ufa-Palastes. Noch am 30. Januar 1945 fand im Tauentzienpalast die Premiere des Durchhaltefilms Kolberg statt. Am 22. Januar 1945 feierte Solistin Anna Alt von Werner Klingler im Marmorhaus seine Premiere.

Nach Kriegsende nahmen im Sommer 1945 die unter Treuhandverwaltung stehenden Kinos der UFA den Betrieb wieder auf. Gezeigt wurden alte UFA-Produktionen und Filme aus alliierter Produktion. Die Besatzungsmächte unterstützten den Wiederaufbau und die Reparatur der zerstörten Kinos durch Materiallieferungen. Auf Initiative privater Betreiber oder Verleihfirmen der Besatzungsmächte entstanden der Filmpalast Berlin (1948), der Delphi Filmpalast (1949) und das Cinema Paris (1950). Welche Wichtigkeit die Alliierten den Kinos ab Beginn des Kalten Krieges den Kinos beimaßten, zeigt der Bau der Filmbühne am Steinplatz (1950), die die Britische Militärverwaltung gleich nach dem Wiederaufbau des Schillertheaters unterstützte; auch der Wiederaufbau des Maison de France gleich nach Beendigung der Berlin-Blockade gehört dazu. Das ehemalige Alhambra eröffnete nach einem Umbau als Bonbonniere bereits 1949 wieder, schloss aber 1952, um drei Häuser weiter 1954 unter gleichem Namen weiterzumachen.

Weitere Impulse lieferte die Berlinale, die 1951 im Titania-Palast stattfanden, 1952 ins Delphi und ins Capitol am Lehniner Platz verlegt wurden. Im Jahr 1953 folgte der neue Gloria-Palast nur wenige Meter vom alten Standort entfernt, dessen Namensgebung an die traditionelle Spielstätte anknüpfte. Der Neubau erfolgte auf Initiative der seit den 1920er Jahren im Wedding erfolgreichen Theaterbetriebe Thomas & Co mit dem Geschäftsführer Max Knapp zurück. Für einige Jahre war dieses Kino einer der Austragungsorte der Internationalen Filmfestspiele. Das von Gerhard Fritsche erbaute MGM-Theater setzte 1956 neue Akzente in der Kino-Architektur. Der ebenfalls von Fritsche entworfene Zoo Palast eröffnete 1957 und ist seitdem (mit Unterbrechungen) ebenfalls Austragungsort der Berlinale. Als letztes Großkino in der City West eröffnete 1965 der Royal Palast im gerade fertig gestellten Europa-Center. Weitere Spielstätten entstanden, aber nicht mehr als eigenständige Kinobauten, sondern als Einbauten in Einkaufspassagen, wie die Kinos im Ku'damm-Eck.

Dem allgemeinen Kinosterben wegen der Verbreitung des Fernsehens fielen ab den 1960er Jahren zunächst die Stadtteilkinos zum Opfer, aber auch Kurfürstendamm-Theater wie das MGM oder das Bio schlossen bis zu den 1980er Jahren. Als Reaktion darauf wurden die meisten Premierenkinos in Schachtelkinos umgewandelt. Auch Programmkinos wie das Studio (1990), Lupe 1 (1997) und Lupe 2 (1998) oder die Kurbel 2011 mussten schließen – unter erheblichem Publikumsprotest. Die am Potsdamer Platz nach 1990 neu entstandenen Spielstätten, wohin die Berlinale abwanderte, verstärkten die Tendenz zur Schließung der Kurfürstendamm-Kinos.

Im April 2017 existierten mit der Astor Filmlounge, dem Cinema Paris, dem Delphi, dem Filmkunst 66, dem Kant-Kino, dem Klick, und dem Zoo Palast noch 7 Kinos im Ortsteil Charlottenburg. Nach langer Vorbereitungszeit konnte die Yorck Kinogruppe Anfang September 2017 das Delphi Lux als neuen Kinostandort nahe dem Bahnhof Zoo in Betrieb nehmen.Das Delphi Lux öffnet nicht weit vom Zoo; in: Berliner Zeitung, 4. September 2017, S. 23.

Kinoliste

Name/Lage Adresse BestandBerliner Telefonbuch 1941, S. 448 (Buchstabe L: Lichtspieltheater) Beschreibung und ggf. Bild ABC-Kinos () Kurfürstendamm 210 1975–1993 140x140px|rechts|Filmplakat abc KINO 2 1979 Um 1975 eröffnete am Kurfürstendamm 210 das ABC-Club-Cinema, später ABC-Kinos 1+2, die als Pornokinos betrieben wurden. Bis 1993 waren die Kinos in Betrieb. 1992 warb das Kino mit: „Dieses Filmtheater mit Lustprogramm für Normalbürger bietet in den späten Abendstunden ein abwechslungsreiches schwules Filmprogramm. Der Eintrittspreis beträgt 15,- DM und beinhaltet 3 Getränke nach Wahl.“ In der Kantstraße 117 gab es mit dem Go Up ein ähnliches Kino. 140x140px|rechts|Kurfürstendamm 210 (Berlin-Charlottenburg) Das Gebäude neben dem Maison de France wurde 1968–1970 nach einem Entwurf des Architekten Heinz Kroh errichtet. Es ist ein gelistetes Baudenkmal. Das 1897 errichtete Haus auf diesem Grundstück wurde dafür abgerissen. Hier befand sich die legendäre Hongkong-Bar, die ab 1957 den Kurfürstendamm zum Treffpunkt von Stars und Sternchen machte. ABC-Lichtspiele () Tegeler Weg 97 1953–1965 Das Kino befand sich im Eckhaus Tegeler Weg 97/Bonhoefferufer. Kinoarchitektur in Berlin gibt für das Kino die Betriebsjahre 1953–1958 an, dies ist jedoch anzuzweifeln. Bis 1965 wird es im Branchentelefonbuch von Berlin erwähnt.Branchen-Fernsprechbuch. Ausgabe 1965–1966 S. 426 Lichtspieltheater Erst ab 1956 wird es mit der Übernahme durch Willi Kaiser im Kinoadressbuch vermerkt. AKI-Aktualitäten-Kino am Zoo () Joachimsthaler Straße 43–44 1952–1958 Das erste AKI-Aktualitätenkino bestand nur wenige Jahre vom 1. Oktober 1952 bis 1958. Errichtet wurde es vom Architekten Paul Schwebes auf einem freien Dreiecks-Grundstück an der Joachimsthaler Straße / Hardenbergstraße / Kantstraße, wo sich vor dem Zweiten Weltkrieg Gründerzeithäuser befanden. Im Aktualitätenkino lief dort von morgens 9 Uhr bis Mitternacht stundenweise das Programm, 112 Vorstellungen pro Woche bei nur einem Saal. Gezeigt wurde unter dem Motto „Eine Reise um die Welt in 50 Minuten“ ein Programm aus Wochenschauen, Sportberichten, Kulturfilmen und einem kurzen Unterhaltungs- oder farbigen Zeichentrickfilm. Beim Wiederaufbau des Zooviertels schloss das Kino 1958 und zog temporär – bis zur Eröffnung des Neubaus in der Hardenbergstraße – in die Tauentzienstraße 10 (ab 1959: TAKI) mit Härder als Theaterleiter. Im selben Jahr eröffnete auch in Neukölln ein AKI in einem ehemaligen Filmtheater. AKI-Aktualitäten-Kino am Zoo () Hardenbergstraße 27a 1960–1993 140x140px|rechts|im Hintergrund Aktualitäten-Kino Das neue AKI am Zoo in der Hardenbergstraße wurde schräg gegenüber von Bahnhof Zoo und Zoo Palast im Schimmelpfeng-Haus durch die Architektengruppe Paul Schwebes & Hans Schoszberger errichtet und 1960 eröffnet, ebenfalls mit Karl-Heinz Härder als Theaterleiter. Bis ca. 1982 wurde es als Aktualitätenkino geführt und danach in ein Sexkino Lux Intim umgewandelt, als welches es bis ca. 1993 bestand.Bis 1995 befand sich dort auch das Geschäft von Teppich Kibek. Danach wurden alle Gebäude abgerissen. Heute findet man dort das Zoofenster-Hochhaus mit dem Hotelkomplex Zoofenster, das von 2008 bis 2012 errichtet wurde. Akme-Lichtspiele(Korso-Lichtspielhaus, Kaiser-Kino) () Bismarckstraße 84 1915–1964 140px|rechts|Charlottenburg Bismarckstraße Kaisersäle 1914 Als Kaiser-Kino wurde das Korso-Lichtspielhaus 1918 im Haus Bismarckstraße 84 in Charlottenburg eingerichtet. Daneben befand sich zu dieser Zeit schon die Gastwirtschaft Kaiser-Säle.1934 forderte die Baupolizei den Einbau weiterer Ausgänge zum Kino. Die Betreiber einigten sich schließlich mit der Baupolizei auf den Einbau einer eisernen Steigleiter für den Vorführer vom zweiten Stock zum Dachgeschoss als Ausstieg sowie darauf, das Kassenhäuschen auf Rollen zu stellen. Im Krieg wurde das Kino schwer beschädigt und danach in Eigenleistung wieder aufgebaut und 1949 als AKME-Lichtspiele wieder eröffnet. Bis 1964 war das Kino in Betrieb und schloss dann. Heute befinden sich nur noch Ladengeschäfte im Erdgeschoss des Hauses.Alhambra(Bonbonniere, Emelka-Palast) () Kurfürstendamm 68 1921–1952 140px|rechts|Gedenktafel am Haus Kurfürstendamm 68 1921–1922 wurde am Kurfürstendamm 68 durch Max Bischoff und Fritz Wilms ein neues Wohn- und Geschäftshaus mit Kinotrakt im zweigeschossigen Mittelflügel errichtet, in dem am 23. Februar 1922 ein Filmtheater eröffneteEin Theater der Zeit Eröffnung der "Alhambra" in: Berliner Tageblatt 24. Februar 1922. (Bauherr: Czutzka & Co. G.m.b.H.) Die Stuckarbeiten erfolgten durch Friedrich August Kraus. Das Kino bestand als längsrechteckiger Zuschauerraum mit umlaufendem Rang und verfügte über 1014 Plätze (668 Parkett, 336 Rang). 1928–1929 erfolgte ein Umbau durch Siegfried Ittelson, die Bauleitung hatte Wilhelm Bischoff. Das Haus selbst wurde dabei zum Hotel Alhambra umgebaut. Es erhielt einen Vorbau mit hinterleuchteten Opalglaswänden und Schaukästen, darüber einen aus Luftbuchstaben gebildeten Namenszug. Danach gab es Umbauten durch Gustav Neustein sowie Werner Anke.Im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus zum Teil zerstört, so auch der Kinosaal. 1948–1949 erfolgte der Umbau des ehemaligen Foyers zum Kino „Bonbonniere“ mit 300 Plätzen durch H. Remmelmann und Fritz Gaulke. 1952 wurde das Kino geschlossen und das Haus nach Wiederaufbau als reines Hotel unter dem Namen Tusculum hergerichtet. Der Bonbonniere-Kinosaal erfuhr eine Zwischennutzung als Tanzbar Petit Palais, die von Gerhard Fritsche gestaltet wurde; danach als Speisesaal des Hotel Kurfürstendamm am Adenauerplatz (zuletzt Ausbildungszentrum für das Hotel- und Gaststättengewerbe). Ab 2009 stand das ehemalige Hotel leer und wird seit 2015 zum Bürohaus umgebaut.Im Alhambra fand am 17. September 1922 die Welturaufführung des ersten Tonfilms (Der Brandstifter) statt. Die Ingenieure Jo Benedict Engl, Joseph Massolle und Hans Vogt hatten dafür das Tri-Ergon-Verfahren-Lichttonverfahren in einem Berliner Studio entwickelt. Daran erinnert seit 1964 eine Gedenktafel am Haus. Amor-Lichtspiele(Dolly-Lichtspiele, Apollo-Lichtspiele)